Saba Konstanz 8

      Saba Konstanz 8

      Hallo,
      nach langer Zeit melde ich mich zurück und bitte um Eure Hilfe! Nach langer Suche habe ich das o.g. Radio bekommen. Es ist äußerlich in schlechtem Zustand, wobei ich gleich bei meiner ersten Frage wäre: Mein Radio ist in der typischen dunklen Farbe. Ich möchte das es zukünftig heller ist. Es gab diese Geräte ja auch in hellerem Farbton. Hatten diese auch ein helleres Furnier, oder wurde eine hellere Beize verwendet? Welche Beize, z.B. von Clou wäre geeignet? Bekomme ich beim Abbeizen überhaupt die alte Beize vollständig entfernt? Die zweite Frage betrifft die Elektronik: Kondensator C 73 an der Anode der EL 84 hat 500pF bei 500V Wechselspannung. Dafür kann ich nirgends Ersatz finden. Einzig bei Reichelt einen Scheibenkondensator für 500V Gleichspannung, kann ich diesen verwenden? Vielen Dank für Eure Hilfe!
      Gruß
      Wolfgang
      Hallo Wolfgang,

      die dunkle Ausführung entstand damals durch Dunkelbeizen, die helle durch Nicht-beizen. Wobei es beim "Gonschdanz 8" auch noch die Variante hell mattiert gab, (da er als Durchläufer auch noch im folgenden "9"-Jahrgang, also Saison 1958/59, im Programm war; in diesem Jahrgang hat Saba die Ausführung hell-hochglanz durch hell-mattiert ersetzt). Wenn du den alten Lack abbeizt, wird das Holz auf jeden Fall heller, wie hell, wird sich zeigen.
      Da gibt es aber ausgesprochene Fachleute hier im Forum.

      Warum du keinen Ersatz für den 500pF-Kondensator gefunden hast, erschließt sich mit nicht. 470p/1000V ist der Folienkondensator der Wahl, der dürfte locker erhältlich sein.

      BEste Grüße
      Stefan
      Hallo Wolfgang,

      Saba hat bei der Fertigung von ihren Holzgehäusen auf die Auswahl des Furnieres keinen besonderen Wert gelegt. Die Gehäuseteile wurden aus großen nussbaumfurnierten Holzplatten auf Maß geschnitten, hierbei hat man weniger Wert auf die Farbgebung des Naturholzes als auf möglichst wenig verschnitt gelegt. Da Nussbaumfurnier im Kern dunkler ist als der äußere Teil des Stammes kam es beim Zuschitt vor, das helles und dunkles Furnier direkt nebeneinander lagen und einen abruppten Übergang bildeten, was optisch nicht perfekt ist. Durch beizen kann man diese Farbübergänge nicht retuschieren, daher hat man eine andere Methode angewand, desweiteren kann man durch beizen kein Holz aufhellen, nur dunkler tönen. Kommen wir zu der Vorgehenweise, man hat dem Klarlack in der ersten Lackschicht eine Pigmentur, hell oder dunkel, beigemischt, so war es möglich die Farbübergänge des Furnieres zu verstecken. Je mehr man von dieser beigemischten Pigmentur auf eine Stelle aufgetragen hat, desto dunkler bzw. heller wurde die Stelle, nachteil hiebei ist das die Holzmaßerung an strucktur verliert. Wenn du also den alten Lack entfernst kommen die Farbunterschiede der Furnieres wieder zum Vorschein, nachbeizen wird das nicht wettmachen, da zwar helles Holz dunkler wird, aber auch dunkles noch dunkler und der Übergang immer sichtbar bleiben wird. Du kannst also davon ausgehen, das bei sehr dunklen Gehäusen viele dieser, ich sag mal furnierfehler vorhanden sind, ist aber nicht zwingend der Fall, da zu dieser Zeit eher dunkle Gehäuse gefragt waren.

      Noch einen Tip zu dem Kondensator C75 500/470pF 500V~ an der Anode der EL84, der ja einseitig an masse liegt und das aufschwingen hoher Frequenzen verhindern soll. Den gleiche Efekt erreichst du, wenn du diesen Kondensator parallel zur Primärspule des Ausgangsübertrager lötest. Der Vorteil liegt darin,das wenn dieser Kondensator durchschlägt der Ausgangsübertrager nicht zerstört wird, sondern nur das Radio verstummen läst, man bezeichnet diesen Kondensator auch als AÜ-Killer.
      Nur wer gegen den Strom schwimmt gelangt zur Quelle, tote Fische schwimmen mit dem Strom!

