Harman Kardon Receiver HK 990Vxi von 1988/89

      Harman Kardon Receiver HK 990Vxi von 1988/89

      Hallo Forenfreunde,

      Eigentlich lass ich meist meine Finger von „neumodischem“ Zeugs, das Mikroprozessor-basiert oder weitestgehend SMD-bestückt ist. Mit anderen Worten, meine handwerklichen Künste stoßen bei der Technik gegen Ende der 80iger Jahre, spätestens um ca. 1990, an meine Grenze und die (für mich) meist nicht ausreichende Dokumentation der Einzelheiten Mikroprozessorsteuerung bringt mich bei der Fehlersuche schon mal zur Verzweiflung oder es dauert 5x so lange, bis ich mich da durchgefressen habe.

      Neulich habe ich dann aber doch diesen Harman Kardon Stereo-Receiver von 1988/89 angenommen, um dort „nur“ mal eben den unter Ausfallerscheinungen leidenden Balanceregler wieder kontaktfreudig zu machen. Das war es dann allerdings nicht alleine, wie Ihr Euch schon fast denken könnt.

      Der HK 990Vxi ist einer dieser 80iger Jahre schwarzen Kästen, die damals von allen Herstellern fast gleich aussahen, entsprechend dem Geschmack der Zeit. Dies war damals das Spitzenmodell von Harman Kardon. Die Prospektangaben verraten, dass hier ein gegenüber den 70iger Jahren ein ganz anderes Konzept realisiert wurde, was dann in der Werbung als besonders vorteilhaft für den Klang herausgestellt wurde und ein „Alleinstellungsmerkmal“ sein sollte.



      Ich kann gleich sagen, dass der HK990Vxi gut klingt, aber für meine Ohren nicht besser als Geräte der 70iger Jahre von Saba, Grundig, Kenwood, Pioneer, Yamaha,....

      Das Konzept des HK990Vxi ist etwa dies:

      Kein Augenmerk mehr auf besonders niedrigen Klirrfaktor (THD), sondern auf geringe Gegenkopplung kombiniert mit hoher open-loop Bandbreite. Beim HK990Vxi sind daher „nur“ THD-Werte von 0,04-0,07% von 20Hz-20kHz realisiert. Das haben aber bereits Verstärker/Receiver gekonnt, die 10 Jahre oder mehr älter waren, allerdings bei meist etwas geringerer Bandbreite. Der HK990Vxi hat Gegenkopplung von nur 12dB und dafür „etwas mehr THD“, aber ja immer noch so wenig, dass sie unhörbar ist.

      Die statischen Intermodulationsverzerrungen 250 Hz : 8 kHz (4:1) sind ernüchternd, nur relativ schlechte 0,25% werden bei 90W Ausgangsleistung an 4 Ohm erzielt. Das ist fast 4x so viel wie Verstärker aus den späten 70igern – eine Folge der von HK hier anders gesetzten Prioritäten. Denn stattdessen wurde auf möglichst geringe (dynamische) TIM-Verzerrungen wert gelegt, die sind hier unmessbar klein.

      Hohe Bandbreite bis zu niedrigsten Frequenzen bei linearem Phasengang von 20Hz-20 kHz (selbst über den Vorverstärker, Klangregelnetzwerk) und „schnellen“ Transistoren = hohe slew rate (180V/µs). Dadurch perfekte Rechteckwidergabe von 20 Hz bis über 20 kHz.



      Hohe Stromlieferfähigkeit, auch für Impedanzverlauf bis 2 Ohm geeignet.

      Im FM-Tunerteil fehlt ein LP-Filter, um den Pilotton und Hilfsträger (samt deren IM-Komponenten) ausreichend zu unterdrücken. Die Pilotton- und Trägerdämpfung wird alleine dem Stereodecoder-IC Sanyo LA3410 überlassen. Dadurch Pilottonunterdrückung von nur 25dB. Eine so schlechte Dämpfung habe ich bisher nur bei einem Neckermann-Körting Tuner von 1968 gesehen, der als ausgesprochenes Low-Budget HiFi (Low-Fi) Gerät angeboten wurde. Von einem „top-of-the line Harman-Kardon Receiver BJ 1988/89 hätte ich das nicht erwartet. Da hat man wohl gebetet, dass keiner mehr Bandaufnahmen mehr macht. Sonst sind Pfeifinterferenzstörungen mit dem Tonband-Oszillator vorprogrammiert. Offensichtlich fand HK, dass eine gute Pilottonunterdrückung und eine gute FM-stereo Hochtonwiedergabe nicht zusammengehen und sich den (bescheidenen) Aufwand eines 19 kHz-Filters ganz gespart.




