HiFi Studio 8080 Stereo - ein Portrait

    Lange vor dem Erfolg der 92xx Receiver hatte Saba im Jahr 1971 schon einmal einen Receiver im Angebot, der in den Testberichten der HiFi-Zeitschriften beste Noten erhielt, das HiFi-Studio 8080 Stereo.

    Dieser Receiver, lieferbar in Schleiflack weiss und Nussbaum, fand sich alsbald in den Wohnzimmern vieler HiFi Freunde wieder, denen nicht nach High End oder Exotischem zumute war, die auf ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis Wert legten und die sich nicht daran störten, dass es sich um ein Gerät eines Deutschen Herstellers aus Deutscher Produktion handlte. Die Teens und Twens der 70er gehörten eher nicht zur Fangemeinde, da standen die Japaner höher im Kurs.

    Besonders der Verstärkerteil wurde seinerzeit gelobt, aber auch die Empfangsleistung war überdurchschnittlich.

    Grund genug, heute einmal zu fragen, was war eigentlich dran an diesem Gerät und vor allem, wie sah das Innenleben aus?

    Seit längerer Zeit habe ich so ein Gerät hier stehen, diese Woche habe ich es, ohne die Funktion zuvor zu testen, auseinander gebaut und gereinigt.

    Hier zunächst einige Bilder vom Innenaufbau:

    In der Totalen:




    Die HF / ZF-Sektion:




    Der Bereich "Zusatzverstärker", Filter, Phonovorverstärker, NV-Netzteil:




    Endstufennetzteil:




    Der Stereodecoder (spätere Varianten hatten hier eine integrierte Schaltung):




    Die Treiberplatine für beide Kanäle:




    Detailstudie - der Bereich um die Messbuchse:

    Achim
    So, jetzt sind die Bilder drin :)

    Die meiste Arbeit bisher war die Reinigung, da eine feine Staubschicht über Allem lag.

    Bei dieser Gelegenheit habe ich die meisten Bauteile neu ausgerichtet, es stand alles schief und krumm - eine Tradition, die Saba dann bis in die 80er fortgeführt hat.

    Man sieht sofort, dass zum Beispiel bei den Widerständen eine Vielzahl von Zulieferern beteiligt war. Teilweise sind es die mit der weissen Lackisolation über einem Draht, die man aus asiatischen Taschenradios dieser Zeit kennt.

    Zudem erkennt man im Detailbild das recht ungewöhnliche Layout mit Bauteilen in den verschiedensten Winkeln - nicht nur 90°.
    Das ist alles kein Ruhmesblatt, andere Hersteller hatten hier mehr Sorgfalt walten lassen. Bei den Japanern sah es damals allerdings wesentlich chaotischer aus, was sich allerdins bald änderte.

    Bei den Halbleitern merkt man den Einfluss des Mutterkonzerns GTE, es wurde wohl eingebaut, was innerhalb der Konzernstruktur verfügbar war.

    Zunächst wollte ich die Tantalkondensatoren ersetzen, es sind allerdings so viele, dass es sich lohnt, erst einmal abzuwarten.

    Zwei Selengleichrichter im Netzteil habe ich vorsorglich ersetzt.
    Weiterhin haben alle 5 Feinsicherungshalter die bekannte Krankheit, dass eine Haltefeder angebrochen ist. Sie müssen alle ersetzt werden.
    Was die Elektrolytkondensatoren angeht, sieht es gut aus: Frako, NSF, Siemens, Wima...
    Achim
    Hallo Achim,

    habe ich vor kurzem auch bei einem WEGA Verstärker gemacht.

    Aber da gab es ziemliche Schlieren und Dreckecken auf den Platinen, trotz längerer Einwirkzeit und stetigem kreisförmigen Behandeln mit einem harten, aber langborstigen schmalen Pinsel.

    So sauber wie Deine sind sie trotz Nachspülen nicht geworden.
    Gruß vom Bert
    Es kommt auch darauf an, um was für Schmutz es sich handelt und wie die Beschaffenheit der Oberfläche der Leiterplatte ist (Rückstände aus der Fertigung, Lackschichten...).