      Gruß "Plastik" Franz
      Hallo,
      vielen Dank für Eure Antworten! Bislang habe ich nur einen Kondensator gefunden, und zwar einen Wima FKP 2. Der ist für 1000V Gleichspannung, aber nur 250 V Wechsel. Ist er trotzdem der Richtige? Was bedeutet parallel zur Primärspule? Welcher Anschluß ist das? Ich bin kein Fachmann, nur ein Bastler. Bei der Beize wird es dann wohl wieder dunkel werden müssen, habe ich das richtig verstanden?
      Gruß
      Wolfgang
      Hallo Wolfgang,

      hier ein Auzug aus dem Schaltbild zeigt dir wie du den Kondensator einlöten kannst.

      Ich würde erst mal den alten Lack entfernen und schaun was sich darunter verbirgt. In der Regel würde ich garnicht beizen, zumals du ja das Gehäuse heller haben möchtest, zum Test kannst du das entlackte Gehäuse mit etwas Wasser anfeuchten, diesen Farbton wird es dann behalten wenn du es später mit Klarlack lackierst. Wenn dir das nicht gefällt kannst du immer noch dunkler beizen.
      Bilder
      • Endstufe Konstanz 8.jpg

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      Gruß "Plastik" Franz
      Hehe, schön dass sich Lollocat gleich gemeldet hat - den habe ich mit "ausgesprochene Fachleute" in erster Linie gemeint. :)

      Nochmal ein Wort zum bewussten 500pF-Kondensator. "AÜ-Killer" trifft's zwar, aber nicht mehr wenn er durch einen geeigneten modernen Typ ersetzt ist. Es ist allerdings NICHT das gleiche, ihn statt gegen Masse gegen Plus zu schalten. Das würde voraussetzten, dass Plus und Masse auch für höhere Frequenzen identisch (gegen 0 Ohm) ist. Das bekommen die Netzteilelkos aber nicht unbedingt auf die Reihe. Man müsste also den Netzteilelkos einen entsprechenden kleinen (Folien- oder Keramik-)Kondensator parallelschalten. Damit hat man aber wieder einen "gefährdenden" Kond von Plus nach Masse und es wäre nix gewonnen. Und das ist auch der Grund, warum die Entwickler damals die 500 pF eben nicht von Anode (EL84) nach Plus sondern nach Masse geführt haben. Die waren ja nicht blöd.

      Gruß
      Stefan
      Die Nase sagt mir das ein solcher Kondensator ruhig gut sein darf, nicht der übliche maximal mittelgute Folienkram minderer Durchschlagfestigkeit und auch nicht nur bis 500V an dieser Stelle (ein Wert der bei Feldwaldwiesen-Folien durchaus üblich). Früher hat es keine Rolle gespielt, war ein Radio durchgeritten stieg man auf das nächste um, heute mache ich da keine Kompromisse angesichts der Lage. Da kommt nur was Robustes wenn der Alte hinüber ist, mindestens mit Nennbelastbarkeit 2500V wo solch gravierende Folgen drohen.
      Gruß Jogi
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      Hallo,
      vielen Dank für Eure interessanten Antworten! Den o.g. Kondensator werde ich bestellen und gleich welche mit für meinen anderen Sabas. Beim Meersburg 8 und Freudenstadt 7+8
      gibt es diese Kondensator ja auch. Was ich da mal eingebaut habe, weiß ich nicht mehr aber bestimmt keine mit so hoher Spannungsfestigkeit. Noch eine blöde Frage zu Elkos: Der C77 ist ein 15mF/ 350V. Kann ich hier auch einen mit 22mF einbauen? Reichelt und V. Friedrich haben den leider nicht, müsste ich bei Conrad einzeln bestellen. Und die Elkos C76,C75 und C80: Soll ich hier welche mit 100mF einbauen? Der Doppelelko ist leicht ballig, also vermutlich defekt. Der Gleichrichter ist ein Silizium mit 2 Ampere.
      Der Lack ist zum Teil ab, darunter sieht es sehr dunkel aus...
      Gruß
      Wolfgang
      Also einen Kondensator mit 18 Mikrofarad und 350 Volt Spannungsfestigkeit bekommste z.B. bei dem grossen "C" für 18 Cent oder für 1,02 Euro von Panasonic oder ein Folienkondensator mit 400 V Spannungsfestigkeit für 4,80 Euro, oder einen Axialen mit 450 Volt Spannungsfestigkeit für 1,22 Euro.

