9241 digital Endstufe defekt

      Hallo Andreas,

      ja, das ist in bestimmten Fällen eine sinnvolle Maßnahme, wenn man es etwa mit einer "nervösen" d.h. schwingfreudigen Schaltung zu tun hat, wenn man eine Eigenentwicklung oder einen Eigenbau testet oder wenn Endstufentransistoren nur noch zu Sammlerpreisen erhältlich sind.

      Hier beim 92xx kann man prinzipiell mit einem Vielfachmessgerät jeden Fehler finden und beheben. Natürlich sind wegen der extremen Kolateralschadenneigung dieser Endstufen alle Halbleiter und Widerstände penibel zu testen und im Fehlerfall durch einwandfreie Neuware zu ersetzen. Hinzu kommen die obligatorischen Arbeiten auf den Treiberbausteinen (Nachlöten, Tantalelkos, 3K3 Widerstand...).
      In allen mir bekannten Fällen läuft die Endstufe nach gründlicher Durchsicht und Reparatur auf Anhieb einwandfrei. Ausnahmen sind späterer plötzlicher Tod durch spontanes Halbleitersterben oder Schwingen. Diese Schäden lassen sich durch die hier vorgestellte - und ohnehin sinnvolle - Absicherung der 4 Versorgungsspannungszuführungen mit flinken Schmelzsicherungen auf 1 bis 2 Bauteile minimieren.

      Nun bin ich mir sicher, dass Mogens hier sorgfältig und gründlich gearbeitet hat. Und das erinnert mich an die Vielzahl von Fällen aus der eigenen Erfahrung der letzten Jahre, wo Schaltungen nach Ersatz durch China Fakes immer wieder und wieder ausfielen oder nicht funktionierten, obwohl wirklich ALLES sauber repariert war. Ursache in allen Fällen: China Fakes, die ihre Nennwerte nicht erfüllen. BD139 und BD140 etwa gibt es heute noch von Fairchlid in 3 Stromverstärkungsklassen in absolut tadelloser Qualität.

      Die von Christian angeregten Fotos würde ich auch begrüßen.
      Achim
      Hallo Christian,

      Erst einmal vielen Dank für Deine Mühe beim Simulieren.
      Ich gehe auch davon aus, daß die Entwickler bei SABA damals beim Design nicht am Abgrund gerechnet haben, Transistoren mit höherem Beta verbessern eher die Regeleigenschaften als sie zu verschlechtern.

      Ich habe die Platinenunterseite mit dem Stereomikroskop untersucht und nichts gefunden. Ich habe während der Messungen die Platine auch mechanisch kräftig verwunden um ggf. kalte Lötstellen oder Leiterbahnbrüche zu finden.
      Ich gehe jetzt auch davon aus, daß die Verzweiflungstat des Transistorwechsels auf STM Typen nicht ursächlich zum Funktionieren der Endstufe führte. Sicherlich gab es einen Seiteneffekt, den ich aber (noch) nicht kenne.

      Es ist auch merkwürdig, daß nach dem Abrauchen des BC639 (originale SABA Bestückung statt dem BSW39/6) der alte Fehler wieder auftritt, und alle Halbleiter auf der Endstufenplatine in Ordnung sind, d.h. durch das Abrauchen nicht beschädigt wurden. Der Einstellbereich des Trimmers P1143 ist jetzt wieder minimal und der Ruhestrom wieder viel zu hoch. Davor entsprachen alle Messwerte den Werten auf der intakten Endstufe. Auch der Einstellbereich von P1143 war viel grösser.

      Mein Plan ist jetzt:
      1. Drei Wochen Urlaub ab heute und nach Rückkehr
      2. Platine komplett entstücken, saubermachen, oder besser, gleich eine neue Platine machen
      3. Neubestückung mit neuen Teilen (Leider habe ich nicht alles hier, muss ich erst bestellen)

      Ich melde mich wieder sobald ich zurück bin.

      Grüsse
      Mogens
      Bilder
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „mogens“ ()

      Hallo Christian,

      >> BD140 ist m. E. invers eingebaut.
      Das kann ich nicht wegdiskutieren. Schande auf mein Haupt. Ich habe alle die neuen Typen auf dieselbe Art umgebogen.
      Nur, beim BD140 ist die Bohrung für die Basis auf der anderen Seite. Ich habe den Transistor gedreht, und nun läuft die
      Endstufe wieder bei voller Spannung, aber noch ohne die Endstufentransistoren. Das mache ich nach dem Urlaub.
      Recht herzlichen Dank. T1144 und T1146 sind korrekt eingebaut.

      Grüsse
      Mogens
      Ich zitiere nochmal meinen Post 02:

      "Und dann natürlich: Ganz(!) genau prüfen, ob BD139 und BD140 wirklich richtig eingebaut sind. Selbst gestandene Techniker vertauschen im Eifer des Gefechts schon einmal Anschlüsse..."

      Das schreibt man ja nicht aus Arroganz, sondern aus eigener bitterer Erfahrung.
      Und man sieht wieder, dass Bilder gar nicht so unwichtig sind.
      Achim
      Jau Achim.
      Die Sparsamkeit mit Bildern und Schaltunterlagen, Auszügen von genau der gerade bearbeiteten Stelle, exakt definierte Beschreibungen - das muß wohl alles viel viel Geld kosten so selten wie das auch nur ansatzweise eingebracht wird.
      Lieber alles immer husch-husch - pfusch-pfusch und bloß keinen Handschlag zuviel, die Helfer können sich ja beim Raten und Zettelsuchen stundenlang das Gesäß aufreißen um auch nur halbwegs zu erahnen was die Glaskugel zeigt.

