Dein Freund, der Klein-Elko

      Dein Freund, der Klein-Elko

      Werte Gemeinde,

      zu der angeblichen Weltanschauungsfrage "Elkos wechseln - oder nicht" möchte ich euch folgende Erfahrung nicht vorenthalten:
      Ich zog ein Kofferradio aus meiner Sammlung, einen Schaub-Lorenz Touring T 30 (Jahrgang 1962), den ich vor etwa 25 Jahren zuletzt auf dem Arbeitstisch hatte. Damals habe ich ihn repariert, aber nicht überholt, sprich, nur die damals wirklich defekten Teile (Endstufentransistoren und natürlich die DEAC-Zelle) ersetzt.

      Seit etwa 20 Jahren hatte das Radio keine Spannung mehr gesehen, jetzt habe ich es ausprobiert: Schweigen. Natürlich war der 1991 ersetzte Kleinakku wieder hin. Nach seinem Ersatz spielte es extrem leise (Nf-mäßig). Um es kurz zu machen, jetzt tobt es wieder und vor mir liegen sämtliche sieben Klein-Elkos aus dem Gerät mit folgenden Messwerten, siehe Auflistung.Kleinelkos Tou T30.JPG

      Fünf von sieben Elkos sind tot. Es ist mir klar, dass das nicht repräsentativ ist, auch nicht für dieses Baujahr. Es mag auch sein, dass unterschiedliche Fabrikate sich unterschiedlich verhalten. Auch hier waren ja zwei Stück in Ordnung (ihren ESR-Wert kenne ich allerdings nicht).

      Trotzdem halte ich mich an solche eigenen Erfahrungen, wenn es mal wieder heißt, dass die ach so guten alten Elkos den heutigen "China-Schrott" noch überleben. Diese Elkos taten es mehrheitlich nicht, und statt "China-Schrott" stecken nun Panasonic FC und FR im Touring.
      Beste Grüße in die Runde
      Stefan
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      • Kleinelkos Tou T30.JPG

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      Hallo zusammen,
      ich kann Stefans Aussage nur bestätigen, das ist genau das was mir immer wieder bei der Reparatur von Geräten unterkommt. Natürlich sind auch immer ein paar Elkos dabei die nicht ganz hin sind. Wenn aber schon mehrere Defekte auftauchen schmeiße ich alle raus. Übrigens ist eine Messung nach dem Auslöten nicht mehr unbedingt Aussagekräftig, da das Erhitzen beim Auslöten Einfluss auf die Messwerte haben kann. Nach meiner Erfahrung werden die dann eher besser als schlechter und man läuft Gefahr einen eigentlich schlechten Kondensator falsch zu Bewerten.

      Viele Grüße

      Martin
      Hallo Stefan,
      deckt sich mit meinen Erfahrungen, ich halte es inzwischen auch so, dass ich zumindest die kleinen Werte durch Markenware ersetze, da ich
      a) nicht über das Equipment verfüge, um wirklich belastbare Messungen machen zu können
      b) ich mir nicht vorstellen kann, dass die Teile erst aus- und anschließend wieder einzulöten folgenlos bleibt wegen der Hitzebelastung
      c) bei den Centbeträgen, die auch für Markenware fällig werden, beiße ich mich nur in den Allerwertesten, wenn doch mal ein angeschlagener Elko durch die Lappen geht, und anschließend die Kiste wieder zerlegt werden muss.
      Jörg - wenn ich Benz fahren will, geh ich arbeiten
      Ich sehe es ähnlich!

      Wilden Elko-Tausch betreibe ich bestimmt nicht, repariere sinnvoll.
      Die großen Elkos in Röhrenradios für die Anodenspannung kann man nicht selten wiederbeleben.
      Die bekommt man heute auch nicht mehr so einfach und man lässt sie gern drin wegen Originalzustand.
      Naja, klappt das nicht, kann man meist gut vertuschen und unten gleichen Wert moderner Bauart einlöten.