      Anmerkung: du kannst von den Volt drüber gehen, du kannst einen 63 Volt Kondensator mit einem 1000 Volt Kondensator ersetzen, nur drunter gehen solltest du blos nicht - das hält der Kondensator sonst nicht aus und explodiert dir im dümmsten Fall. Von der Kapazität kannst du eine Stufe drüber gehen, aber von 15 mF auf 22 mF würde ich nicht gehen, zumal ja keine Not besteht, man bekommt ja genügend Ersatz wie oben allein bei Conrad schnell mal geschaut :)

      Ich bin nicht der Fachmann - aber im Regelfall ist es eher sinnvoller etwas höher zu gehen von der Spannungsfestigkeit um sie haltbarer zu haben, gerade da du teilweise sehr hohe Peaks hast - ich habe bei der Reparatur meines Freudenstadt 8 Peaks von 430 Volt gemessen kurzfristig an Punkten an denen "nur" 250 Volt anliegen, vielleicht sagt ja einer der ganzen hilfreichen Mitglieder hier nochmal.

      Liebe Grüße

      Rainer

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Rawa 71“ ()

      Kurz was zu Kondensatoren.

      Das mit µF und mF wurde ja gerade geklärt, 1 mF = 1000 µF.
      Früher hatte man runde Werte, nicht die E-Reihen mit ihren krummen Werten.
      Durch Parallelschaltung kommt man beliebig genau an den gewünschten Wert.
      In dem Fall gibt es kaum einen Unterschied, ob 470 pF oder 500 pF.
      Man darf nicht die Toleranz vergessen, die war früher meist hoch.
      Mit 220 pF und 270 pF käme man auf 490 pF, schon recht nahe dran.

      Beim "AÜ-Killer" würde ich Entstörkondensatoren wie Y-Kondensatoren nehmen.
      Deren Spannungsfestigkeit (Impuls) ist üblicherweise im kV-Bereich.
      Aufgedruckt ist die Wechselspannungsfestigkeit, an der sie meist betrieben werden.
      Ist z.B. ein Y-Kondensator für 500 Volt Wechselspannung geeignet, ist das hier mehr als genug.
      Selbst Kondensatoren Y2 müssen schon für einen Impuls 5000 Volt geeignet sein.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Andreas hat natürlich völlig recht.
      Man soll immer ein Anforderungsprofil von jedem Typ für jeden Zweck aufstellen und dies mit dem Angebot abgleichen, dann erspart man sich auch diversen Ärger bis hin zu Zerstörungen.
      Hier fallen unter das benötigte Profil eben die erwähnten Kondensatoren, präzisiert Kondensatoren mit einem "besseren" Isolator als der billige 08/15 Folienkrempel in modernen Kofferradios.
      Röhrenradios beinhalten so wenige Kondensatoren das man bei diesem Konzept noch lange nicht vor die Hunde geht, es ist eher wie LEGO, die Teile sehen immer gleich aus aber das Resultat ist unterschiedlich je nachdem wieviel Mühe man dem Detail widmet.

      Tabellen der Hersteller geben deutlich Auskunft darüber in welcher Abstufung verschiedene Folien und Stoffe besser als Folien für welche Zwecke brauchbar sind. Das kann man sich natürlich problemlos selber erarbeiten. Dann braucht man auch nicht jedesmal für jeden einzelnen Fall und Typ die Nasen anderer nach Würmern abzutasten, sondern lernt wie beim Autofahren einmal das System anstatt an jeder Kreuzung, ob eckig, rund oder schief anhalten und fragen zu müssen wer denn nun hier Vorfahrt hat, nur weil die Ecke anders aussieht als die letzte.

      Papier/MP ist eben auch nicht bloß buh und bäh sondern durchaus noch aktuell, je nachdem worum es geht.

      Bei Elkos hilft einem auch der gesunde Grundsachverstand.
      Es kann irgendwie nicht sein das ein millimetergroßer Elko nur deshalb in einem Röhrenradio lange lebt weil ein hoher Spannungswert aufgedruckt ist. Es ist mir immer wieder erstraunlich zu sehen wie ganze Radio-Innenleben heute manchmal voller solcher Stecknadelköpfe gefüllt werden wo vorher dezimetergroße "Töpfe" saßen. Merkt eigentlich da niemand mehr das das nicht auf Dauer betriebssicher klappen kann?
      Elkos wurden weiterentwickelt, logischerweise, aber Luft und Raumnahme zur Gesunderhaltung im gemütlich beheizten Umfeld sind dabei ab Werk überhaupt nicht mehr berücksichtigt, ebensowenig die riesengroß erscheinenden (im Vergleich zur Niederspannungs-Halbleitertechnik) Überlagerungshübe sowohl als Festgrößen als auch als dynamische Vorgänge. Wie soll solch verminiaturisiertes Zeug die Verlustenergien ausschwitzen, wenn es kleiner als eine Stubenfliege ist?
      Kurz, in Röhrenschaltungen gehören taugliche Elkos großer und gut akklimatisierender Bauform erforderlich.

