Pünktlich vor den Feiertagen...

      Heute kam ich nichts ahnend nach Hause, um festzustellen, dass mein Mailserver nicht läuft. Einfach ausgegangen, trotz unterbrechungsfreier Stromversorgung.

      Wird wohl das Netzteil sein, war der erste Gedanke. Ein Ausbau und das Zerlegen des Netzteils - ein "Be Quiet Dark Power Pro 430W" bestätigt den Verdacht. Unter der Platine ist als Isolation der Printseite gegen Masse ein Kunststoffformteil eingelegt, auf dem sich "Schmauchspuren" finden.



      Die entsprechende Stelle auf der Platine sieht nun so aus:



      Links oben die Lötstelle weist einen kleinen runden Brandfleck auf, im größeren Kreis sieht man, dass R333 durch einen Überschlag teilweise verbrannt bzw. weggesprengt wurde.
      Unter der Platine fanden sich Staubflocken, die in dem engen Zwischenraum meine regelmäßigen Reinigungen mit Druckluft überstanden hatten. Es muss zwischen zwei Punkten einen Spannungsüberschlag gegeben haben.
      Kann jemand den Wert von R333 erkennen?
      Als nächstes folgen Messungen der Bauteile in der Umgebung.
      Achim
      Das Problem geht leider tiefer, als ich angenommen hatte.
      Ausgangspunkt ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Ladeelko der Primärseite, ein 220µF 400V 85°(!) von "SAMSON".

      Er hat Kapazitätsverlust. Von wegen "Quality Control O.K.".



      Das hatte fatale Folgen für den Transistor der Ansteuerung der Primärwicklung:



      D301, D302 haben Kurzschluss...

      Sieht leider so aus, als sei dies keine Reparatur, die ich während "Heute in 100 Sekunden" erledigen kann, der Einbau eines Ersatznetzteils für die Zwischenzeit scheint angebracht zu sein.

      Das vom Transistor abgesprengte Teil ist auch aufgetaucht:

      Achim
      Hallo Gunnar,

      dabei muss man wissen, dass dieser Hersteller deftige Preise aufruft. Früher hörte man, die Bauteile in diesen Netzteilen seien besonders belastbar und hochwertig, damit die Betriebssicherheit und Haltbarkeit trotz der geringen Lüfterdrehzahl (silent Netzteil) erreicht wird.
      Dann darf man eigentlich keine Samson 85° in total beengten Verhältnissen einbauen.
      Die Netzteile haben eine Epoxy Platine und sind relativ aufwändig gebaut.



      Aber sekundär habe ich auch schon einen "CapXon" gefunden, der ein Problem hat.



      Das sieht alles sehr unerfreulich aus.
      Achim
      Daran wird man sich wohl zukünftig gewöhnen müssen, die Aufkleber haben scheinbar nur noch Alibifunktion. Fast gänzlich alle Schaltnetzteile der Monitore oder Satempfänger, die ich in den letzten Jahren auf den Tisch bekam, haben Ausfälle mit dem gleichen Bild gezeigt, sekundärseitig aufgeplatzte Elkos und die oberflächenmontierten Bauteile lieben Staubbrücken und Feuchtigkeit.

      --Hans--
      Ich blase diese Netzteile regelmäßig und gründlich mit Druckluft (Kontakt 67 Hochdruck) durch. Der Innenraum des Netzteilgehäuses und die Kühlkörper werden dabei auch passabel gereinigt. Aber in die ca. 5mm hohe flache Ebene zwischen Grundplatine und Gehäuse kommt man so nicht - und dort sammeln sich die Staubflocken. Und eines Tages, bei höherer Luftfeuchtigkeit oder weil die Spannung infolge von Defekten ansteigt, kommt es zu Überschlägen.

      Hier ist nun vermutlich eine wirtschaftliche Reparatur nicht möglich. Die Beschaffung der wenig gebräuchlichen Halbleiter und die Preise für qualitativ einwandfreie Elkos übersteigen schnell die 40 - 50 € für ein neues Netzteil.
      Schade eigentlich, wenn man bedenkt, wie viel Metall, wie viel Kupfer, wie viele Aluminiumkühlkörper, Übertrager, Drosselspulen und Lüfter in so einem Netzteil stecken.
      Achim
      Immerhin hat das Netzteil seit 2007 im Dauerbetrieb durchgehalten, aber der Hersteller begrenzt natürlich die Lebensdauer, baut Notbremsen für eine allzu zügellose Lebensdauer ein: Ein "CapXon" direkt am heißen Kühlkörper hier, ein "SAMSON", der nur 85° kann, rundum eingepackt dort.

