HiFi-Studio I Stereo - Rauschschalter "knallt" und rechter Kanal rauscht gelegentlich

      HiFi-Studio I Stereo - Rauschschalter "knallt" und rechter Kanal rauscht gelegentlich

      Hallo,

      ich habe ein "wohnzimmergepflegtes" Steuergerät bekommen, das guten Radioempfang bietet und auch ansonsten gut funktioniert und klingt.

      Eine kleine Macke ist, dass der Rauschschalter bei der ersten Bedienung immer für einen deutlichen Knall in den Lautsprechern sorgt. Da habe ich bisher nur feststellen können, dass die Schaltkontakte nicht zwischen den Kondensatoren C412 und C512 und Masse angeordnet sind, sondern zwischen den Kondensatoren und der NF-Platte.

      Das andere Problem ist, dass dieser Knall dafür sorgen kann, dass der rechte Lautsprecher nur noch rauscht und kein Signal mehr zu hören ist. Schaltet man das Gerät aus und wieder ein, ist der Effekt weg und alles klingt wieder gut.

      Ist das ein bekanntes Phänomen? Zugang zu Messgeräten habe ich, Bauteile tauschen kann ich auch, meine Reparaturerfahrung beschränkt sich aber mehr auf übersichtlichere Geräte.

      Schon jetzt vielen Dank für die Antworten

      Henning

      PS: Der Schaltplan ist hier im Downloadbereich zu finden.
      Hallo Henning,

      die Knallproblematik bei Schaltvorgängen ist - zumindest bei späteren SABA Receivern - eine typische Folge defekter Tantalelkos, die keinen ausreichend hohen Isolationswiderstand beim Laden mehr erreichen.
      Wenn Tantalelkos beim HiFi Studio 1 im Signalteil im Bereich der Filterschalter etc. verbaut sind, musst Du sie ersetzen, bevor Du weiter suchst.
      Ich erinnere mich nur nicht mehr, ob sie beim HiFi Sturdio 1 schon zum Einsatz kamen und wenn ja, wo.
      Achim
      Die Pläne habe ich jetzt nicht wieder auf eigenen Zeitverbrauch gesucht.

      Aber eines läßt sich pauschal sagen. Schaltkracher haben oft - wenn es nicht der Schalter oder die Schalter-IS selber verursacht - Ursachen die man schon bei der Entwicklung hätte berücksichtigen können, aber damals nicht für nötig hielt. Da wir alle immer anspruchsvoller und auch empfindlicher und intoleranter gegenüber Störungen wurden regen wir uns heute viel eher über solche Geräusche auf die unsere Vorfahren noch nichtmal wahrnahmen. Eigentlich ein Irrwitz wenn man den miesen Klang heutiger Geräte bedenkt, aber Krachen tun sie eben meistens nicht.

      Das eigentliche Problem ist die fehlende Abspannung (grounding), das offenbleiben (undefinierter Status) ausgeschalteter Verbindungen, das Nichtentladen oder Umladen von Kondensatoren ob mit oder ohne erhöhten Reststrom. Prinzipiell kann das natürlich bei jedem Kondensatortypus auftreten, der eine genügende Kapazität besitzt der dann von der Zeitkonstante und Impulslänge her in den Subbaßbereich fallen kann. Es kracht also, wie neulich bei meinem UHER-Report festgestellt auch gelegentlich bei garnicht so reststromrelevanten Kondensatoren, wenn der Ableitwiderstand fehlt oder seine Lötstelle nicht mehr gut ist (Nachlöten).

      Abhilfe, nachträglich sehr sehr aufwendig bis unmöglich zu machen. Kondensatortausch hilft nicht dem Grundproblem ab, macht nur den Reststrom in manchen Fällen für ein paar Jahre wieder kleiner, wenn man Glück hat. Tantal-Elkos haben aber schon einen kleinen, wenn sie nicht defekt geworden sind.

      Schlüsse kann daraus jeder ziehen wie er möchte.
      Gruß Jogi
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      Menschen mit Tiefgang laufen schneller auf Grund
      Nichts wird dem Menschen weniger verziehen, als Recht gehabt zu haben
      [frei nach W. Reus]
      Vielen Dank für die Antworten. Ich habe den Plan jetzt noch einmal hier hochgeladen.

      Der Knall scheint in der Tat von der offenen Leitung zu kommen. Dafür spricht auch, dass es nur bei der ersten Betätigung knallt und danach die Kondensatoren anscheinend so geladen sind, dass kein Stromimpuls mehr fließt.

      Das Rauschproblem hat sich heute bei einem längeren Test so dargestellt, dass es in der ersten 30 Minuten Betrieb nicht auftaucht; in der folgenden Stunde stellt sich gelegentlich eine Art Knattern ein, nachdem der Kanal dann wieder normal läuft oder rauscht. Danach läuft der Kanal einwandfrei. Ein Wärmeproblem?
      Dateien
      Also wenn B1 und B2 zum Rauschfilterschalter gehören, dann knallt´s zumindest beim ersten Betätigen des Schalters. C412 / C512 hängen potentialmäßig in der Luft, liegen aber einseitig über R422 / R522 an DC und zudem an der (empfindlichen) Basis von T402/502. Der Ladevorgang von C412 / C512 beim Schalten auf Masse gibt dann einen satten Knall.