      Das Tunerboard liegt oberhalb des Verstärkerboards, wird von letzterem von unten beheizt. Leider der Langzeitzuverlässigkeit und Stabilität nicht förderlich. Es ist deshalb eine allgemeine Krankheit der HK 880Vxi und 990Vxi Receiver, dass nahezu alle Lötstellen des Tunerboards duch Jahrzehnte Dauerbeheizung geschädigt sind. Hundert(e) Lötstellen sind nachzulöten. Ausserdem sind die keramischen Filter durch die Wärme ungleichmässig gealtert. Die ursprünglich spezifizierte gute Klirrarmut bei FM-stereo (0,1%) ist nicht mehr gegeben. Werte von ca. 0,3% bei „ZF-breit“ und von 0,8% bei „ZF-schmal“ sind daher die Folge.

      Insgesamt gibt also der HK990Vxi ein sehr gemischtes Bild ab. Einerseits exzellentes Verhalten bei TIM-Verzerrungen, Phasengang und Phasenverzerrungen, sehr guter Signal-Rauschabstand, große Bandbreite, andererseits nur durchschnittliche harmonische Verzerrungen, enttäuschende statische Intermodulationsverzerrungen, sehr schlechte Pilottondämpfung, schlechte Langzeitzuverlässigkeit (Lötstellen, Alterung Keramikfilter).

      Nun zu meiner kleinen Arbeit – Kontakt im Balancesteller wieder herstellen. Dafür musste ich das darüberliegende Tunerboard ausbauen und dabei konnte die Display-Hintergrundbeleuchtung (zwei Birnchen 12V, 60mA) gleich mit erneuert werden.

      Nach Wiedereinbau des Boards Wackelkontakt in der Stromversorgung, dann Totalausfall. Der auf dem Board befindliche Linearregeltransistor hatte so schlechte Lötstellen, dass der Kontakt verlorenging. Durch die Spannungs- und Stromsprünge beim Ausfall dann Folgeausfall eines weiteren Transistors der Stabilisierung. Damit nicht genug, nach Ersatz und Nachlöten dann Ausfall des Stereodekoders, der für max 16V spezifiziert ist, aber beim Defekt der Versorgung mit 18,5V über seinem Maximalwert belastet wurde.




      Den Stereodekoder erneuert (Sanyo LA3410), das Tunerboard vollflächig nachgelötet, zwei Elkos am Dekoder vorsichtshalber ersetzt, alles wieder zusammengebaut, Kanaltrennung des Dekoders nachgeglichen – funktioniert! Funktioniert ja, aber bei manueller Senderwahl gibt es keine Stereowidergabe, nur wenn die Suchlauffunktion („seek“) ebenfalls zugeschaltet ist. Das steht nicht in der Bedienungsanleitung. In der Anleitung steht gar nichts zur mono-stereo Umschaltung. Diese Suchlauftaste ist noch gleichzeitig mit der Mutingschaltung für schwache Feldstärke gekoppelt. Steht auch nicht in der Anleitung. Wenn man also UKW-stereo wiedergeben möchte, muss „seek“ geschaltet sein, egal ob ein gespeicherter Festsender abgerufen wird oder ob man manuell die Empfangsfrequenz wählt (und danach dann noch auf „seek“ schalten muss). Schwächere Sender werden so aber gar nicht wiedergegeben, dafür muss „seek“ wieder abgeschaltet werden, dann Empfang nur in mono, allerdings dann auch schwache Sender mit sehr guter Empfindlichkeit.

