Nestbeschmutzer

      Nestbeschmutzer

      Hallo liebe Sabaianer,

      ich würde gern mal Eure Meinung zu meiner neuesten Beobachtung hören:
      Ich habe einen Saba MI 215 Verstärker und einen Dual 721 Plattenspieler. Jetzt hatte ich Gelegenheit, sehr günstig einen DUAL CV 1400 Verstärker zu kaufen.
      Den heutigen Morgen hab ich nun damit verbracht, die beiden Verstärker im Vergleich zu hören.
      Und sowenig mir das gefällt weil ich den MI 215 deutlich schöner finde: der Dual klingt meinem Eindruck nach besser.
      Musikalischer würde ich sagen. Bei Popmusik ist der Gesang jetzt viel präsenter und wärmer.
      Im Vergleich würde ich den Saba als analytischer und distanzierter (weniger Seele) beschreiben.
      Hat jemand von Euch diese beiden Verstärker schonmal vergleichsgehört?

      Grüße,
      icke
      Hallo Icke,

      ach, das beschmutzt doch nichts. Wir gehen hier (fast) alle fremd - weil es so viel Spaß macht.
      Ich habe neben meinen Saba 9241 und VS100 auch noch einen Yamaha CA2010, einen Grundig SV140, einen Telefunken TA750 und noch ein paar Kandidaten laufen.

      Zu Deiner Beobachtung merke ich an: Zunächst ist des Klangempfinden subjektiv geprägt, die Gehöre und Gehirne sind eben nicht gleich, der Rest auch nicht.
      Dann kommt es auf die Kombination mit den Lautsprechern an. Ein Verstärker kann die Schwächen des Lautsprechers kompensieren und umgekehrt, oder aber verstärken.
      Auch ist an den heutigen Zustand der alten Geräte zu denken. Wirklich vergleichen kann man nur Geräte, die gründlich überholt, eingestellt und messtechnisch überprüft wurden, so dass sie in ihrer Leistungsfähigkeit mindestens dem damaligen Originalzustand entsprechen.
      Außerdem: Der MI 215 ist nicht das Saba Flaggschiff, sondern ein Einsteiger-Modell, bei dem man keine übertriebenen Erwartungen haben sollte.
      Achim
      Eine Seele suche ich in Elektrogeräten nicht, die sucht man da auch vergebens.
      Ohne das am Einzelfall geprüft zu haben gehe ich von unterschiedlichen elektrischen Daten aus, bei dem gleichzeitigen Wissen darüber, das selbst annähernd gleiche Daten zu völlig unterschiedlichen Klangergebnissen führen können.

      Daher versage ich Verstärkern die mir rein subjektiv in meiner Anlage und in meinen vier Wänden unsympathisch klingen grundsätzlich einen Stammplatz.

      Technisch läuft das meistens darauf hinaus das Einstellorgane unterschiedlich ausgelegt sind - aktive/passive Klangeinstellung, Loudness-Einsatzpunkt und Charakteristik, Dämpfungsfaktor, Klirrspektren und -größe, Verhalten im Belastungsfall, Netzteilreserven.... tausenderlei Einzelheiten die im Labor nach vorgegebener Meßmethode garkeine direkt ablesbare Diskrepanz liefern, weil nur eine handvoll objektivierbarer Daten überhaupt zu einer gemeinsamen Vergleichsebene führen.
      Das komplexeste Meßgerät ist das Ohr.

      Ich finde - aus Entwicklersicht - auch grundsätzlich viele SABA-Endstufen zu wenig direkt vorwärts ausentwickelt, da gehen die Signalwege kreuz und quer, alles mit Regelschleifen und Rückwärtspfaden durchsetzt, und es wurde zwar ein Aufwand getrieben, aber dieser verwäscht in seiner Komplexheit die Sprungantwort der Schallwandler. Man denke alleine an den Unsinn mit Treiberplättchen, die speziell im Alter die Problemquellen in die Höhe treiben, auch den völlig verqueren Ansatz die Treiber diskret aufzubauen aber die Endtransistoren zu integrierten Schaltungen zu fügen, halte ich für etwas komisch, andere machen es genau umgekehrt und fahren besser damit.
      Klar entwickelte Endstufen haben einen sauberen Signalweg "straight" vom Differenzeingang über den Spannungsverstärker (Treiber) zum Leistungsverstärker (Endstufen-Päärchen oder Darlingtons). Rückwärtsgeregelte Schleifen und Schutzschaltungen, sie sind bei hohen Leistungen meist unumgänglich im Konsumerbereich, baut man da dran und nicht da rein, weil sie das Signal verzögern und verwaschen. Richtig gute kommerzielle Schaltungen verzichten ganz auf diese, da muß der Anwender eben alles richtig machen und für ein bestgewartetes Equipment sorgen, da gibt es keine Gammelleitungen zu den LS und keine Kurzschlüsse durch Gefummel während des Betriebes, da schließt auch keiner einen Staubsauger am Ausgang an.

      Ich selber benutze auch keine SABA-Verstärker, bei mir gibt es einen "Eisenfresser" von Telefunken, mit Endstufenpötten so massiv wie ein amerikanischer "Big-Block"-Automotor und für´s filigranere gibt es noch Grundig, DUAL, Uher und noch so ein paar leckere Teilchen.

      ps. beinahe vergessen habe ich einige nette Eigenentwicklungen. Viele davon habe ich so konstruiert das die immerzu lästige und fehlerintolerante Ruhestromerzeugung keine störende Rolle spielt. Das kann man heute ganz bequem machen indem man (andersherum als SABA) die Treiber integriert, oder gleich als Kleinendstufe für die niedrigen Leistungen bis Zimmerlautstärke aufbaut und die großen, mit viel Reserve kalkulierten Leistungsendstufen erst dann einschaltet - Treiberklein-Endstufe in Klasse A, Hochleistungs-Endstufe in Klasse B. Oder gleich nach dem "Current-Dumping" Prinzip arbeitet, was zu einer kaum noch im normal ausgestatteten Audiolabor meßbaren Ausgangsverzerrung führt (k-ges << 0,0001%).
      Gruß Jogi
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      [frei nach W. Reus]

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