Mal was ganz anderes: Wurlitzer Tarock Verstärker defekt

      Mal was ganz anderes: Wurlitzer Tarock Verstärker defekt

      Moin Moin

      Von meiner Wurlitzer Tarock ist der Verstärker defekt. Der rechte Kanal funktioniert, aus dem linken
      Kanal kommt nur noch ein Brummen. Sobald eine Last anliegt leuchtet die Schutzlampe auf.
      Habe schon versucht durch tauschen einiger Bauteile von dem rechten zum linken Kanal den Fehler
      zu finden, leider ohne Erfolg. Ein gelernter Radio und Fernsehtechniker hat den Fehler auch nicht
      gefunden ?(
      Was mir noch aufgefallen ist, einer der vier Transistoren "2N3055H" wird innerhalb von 10 Sekunden
      recht warm.
      Würde sich vielleicht jemand aus dem Forum bereit erklären den Verstärker zu reparieren? Natürlich gegen Bezahlung.
      Die kompletten Seviceunterlagen sind vorhanden.

      Hier noch ein paar Bilder:

      20160530_104918.jpg

      20160530_105018.jpg

      20160530_105054.jpg

      Gruß
      Manni
      Hallo Forenfreunde,

      Nein, die Endtransistoren sind einwandfrei. Trotzdem -24.5V auf dem Ausgang des linken Kanals. Alle Transistoren des defekten linken Kanals testen mit dem Diodentester und einem Transistortester OK und geben die gleichen Anzeigen wie beim intakten rechten Kanal.

      Alle Widerstände sind OK. Dioden gibt es nicht, Elkos und Folienkondensatoren sind im Endstufenbereich in Ordnung. Lötstellen und elektrische Verbindungen sind auch i.O. bzw. nachgelötet. Wo kommt der Fehler her?....Gibt es nicht? Gibt es doch! Ein Transistor kann beim Testen im niedrigen Voltbereich einwandfrei aussehen, aber bei realer, höherer Betriebsspannung fehlerhaft sein. So war es hier. Ausserdem waren im Vorverstärkerbereich noch zwei 2,2 µ/63V axiale Elkos nicht mehr koscher (ausgetretener, getrockneter Elektrolyt sichtbar).

      Wie ein "gelernter Radio- und Fernsehmann" so einen Fehler nicht finden kann, ist mir ein Rätsel. Ich verbuche das mal unter "mangeldem Ehrgeiz!". Man muss eben dranbleiben, wie ein Terrier am Knochen! Der Schaltplan ist nicht zu kompliziert und die Zahl der infragekommenden Bauteile überschaubar. Wenn da also -24V sind, wo sie nicht hingehören und da man nachvollziehen kann, wo überall falsche Spannungen auftauchen, kann man auch die Ursache finden.

      Mehr dazu demnächst.

      Gruss,
      Reinhard

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      Wurlitzer Tarock Verstärker defekt

      Hallo Manni, Forenfreunde,

      Am Schaltplan kann man nachvollziehen, wie die -24V auf den Endstufenausgang gelangt sind, die Glühlampe zum Glimmen gebracht hat und das Brummen verursacht hat.




      Der defekte Kleintransistor T7 war der Übeltäter.

      Bei der Betriebsspannung -31V am Emitter wurde die Kollektor-Emitterstrecke niederohmig, so dass an seinem Kollektor nicht -0,6V sondern -29 V anlagen, dementsprechend auch am Emitter von T6 und an der Basis von T9. Hinter R53 betrug die Spannung nicht +22V nach Plan sondern deshalb nur +14V. T9 schaltet durch und am Ausgang A erscheinen -24V. Glühbirne glimmt, LS brummt.

      Wie schon gesagt, war etwas tückisch, dass T7 beim Testen mit Multimeter, Transistortester völlig unauffällig war. Ich hatte deshalb auch bereits die beiden Endtransistoren T10/T11 (2N3055H) erneuert, da ich ein Fehlverhalten zunächst dort vermutete. Aber weder diese, noch die Treiber T8/T9 (BD139/140) und auch der Ruhestromtransistor T6 waren defekt.