      Das Verhalten empfinde ich als ungewöhnlich. Zunächst habe ich nach einem weiteren Fehler gesucht. Der Schaltplan zeigt aber, dass alles so genauso gedacht und konstruiert ist. Nur wenn ein Stereosender empfangen wird und zusätzlich „seek“ geschaltet ist, wird die „VCO-stop“ Schaltung des Stereodekoders deaktiviert. Bei Mono-Empfang und wenn „seek“ nicht eingeschaltet ist wird der Oszillator des Dekoders abgeschaltet, also nur mono-Wiedergabe. Der Mikroprozessor stellt dafür die notwendigen Schaltspannungen zur Verfügung. Gemäss Schaltplan ist letztlich ist bei Empfang eines Stereosenders die (Vorwärts-)Schwellenspannung einer Si-Diode der Schaltung massgeblich dafür, ob ein Schalttransistor, der das Signal, das „VCO-stop“ bewirkt durchschaltet oder offen bleibt. Der betreffende npn-Schalttransistor ist vom Typ RN1203 (UN4212) mit integriertem 22k Basisvorwiderstand und Basis-Emitter Widerstand. Dadurch benötigt er an seiner „quasi-Basis“ statt der üblichen 0,6V zum Durchschalten hier wenigstens 1,7V. Durch Ersatz dieser Si-Diode (D353) durch eine blaue LED in Durchlassrichtung konnte ich die Schwellenspannung hinreichend erhöhen, so dass nun auch ohne dass „seek“ geschaltet ist, immer stereo automatisch wiedergegeben wird, wenn ein Stereosender mit hinreichender Feldstärke empfangen wird. So sollte es m.E. sein.




      Wenn man mono möchte, gibt es dafür noch eine „mono“ Taste, die schaltet nicht nur beide Kanäle zusammen sondern auch den Dekoder auf mono, so dass auch der günstigere mono-Rauschabstand gewährleistet ist.


      Mal was anderes. Aber dieser Receiver hat mich nicht so voll und ganz überzeugen können.

      Gruss
      Reinhard

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      Hallo Reinhard und Leser.
      Bei einem Mittelklasse HiFi-Tuner T35 wurde 1984 der SANJO Stereo-Decoder 3410 eingesetzt.
      Das Datenblatt sagt: Traegerreste 31 db unter Signal
      Die Mindenstanforderungen der HiFi Norm DIN45500 sagt:19Khz =>25dB und 38Khz =<31dB
      GRUNDIG T35= 60dB und 65dB
      Die Testzeitschriften haetten uns als D-Firmen fertig gemacht, wenn sie nur 1db weniger Pilot- und Hilfstraeger-Reste gefunden haetten, als es ihre Vorstellung nach sein sollte.
      Exoten waren eben von Natur aus besser.
      Hans
      Bilder
      • T35-Decoder.png

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      • SANJO-LA3410.png

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      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von „decoder“ ()

      Hallo Hans,

      ja, danke für Deinen Hinweis.
      Nicht umsonst sieht die Sanyo Standardapplikation ja deshalb zusätzlich ein low-pass Filter hinter den Dekoderausgängen vor, wie Dein Auszug aus dem Datenblatt auch zeigt. Das ist aber beim HK990Vxi nicht drin, wie man auch am Foto vom Platinenbereich um den Dekoder LA3410 sehen kann, da gibt es nur je in RC-Glied für die Deemphasis pro Kanal und dann geht es über einen Koppelkondensator in den NF-Verstärker.






      Die 31 dB kann ich für mein Exemplar nicht bestätigen, 25-28dB schafft er ohne LPF, mehr nicht. Sieh' selbst in der Messung (1 kHz Signal als Referenz), die ich hier anfüge. Besser als gezeigt, ging es nicht. Das Sanyo Datenblatt gibt auch keinen spezifizierten Bereich für die Dämpfung an, sondern sagt nur "typisch 31 dB", ohne sich auf einen Minimalwert festzulegen. Es überrascht nicht, dass Harman Kardon "vergessen hat" in den Spezifikationen für den HK990Vxi (und HK880Vxi) entsprechende Angaben zu machen.




      Ich habe das auch deshalb extra herausgestellt, weil der Verzicht auf den low pass Filter bei nur 25dB Pilottondämpfung (selbst noch bei 31 dB) bei einem Hochpreisgerät, wie hier, unverständlich ist.

