Pünktlich vor den Feiertagen...

      Das große Tagan Netzteil hatte ich eigentlich zu den Akten gelegt. Nach Ersatz der tauben Elkos, Nachloeten und Reinigen der Platine hatte ich alles ordentlich wieder eingebaut, beim Einschalten knallte es nicht ;)

      Nun habe ich mir den Luxus eines richtigen Funktionstests gegoennt und siehe da - es startet nicht. Primaere Gleichrichtung und aktive PFC arbeiten, keine der Sekundaerspannungen ist vorhanden und insbesondere fehlt die +5V Standby Spannung. Dann kann auch kein Start erfolgen.

      Der PWM-Controller, der primaer die Ansteuerung übernimmt, ist ein TL3842P von TI im 8-Pol DIL Gehaeuse.

      Er hat einen internen Widerstand VCC-> GND von knapp 100 Ohm. Das ist zu niedrig.

      Nach dem Ersatz des TL3842P



      funktioniert das Netzteil nun absolut einwandfrei.



      Und wieder ein Fall gelöst.
      Achim
      Obwohl gar keine Feiertage anstehen, hat es bei mir wieder einmal RRRUMMMMSSS gemacht.
      EIn 400W ATX Netzteil fiel im Betrieb mit lautem Knall aus.
      Eine nähere Inspektion zeigte, dass das Problem im Standbynetzteil liegt. Dieser Teil eines ATX Netzteils stellt unabhängig vom Einschaldzustand der angeschlossenen Hardware eine Spannung von 5V bereit, die für verschiedene Zwecke gebraucht wird.
      Es handelt sich bei diesem klassischen Halfbridge-Netzteil um ein OEM von Macron, das von vielen Anbietern vertrieben wurde: ATX9912P unter der Bezeichnung MPT-300, MPT-350P und MPT-400P vielfach anzutreffen.

      Das Standbynetzteil ist in klassischer Sperrwandlerschaltung mit einem eigenen Übertrager aufgebaut.
      Das Fehlerbild: Nach einigen Sekunden einwandfreien Betriebs explodiert der Treibertransistor Q1, der Schalttransistor Q2 überhitzt und fällt mit Unterbrechung aller Strecken aus, R11, R10, R12 verbrennen, ggf. werden auch D8 und ZD1 zerstört.

      Ich habe nun mehrfach sorgfältig die intensiven Schmauchspuren entfernt, alle Bauteile ersetzt, sogar die 3 Kerkos (1KV) und die beiden Folienkondensatoren.
      Das Schaltbild steht für dieses Modell glücklicherweise ausnahmsweise zur Verfügung. Dank dafür gebührt Andrea Ronesova, die die Schaltung nachvollzogen und nachgezeichnet hat:
      home.zcu.cz/~ronesova/index.php?menuitem=ptp2007

      Der Q2 ist laut Schaltbild ein 2SC3150, bei mir war ein KSC 5027 bestückt, ersetzt habe ich ihn mehrfach durch einen 2SC5027R von "isc".

      JEDES Mal läuft das NT nur ein paar Sekunden bis zu einer Minute, dann knallts, stinkt, die Transistorstücke fliegen durch die Luft, das Standbynetzteil arbeitet (natürlich) nicht mehr, das Hauptnetzteil arbeitet regulär weiter, es benötigt nach dem Anlauf keine Stb.-Stromversorgung mehr.

      So langsam nehme ich den Fehler persönlich.
      Hier ist die Schaltung:

      standbynt1.JPG

      C3 ist in Wirklichkeit ein Kerko mit 1nF 1kV. Einer mit 10nF wie im Schaltbild würde mechanisch gar nicht passen.
      Die Speisung der Schaltung erfolgt direkt aus dem Netzgleichrichter (+,-), über den Punkt "LX" wird 50Hz Netzfrequenz zugeführt, zum Starten vermute ich.

      Was bleibt hier noch als Ursache übrig?? Der Sperrwandlertrafo selbst? Der Optokoppler im Regelkreis? Taugt der 2SC von "isc" nichts?