    Ich habe hier mehrere Durchgänge gemacht und die Wattetupfer nehmen jedesmal etwas vom Schmutz auf.
    Den Stereodecoder hätte ich gerne geultraschallt aber dann hätte ich all die Induktivitäten auslöten müssen.
    Achim
    Hallo Achim,
    ich bin Dir dankbar, daß Du das Thema zu diesem Gerät gestartet hast, denn
    genau dieses Studio 8080 hatte mich aus den gleichen Gründen auch interessiert, so daß ich mir vor Jahren mal eines ersteigert hatte. Leider mußte ich dann feststellen, daß das Gerät zwar sehr gut erhalten schien und der NF-Zweig lief, aber der Empfang und der Stereodecoder Probleme bereiteten.

    Nach Öffnen meines 8080 sah ich, daß jemand eine Spule des Ausgangsfilters im Decoder durch eine Drahtbrücke ersetzt hatte; die andere Spule war zwar vorhanden aber defekt (Wicklungsunterbrechung), dafür war dann am Tastensatz ein Kontaktpaar gebrückt, so daß trotzdem aus beiden Boxen etwas herauskam. Die Manipulation war mir vorher bereits akustisch aufgefallen - aber die Stelle zu finden, wo die Kanäle verbunden waren, war wegen des chaotischen Layouts dann doch nicht ganz einfach, zumal die Lötstelle exakt so aussah wie alle anderen auch.

    Verbliebene Probleme, deretwegen das Gerät hier noch nicht zu Ehren gekommen ist:
    - sehr mässiger Empfang (wie es heißt soll der eingebaute Tuner ja wirklich gut sein)
    - Stereodecoder liefert Stereo, aber mit mangelnder Filterfunktion am Ausgang

    Bin jetzt mal gespannt, was Du nach Inbetriebnahme berichten kannst !
    Eine Frage noch: wäre es Dir evtl. möglich, eine der Spulen im Decoder nachzumessen ? Es geht um die Schalenkernspulen am (auf Deinem Foto) oberen und unteren Platinenrand mit dem Aufdruck "Siemens-Logo", "N22", "100". Im Schaltplan sind sie bezeichnet mit L911 und L912. Zwar hatte ich mich schon einmal bemüht, genaueres über diese Teile herauszufinden, bin aber bislang nicht zum Ziel gekommen - auch aus Zeitmangel.
    Der Empfangteil benötigt womöglich etwas mehr Zuwendung, wobei mir noch gar nicht klar ist, ob ich das bewältigen kann; die Schaltung sieht doch recht anspruchsvoll aus und die Funktion des Zusatzverstärkers ist mir überhaupt nicht klar....

    Viele Grüße
    Eberhard
    Viele Grüße
    Eberhard
    Hallo Eberhard,

    ich denke, wenn diese Receiver sorgfältig revidiert bzw. repariert sind, sollten sie auch heute noch ausgezeichnete Leistungen bringen.

    Ich bin auch gespannt, was da noch auf mich zu kommt - aber die Fehler bei Deinem 8080 sollten sich auch beheben lassen!

    Leider haben wir im Downloadbereich nur das Schaltbild der Version mit integriertem Decoder. Vielleicht hat jemand hier die Unterlagen für die (ältere) Version mit diskretem Decoder und kann sie hochladen.

    Die Induktivitäten L 911 und L 912 sind wohl Bestandteile von Pi-Filtern sprich Tiefpässen und Bandsperren für 19 KHz bzw. 38 KHz. Da sollte sich die Induktivität ausrechnen lassen.

    Ich kenne die Geräte noch von damals, als sie neu waren und da liefen sie wirklich gut.
    Bei den Tantalperlen, manchen Trimmpotis und manchem Elko halte ich Ausfälle für gut möglich.
    Achim
    Den Decoderschaltplan müßte ich haben - nur etwas verräumt wegen der Renovierung. Werde ihn mal heraussuchen und hier einbringen bzw. zu den vorhandenen Unterlagen hochladen...

    Wegen der Tantal-C´s habe ich noch keine weitere Investigation gestartet, aber womöglich liegt der verzischelte Klang doch an Alterungsschäden dieser Teile ???

    Ein bisschen schade, daß das Gerät solche Probleme bereitet, aber da bin ich von meinen alten Grundigs (RT40, SV40 u.a.) sicher auch etwas verwöhnt. ;)

    Gruß Eberhard

    edit wg. Überschneidung: ja Dieter, der sieht auch in cremeweiß schmucke aus ! Verrätst Du uns noch, welche Teile bei Deinem Exemplar auszutauschen waren ?
    Viele Grüße
    Eberhard
    Ja - wir sollten die bekannten, typischerweise ausfallenden Bauteile hier sammeln.
    Die Selenbrücken und Sicherungshalter habe ich ja schon erwähnt.

