Yamaha CA-1010 Verstärker in der Midlife Crisis

      Hallo die Runde,

      das ist definitiv Perinax (Hartpapier).
      Ich gehe davon aus, dass die Quelle des Gestanks das Flussmittel auf den Lötseiten der Platinen ist. Wenn man es mit Isopropanol anlöst, wird der Gestank unerträglich, die Hände stinken noch nach x-maligem Waschen.
      Aus diesem Grund habe ich das Flussmittel überall bis auf den Lötstoplack abgelöst und ging davon aus, dass das genügt.
      Dabei können natürlich Teile des Flussmittels ins Pertinax eingedrungen sein.
      Theoretisch können auch Ätzmittelrückstände, die bei der Herstellung ins Pertinax eingesogen wurden, dann austrockneten und jetzt durch meine Reinigung (auch der Bestückungsseiten) mit Isoprop. + Wasser wieder aufgelöst wurden, eine Rolle spielen.
      Bauteile schließe ich als Ursache aus, die ausgelaufenen 18.000µF Ladeelkos sind ja ersetzt. Sie hatten ihren eigenen (ekelhaften) Geruch, der ging aber wohl damals im allgemeinen Geruch unter und hat mich daher nicht alarmiert.

      Ich habe gestern Rolfs und Stefans Vorschläge kombiniert. Mit untergesetzten Metalldosen habe ich das Gerät ca. 2,5cm angehoben, mit den Füßen macht das ca. 4cm. So kann die Luft wesentlich besser an der Bodenplatte einströmen. Der oben ausströmende Luftstrom ist kräftiger, die Kühlung besser.
      Dann habe ich gestern mal ein paar Stunden auf Class-A geschaltet. Dabei wird die Endstufe extrem heiß und ich hatte mit starker Geruchsentwicklung gerechnet. Sie war aber eher schwach und heute im normalen Class-B Betrieb ist fast nichts zu riechen.
      Ich glaube im Moment, dass sich das Problem möglicherweise doch mit der Zeit, wenn alle frisch angelösten Bestandteile verflogen sind, von selbst erledigt.
      Das wäre mir natürlich am liebsten.
      Achim
      Ist das Flussmittel denn noch das originale, oder Deines von der Revisionsaktion ? Ich reinige immer alle Platinen mit Isoprop, wenn ich sie revidiert habe. Weil ich dann aber in der Regel alle Lötstellen nachgelötet habe, ist hauptsächlich neues Flussmittel von der neuen Lötaktion vorhanden. Das riecht insgesamt eher wenig, und durch die nachfolgende Behandlung mit Isoprop bildet sich ein gleichmäßig dünner Film, der das Riechen in der Regel schnell aufgibt ...

      Besten Gruss,

      Michael
      Die Midlife Crisis ist bei diesem Verstärker offenbar noch nicht ganz überwunden.
      Der fiese Geruch hat sich mit der Zeit abgeschwächt und entspricht nun ungefähr dem, den früher neu gekaufte Geräte as Japan in den ersten Jahren erzeugten. Durch das Reinigen, Löten und Entfernen der alten Flussmittel ist wohl die Ausgasung erneut aktiviert worden.

      Aber was gravierender ist, seit ein paar Wochen treten im Betrieb, vor allem in der ersten halben Stunde Knackgeräusche im linken Kanal auf. Sie klingen ungefähr so wie ältere oft abgespielte Schallplatten in der Einlaufrille: Ein "Pop" hier, ein Knistern da... Manchmal kommt auch ein leises Zwitschern bzw. Kreischen. Meist klingt es so, wie wenn man bei einer Schallplatte die Nadel aufsetzt.
      Der Fehler muss in der Endstufe zu suchen sein, da er auch bei zugederehtem Lautstärkeregler auftritt. (Die Lst.-Regelung erfolgt hier 2-stufig, die zweite Stufe direkt vor den Endstufen).

      Vor meiner Überarbeitung gab es das nie. Ob hier ein Kontaktproblem, ein Halbleiter oder ein anderes Bauteil die Ursache ist?
      Die Elkos schließe ich eigentlich aus, sie sind alle neu. Allerdings habe ich für Treiber- und Endstufentransistoren wohl versehentlich in der Eile die elektrisch leitende Wärmeleitpaste verwendet. Wenn die in der Hitze dünnflüssig würde und in Richtung Anschlussdrähte kriecht...
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()

      Hi Michael,

      das wird wohl mein erster Schritt (nach dem Urlaub) sein. Jede Endstufe hat ca. 22 Transistoren und etliche Dioden, auch die berüchtigten "Thermistordioden". Zwar ist da alles sehr gedrängt und durch die vertikale Anordnung der Platinen mit wenig Abstand schwer zu erreichen, aber eine Spur lässt sich so ggf. finden.
      Ärgerlich nur. dass ich das Gerät nun wieder aus meinem Regal ausbauen und zerlegen muss. Das ist jedesmal sehr umständlich.
      Achim
      Ich bin selten mit Schnelldiagnosen dabei.