      Den Sperrwndlerfrafo habe ich ausgebaut. Bislang hatte ich ihn nach dem Verbrennen und Explodieren der Bauiteile immer rundherum gereinigt, aber nicht die Unterseite. Der Trafo wird durch den Spulenkörper auf Abstand zur Platine gehalten, so dass verdampftes Metall und Schmauch sich auch auf der Unterseite an den Anschlüssen ablagern können.
      Tatsächlich sah es dort auch nicht ganz koscher aus:

      stbuebertr1.JPG

      Hinzu kommt, dass die Primärwicklung noch eine Anzapfung hat, deren Wicklungsanschlüsse an einen gekürzten Pin zwischen den Hauptsanschlüssen angelötet sind. So entstehen drei sehr dicht beieinander liegende Anschlüsse (ca. 2mm) an denen hohe Impulsspannungen herrschen. Da sind unter ungünstgen Bedingungen (Schmutz, Feuchte) leicht Überschläge möglich.
      Den Anzapfungsanschluss habe ich entfernt, die Drahtenden direkt zusammengelötet, isoliert und hochgebogen. Außerdem habe ich den Spulenkörper im gesamten Primäranschlussbereich gereinigt und ausgekratzt.

      stbuebertr2.JPG

      Das sieht schon weentlich besser aus, aber ob hier die Fehlerursache lag, ist unklar. Auch Überschläge im Inneren der Wicklungen sind denkbar. Im Moment habe ich keine Schalttransistoren mehr am Lager, werde aber einen Test machen, sobald sie eingetroffen sind.
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()

      Hallo Achim,

      zwei Möglichkeiten fallen mir ein:

      Der Freilaufzweig (D7) könnte unterbrochen oder hochohmig sein bzw. werden.

      R9 könnte beschädigt sein. "Normale" Widerstände vertragen oft nur 150 - 200 V, unabhängig von der tatsächlichen auftretenden Verlustleistung. (Grundig hatte mal ein Fernseher-Schaltnetzteil mit TDA 46xx, das bei allen Geräten nach wenigen Jahren explodierte. Und zwar wieder und wieder. Ursache war der 390K Vorwiderstand, an dem ca. 280V abfielen und der in spannungslosem Zustand messtechnisch einwandfrei war, aber im Betrieb nach ein paar Sekunden hochohmig wurde und die Zerstörung verursachte.)

      Gruß



      Rolf
      Hallo Rolf,

      ja die TDA46xx Netzteile waren häufige Werkstattgäste. Bei Grundig Chassis gab es einen kleinen blauen PTC, der fast immer ausfiel, bei Loewe wurden die kleinen Elkos in der Peripheriebeschaltung taub, man baute sie aus, die neuen ein und - krrawänggg!!! Der Bestückungsaufdruck hatte sie mit falscher Polung gekennzeichnet...

      Aber zurück zum vorliegenden Netzteil. R8 und R9 sind die einzigen Positionen, die mit 0,6W bestückt sind, der Rest ist 0,1 oder 0,125W.
      R8 und R9 habe ich schon durch neue 0,6W Metallfilmtypen ersetzt, da müsste alles o.k. sein. EIn Hochohmigwerden von R9 würde die 50 Hz aus der Netzleitung unterbrechen, das dürfte auch nicht zu einem Feuerwerk führen.
      D7 war nie defekt, ich habe sie dennoch ersetzt.
      C3 zur Begrenzung der Impulsspitze hat in vielen Schaltungen einen höheren Wert, hier war 1n bestückt - ich kenne ja die Frequenz nicht, wahrscheinlich reicht die Kapazität. Im Schaltbild ist aber der zehnfache Wert...

      Diese Netzteile waren sehr verbreitet und ausgesprochen zuverlässig und betriebssicher, nur die mit Billigelkos bestückten Serien fielen aus. Die Elkos bei diesem Examplar hier habe ich aber letztes Jahr komplett erneuert.
      Der Q3 ist ein 800V Typ und wird hier wohl auch damit arbeiten müssen. Ich habe nun 2SC3150 von MOSPEC bestellt. Sollten die ISC schwachbrüstig sein, oder gefälscht, müsste der neue Typ halten.

      Im Netz liest man zu "ISC" "Komplimente" wie
      "ISC = cheap Chinese copies that are nowhere near as good as the originals."
      Wenn das am Ende der Grund war, bekäme ich aber richtig schlechte Laune!