      Die neuen Endtransistoren (von Manni beigefügt), habe ich belassen. Die ausgebauten, bekommt Manni natürlich zurück, sie sind ja völlig in Ordnung.

      Es wurden Offset und Ruhestrom neu eingestellt (waren auf beiden Kanälen zu gering), Kühlkörper erwärmt sich kaum. Bei der anschliessenden Funktionsprüfung wurde die Wurlitzer H83 Stereoendstufe mit einem NF-Signal (RIAA Schneidekennlinie) gefüttert und beobachtet, was der Verstärker ausspuckt. HiFi ist es nicht. Vielmehr einen im Bassbereich deutlich
      abgespeckten Frequenzgang (die Jukebox soll ja nicht dröhnen, immerhin laufen darin ja Platten) und und Höhenanhebung. Bass und Höhen kann man in drei Stufen getrennt schalten - min., med. und max. Dabei fiel auf, dass der Bass-Schalter defekt ist, für den linken Kanal bei max. keinen Kontakt macht und deshalb dann das Klangregelnetzwerk nicht überbrückt, also wie bei min. wirkt. Diesen Schalter muss ich noch erneuern und ein neues Netzkabel braucht es noch. Dann kann Manni sein gutes Stück wieder zurückbekommen.

      Hier seht Ihr Frequenzgang und Klirr bei min und mittel Stellung von Bass und Höhenschalter:













      Wenn der Bass-Schalter erneuert ist, liefere ich Frequenzgang für Stellung max. nach.

      Klirrfaktor von ca 0,1-0,2% (THD) bei 1 kHz an 8 Ohm bei Stellung min. und von ca. 0,4% bei Stellung mittel bei beiden Kanälen.


      Gruss
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ () aus folgendem Grund: Bilder wieder eingefügt

      Der Ersatz des defekten Schiebeschalters "Bass" gestaltet sich schwierig. In dieser Bauform in den nötigen Massen nicht mehr zu bekommen (2-polig, 3x UM). Ich werde den originalen Schalter, da er in beide Schaltrichtungen von der Mitte aus symmetrisch ist, ggf. einfach 180° verdreht einbauen, sofern nicht einfach nur die Lötstelle in der Platine defekt ist, ich ihn also erst gar nicht erst ausbauen müsste. Der nicht schaltende Kontakt ist nach dem verdrehten Einbau an der Schalt-Position "min" (ganz rechts im Schema), wo er sowieso keine Verbindung macht.

      Dass ich darauf nicht gleich gekommen bin???

      Tiefenschalter.jpg


      Nochmal zu den Frequenzgängen bei den verschiedenen Klangwahlstufen, die einen ausgeprägten S-förmigen Verlauf zeigen. Ich hätte nicht gedacht, dass der verstärker so sehr stark gesoundet ist, wie man hier sieht. Ist wahrscheinlich der Abstimmung mit den eingebauten Lautsprechern geschuldet, so dass über alles ein harmonisches, nicht zu aufdringliches Klangbild mit präsenten Höhen resultiert.


      Grüsse,
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Nachdem der Tiefen-Klangsteller-Schalter gewendet ist und jetzt einwandfrei arbeitet, das alte beschädigte Netzkabel erneuert ist, sollte jetzt alles ordentlich arbeiten. Aber Pustekuchen!

      Klirrfaktor im rechten Kanal ist jetzt deutlich erhöht! Schlechte Kontakte sind es nicht. Also muss ich da nochmal ran.

      An den Endstufen-Leistungstransistoren liegt es auch nicht - nach Austausch unverändert. Also bleiben die Kleintransistoren, Koppelelkos oder der Opamp. Weiter geht's...

      ...so geschafft!

      Kennt Ihr das auch, man tauscht Teile...und es ist immer das letzte der möglichen Teile beim Tausch, das der Übeltäter ist!

      Hier war es Transistor T3, der den hohen Klirr fabrizierte. Nach Erneuerung war er dann nur noch 1%. Es musste danach noch der Arbeitspunkt mit R71 auf den gleichen niedrigen Klirr, wie beim linken Kanal eingestellt werden.