      Man kann sich vieles sparen und auch noch positiv auffallen indem man dokumentiert - dokumentiert - dokumentiert.
      Denke ich an meine Lehrjahre zurück, dann denke ich das mein Meister mich bei ähnlichem Dokumentations-Unwillen am Arsch aus der Werkstatt getreten hätte.

      Man müßte es direkt mal in einen Requester - der ohne durchlesen, befolgen, an Unterschriftstelle anklicken nicht weg geht - vor jeden Beitrag fest einsetzen.
      Dreimal nicht dran gehalten - Sperre für eine Woche.

      :cursing:

      Wenn ich für mich selber einen noch so kleinen Eingriff dokumentiere, dann liegt immer die hoch auflösende Handy- oder Kompak-Cam am Arbeitstisch - ausrangierte Altgeräte mit 5MP reichen schon aus für den Zweck - ein Foto kostet keine halbe Minute. Dann finde ich auch abgefallene Drähte oder Befestigungsteile wie im Schlaf wieder zusammen.
      Gruß Jogi,
      der im Forum von jedem dahergelaufenen Neuling verspottet, beleidigt und als charakterlos tituliert werden darf.
      Liebe Freunde,

      man sollte noch anmerken, dass im frueheren Bild von Christian (weiter oben in diesem Thread) der BD 140 _richtig_ eingebaut und abgebildet ist. Ein Vergleich des Aufbaus mit dem Bild haette also unseren Reparateur stutzig machen koennen. Im Vergleich faellt der "Dreher" eigentlich sofort auf ...
      Bilder helfen also hier wirklich.

      Besten Gruss,

      Michael
      Es gibt da eine gewisse Hinterhältigkeit bei Datenblättern...

      TO126 hat hinten eine Metallfläche im Kunststoff eingebettet.
      Im Datenblatt findet man ja die Anschlussbelegung.
      Nicht selten wird im Bild die Metallfläche als Schatten eingezeichnet bei Vorderansicht.
      Lässt man sich leimen, denkt man, das Gehäuse wird von der Rückseite gezeigt.
      Da kommt dann BCE heraus, bei vielen Japan-Transistoren üblich.
      Auch ich bin schon darauf reingefallen.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Hallo zusammen,

      Ja, ich habe einen Fehler gemacht, und ich habe mich dafür entschuldigt. Ich gelobe auch Besserung und werde in Zukunft jede Lötstelle photographieren.
      Danke Andreas für die Hilfeleistung. Aber ich bin in die Falle gelaufen, die der Layouter der Platine gelegt hat:
      Bei den beiden BD139 ist der Kollektor auf der Platine links, der Emittter rechts und die Basis ist in der dritten Bohrung mittig oder vorne.
      Bei dem BD140 ist die Basis in der dritten Bohrung hinten. Da ich alle Beinchen gleichartig umgebogen habe, war der BD140 dadurch natürlich verkehrt.
      Sowas darf nicht passieren, und ich entschuldige mich nochmals bei allen. Vielen Dank für die Hilfe.

      Grüsse
      Mogens
      Hallo Mogens,

      der Gedanke - jetzt könnte er aber doch mal ein Bild schicken - ist mir zwar auch im Laufe des Threads gekommen, aber Deine Bemerkung "...Schande auf mein Haupt..." fand ich vollkommen ausreichend als Ausgleich.
      So, und nu: Erholsamen Urlaub ohne verdrehte Beine :)

      Viele Grüße,
      Christian
      **************************************************
      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)
      Hallo zusammen,

      Der Empfänger funktioniert jetzt wieder:
      1. Die Endstufe ist repariert. Nochmals vielen Dank für die Hilfe.
      2. Alle Elkos, Trimmpotis, Tantals und Gleichrichter im Gerät sind ausgetauscht.
      3. Alle Elkos im Signalweg wurden durch Folienkondensatoren ersetzt.
      4. Die dünnen Drähte zu den Endstufen wurden durch kräftige Litzen ersetzt (+/- 42V, Masse und Lautsprecherausgang))
      5. Die R/L Kombination wurde nachgerüstet. Leider mussten die Teile auf die Grundplatte, da hinter dem Relais Modul beim 9241 digital kein Platz ist. (da befindet sich der 25W Widerstand für Quadro)
      6. C1116 im Treiber Modul habe ich durch zwei parallele 22uF Tantals ersetzt.
      7. Die Skalenbeleuchtung wurde auf LED umgebaut. Dazu gab es eine neue Platine und ein kleines zusätzliches Netzteil. Die Beleuchtung läuft jetzt mit 5 V.
      8. Das 5 V Netzteil für die Skalenbeleuchtung versorgt auch einen RaspberryPi, der über den AUX Eingang Internetradio macht. Die Sendereinstellung erfolgt über ein WEB Interface.
      9. Der Frontrahmen wurde mit Airbrush neu lackiert.
      10. Das Gerät wurde komplett neu abgeglichen.

      Nachlötarbeiten waren nicht erforderlich. Alle Lötstellen sahen tadellos aus. Offensichtlich habe ich ein gutes Exemplar erwischt.
      Nun darf das Gerät gerne die nächsten 40 Jahre laufen.

      Grüsse
      Mogens
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      Hallo Norman,

      Ich weiss, dass der Onboard-Ausgang nicht das Beste ist. Allerdings muss ich sagen, dass ich bei 128kb/s, was die meisten "WEB Sender" haben, keinen Qualitätsunterschied zu UKW feststellen kann. Zu einer CD ist natürlich ein Unterschied vorhanden.
      Für einen Multimedia-Clienten würde ich daher sicher auch eine extra Soundkarte vorsehen.

      Gruss
      Mogens