      Die zweite These - wenn es bei der Primärwicklung Überschläge vom Anfang / Ende zur Anzapfung gab, halbiert / verringert sich die Induktivität drastisch, was den Transistor Q3 natürlich stresst.

      Hier noch ein Übersichtsfoto des relevanten Platinenbereichs:

      stby_nt_bestueckung.JPG

      In der Kollektorleitung des Schalttransistors Q3 liegt übrigens noch ein 2,2 Ohm MOX Widerstand. Er schaltet bei Feuerwerk jeweils sauber ab, so dass die Netzeingangssicherung (F8A) nicht auslöst und daher läuft das Hauptnetzteil dann auch weiter.
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()

      Auf Hochohmigkeit des Freilauf hätte ich auch zuerst getippt. Hatte ich bei einem privaten Grundig-Fernseher mal und es hat mich zu einer Wutmessung geführt.
      Alles abgelötet und alle Bauteile intensiv durchgemessen. Ergebnis - R= 390k hatte ca. 50M, von außen sah er gut aus. Das zuvor immer sofort auftretende Sterben des Power-Transistors hörte prompt auf und die Kiste sprang wieder normal an.

      Da ich den Widerstand gleich durch einen Kohlemasse-Widerstand (wie in der Röhrenzeit) ersetzte hielt er dann ewig. Kohlemasse-R können eine sehr hohe Impulslast anstandslos verkraften.
      Metallfilm knackt schnell weg, Kohleschicht ist besser, Kohlemasse ist noch viel besser dafür. Gab es zu der Zeit um 1980 herum sogar noch neu bei Siemens.
      Gruß Jogi
      -------------
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      [frei nach W. Reus]
      Den 100K habe ich nochmals überprüft - tiptop in Schuss. Aber ich hatte noch eine größere Bauform als Kohleschicht, er passt mechanisch gerade so in die Position, der ist jetzt eingebaut.

      Mein Verdacht ist, dass entweder tatsächllch Überschläge am Übertrager aufgetreten sind, oder dass die Chinamänner im 2SC5027 eiskalt einen BC546 - oder noch sparsamer - eingebaut haben. DIe habe ich seinerzeit bei einem Ebay Händler bezogen, nicht über die Distribution. Das Fälschungsrisiko ist also noch höher.
      Achim
      Moin Achim,
      alles ist möglich bei den Chinamen, auch kleinel Hund in Flühlingslolle ;)

      Aber so eine Übersprungshandlung am Übertrager ist wohl auch nicht so selten. Ich hatte mal ein Netzteil da das wollte sporadisch nicht starten, irgendwann krachte es und hob den Wandler-Transistor ins kp, der Trafo sah dann so aus wie deiner.
      Rekonstruiert hatte sich durch die Last vieler Betriebsstunden der Übertrager primär aus einer seiner Lötaugen gelockert, die Dinger schwingen ja u.U. auch ganz übel mechanisch, es gab Überschläge und Funkenstrecken die der Transistor nicht gebrauchen konnte.
      Abhilfe brachte in dem Fall Tausch von ca. der Hälfte der Leistungsbauteile - welches war noch zuverlässig und welches schon angeknackst? - bombensicheres Neuverlöten mit Stützdrähten am Übertrager, anschließendes Eingießen gegen mech. Schwingungen und Überschläge.
      Netzteil lief dann besser als neu und wollte nie mehr sterben.

      War keine Kundenangelegenheit - Kunden-Schaltnetzteil immer Ex und Hopp! wg. VDE und auch weil soviel Gebastel nicht wirtschaftlich ist.
      Gruß Jogi
      -------------
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      Hallo Jogi und Mitleser,

      kleinel Hund wilklich dlingewesen!

      Heute fand ich im Keller noch ein altes Casing Macron Netzteil "aus der Zeit" mit 300W - aber der Standbyteil ist ja derselbe.
      Dort habe ich den Schalttransistor 2SC5027 ausgebaut, das war original ein "Fairchild".
      Mit diesem Exemplar läuft das Netzteil wieder wie eine Eins. Kein Feuerwerk, keine Überhitzung - alles astrein.