      Du sagst, Grundig T35 Pilottondämpfung 60 dB, Hilfsträgerdämpfung 65dB, das ist ein Wort (natürlich mit low pass Filter)! Aber auch wenn es je nach Hersteller/Gerätetyp bei älteren Typen mal nicht ganz so spitzenmässig war, so doch wenigstens >40 bis ca. 55dB, bzw. 55-65 dB gut, bzw. >65 dB als sehr gut (nach vielen Messungen an Tunern/Receivern der 70iger Jahre bis Anfang 80iger).

      Beispiele (Messungen):

      Saba 8080 19 kHz/38 kHz 65/60 dB
      Saba 9241 65/ >65 dB
      Grundig RTV901 40/60

      Aber hier, beim Harman Kardon.... :thumbdown:

      Gruss,
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Hallo Reinhard.
      Die GRUNDIG Decoder ohne IC's haben die Deemphassis im Decoder im M- und S-Kanal und nicht am Ausgang der Matrix Da fehlen deshalb mehr als 18db an Daempfung bei gleichem Filteraufwand nach dem Decoder. Die koennen nicht so viel unterdruecken.

      Das zur Info, gruss hans

      Das Bild zeigt den Ur-Decoder .Das Matrixsystem hat den Vorteil das schon der S-Kanal mit der Deemphassis die Stoerungen absenkt.
      Der M-Kanal hat ein varriables R/C- Glied, womit die beiden Deemphassis- Abfaelle gleichgestellt werden. Weil das nicht 100%tig stimmt, ist das Übersprechen immer schlechter als Schalter- oder Hüllkurven-Typen. Im Rauschen aber erst mit dem MC4500A oder TDA1578A plas MPX- Filter vor dem decoder, wieder erreicht.
      Hier der Ur-Decoder for USA radiomuseum.org/r/grundig_stereo_decoder_2.html
      Bilder
      • grundigmpx.png

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      • Decoder-6_kno.png

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      • DEKODERMATRIX_kno.png

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      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von „decoder“ ()

      Hallo Hans,

      Du hattest das schon früher ausführlich beschrieben im Zusammenhang mit ausführlicherer Diskussion von Stereodekodern, ich erinnere mich daran. Ich glaube, es war in meinem früheren Beitrag zum RTV 901. In dieser Hinsicht ist mein Vergleich mit dem RTV 901 zwar nicht ganz fair, andererseits aber doch, da selbst der RTV 901 in der Pilotton- und Hilfsträgerdämpfung viel besser ist als das Harman Kardon 1988/89 Receiver Spitzenmodell. Das ist ja der Punkt, auf den ich hinaus wollte und hier nicht Kritik am RTV 901!

      PS: Habe oben noch Bilder eingefügt.

      Gruss,
      Reinhard
      Hallo Reinhard,

      danke für die Vorstellung des HK. Die unterschiedlichen Priortäten, sicher dem jeweiligen hifilosophischen Zeitgeist geschuldet, sind interessant. Auch ab den Nullerjahren lautete die Maxime ja bei einigen Herstellern möglichst wenig Gegenkopplung, umso "luftiger" und "freier" klingts. (Gut, das können meine Grundigs und Sabas auch, da reiß ich halt das Fenster auf, gerade jetzt im schönen Frühling).
      Aber im Ernst, könnte die nachlässige Pilotunterdrückung vllt. anders erklärt werden? Zu jener Zeit hatten viele, besonders jap. Cassettendecks ein (schaltbares) MPX-Filter im Eingang. Vielleicht haben sich die Jungs von HK darauf berufen?

      Hallo Hans,

      danke für die Schaltung des Ur-Decoders, die kannte ich noch nicht. Spannend! Was mich verwundert, die Pentode verstärkt gleichzeitig die 19 und die 38 kHz? Okay, phasengleich sind sie ja, es "fühlt" sich trotzdem seltsam an. Und ab Decoder 4 habt ihr die Aufgaben ja auch zwei separaten Trioden übergeben.