      Aber die beschriebenen Störgeräusche lassen sich gut mit funkelnden, feinschliessenden Sperrschichten in Halbleitern begründen, die groberen Geräusche mit Kontaktstörungen zwischen Pins und Die, also dem Planar-Halbleiterchip.

      Auch stimme ich zu das besagte fernöstliche gealterte Transistoren große Störquellen sind, nicht selten rauschen sie trotz anderslauternder Datenblätter wie ein Wasserfall, bei den hohen Pegeln in Treiberstufen wird der Rauschabstand nicht immer gleich hörbar leiden, aber in Vorstufen sind sie dann völlig unbrauchbar.

      Um diese Merkwürdigkeiten abzuklären habe ich vor Jahren mal etliche dieser Typen neu aus frischer Produktion bestellt und sporadisch durchgetestet, Fazit - das Problem tritt erst bei Alterung auf.

      Andere Probleme wie teilweise sehr merkwürdiges Verhalten in etwas spezielleren Schaltungen, die nicht exakt den Grundschaltungen entsprechen oder an Grenzwerte heranreichen tun ein Übriges das man diese Typen nicht aus Spaß einbauen sollte, nur wenn eine Schaltung nicht mit westlichen Standardtypen funktionieren will, sind sie eine Überlegung wert.

      Tk Dioden, und derer gab es früher Unmengen mit allen möglichen Besonderhaiten kann man nicht einfach mit irgendwann standardisierten Universaldioden ersetzen, die Erklärung halte ich für müßig und erspare sie mir. Selbst als ziemlich gleich bekannte Typen wie BA123 usw. sind nicht immer 1:1 ersetzbar durch 1N918/4148, man wird es bitterlich gelernt haben wenn man mal einen diodengestützten Quellenschalter, Aussteuerungssteller oder Rauschfilter damit reparieren will. Dumm ist das die daraus entstehenden Fehler bei der einfachen Reparaturerfolgs-Überprüfung nicht so einfach auffällige Fehler zeigen, sondern erst in den nichtlinearen Bereichen der Kennlinie plötzlich völlig abweichen, infolge schlechte Klirrgrade, falsche Regeleinsätze, durchsprechen bei Schaltern, fehlerhafte Amplituden bei kleinen Pegeln, Rauschatmen und Pumpen.

      ps.
      noch ein kleiner Hinweis zu Germanium-Dioden.
      Nur Germanium ist Germanium, in China kann man heute nette "Germanium"Dioden einkaufen, teilweise unter dem jeweiligen Code nach Proelectron, diese sind in Wahrheit aber Schottky-Dioden, das blaue Wunder stellt sich zwangsläufig dann ein wenn es drauf ankommt und nicht im harmlosen Testmodus.
      Gruß Jogi
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      Liebe Freunde,

      ich hatte das u.A. mal vor 11 Jahren, bei einem alten Kenwood-Boliden (Vollverstaerker), der da auch schon deutlich ueber 20 Jahre alt war. Es war ein SA-Kleinsignaltransistor, damals zum Glueck noch leicht beschaffbar. Getauscht, wieder eingesetzt -- spielt seither klaglos und ohne Problemwiederholung ... das wird hier vermutlich auch so sein. Also lohnt noch einmal hervorwuchten bestimmt ...

      Besten Gruss,

      Michael
      Achim, Jogi, Michael, Mitleser,

      Gealterten Hitachi Transistoren, besonders die im flachen, oben abgeschrägten Gehäuse sind per se vrdächtig und bei einer Revision Tauschkandidaten. Jogi hat die gleiche Erfahrung.
      An der Spitze des Ärgers steht der berüchtigte 2SC458. Dazu hatten wir schon mal eine Diskussion, betr. dessen Ausfall im SABA CD-360, CD-362.

      Der 2SA673 wird im web ebenfalls oft als Knister-Knastergenerator erwähnt. Deshalb war DAS mein Tip - ohne Garantie
      Denn wenn es keiner der beiden 2SA673 ist, folgt in der Reihenfolge der Wahrscheinlichkeit der Rausch- und Knasterbomben gleich 2SC1213 (TR303, TR304, TR309, TR311, TR312, TR313). Also sind dann bereits 8 Transistoren/pro Endstufe zu ersetzen. Wenn man die komplementären ebenfalls passend ersetzt, kann man gleich fast alle Hitachi Kleintransistoren in den Endstufen des Yamaha-1010 neu machen. Viel Arbeit. Oder mit etwas Glück, führt mein obiger Tip gleich zum Erfolg und man akzeptiert das Risiko mit den verbliebenen, aber "noch "guten Hitachi-Transistoren (hoffen auf geringere Ausfallwahrscheinlichkeit).