      Im "ISC" ist vielleicht ein BF199 versteckt? Heute wurden die von mir bestellten 2SC3150 (MOSPEC) geliefert - auch von "ISC". Ich habe sie gleich wieder zurückgeschickt. Man sah unter dem Mikroskop schon, dass sie aus derselben Fertigung wie die 5027 stammen, nur mit anderem Aufdruck.

      Mir reicht es langsam mit den ständigen FAKE-Transistoren aus China. Sie halten nicht im Entferntesten die Werte der Spezifikation aus.
      Der FAKE-Zirkus kostet jede Menge Zeit, Nerven und Geld, ja er kann ganze Geräte irreversibel schädigen.
      Merke: Vorsicht bei ISC Transistoren für hohe Spannungen!

      Dann habe ich aus dem Schlachtnetzteil noch den Übertrager transplantiert, so dass das 400W Exemplar wieder wie neu ist:

      macron_stby_final.JPG

      Wenn ich mal Langweile habe kann ich dann den Feuerwerkstrafo im kleinen Netzteil testen.
      Achim

      nightbear schrieb:

      Mir reicht es langsam mit den ständigen FAKE-Transistoren aus China.
      Hallo Achim,

      es geht ja nicht nur um Transistoren, wir kennen ja alle die stories bzgl. der gelben China-Kondensatoren. Der Leiter des Radiostammtisch Niederrhein kann davon ein Lied singen.
      Letztes Beispiel aus dem Schlitzaugenland: Mein Schwiegersohn hat für ein Zeitungsabo einen Akkustaubsauger bekommen. Beim ersten Reinigungsversuch die Überraschung: das Gerät blies anstatt zu saugen !!
      Wir haben das Ding geöffnet, der (Mini)ventilator war entweder falsch herum auf die Motorwelle gesteckt oder der Akku falsch gepolt. Coole QS !!

      Gruß, Dieter
      Hallo Dieter,

      das ist ja jetzt allein von mir hier im Forum schon mindestens der dritte Fall von China-FAKE. Bei der Braun-Endstufe von Jörg (AD149 mit Siliziumfüllung), bei meinem eigenen Philips Matchline TV die Hor.-Endstufe und nun hier der Schalttransistor.
      Die Kerle drucken auf die Halbleiter, WAS sie wollen und drinnen steckt irgendwas billiges.

      Dasselbe bei den Kondensatoren, die sich auch nicht einem konkreten Hersteller zuordnen lassen.

      In allen Fällen geht des Desaster in in dem Moment los, wo man die Teile tatsächlich im oberen Bereich der Nenndaten betreibt.
      Der Transistor hier läuft als Längstransistor in einem 12V Netzteil vielleicht klaglos - aber es ist ein Typ für 850 / 1000V.
      Die gelben Kondensatoren bleiben bei 100V DC wahrscheinlich unauffällig. Aber dafür haben wir sie eben nicht gekauft.
      Man muss erwarten können, dass man bis an die Grenzen der Maximalwerte gehen kann, ja dass darüber sogar noch eine kleine Reserve ist.

      In Amerika sind sogar über die offiziellen Vertriebe schon FAKE Transistoren aufgetaucht. Es gibt reichlich Webseiten dazu. Alles Betrug, Geldschneiderei und Abzocke - und dazu noch gefährlich.
      Achim
      Das ist das Ploblem mit Chinaman, entwedel es geben "Kleinel Hund" odel es geben "gloße Latte" 8o
      Gruß Jogi
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      [frei nach W. Reus]

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Jogi“ ()

      Vor kurzem habe ich mir einen Röhrenverstärker "made in Cina" gekauft, sämtliche Kondensatoren waren gefaked (Vishay mit verwischtem Aufdruck, abweichendem Schriftbild und Abmessungen, die nicht den Herstellerangaben entsprechen, Panasonic das selbe Vorgehen) und wurden gegen Originale aus verlässlicher Quelle ersetzt, die 2W-Widerstände wiesen z.T. Farbringkodierungen auf, die keiner Normreihe entsprachen und vollkommen von den Messwerten abwichen und wurden daraufhin ebenfalls ersetzt
      Jörg - wenn ich Benz fahren will, geh ich arbeiten