      Die Halbleiter (Power MOSFET) IRFP450A (Vishay) und 11N80C3 (Infineon) sind noch relativ gut erhältlich.
      Wenn sich die Daten von R333, D301 und D302 ermitteln ließen, könnte man eine Reparatur angehen. Die Elkos in der Primärsektion müsste alle erneuert werden, in der Sekundärspannungserzeugung zumindest teilweise.
      (Inzwischen habe ich dem Server provisorisch ein anderes Netzteil spendiert. Ein Mailserver darf schließlich nicht länger als 24h offline sein.)

      CapXon Elkos haben auch den Spitznamen CrapXon.

      Zu "SAMSON" finde ich im Netz nichts - das muss schon ein absolut obskurer Hersteller sein. Wahrscheinlich soll "SAMSON" nach "SAMXON" klingen, das ist nämlich ein renommierter Hersteller.

      Alles Fake, alles Counterfeit, alles Betrug, alles die dunkle Seite Chinas...
      Achim
      Willst Du wirklich reparieren?

      R333 könnte den Schriftzug 39R0 tragen.
      Wie komme ich darauf?
      Bei der ersten Ziffer kann man 1, 4, 6, 7 ausschließen, sieht am ehesten nach 3 oder 8 aus.
      Bei der zweiten Ziffer kann man nicht nur 1, 4, 6, 7 ausschließen, sondern auch die 2.
      Sinnvoller Normwert, wenn R und 0 richtig sind, ist dann 39 Ω bei E12 oder höher.
      Zum Vergleich würden mich Widerstände (Bilder) mit den nicht auszuschließenden Ziffern interessieren, speziell 3, 8 und 9.

      Andreas, DL2JAS
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Hallo Andreas,

      Bilder von der weiteren Umgebung liefere ich nach. Vielleicht lässt sich der Wert ja doch herausfinden. Sonst braucht man ein Schaltbild, da könnte ich nur im "badcaps.net" Forum fragen.

      Hallo Rolf,

      der Server wurde im Frühjahr 2005 assembliert, schon mit einem Be Quiet Netzteil. Die hatten damals irgendwann eine Phase, wo viele Netzteile spontan ausfielen, auch das Netzteil in diesem Server war betroffen und wurde im Rahmen der Garantie (innerhalb 24h) durch vor Ort Austausch ersetzt. Ob es 2007 oder vielleicht 2008 (9?) war, kann ich spontan nicht genau sagen, da müsste ich in den alten RMAs suchen. Ich habe dann zu Gunsten des Angeklagten 2007 angenommen. ;)
      Die Maschine läuft 24/7 abgesehen von Zeiten für Wartungsarbeiten (etwa 2 bis drei mal im Jahr) oder Neustarts.

      Ich verbaue Be Quiet Netzteile auch sehr häufig, bei Desktopsystemen fast ausschließlich (heute meist die Serie "System Power"). Bei Servern verwende ich bei renommierten Gehäuseherstellern wie Antec, Intel, Supermicro in der Regel das mitgelieferte Netzteil. Da gibt es viele, die schon über 10 Jahre laufen - regelmäßig gewartet versteht sich und auf ausdrücklichen Wunsch der Kunden, denn ich empfehle den Ersatz von Serverhardware bereits früher.

      Hier handelt es sich nun um eine meiner eigenen Maschinen. Das muss man betonen, da es a b s o l u t Tabu ist, bei einem Kundensystem das Netzteil zu reparieren. Wenn da später ein Problem auftritt, wäre ich der böse Mann - und das vollkommen zu Recht! Daher wird bei Kunden beim kleinsten Anlass ersetzt, teils routinemäßig.

      Zum vorliegenden Netzteil muss man anmerken, dass es für ein Modell der 400W Klasse sehr aufwändig gebaut ist. Große Aluminiumkühlkörper, Markenhalbleiter, eine aktive PFC bei einem Nennspannungsbereich von 100-250V und die auffallend umfangreiche Schaltung mit einer hohen Bauteilanzahl und Steckkontakte an den Ausgängen sind in dieser Klasse gar nicht selbstverständlich.