      Und wo wir schonmal bei Decodern sind (nomen est omen)... ich warte noch heute auf des Rätsels Lösung, warum die Umschaltstufe im Dec. 6 wieder mit einer Triode bestückt wurde, obwohl doch schon der Vorgägner 5 an der Stelle einen modernen Transistor enthielt.
      ;)

      Beste Grüße
      Stefan
      Lieber Stefan.
      Vielleicht kann ja Jeder die Frage EC92 mit 3 Saetzen beantworten, ich als Vater dieser Technik, nicht.
      Das geht dann wieder ins www wie das hier
      Stromversorgung Meersburg W5 - 3D
      und w ird zu Luftnummer, ohne Abschluss. Es ist ja nicht unbedingt notwendig den genauen Grund zu kennen. Solche Loesungen haben meist mehrere Gruende.
      Die vielen Sammler von Downloads, haben den Vorteil, ich das Ofenrohr aber leider keinen Berg.
      Da SABA-Forum ist wieder darauf angewiesen oder in der Lage, meinen Singsang zu glauben oder nicht! Lediglich der Jogi hat reagiert, war aber nicht der Fragende.
      Themen ohne den endgueltigen Status festzulegen, sind mir eine Graeul, das bin ich eben so gewohnt.
      Gruss hans

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „decoder“ ()

      Hallo Stefan,

      die Harman Kardon Cassettendecks der gleichen Zeit haben alle ein MPX-Filter (19 kHz Dämpfung von 30-35dB). Das wäre sicher die Antwort von Harman Kardon gewesen, wie Du auch sagst. Ist natürlich trotzdem Käse für alle, die ein Bandgerät ohne MPX-Filter benutzen wollen.

      Und System hatte das auch. Sämtliche HK Tuner der zeit (TU 909, TU 911, TU 920) haben dieselbe Schaltung mit LA3410 ohne Pilotton- und Hilfsträgerfilter! Hunde und Katzen müssen sich dann eben die Ohren zuhalten, wenn Radio läuft!




      Bei keinem Tuner wird von HK in der Spezifikation Pilotton- oder Hilfsträgerunterdrückung genannt. Hier am Beispiel TU 920, das damalige Spitzenmodell von HK:





      Hallo Christian,
      Freut mich, wenn mein Geschreibe von Interesse ist! Du motivierst, Danke!


      Grüsse,
      Reinhard
      Ich will da garnicht groß in der Buchstabensuppe graben.
      Tunerausgang der noch relevante andere Dinge in störender Höhe als das bloße Audiosignal nach außen führt ist schlicht und ergreifend Mist.
      Kein DBX, kein High-Com, kein Dolby-S toleriert das auch nur ansatzweise, so kommen besch... Ergebnisse wie Dynamikfehler und Pumpen auf die dadurch unerträglich werdende Musikaufzeichnung.

      Nächsten Fehler trifft man im völlig überflüssigen Subsonic-Keller. Wer "ab-0Hz-Verstärker" in Endkundenregale stellt ist sicher nicht der intelligenteste HIFI-Anbieter. Ebenda oben Geschriebenes gilt in gleicher Weise für Infra- wie Ultraschall. Zeitkonstanten-Umschaltung läuft sich dull an Störsignalen unter 30...40Hz. Da gehört nichts mehr hin und nichts übertragen, da immer mit Aufnahmegeräten und NR-Systemen zu rechnen ist und alles andere keinem HIFI-Kunden einzutrichtern ist.

      //
      Bei meinem Standard bis in die frühen 90er, High-Com, habe ich immer Wert darauf gelegt steilflankig und unerbittlich außerhalb ab 35Hz...18kHz Kleinholz aus den überflüssigen Störsignalen aller Art zu machen. Tchebyshev ist das mindeste was man da einfordern muß, lieber zwei davon in Serie (was die Sub angeht). Und messerscharfe Kerbfilter sowie ein scharfes Shelf für die Fo ebenso. Und vor allem keine sinnlosen Abschalter, an denen der Endkunde seinen Spieltrieb befriedigen kann, wozu? Wer will Schalter schalten um Düsentriebwerk-Grundtöne und Fledermäuse aufzunehmen?
      Vielleicht ist das der Grund das die Aufnahmen bis heute brilliant und unverschliffen klingen und keinerlei Pumpen bei normaler zu erwartender Musik hörbar aufweisen?
      Gruß Jogi
      -------------
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      [frei nach W. Reus]

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      Hallo Jogi,

      Herr Harman ist aber nicht Deiner Meinung. Im Harman Kardon Prospekt:






      Große Bandbreite (bei wenig Phasenverschiebung) macht natürlich auch beeindruckend schöne Rechtecksignale...