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „8100“ ()

      Ich bin ja der Meinung, die Chinesen können gute, sehr gute und Spitzenqualität produzieren, wenn sie wollen oder müssen.
      Schließlich wird Hardware für fast alle Top-Marken mittlerweile in China und mit chinesischen Bauteilen als OEM gefertigt.
      Wenn dabei so eine Schluderei herrschen würde, gäbe es täglich Rückrufaktionen, Konventionalstrafen, die Produktion würde dann nach Taiwan oder andere Länder Asiens verlagert. Aber sehr viele Produkte, die dann unter bekannten Marken vertrieben werden, sind völlig einwandfrei.

      Aber offenbar gibt es in China eine Reihe von skrupellosen Glücksrittern, wie man es aus der Markenpiraterie schon kennt, die einen schnellen Dollar / Yuan machen, indem sie gutgläubigen Amerikanern und Europäern gefakte minderwertige Teile verkaufen. Ganz groß im Geschäft ist man bei Notebook- Kamera- und Handyakkus und eben bei Bauteilen wie Transistoren oder integrierten Schaltungen.
      Da sind größtes Misstrauen und Vorsicht angebracht.
      Achim
      Das Problem ist imho nicht das Nichtkönnen, sondern die Gewinnsucht.
      Mit den gleichen Maschinen und Mitteln mit denen man zu erschreckend geringen Kosten brauchbare Waren herstellen kann, kann man eben für noch viel erschreckender weniger Kosten Neumüll herstellen. Und Abwasser anstelle hochwertiger Elektrolyte in Elkos scheint ja für eine Zeit die ausreichend lang ist die Gewährleistung zu überstehen auch zu funktionieren.

      Bei der Recherche nach einem Smartphone-Display kam zutage das das hier für weit über 100€ zu beziehende Ersatzteil in einem Hinterhof in China von sieben bis vierzehnjährigen Mädchen zu unzumutbaren Tageszeiten unter sklavenähnlichen Bedingungen mit Schlägen, Tritten und wenig Essen und Trinken, es gab ja auch eh keine Pausen, für weniger als 10€ pro Stk. zusammengekloppt wurde.
      Gruß Jogi
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      [frei nach W. Reus]
      Inzwischen habe ich feststellen müssen, dass die Transistoren vom Typ 2SC5027, 2SC3150 und 2SC5353 (alle in etwa vergleichbar) heute, obwohl sie erst ein paar Jahre alt sind, praktisch nicht mehr als Markenhalbleiter erhältlich sind.
      Alle Händler, die sie anbieten, lassen sich letztlich auf dieselben Quellen in China zurückführen. Ob man verwendungsfähige Exemplare geliefert bekommt, ist völlig unklar, ja unwahrscheinlich. Eine Rücksendung lohnt sich nicht.
      Wirtschaftlich betrachtet, muss man sich so ein Netzteil für 1,50 bei Ebay kaufen, den 2SC auslöten und das verbleibende komplette Netzteil wegwerfen.
      Das ist natürlich nicht wirklich nachhaltig und auch aus Sicht eines Technikers absolut unbefriedigend.
      Ich habe jetzt (und das ist ökonomisch nicht zu rechtfertigen) ein Exemplar in England bestellt, das laut Angebotstext von Fairchild ist.
      Der Aufdruck kann gefaked sein, aber mit dem Lieferanten habe ich positive Erfahrungen bei alten Halbleitern gemacht - ich lasse mich überraschen.
      Achim
      Lieber Achim!