      Das ist dann aber sehr popelig ausgeführt! Saba hat es mit diesem Phänomen, im Gegensatz zu Grundig, zeitweise nicht so genau genommen.
      Sehr unschön das.
      Achim
      Richtig: B1/2 ist "Rauschen", A1/2 "Rumpeln" und C1/2 "Sprache". Die Lösung ist wirklich ziemlich "robust"...
      Diese Funktion ist ja weitgehend unnötig. Vor allem ist der Effekt auch ziemlich gering (angeblich -12dB bei 15 kHz). Ich überlege, ob ich den Schalter stilllege (lässt sich ja leicht rückgängig machen).
      Du kannst natürlich den 1,5 nF durch eine Serienschaltung von 2 x 2,7 oder 2 x 3,3 nF ersetzen und vom Mittelpunkt der Serienschaltung einen Widerstand Rx von meinetwegen 470K nach Masse legen. Dann knackt es nicht mehr.
      Rx muss klein genug sein, dass sich der erste C schnell genug nach dem Einschalten des Gerätes lädt und hoch genug, dass er nicht selber zum hörbaren Tiefpass wird, sondern erst außerhalb des Hörbereichs.
      Könnte man jetzt ausrechnen oder probieren.
      Achim
      Die Schaltung ist wirklich "robust". Der getriebene Aufwand für die Filter ist gering. Simple passive Hoch-/Tiefpässe 1. Ordnung.
      Ich würde da nichts umstricken sondern die Schalter einfach als nicht vorhanden ansehen und nicht mehr anfassen.

      Das Knattern ist mutmaßlich "motorboating" eine nicht straff sitzende Gegenkopplung oder eine die sich in eine Mitkopplung drehen kann, läßt die (vermutlich) Endstufe subfrequent losschwingen, der Mensch hört extrem niedrige Feequenzen nur noch als Tickern und Knattern. Das Rauschen ist dann der hochfrequente Bruder dieses Schwingverhaltens.
      Test ist leicht möglich, wird der Endstufenkühler heiß während sie knattert und rauscht dann schwingt die Endstufe.
      Gruß Jogi
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      [frei nach W. Reus]
      Tja, Achim ob wir das noch erfahren.
      Ein irgendwo gefundenes Foto zeigt überhaupt keine Tantals, jedenfalls keine in Tropfenform.
      Solcherlei Geräuschkulisse kenne ich außerdem von einem teildiffundierten Treibertransistor, mal macht er´s mal funkelt und rauscht es nur, dazwischen knackt es beim Durchbruch des Halbleiters.
      Aber was nutzt und jetzt der ganze Spekulatium, es gilt Input, faktischer Input ;)
      Gruß Jogi
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      Fast hätte ICH jetzt Bilder gepostet ;)
      Bin gerade dabei - gerade ist gut, gut Ding will Tage brauchen - mein gutes altes Batterie-Tonbandgerät (UHER RM) mal wieder nach längerer Zeit einem kleinen Wartungsdienst zu unterziehen. Das wäre ein Fest für Tantal-Tropfen-Freunde. Gefühlte fünfhunderttausend Tantal-Tropfen grinsen einen da heraus frech an. Nur gut das ich da keinen defekten suchen muß, mir tun so schon die Augen weh bei der Fieselarbeit mit drei Brillen übereinander.
      Aber selbst das in letzter Zeit störend hervor getretene Kratzen der Tonblende war lediglich Ballistolmangel am Poti und kein Tantal - ehrlich ich habe die DC-Verhältnisse sauber nachgemessen ;) Aber der Ausbau... eine Sisyphusarbeit, alles ist allem im Weg, da hätte bei der Entwicklung mal einer von Grundig rangehört, zum Entflechten und sortieren des Strippen- und Sich-gegenseitig-blockierende-Leiterplatten Chaos.

      Wo bleibt der Input? Wir schweifen langsam flockig dahin weil er fehlt ;)
      Gruß Jogi
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      [frei nach W. Reus]
      Ok, das deckt sich dann mit dem was ich gesehen habe, keine Tantals.
      Der Bereich Treibertransistoren/Ruhestromerzeugung drängt sich weiter nach vorne, wenn dieser Bereich in die Knie bricht dann geht auch die Brummunterdrückung der Endstufe in die Binsen.
      Also mal die wichtigsten Parameter wie Stromaufnahme Endstufe ohne Signal messen und beobachten, was passiert wenn der Fehler erscheint.
      Dabei am Besten den Endstufenbezugspunkt dauerhaft mitmessen. Die darf sich statisch nicht weit von der Mittelspannung wegbewegen.
      Gruß Jogi
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      So... Habe gerade nach der Abgleichanleitung Ruhestrom und Ausgangsspannung eingestellt. Auffällig war, dass auf beiden Kanälen die Ausgangsspannung bei etwa 250 mV lag und der Ruhestrom links bei 80 mA und rechts bei 120 mA. Ich konnte beides mit den Potis auf die gewünschten Werte (0 mV, 35 mA) einstellen. Jetzt läuft das Gerät seit etwa einer halben Stunde mit Lautsprechern und nichts knackt oder brummt...

      Was meinst Du genau mit Endstufenbezugspunkt, Jogi?
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