      Hier noch die Funktion des Bass-Klangschalters: min, med, max:




      Und nun nochmal der Klirrfaktor beider Kanäle in Klangstellerposition mittel nach Erneuerung von T3 im rechten Kanal. Der rechte Kanal ist jetzt gut, genauso wie der linke Kanal. Vorher war er rechts bereits etwas erhöht. Evtl. schon ein Zeichen für den kommenden Defekt von T3.




      Nun kann der Wurlitzer Verstärker wieder in seine Jukebox eingebaut werden.








      Gruss,
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Hallo Leute
      Der Verstärker ist wieder zu Hause. Bzw. noch nicht ganz.
      Ich habe im Moment noch keine Zeit den Verstärker wieder
      einzubauen. Badezimmersarnierung steht an. Sobald die
      Jukebox fertig ist und im Wohnzimmer steht werde ich mal
      ein kurzes Video bei YouTube hochladen und hierhin verlinken.
      Nochmals ein herzliches Dankeschön an Reinhard der sich
      da so selbstlos reingekniet hat. Ich wünsche allen ein schönes
      Wochenende.
      --
      Gruß
      Manni
      Baßlautsprecher können auch mal im Quasi-Brückenbetrieb zwischen den Endstufen hängen, es gibt da eine Menge wohlklingend benannter Trickschaltungen der Vergangenheit. Dann ist natürlich die Frage welche DC-Beaufschlagung in welcher Betriebsart die Elkos in welcher Zeigerrichtung trifft. Liegt definitiv nur AC an (Koppel- oder Mitführkondensator am Ausgang jeder Einzelendstufe) oder liegt DC mal sorum und mal andersrum an ist natürlich ein AC-Kondensator (bipolar) oder eine Ersatzschaltung (back to back) von Nöten.
      Gruß Jogi
      -------------
      Menschen mit Tiefgang laufen schneller auf Grund
      Nichts wird dem Menschen weniger verziehen, als Recht gehabt zu haben
      [frei nach W. Reus]
      Hallo

      Jetzt bin ich endlich mal dazu gekommen ein kurzes Video von der Jukebox bei YouTube hochzuladen und keine zwei Minuten später ist das Video gesperrt weil es geschützte Musik enthält. Beide Songs liefen gerade mal jeweils eine halbe Minute. Und wie sich das anhört wenn man mit dem Handy aufnimmt kann sich wohl jeder vorstellen.
      Dann wird das wohl nichts mit dem Video hier.
      Auf jeden Fall funktioniert die Jukebox einwandfrei und die nächste Sommerparty kann kommen.

      Ich wünsche allen Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
      --
      Gruß
      Manni
      Hallo Reinhard

      Die Lautsprecherpolung habe ich so gelassen wie es war.

      Den Schalter für Bass auf dem Verstärker habe ich auf Mittelstellung, sonst wird
      es unerträglich. Liegt vielleicht auch daran das die Jukebox jetzt im vergleichsweise
      kleinem Wohnzimmer steht und nicht in einer großen Kneipe.
      Eine mühselige Arbeit steht mir noch bevor, neue Schildchen drucken und zuschneiden,
      und mal eine Liste über den Singlebestand machen.
      Ist ja jetzt nicht gerade ein High-End-Plattenspieler drin, aber es kommt mir so vor
      als wenn ich beim Musik hören Details höre die ich zB. bei CD oder dem heutigen
      Mp3-Gedudel nicht wahrnehme.
      --
      Gruß Manni
      Hallo Manni,

      ja, Bassregeler in Mittelstellung ist richtig, sieht man ja auch am gemessenen Frequenzgang (Messwerte oben, Mittelstellung = keine Bassanhebung = linear). Bassregler auf max. (Bassanhebung + 8dB) ist nur für ganz geringe Lautstärke gedacht, ergibt dann gehörrichtige Lautstärkeanpassung. Also erst recht in einer grossen Kneipe darf der Bassregler nicht auf max. gestellt sein.

      MP3 ist der Platte nicht unbedingt überlegen. bei MP3 hängtdie Wiedergabequalität stark von der Bitrate ab. Also je stärker kompromiert, um so schlechter. Bei der Platte ist der Tonabnehmer / Nadel klangbestimmend und die Entzerrungscharakteristik des Vorverstärkers.

      Gruss,
      Reinhard

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