      Der oben schon identifizierte "CapXon", Nennwert 2200µ 10V hat heute noch 26µF und einen ESR von 29 Ohm.



      In der Sekundärspannungserzeugung sind solche Werte am Ende eine Gefahr für das Mainboard und die Bauteile darauf. Da drohen schnell teure Folgeschäden.

      Die übrigen Elkos in der Sekundärspannungserzeugung sind von "TK" (Toshin Kogyo), ein Hersteller aus Japan, der keinen guten Ruf hat.
      Bislang habe ich 4 Stück getestet, kein Totalausfall, aber alle 10 - 20% unter Nennwert.
      Achim
      Hallo Achim,

      CapXon ja, das wundert nicht, eine der ELKO-Marken, die häufig durch Ausfall mit "dicken Backen" auffallen. Aber leider nicht die einzige.

      Schade, dass ein so hochwertig aufgebautes Schaltnetzteil durch minderwertige Bauteile abgewertet wurde.

      Elkos mit 10-20% unter Nennwert ist heute (leider) bei sehr vielen Herstellern schon bei Neuware üblich. Das heisst bei Dir also nicht notwendigerweise, dass diese Elkos schon schlecht sind. Aber wenn man schon mal dabei ist....

      Die Frage ist nur, ob es mit dem Ersatz der von Dir gefundenen Bauteile getan ist. Wenn da noch IC's verbaut sind....? Aber einen Versuch wäre es vielleicht doch wert.

      Kosten, ca.:
      IRFP450A ca. 12,- € (in der Bucht, Vishay, einschl. Versand)
      11N80C3 ca. 6 € (Bucht, einschl. Versand)
      Elko 220µ/400V 3,60 € (Europe-Chemicon, Reichelt)
      Elko 105°, 2200µ/25V 0,95 € (Panasonic FC, Reichelt)

      Dioden bzw. Doppeldioden sind nicht so teuer (wenn Du mir sagst, was Du brauchst, schaue ich auch gerne in meine Netzteil-Grabbelkiste, die obigen teile habe ich aber leider nicht.)

      Alles in allem, solltest Du dann mit 20 € hinkommen.


      Gruss,
      Reinhard
      Hallo Reinhard,

      abgewertet - genau so ist es. Außen wird das Gehäuse schwarz verchromt und auf Hochglanz gebracht und innen sitzen die CapXon und SAMSON Krüppel.

      Es gibt nur eine integrierte Schaltung für die Primäransteuerung und noch SMD ICs für die Lüftersteuerung. Das wäre alles nicht so wild.
      Allerdings ist die Lötseite umfangreich SMD bestückt, lässt auf eine weitläufige Schaltung schließen und man weiß nicht, wo durch die Überschläge und Kurzschlüsse Kollateralschäden entstanden sind.
      Hier die Printseite:



      Die Primärseite ist jetzt von SAMSONs befreit.



      Wenn man hier die Reparatur angeht, ist klar, dass der Ausgang ungewiss ist, insbesondere, solange kein Schaltbild zu beschaffen ist.
      Achim
      Hallo Achim,

      beim Schaltbild sehe ich schwarz.

      Kostenrisiko wäre max. 20 €, habe ich oben nachgetragen (wenn Du beim grossen R noch andere Sachen mitbestellst, die Du sowieso gelegentlich brauchst, fällt die Versandpauschale von 6 € dabei nicht ins Gewicht).

      Dioden: Welche brauchst Du? Da kann ich Dir vielleicht ohne Kosten helfen.

      Gruss,
      Reinhard
      Hallo Achim,

      Danke für die ausführliche Antwort.

      Ich meine die MTBF für diese Netzteile wäre 100.000 h bei 25°C gewesen. Da die Luft aus dem PC zum Kühlen verwendet wird dürften es aber eher 35°C oder mehr gewesen sein. Berücksichtigt man die übliche Reduzierung der Lebensdauer bei steigender Temperatur, haben die Kollegen aus Fernost es mit 50.000h tatsächlicher Lebensdauer eigentlich gut hin bekommen.