      Ab Transistorzeitalter tausche ich kleinere Elkos fast immer, wenn sie Auffälligkeiten zeigen.
      Sind sie sehr klein, Signalweg um 1 µF nehme ich auch lieber einen Folienkondensator.
      Am liebsten nehme ich NOS-Elkos, die halbwegs zu der Zeit passen.
      Bei Pollin hat man manchmal Glück, daß man alte Bauteile günstig in bester Qualität bekommt.
      Quelle weiß ich nicht mehr, irgendwann habe ich mal sehr günstig 4,7 µF 63 Volt Siemens bekommen.
      Da habe ich zugeschlagen, gleich >> 100 Stück bestellt.
      Das als kleines Beispiel, wie man restaurationstechnisch sauber vorgehen kann.
      Neu ist nicht immer gut, "alte" Ware von Qualitätsherstellern nehme ich gern.
      Siemens ist ein gutes Beispiel, es gibt natürlich auch einige Japaner, die ich NOS gern kaufe.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Ah, endlich wieder ein interessantes Thema hier :D

      Stefan, du hast ja jetzt die einmalige Chance Elko-Wissen aufzufrischen, es gibt nichts besseres als eine Handvoll suspekter Elkos zum Experimentieren. Ich wette niemals, aber ich traue dir zu den Großteil der suspekten Elkos nicht mehr unter "Schlußfolgerung offensichtliches Defektverhalten" führen zu müssen, sondern ein Elko-Normalverhalten zu diagnostizieren das da lautet -
      Keine Betriebsspannung = keine Ladung | keine Ladung = kein Elko (besser Elko deformiert naturgemäß wie es ihm zu eigen ist).

      @all

      Elkos die langfristig nicht laden können, können auch kein Dielektrikum ausbilden also keinen Elkoeffekt aufbauen, das hat weder mit Alter noch Verschleiß zu tun sondern mit ihrem elektrochemischen Innenleben und den normalen Effekten denen dieses unterliegt.
      Ein lange spannungsloser Elko ist eben temporär kein Elko, er wird es erst wenn er an Betriebsspannung liegt und eine Zeitlang seine Oxydschicht reformieren konnte.
      Äquivalent zu : Ein Akku ist erst einer, wenn er Ladung aufnehmen konnte. Deshalb ist er, wenn er nur nicht geladen ist, nicht gleich defekt.

      Meine antiken Schätzchen lasse ich daher regelmäßig ein wenig am Strom zuzeln. Das erfrischt sie ungemein, so wie man alte Mechaniken regelmäßig sich etwas trim-dich mäßig bewegen läßt.

      @Jörg
      Du brauchst auch kein großes Equipment um einen Elko beurteilen zu können, leider erkennen das viele überhaupt nicht.

      Man muß auch keine Kapazität mit einem "Wasweißich Meter" messen, wenn man sie wirklich wissen will (will man aber garnicht die steht ja drauf und zwar vom Hersteller richtig und mit den korrekten Meßmitteln festgestellt) kann man sie über Ersatzmessungen und Vergleich mit bekannten Kapazitäten ermitteln, vernünftige Meßprinzipien gibt es viele, ich will mal nur die Meßbrücke nennen.

      Wichtig ist nur die Frage ob ein Elko formiert seine Aufgabe tut (Gleichstrom beider Richtung sperren, Wechselstromwiderstand darstellen), auch das kann man simpelst tun, mit dem Widerstandsmeßgerät mit seiner eingebauten Gleichspannungsquelle oder die leicht umständlichere aber immer noch bequeme Gegenprobe mit einer bekannten Wechselspannungsquelle.

      Also wozu - wenn man nicht zufällig akademisch interessiert daran ist - all solche Dinge an gekauften Fertiggeräten messen, wenn so ein Elko da in einer Kopplung oder Siebung annähernd leistungslos und schläfrig vor sich hin döst bis die Kiste in den Sondermüll geworfen wird. Der Reparateur weiß ganz genau das er mit einigen wenigen einfachen aber unendlich geprobter Routine bewiesenen Methoden zu seiner wichtigen Aussage (gut oder hinüber) kommen kann.