      Vom unpassenden Aussehen unpassender Teile mal ganz abgesehen.
      Einerseits schreien Leute nach großen Geldbeträgen für bestimmte Radios, auch wenn da dann "restauriert" dransteht, andererseits macht man sowas dann auf und findet solche Krümelchen-Bauelemente anstelle anständigen Gegenwertes. Da paßt doch dann was nicht.
      Gruß Jogi
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Jogi“ ()

      Hallo,
      ihr habt mir bis hierhin viel geholfen. Vielen Dank dafür! Sobald ich die neuen Kondensatoren habe, brauche ich vielleicht nochmal Eure Hilfe. Das Gerät ist an einigen Stellen verbastelt. Gelötet wurde anscheinend mit einem 40 Watt Kolben, dennoch gibt es offene Lötstellen. Z.B. wurde der berühmte Kondensator an der Anode der EL 84 getauscht durch einen mit 1500pF/400V dessen Anschlußdrähte wurden nicht gekürzt und sogar noch mit den abgekniffenen Drähten des alten Kondensators verbunden.
      Gruß
      Wolfgang
      Ich löte an an Stützpunkten verdrahteten Röhrenschaltungen nicht mit einem Feinlötkolben, sondern mit einem 60W ungeregelten Weller mit Flachspitze oder einer Schnellheiz-Pistole 100W.
      Oft muß hier viel zu viel gebraten werden wenn die Leistung niedriger und der Kolben geregelt ist.
      Die feinen Sachen wie Regel-Lötstation fangen bei mir erst ab Leiterplattentechnik an und wird es noch feiner, bis etwa SMD, dann kommt die Lötnadel zum Einsatz.
      Gruß Jogi
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      Hallo,
      wie vermutet brauche ich Eure Hilfe. Der Sendersuchlauf funktioniert nicht. Kein Ruckeln, kein Schnelllauf, nichts außer das Motor schwach warm wird. Sämtliche Papierkondensatoren und Elkos habe ich erneuert. Ich glaube, der Fehler liegt bei der EAA 91 dort kann ich keine Anodenspannung messen. Am Filter habe ich folgendes gemessen: 7= -1,4V; 14= -1,4V; 12= 166V.An der EAA91: 1= 0V; 2= -1,4V; 3u.4 Heizung 6,5V Wechselspannung;5= 0,2V; 6= 0; 7= 0,33V. Kondensator C222 hat 400nF, soll ich dort einen mit 330NF oder 470nF einbauen? Provisorisch habe ich erstmal einen 470nF mit 400V eingelötet.
      Ansonsten spielt das Radio, bis auf eine kleine Ausnahme, sehr gut. Die Ausnahme: Nach dem Einschalten spielt es erst wenn ich eine Antennenbuchse berühre. Fühlt sich für mich so an, als müsste ein Kondensator entladen werden.
      Gruß und noch schöne Weihnachten wünscht
      Wolfgang

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Heizer“ ()

      Heizer schrieb:

      .......und sogar noch mit den abgekniffenen Drähten des alten Kondensators verbunden.
      Gruß
      Wolfgang


      Ich habe schon die Drähte verlängert und habe dabei schlicht und ergreifend von einer LED die Beinchen abgekniffen und diese wieder an mein Bauteil angelötet - wo ist das Problem wenn man ein Bauteil an den "alten" Drähten des getauschten Bauteiles anlötet ?


      Zum Thema: prüft man einen Motor nicht auch mal auf den Zustand der Schleifkohle ? Gerade bei diesem Alter ? Wenn von der EAA 91 keine Ansteuerung kommt dürfte der Motor doch auch nicht warm werden ... ein "Warm werden" deute ich als ein " der Motor will, kann aber nicht..." --- hier wieder mein Laiendenken :) Aber vielleicht ja hilfreich da man als Profi ja auch mal vor Lauter Wald keine Bäume findet...

      Grüße

      Rainer