      Macht sich jedenfalls gut, zu behaupten, der Subsonicbereich und der >20 kHz-Bereich seien wichtig für guten Klang. Ist so ein wenig wie homöopathische Globuli - die wirken ja angeblich auch dann noch, selbst wenn rechnerisch nachweisbar bei der extremen Verdünnung gar kein einziges Wirkstoffmolekül mehr drin ist (oder man müsste den Bodensee aussaufen, um ein Molekül zu erwischen).

      ... :rolleyes: Glaube versetzt Berge?

      Der Phasengang war tatsächlich gut (meine Messkurve oben). In wieweit linearer Phasengang über den gesamten Hörbereich tatsächlich hörbar ist, scheint aber immer noch kontrovers zu sein (Ortung von Instrumenten). Jedenfalls kann es grundsätzlich ja nicht schaden...

      Dein Vorbehalt müsste HK in seinen Cassettendecks durch dort eingebaute Filter berücksichtigen. MPX filter ist drin, 19 kHz werden dort 35-40dB abgesenkt. Mit der -25-30dB Dämpfung vom HK-Tuner dann zusammen ca. 60-65dB Absenkung - das geht ja in Ordnung. Ob auch ein Subsonicfilter drin ist, kann ich nicht auf Anhieb sagen. Nachdem, was Du schreibst, sollte es ja. HK rühmt sich ja, einer der Pioniere bei Dolby & Co. zu sein. Aber HighCom wohl eher nicht.

      Gruß
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Hallo die Herren,

      ich gebe Jogi recht, und dem Harman-Standpunkt auch ein wenig. Ich finde es schließt sich nicht aus. Verstärker sollen ruhig einen Übertragungsbereich bzw. eine Leistungsbandbreite deutlich größer als der Hörbereich haben. Kommt der Übertragungsqualität zugute.(Allerdings nicht ab 0 Hz, das ist Unfug weil zu gefährlich.) Aber die QUELLEN, also Tuner und Tonträgerspieler, sollen gefälligst keinen Infra- und Ultraschall LIEFERN. Dann passt das Ganze.
      Und a) Rauschunterdrückungssysteme arbeiten, b) Bandaufnahmen gelingen und c) die Katze freut sich.

      Gruß
      Stefan
      Hallo,

      man glaubt es nicht. Bei HK können Sie also Phasenverschiebungen hören. Nein, können Sie nicht, weil niemand auf der Welt es kann.
      Was man hören kann sind Phasenverzerrungen, die aus nicht konstanter Gruppenlaufzeit resultieren. Bei einem Tiefpass erster Ordnung, was auf alle Hifi-Verstärker zutreffen sollte, ist die Gruppenlaufzeit im Hörbereich aber konstant. Die Werbung von HK ist schlicht und ergreifend kompletter Schwachsinn.

      Und wer sich über dieses Thema wirklich Gedanken macht, sollte seine Boxen jetzt sofort zum Wertstoffhof bringen. Warum?
      Nun jede Frequenzweiche vergewaltigt die Phase und verändert die Gruppenlaufzeit, so dass sogar Phasenverzerrungen entstehen. Hinzu kommt, dass auch die eingebauten Lautsprecher einen katastrophalen Phasengang haben. Diese Effekte übertreffen jede negative Verstärkereigenschaft in Sachen Phase um das 10 bis 100-fache!

      Und nicht vergessen! Selbst sehr gute Boxen "glänzen" mit Klirrfaktoren um 1% und Intermodulationsverzerrungen von bis zu 5%.

      Gruß

      Rolf
      Reinhard, der Herr Harman denkt vielleicht nicht genug vom Ende her -harharhar ;)

      Scherz beiseite.
      In der Elektrotechnik geht man - wie offenbar auch der Ansatz der HK-Philosophie eröffnet - davon aus das ein Audio-Signal dann ungehindert passiert, wenn alle Belastungen um das 5 bis 10fache unterhalb der Durchsetzungskraft der Quelle bleibt. Siehe Anpassung. Das Prinzip nimmt man auch grob für die Abtastung zur Digitalisierung her, mit dem Faktor ~ 2-fach.
      Das ist bei reiner Betrachtung der inneren Abläufe erst einmal ein guter Ansatz. Genauso wie die Bemühung nicht zuviel an der Phasenlage herum zu drehen durch Rückkopplungsschleifen in denen naturgemäß die Rückwärts-Regelung mit ihrer kaum zu beseitigenden Laufzeit relevant ist.