      Bei Netzteilen im Dauerbetrieb müsste nach 5 Jahren eigentlich ein Inspektionstermin angesagt sein, mit Elkowechsel und Staubbefreiung.

      Neuerdings gibt es Netzteile mit 300.000h MTBF, die aber deutlich teurer sind, wahrscheinlich stecken da dann auch höherwertige Teile drin.

      Gruß

      Rolf
      Hallo Reinhard,

      die Gleichrichterdioden (sekundär, Schottky) sind in Ordnung. Es geht noch um die auf dem Foto in Post 000 zu erkennenden beiden SMD Dioden in der Beschaltung des einen MOSFET. Keine Ahnung, was da verbaut ist.
      Ich werde mal die Bauteile zusammensuchen und versuchen, die Werte der 3 fraglichen Teile (R333, D301, D302) herauszubekommen.


      Hallo Rolf,

      Staubbefreiung hat das Netzteil ja regelmäßig gehabt, aber man müsste streng genommen dabei die Platinen ausbauen, um unter der Printplatte versteckte Staubflocken zu entfernen.
      Regelmäßiger Elkowechsel wäre hier eigentlich das Mittel der Wahl.

      Mir ist eingefallen: Warnzeichen gab es, wie so oft. Im Winter gab es nach Abkühlung bei einer Wartung Startschwierigkeiten.
      Aber wie das so ist - bei der eigenen Technik ist man bescheiden und sieht es locker, bei jedem Kunden wäre man der Sache konsequent nachgegangen...
      Aber da bekommt man das ja auch bezahlt :)
      Achim
      Das Schicksal schlägt immer gnadenlos zu.
      So wie bei mir vor einigen Jahren mit zwei Blitzeinschlägen im Abstand weniger Monate. Erst war knapp die Hälfte der Konsumer-IT-Geräte hin, dann fast alle.

      Überlebt hat jegliche Dinosauriertechnik und alle Industrie- bzw. Medizintechnik-PC.

      Jene Art Netzteile sind Billigstramsch, auch wenn hochtrabende Namen und heere Unsterblichkeitsversprechen drauf gepinselt sind. Einen 24/7 Betrieb halten alle nicht länger als ein paar Jahre durch. Will man das haben so beginnt die Palette bei den 24/7 Industrie-Netzteilen (Kostenpunkt für 400W ab ca. 300EUR) - Heatpipes und 105°-Elkos sind da Grundausrüstung und lange noch nicht aller Weisheit Ende - und wandert munter zur Medizintechnik (bei Siemens locker nochmal der doppelte Preis von o.a. Bicker-Industrie-NT)

      Solch windige Netzteile wie diesen Reisschüssel-Konsumer-Müll zu reparieren tat und täte ich ablehnen.
      In der Fa. wurden die RMAs und Garantie-Rückläufer der gewerblich billigsten sinnvollen Verwendung zugeführt -> in den Shredder.

      //
      Die sinnvollere Privatmethode wenn man High-End-NTs der o.a. Art sparen will ist es sich mal eine Palette brauchbarer Standard-Netzteile hinzustellen und für hohe Benutzungssicherheit generell alle 3 Jahre reihum im Blindflug alle NTs ausbauen und ersetzen. Die alten muß man ja nicht wegwerfen, sie sind teils interessant bestückte Teileträger für jegliche Art Hochpannungstechnik bis hin zu Röhrengeräten. Das Hühnerfutter ist natürlich verloren für Holzaugen und gußeiserne Hände. Hat man das schon mit den NTs des Formfaktor AT gemacht, ann muß man heute auch diese leidigen Netzschalterfragen nicht mehr hoch und runter in die Foren schießen, wie wir (manche) wissen, hatten die einen soliden klassischen zweipoligen Übertotpunkt-Netzschalter in Modulbauweise, sprich mit der Möglichkeit anzufrickeln mit Zusatzkontakten. Sogar für Philps-Bandmaschinen deren Netzschalter "angeblich" nur noch kaputt sind - komisch das ich meine immer alle fertig bekomme ohne zu tauschen - passen diese Netzschalter durch bloße Anpassung des Scharuben-Sitzes mit Abstandshülsen und passend lang/kurz gemachten Betätigungsstangen.
      Gruß Jogi
      -------------
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