600SH HF einstellen

      600SH HF einstellen

      Hallo,

      Ich habe ein 600SH Tonbangerät.
      ich wollte gerade die im Service Manual beschriebenen HF Einstellung durchführen.

      Einen Röhrenvoltmeter mit Spannungsteiler habe ich leider nicht. Ich benutze einen üblichen Multimeter.
      Leider messe an den Punkten 1 und 2 nur Null Volt (kurz ein paar Milivolt, dann quasi 0 Volt).
      Das Gerät ist eingeschaltet und die Geschwindigkeit auf 19 cm/s eingestellt und die Stero (Aufnahme) Knöpfe sind gedrückt.

      Kann mir jemand einen Tipp geben, was ich falsch mache? Erwartet werden nämlich um die 90 mV.
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      Hallo Holgi,

      ein "übliches Multimeter" ist nicht HF-geeignet. Lt. Saba Service-Anleitung muss das Messgerät bis 100 kHz geeignet sein. Ein normales Multimeter kommt nur mit Frequenzen bis 1 kHz klar.

      Du brauchst also für diese Einstellungen ein HF-(Milli)Voltmeter oder wenigstens ein Wechselspannungs-Voltmeter, das bis 100 kHz spezifiziert ist und noch im Millivoltbereich messen kann.

      Gruss,
      Reinhard
      Wahrscheinlich kann man dir das eh nicht ausreden, aber selbst (oder gerade?) langjährige Werkstatt-Profis verstellen die Grundeinstellung einer Bandmaschine nicht ohne Not. Das ist nicht so trivial wie die Farbeinstellung eines PC-Monitors und es gibt multiple Abhängigkeiten aller magnetischen Parameter untereinander.

      Wenn du die Finger partout nicht davon lassen kannst, dann miß nicht auf veraltetes und garnicht mehr in vernünftigem Zustand verfügbares Tonband von 1748 den HF-Kopfstrom ein oder sogar - wie es den Eindruck macht - auf trockengeschwommene Werkseinstellungen ohne Bezug auf heutige Bandsorten. Und das geht für Amateurzwecke genau genug durch die Aufnahme eines weißen Rauschens (oder Tuner-Zwischenstationsrauschen) in der Art, das die Klangfarbe bei ca. -20dB unter Vollaussteuerung VB und HB sich über gute Kopfhörer gleich anhört, bei Verwendung des bevorzugten aktuellen Bandmaterials. Der Absolutpegel spielt dabei nur insofern eine Rolle das man durch Bandmaterial-Weiterentwicklungen verursachte massive Übersteuerungen aller denkbaren Komponenten natürlich auf alle Fälle vernmeiden muß.

      Noch etwas darf nicht fehlen, als Generalklausel gewissermaßen.
      Die Erwartungshaltung bei so einem optischen Overkill wie bei dieser SH600 spiegelt sich in keinster Weise im heutigen Anspruch auf eine einfach erreichbare Top-Tonqualität. Es wird auch bei penibelster Einstellung kaum ein an der digitalen Aufnahme (PCM nicht MP3) gemessenes Erfolgserlebnis eintreten können (was nicht heißt da man daran nicht dennoch Spaß haben kann).
      Besser man nimmt sowas als das was es ist, eine schön anzusehende, mäßig passabel spielende und natürlich Nostalgiespaß bringende Rückblende in eine beeindruckende Materialschlacht aus den Sechziger Jahren.

      Btw. HF-Messungen am Oszilloskop mit entsprechendem Tastkopf wäre in solchen Fällen sinnvoll, es würde überdies ermöglichen Phasengänge beurteilen zu können und Nebenwellen-Maxima zu vermeiden.
      Gruß Jogi
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      Menschen mit Tiefgang laufen schneller auf Grund
      Nichts wird dem Menschen weniger verziehen, als Recht gehabt zu haben
      [frei nach W. Reus]
      Lieber Holgi!

      Da stimme ich Jogi zu, mit einem üblichen Multimeter ist da wirklich nicht sinnvoll zu messen.
      Auch alte Drehspulinstrumente sind ungeeignet, viel zu niederohmig.
      Oszilloskop mit Tastkopf möglichst 10 MΩ geht, wenn auch nicht die schönste Methode.

      Einem eher Laien rate ich, die Werkseinstellungen Vormagnetisierung möglichst nicht zu ändern.
      Der Profi weiß, wie es geht, kann so jüngere Bandsorten einmessen, die es damals noch nicht gab.
      Prüfe einfach mit z.B. Oszi, ob die HF-Spannung für links und rechts annähernd gleich ist.
      Ist dem so und die Spannung ist ähnlich wie im Servicemanual, ist alles im brauchbaren Bereich.
      Ich habe in meinem Leben schon genug vergurkte Tonbandgeräte wieder neu eingemessen.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com

      Neu

      Genau, Andreas.
      Und als Techniker flucht man die Krätze so eine Drehorgel wieder zu normaler Funktion zu verhelfen.
      Spannungswerte und Kurvenformen des oft nicht sehr genauen, nicht sehr klirrarmen und immer einstellempfindlichen HF-Generators sind auch nur bei allergröbsten und tiefliegensten Fehlern überhaupt anzutasten, selbst der 1:1 Ersatz von Transistoren führt nicht unbedingt zur Notwendigkeit, wenn man das umsichtig und ohne weitgreifend alles vernichtende Lötlampe vollbringt.