      Schaue mal hier:
      http://www.segor.de/#Q=2SC5027&M=1
      Wenn die schreiben, der 2SC5027 ist von Toshiba, kann man sich auf die Angabe verlassen.
      Segor hat mir noch nie Plagiate untergejubelt.
      Seit fast 30 Jahren kaufe ich dort, Ladenlokal nicht weit von meinem alten Wohnsitz.
      Du kennst ja mein Problem, wenn ich HF-Halbleiter benötige.
      Da erwischt man bei anderen Anbietern schnell mal Schund, bei Segor nicht.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Lieber Andreas,

      Danke für den Tip! Ich gehe auch davon aus, dass der angebotene Toshiba original ist, aber es gibt ulkigerweise (mindestens) zwei ganz unterschiedliche Varianten des 2SC5027 unter genau derselben Typenbezeichnung.
      Die erste und ältere - und die ist hier bei Segor im Angebot - war als RGB Endstufe und Treiber in der Hor.-Ablenkung bei Fernsehgeräten gedacht, hat keine Lasche zum Festschrauben und vergleichweise wesentlich geringere Vce und Vcb Grenzwerte (um die 300V). Diese Variante ist übrigens auch im RM-org gelistet.
      Die neuere Variante mit Kühlflansch kommt vornehmlich als Schalttransistor in SMPS zum Einsatz und ist für wesentlich höhere Spannungen ausgelegt (Vce Vcb um die 850V). Auch ist sie für eine wesentlich höhere Verlustleistung ausgelegt (50 vs. 1,3W). Diese Version wurde hauptsächlich von Fairchild angeboten.

      Hier die beiden Datenblätter:

      C5027tosh.JPG

      C5027fair.JPG
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()

      Hallo Achim,

      genau das ist mir in letzter Zeit auch untergekommen. Typbezeichnungen werden offensichtlich irgendwann "neu" vergeben. Vielleicht haben die Chinesen einfach neue Bauform mit alten Spezifikationen gemischt und sind sich keiner Schuld bewusst.

      Man muss einfach sehr genau hinschauen. Meine Lieblingsersatztransistoren BD911/912 von STM gibt es jetzt bei Reichelt für nur 40 Cent. Aufgrund des niedrigen Preises misstrauisch geworden, habe ich die Datenblätter aufgerufen. Und siehe da, man hat die Wahl zwischen Pest und Cholera. Lieferant ist entweder CDIL (Indien) oder ISC (China). STM gibt es nicht mehr.

      Meine Lieblingsalternative BD249/250 kommt bei Reichelt jetzt auch von ISC.

      Es bleibt nur noch Marke zu kaufen, aber das gibt es dann nicht für 40 Cent.

      Es gibt beispielsweise ein schönes komplementäres Paar von ON-Semi bei Reichelt (MJL3281A (NPN) und MJL1302A (PNP)) mit 260V, 200W und 15A, dafür sind aber 6,50€ fällig. Ideal für Endstufenreparaturen. Berücksichtigt man den Zeitaufwand für Reparaturen, sollte es eigentlich keine Frage sein, wofür man sich entscheidet.

      Gruß

      Rolf

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „KOR“ ()

      Hallo Rolf,

      in Zukunft werden diese Herausforderungen sicher noch wachsen.
      Schade nur immer um die Zeit, die Nerven und das Lehrgeld.

      Ich hatte nun ein paar 2SC5027 in England bestellt, ausdrücklich als original FAIRCHILD angeboten und entsprechend teuer. Der Anbieter hatte in der Vergangenheit mehrfach einwandfreie Ware bei Alt-Halbleitern geliefert.
      Heute kam die Sendung endlich an. Man errät es schon: Wieder wurde "ISC" Abfall geliefert. Die brauche ich gar nicht einbauen, Feuerwerk war an Silvester genug.
      Nun heißt es weitersuchen - die Jagd nach dem heiligen Gral geht weiter.

      Update: Inzwischen habe ich in den USA original Sanyo 2SC3150 (mit Originalfoto etc.) bestellt. Ich lasse mich überraschen, was jetzt geliefert wird.
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()

      So, diese Baustelle konnte heute abgeschlossen werden. Von einem US-Distributor bekam ich tatsächlich wie bestellt 2 Stück 2SC3150 original von SANYO:

      2sc3150.JPG

      Einer davon wurde mit neuer Isolierscheibe und neuem Isoliernippel eingebaut, alles wieder zusammengebaut und nun ist auch dieses Netzteil wieder fit.

      macron350det.JPG

      2sc3150eing.JPG

      Aus kaufmännischer Sicht darf man über die ganze Aktion keine Sekunde nachdenken, aber 95% der sinnlos aufgewendeten Resssourcen waren die Folge unseriösen Gebarens gewissenloser Händler.
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()