      Wichtig ist aber bei Audio-Geräten - wie ich finde - alle Störeinflüsse zu erkennen und zu vermeiden, nicht nur die paar die man selber durch die Gestraltung der Schaltungen verursacht hat. Ein leichtes Übersprechen um Verstärker ist auch eine Verzerrung aus der Definition heraus das alles was vorher nicht da war, zusätzlich generiert wird durch die Anwendung eines Verstärkergerätes, eben eine Verzerrung ist. Transistorrauschen ist eine Verzerrung, Netzbrumm ist eine Verzerrung.
      Nun haben wir einen Anlagenteil der ein eingespeistes Signal ausgibt das in sich konsistent ist (hoffentlich, ansonsten denken wir uns das zur Einfachhaltung des Gedankenkonstrukts einfach so), aber außerhalb seiner selbst eine Verzerrung hervorruft. Dieses Anlagenteil ist also ein direkter und indirekter Verzerrungserzeuger, indem er einem Nutzsignal ein Schadsignal hinzu fügt und dieses Schadsignal weitere Anlagenteile dazu zwingt noch mehr Schadsignale (Verzerrungen in allen Arten lt. Eigendefinition) herzustellen.

      Das nenne ich einen Tunnelblick als Philosophie verkaufen.

      /
      Davon unabhängig muß auch ein anderer Anlagenteil (Kassettenrekorder) prinzipiell dazu in die Lage versetzt sein, eigensicher mit erwartbaren und leicht entfernbaren Störsignalen umzugehen. Sprich, was soll denn überhaupt ein MPX-Schalter, Generationen von Kassettendecks haben schon gut gespielt - mit fest verdrahteten MPX-Filter - bevor irgendein Japs auf die Idee kam noch einen Signallämpchen - Ein-Aus - Schalter in die überfrachtete Frontplatte zu stanzen.
      Gruß Jogi
      -------------
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      Hallo Jogi und an alle,
      was das schaltbare MPX-Filter angeht, das ist ganz einfach erklärbar. Eine ständig aktive (weil fest verdrahtete) Filtercharakteristik hätte in den testenden HiFi-Magazinen zu Mecker geführt: Der Aufnahmefrequenzgang fällt ja schon ab 16 kHz steil ab! Das gibt höchstend ein "ausreichend" und 10 Gummipunkte weniger. Also Filter schaltbar. Schalter auf OFF im Testlabor, auf ON beim Kunden.
      Schon deshalb ist das Filter im Tuner besser aufgehoben. Der muss eh nicht mehr als 15 kHz liefern. Und Verstärker und Katze freuen sich, aber das hatten wir ja schon.

      Gruß
      Stefan
      Sehe ich genauso, Stefan.
      Jedes Glied einer Audiokette hat sich so zu verhalten, daß keine zusätzlichen Störungen entstehen - auch nicht in Folgegeräten.
      Störungen bekämpft man allgemein in der E-Technik vorrangig an der Quelle.
      Gruß Jogi
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      Hallo Hans, Forenfreunde,

      Hans erwähnte weiter oben: "...Im Rauschen aber erst mit dem MC4500A oder TDA1578A plus MPX- Filter vor dem Decoder".

      Also nicht Pilotton- und Hilfsträgerfilter, sondern ein zusätzliches Filter vor dem Dekoder, das Frequenzen, die stören können, absenkt - auch genannt: Nachbarkanalfalle, (anti-)Birdie-Filter, post-detection filter,....

      Da es nichts mehr direkt mit dem Thema Harman Kardon HK 990Vxi zu tun hat, obwohl er (nur in der Europa-Version) auch so ein Filter (abstimmbarer LC-Kreis) hat, mache ich dazu ein extra Thema auf.

      Gruss,
      Reinhard
      Hallo die Runde
      Reinhard und ich, meinen sowas wie die Anlage.
      Ohne so ein Filter, geht in high- Q -HiFi nichts.
      Gruss hans
      Bilder
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