      Nochwas ist nicht ganz unerheblich.
      Ein "normales" Tonbandgerät ist hf-mäßig überhaupt nur schlecht und ungenau feinjustierbar, alles außerhalb der vorgesehenen Einstellung ist wackelig. Die Einstellung hat darüber hinaus keinerlei homöopathische Züge die in Pingelichkeitswahn ausarten muß, sondern eher eine hohe Wirkungsbandbreite im Arbeitspunkt, sozusagen sattelbreite, daß es ein Verdrehen für verschiedene Bandtypen in der Regel nicht vorzunehemen braucht - völlig anders als beim da doch sehr viel filigraneren (hochwertigen, denn bei den einfacheren gilt das gleiche wie beim Spulenband) Kassettendeck.

      Hat man grobe Klangbildfehler, und alles was man deutlich hört ist bereits grob, dann liegt der Fehler oft ganz woanders, bspw. im immer kritischen Band-Kopf-Kontakt oder Betriebs-Bandzug, was auch gerne mal von Verschmutzung oder abgenutzten und fehljustierten Andruckeinrichtungen (Filze, Folien usw.) herührt.
      Oder aber die ganze Mimik genügt nicht mehr dem modern verbildeten Hörverhalten, analoge Tonbandgeräte werden bspw. mangels Höhenaussteuerbarkeit niemals einer Cd gleichziehen können was die Lautstärke von dramatich ausgesteuerten höchsten Höhen anbelangt.
      Gruß Jogi
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      Neu

      Leider komme ich immer noch nich klar.
      Das 600SH ist eingeschaltet, Aufnahmespuren sind auf Stereo geschaltet. Die Bandgeschwindigkeit steht auf 19cm/s - wie im SM beschrieben (Band steht still).

      Am Oszilloskop kann ich immer noch keine 85mV bis 90mV erkennen. Ämderungen am Trimmer und am Sperrkreis ergeben immer das gleich Bild am Oszi.

      Zur Verdeutlichung die zwei nachfolgenden Fotos:
      Bilder
      • IMG_5080.jpg

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      • IMG_5081.jpg

        248,09 kB, 1.080×600, 12 mal angesehen

      Neu

      Ich will hoffen das du nach Vorschrift mißt, ich sehe bspw. den in der Einstellvorschrift vorgegebenen Meßspannungsteiler nicht.
      Man muß sich wörtlich an Vorgaben für die Meßumgebung halten will man den Erfolg verzeichnen.
      Gruß Jogi
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      Neu

      Nicht abklemmen, sondern anklemmen!

      Die Oszi-Masse sollte man tunlichst nicht auf die heiße Seite der Hochfrequenz legen.
      Ich habe jetzt nicht den Schaltplan von dem Gerät hier.
      In der Anleitung sollten die Messpunkte beschrieben sein.

      Ich erkläre mal kurz den Hintergrund.
      Die Masse des Oszilloskops ist üblicherweise mit dem Schutzleiter verbunden.
      Legt man das Signal auf Oszimasse, wird es mehr oder minder kurzgeschlossen.
      Das passiert auch, wenn der Prüfling gar nicht am Schutzleiter angeschlossen ist.
      HF geht Wege, bei denen auch mancher Profi staunt...
      Miss mal zuerst, ob Du bei eingeschalteter Aufnahme HF am Löschkopf hast.
      Nicht wundern, das können locker 100 Volt, nicht mV, sein.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com

      Neu

      Hallo Holgi,

      ich kann Jogi und Andreas nur beipflichten!

      Dein Gerät funktioniert, wie Du schreibst. Dann lässt sich auch dieser Abgleich genauso machen, wie die Serviceanleitung vorgibt. Ich sage das auch deshalb, weil ich ihn am 600 SH gemacht habe.

      Entscheidendes hat Andreas schon gesagt: Der Spannungsteiler muss so angeklemmt sein, dass die Messgerätemasse (bei Dir die Oszilloskopmasse) am selben Punkt am Spannungsteiler angeschlossen ist, wie die 600SH-Masse. Der Anschluss des Spannungsteilers muss also genau so gemacht werden, wie in meiner Skizze. D.h. das Oszilloskop greift die Spannung über dem 1k Widerstand ab. Der Spannungsteiler teilt 1:1000 herunter. Also 85-95 mV am Messgerät. Am 600 SH liegen also fast 100V an.



      Gruß
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

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      Bei allen bisher schon weit fortgeschrittenen Informationen zum Thema frage ich mich immer noch, und eine mir schlüssige Erklärung fehlt nach wie vor, warum an den Trimmern unbedingt herum gestellt werden soll, nur weil es sie gibt?

      In vermehrtem Maße gilt dies natürlich auch für die Sperrkreise.
      Diese sind zur einmaligen Werkseinstellung in der Fertigung vorgesehen, sie werden sicher mit speziellen Apparaturen eingestellt worden sein

      Ich sehe keinerlei Anlaß solche Einstellungen zu verdrehen, den Spieltrieb höchstens wenn nicht massive Reparaturmaßnahmen eben da diese Teile zerstört haben und ganz neue eingebaut werden mußten. Der Abgleich verstellt sich nicht, außer durch Zerstörung.

      Btw. kommen oben irgendwo mal beschriebene nichtlineare Verzerrungen (Klirren) praktisch nie von in der Amplitude unstimmigen BIAS-Werten, dazu sind gröbere Fehler oder gar Defekte nötig. Dann aber erklärt sich der Löschoszillator auch mit grob erfaßbaren Problemen wie partielle oder komplette Löschverweigerung und starken linearen Verzerrungen (Verbiegungen der Amplitudenlinearität Frequenzschriebe).

      Btow. können trotz dieser aller guten Tips dennoch massive Probleme bei der Messung auftreten, wenn die Masseebenen nicht korrespondieren wollen. Man muß dann den Wechselanteil vom Gleichanteil der Masseebenen abtrennen und getrennt dem Oszilloskop zuführen.
      Und das alles nur für Lullu bei auf ihrem Niveau eigentlich funktionierender Maschine, halte ich für sinnlos.
      Gruß Jogi
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