      Alles andere ist ganz großes Kino für die die es meistern müssen - Leistungselektroniker, SNT-Entwickler, Kraftstrom-Anlagenbauer, Elektro-Motorenbauer in Spezialfällen von leistungssteuernden Elektronikstufen.
      Gruß Jogi
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      Das Wahrheitsministerium gibt bekannt:
      In diesem Forum gibt es keine postfaktischen Fake-News, auch nicht über Elkokuren.
      --------------------------
      Laotse sagt:
      Dinge wahrzunehmen ist der Keim der Intelligenz.
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      W. Reus meint:
      Menschen mit Tiefgang laufen schneller auf Grund | Nichts wird dem Menschen weniger verziehen, als recht gehabt zu haben | Wir müssen auf alle Fälle verhindern, daß Intelligenz wieder strafbar wird.
      NACHTRAG!

      Ich habe vier der als defekt erwiesenen Elkos liebevoll nachformiert - quasi extra für dich, Jogi ;) - in Reihe mit 47kOhm für einige Stunden an Nennspannug. Ergebnis:

      Drei der vier haben ihre Kapazität deutlich erhöht - liegen jetzt damit bei etwa 10 Prozent der Nennkapazität. Im Endeffekt ändert sich also nix. Defekt.

      Was ich oben nicht erwähnt hatte: Das Radio besitzt auch zwei große Elkos, 500 und 1000uF. Beide waren in puncto Kapazität noch fit, Sie durften bleiben.

      Es bleibt also dabei: "Dein Freund, der Klein-Elko"

      Gruß
      Stefan

      Neu

      Bist du sicher das es liebevoll genug war?
      Ich warf neulich mal, ebenfalls liebevoll, eine handvoll LESR-Elkos undefinierbarer Herkunft in den Müll, alle aufgegangen in einem Schaltnetzteil.

      Da ist es dann wirklich mal angebracht nach den ESR-Werten und der max. zulässigen Temperatur sowie dem Zusammenhang Temp/Lebensdauer zu gucken und das Datenblatt-Leserennen zwischen Nichicon und Panasonic Fr ging ganz haarscharf zugunsten von Pana aus. Außerdem wurden einige sehr knapp kalkulierte Elkos durch die nächstgrößeren Formfaktoren ersetzt mit der Folge das sie nicht mehr richtig an ihren angestammten Platz paßten. Aber wozu gibt es Platinen-Bohrerchen und biegbare Beinchen.
      Der nun wesentlich niedrigere Ripplestrom samt entsprechend kaum noch hoch ansteigenenden Betriebstemperaturen hat es jedenfalls herzlichst gedankt.
      Es lohnt sich also auch in solchen Fällen mal sowohl die Kapazität als auch die Spannungsfestigkeit einen Normwert heraufzusetzen, besonders dann wenn dadurch ein größerer Formfaktor herausspringt der die Erwärmung deutlich senkt und dadurch alleine schon die Lebensdauer drastisch verlängert. (wie schon oft erwähnt - die großen alten Elkos in den Röhrengeräten kontra die piseligen Mini-Elkos auch wenn sie für gleiche Betriebsspannungswerte angegeben werden).
      Gruß Jogi
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      Neu

      Hallo Jogi,

      doch, ich denke, das war liebevoll genug. Sicher, ich hätte den Elkos noch unterstützende Lieder singen können, etwa 'Guten Morgen Sonnenschein'. Nee, das musste so reichen. Bemerkenswert finde ich noch, das von 3 gleichen Elkos 4u/25 immerhin einer noch intakt war. Da man davon ausgehen kann, dass alle aus einer Charge stammen, denke ich, das die Betriebsbedingungen zu unterschiedlichen Lebensläufen führten (Höhe der Spannung am Elko etc).
      Der Formfaktor ist bei den kleenen Dingern ja auch problematisch, die 1u und 4u-Typen sind ja schon winzig.
      Mein eigener Formfaktor ist übrigens auch beim Blick in den Spiegel unter aller Kritik, aber ich fürchte das ist wieder ein ganz anderes Problem....

      Gruß
      Stefan
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