    Bei den Tantalkondensatoren waren eigentlich nur ganz bestimmte Typen / Hersteller anfällig. Seinerzeit hatte ich einige Male weisse, die raschelnde Geräusche im betroffenen Kanal verursachten.
    Gute Tantalkondensatoren leben lange und haben ihre Vorteile.

    Bei den anderen Elkos werde ich einige Stichproben machen, erwarte aber eigentlich keine Ausfälle. Was man auf den Bildern so sieht, war eigentlich zuverlässig und Hitzebelastungen wie in späteren Geräten, gab es hier noch nicht.
    Achim
    Hallo Achim,

    da kommt mir trotz fehlender Zeit die Lust, hier parallel mitzumachen...
    Mein 8080 ist derzeit in die hintere Ecke des Regals verbannt, da er irgendwann anfing bei korrekt eingestelltem UKW Sender leicht zu brummen. Ganz merkwürdig. Bei anderen Tonquellen oder schlechter Sendereinstellung brummt es fast gar nicht.

    Vielleicht findet sich dann hier auch eine Abhilfe. Aber die nächsten 2 Wochen wird es wohl nix. Dann mach ich ihn aber endlich auf!

    Gruß, Gunnar
    Gruß, Gunnar
    Beim Öffnen des Gerätes purzelte mir eine der oberen Halteklammern (die rechte) für das Skalenglas entgegen. Sie war gebrochen und lässt sich nicht mehr festschrauben. Ich vermute, dass diese Klammern in vielen Saba Geräten dieser Zeit verwendet wurden. Dazu gehört noch eine Kunststoffzwischenlage.

    Hat jemand von Euch noch so ein Teil irgendwo oder vielleicht in einem Schlachtgerät / Chassis?

    Achim
    Heute war auch noch etwas Zeit, um die Routinearbeiten abzuschließen. Zunächst wurden die defekten Sicherungshalter (5 Stück) durch höherwertige ersetzt. Hier sieht man auch die ersetzten Brückengleichrichter.




    Es folgten die Einstellungen für die geregelten Versorgungsspannungen (33V, -12V, -24V) und nach einer Warmlaufphase der Abgleich der 0V an den Lautsprecherausgängen und der Ruheströme (40 mA). Es zeigte sich, dass ein stabiler Ruhestrom mit den alten Trimmern nicht mehr realisierbar war, es war nur noch ein sprunghaftes Verstellen möglich, das Zufallswerte hervorbrachte. Also Ersatz der beiden Trimmpotis (250 Ohm) und korrekter Abgleich.






    Dann erfolgte der Anschluss echter Lautsprecher. Das Gerät fiunktioniert auf Anhieb sehr gut. Was auffällt, ist eine mörderische Loudnesskorrektur speziell im Bassbereich, die den Betrieb von Lautsprechern mit höherem Wirkungsgrad im Linearbetrieb erzwingt. Hier ist eigentlich nur bei bassschwachen Lautsprechern mit lausigem Wirkungsgrad eine passende Korrektur zu erwarten.

    Weiterhin gibt es beim Schalten des Rumpelfilters pumpende und wummernde Geräusche, hier könnte ein Problem bei Kondensatoren in diesem Bereich vorliegen.

    Der Tastensatz hat keine Wackelkontakte, das Gerät stand vermutlich trocken und rauchfrei.

    Mal schauen, was der weitere Probelauf ergibt.

    Hier noch zwei Schnappschüsse von der Rückseite




    und von der Glimmlampe in der Erzeugung der Abstimmspannung (eine weitere Glimmlampe befindet sich übrigens zum Schutz vor Überspannungen im Antenneneingang).



    Es handelt sich um eine "ZZ1000"

    Achim
    Guten Abend, werte Anhänger meines liebsten Radioempfängers, des SABA 8080,

    Achim und alle anderen, Ihr macht mir eine große Freude, dieses Gerät einmal ausführlich vorzustellen. So weit ich mich erinnere, war es Anfang der 70er Jahre DAS Steuergerät, wenn

    - einem die Japaner und Amerikaner nicht gefielen
    - man sich nicht für die Grundig-RTVs entscheiden konnte
    - auf sehr gute UKW-Empfangsleistung Wert gelegt wurde
    - die Musik-/Sinusleistung von 2x40/2x30 ausreichte
    - das 8120 zu groß war (noch mehr Stationstasten, noch mehr Leistung)
    - man nichts gegen weißen Schleiflack oder Nußbaum hatte
    - einem die Braun Regie's zu teuer waren
    - man Platz im Schrank/Regal von 61 x 14 x 30 cm hatte

    um nur eingie der damaligen Entscheidungskriterien zu nennen. Es gab die Geräte meines Wissens mit dem Index F, G, H, welcher jeweils das Baujahr kennzeichnete.

    In meinem Fundus habe ich Schaltpläne, von denen ich aber mangels technischem Wissen nicht weiß, ob es die sind, die Achim sucht. Daher füge ich diesem Posting erst mal 1 Zeichnung bei mit der Bitte um Prüfung und Antwort.

    Wie ich vor ein paar Tagen im Biete/Suche-Bereich schrieb, habe ich je 1 Stück 8080 und 8120 als Ersatzteilspender zu verschenken (gegen Abholung oder im Großraum Köln/Bonn auch Bringen). Zustandsbeschreibung der beiden Geräte im Biete/Suche-Bereich.

    Und hier jetzt der Schaltplan:


    Viele Grüße Klaus

    edit: Ich sehe gerade, daß der Schaltplan eventuell etwas klein geraten ist. Können das die Admins vergrößern oder soll ich den Plan neu/größer einstellen? Danke für die Hilfe.
    Klaus
    Hallo Klaus,

    zunächst einmal vielen Dank fürs Raussuchen des Schaltbildes! Es scheint das richtige zu sein, da die Decoderschaltung diskret ist. Vielleicht kannst Du alle Seiten scannen und in den Downlodbereich hochladen.
    (Du kannst sie mir auch gerne mailen und ich lade sie dann hoch.)

    Der 8080 war damals ein wirklich respektables Gerät mit sehr gutem Ruf.
    Ich habe ihn seinerzeit bei mehreren Leuten bewundert, konnte ihn mir aber nicht leisten (war damals 10 Jahre).

    Als ich ihn jetzt nach vielen Jahren wieder von innen gesehen habe, war ich über den konstruktiven Aufbau, das Platinenlayout und die bestückten Bauteile etwas enttäuscht. Auch die Kunststoffront sieht man heute etwas distanzierter ;) Dennoch ist das Design sachlich und übersichtlich, keinesfalls überholt.

    Was die Verarbeitungsqualität, die verwendeten Teile und die Sorgfalt bei der Bestückung angeht, gebe ich zum Beispiel dem Grundig RT 100a (von 1970) ganz klar bessere Noten. Bei Saba hatte damals schon ein gewisses Geschludere Einzug gehalten, das leider bis zum bitteren Ende beibehalten wurde. Wie oben schon erwähnt jedoch wesentlich solider und ordentlicher als die Mehrzahl der Anbieter aus Japan zu dieser Zeit.

    Soviel dazu, aber bei einem Receiver kommt es letztlich auf die Leistung an. Ich vermute, der 8080 hat hier mehr zu bieten, als man vielleicht annimmt.

    Für seine Zeit war der 8080 mit reichlich Ausgangsleistung, vielfältigen Anschlussmöglichkeiten und einem Empfangsteil für alle Wellen ausgestattet. An einer gescheiten Antenne und mit guten Lautsprecherboxen ist der 8080 heute noch eine gute Wahl. Ausserdem hat er viele der späteren "Errungenschaften" wie Modulbauweise, Digitalanzeige, elektronische Umschaltung der Signalwege mit Tiptasten usw. noch nicht. All das kann auch nicht ausfallen und nicht stören.

    Irgendwann in den 80ern / 90ern ist der Markt auseinandergefallen in hochwertig verarbeitete teure High End Komponenten auf der einen und SCHROTT auf der anderen Seite.

    Der 8080 war ein Gerät, das zu einem vertretbaren Preis einwandfreie Leistung lieferte. Das gab es später immer weniger.
    Ich habe den 8080 jedenfalls immer geschätzt, damals ist er vielleicht manchmal etwas überschätzt worden, später und bis heute wird er aber sträflich unterschätzt!

    Sobald ich den tückischen Rumpelfehler (dazu morgen mehr) bei meinem Gerät gefunden habe, werde ich mir den Sound und die Empfangsleistung mal genauer anschauen.
    Achim