      So wie ich Achim kenne, tendiert er vermutlich trotz des Aufwands zur "grossen Lösung".

      Hitachi hat viele gute Bauelemente und Geräte gebaut, aber auch Flops und Rohrkrepierer. Diese Transistoren gehören dazu, was sich freilich erst nach jahrzehntelanger Alterung herausstellt. Ich glaube, die versilberten Beinchen, die beim Altern (auch an der Transistorkontaktierung selbst) einen Silbersulfid-Belag bekommen, werden dafür verantwortlich gemacht. Gut gemeint ist ja nicht immer gut.

      Gruß
      Reinhard
      Hallo Reinhard und Leser,

      auch eine umfassende Lösung ist für mich eine Option, vorausgesetzt man bekommt wirklich gute Vergleichstypen und die von untadeligen Herstellern.
      Jeder Eingriff an den Endstufen ist mit viel Arbeit verbunden, danach muss neu abgeglichen werden. Man möchte also möglichst keine Zeitbomben in der Schaltung lassen, aber man möchte sich genauso wenig neue einbauen, weil Qualität und / oder technische Daten der Ersatztypen unzureichend sind.

      Inzwischen werden die Knackstörungen immer lauter und häufiger, meist vergehen nur 10-20 Sekunden zwichen den Störungen. Es m u s s also gehandelt werden - nach dem Urlaub ;)
      Achim
      Manchmal kommt man nicht mit zurande, Hans.

      Immer dann wenn die Schaltung einen höheren Kollektorstrom fließen läßt.
      Die üblichen 50V-Typen BC550/560 können nur 100mA, die Hitachi hingegen 500mA.
      Für typische rauscharme Kleinsignalanwendungen spielt das keine Rolle, aber bei den Treiberstufen raucht es dann.

      Ich hatte aber auch schon brauchbare C548 und C1213, ich muß mal gucken ob ich noch welche finde oder die Herkunft noch herausbekomme.

      Diese krummen Hunde hatten wir bei ITT in diversen Kassettenlaufwerken drin.
      Gruß Jogi
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      Sind ja nur "Schlaue" im Thread dabei, da sehe ich kein Problem selber mitzudenken, Hans.
      Ich habe hier auch fast nur noch Haushalt in mein Labor komme ich nicht mehr, liegt alles brach.

      Was mir noch einfällt, wir nahmen damals vor 40 Jahren wohl KSA-nummer und KSC-nummer, das waren Double der Hitachi. Die hatten als Gehäuse manchmal diese angeschrägten Klötze und manchmal ähnlich TO92 mit spanischen Kragen um die Füßchen.

      Direkter Ami-Ersatz waren 2N2222A für NPN und 2N2906A für PNP.

      Wenns hilft...

      ps, deutsche gibt es auch, mir schweben da 4er und 5er vor dem geistigen Auge vor, es wäre mir allerdings lieb wenn ich das Valvo Datenbuch NICHT suchen müßte.
      Gruß Jogi
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      Hallo allerseits,

      Danke für die Unterstützung und Danke an Hans für das Angebot die Transistoren betreffend. Nach dem Urlaub werde ich die Reparatur angehen und versuchen, eine technisch einwandfreie Lösung zu realisieren.
      Weil mir dieser Verstärker in den Jahrzehnten, seit ich ihn (1977) gekauft habe, ans Herz gewachsen ist, scheue ich auch den Aufwand nicht. Man will sch schließlich nicht zwei Mal im Leben einen Verstärker kaufen.
      Achim
      Man hängt eben an seinem ollen Zeug.
      Ich habe da auch noch einen - allerdings - total unsäglichen, nein ich schreibe nicht was das ist denn es muß ja nur mir gefallen auch wenn es für manche im eigenen Anspruch ertrinkende nur Fliegenschiß ist. der braucht bestimmt mal eine Elko-Kur, er sifft schon 8o :D :saint:
      Gruß Jogi
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      Hallo die Runde und freundliche Mitdenker,

      die Reparatur des Yamaha CA1010 steht nun langsam an und ich möchte im Vorfeld die Halbleiter beschaffen.

      1. Es werden immer beide Endstufen synchron behandelt.
      2. Ein Ersatz einzelner Positionen pro Arbeitsgang scheidet aus, da das x-malige Zerlegen der Endstufen zu aufwändig ist.
      3. Alle Halbleiter in einem Rutsch zu ersetzen halte ich andererseits für nicht erforderlich.
      4. Ich strebe an, in 2 oder 3 Schritten zum Ziel zu kommen, wobei entsprechend den von Reinhard genannten Plausibilitäten der Ersatz der 2SA673 und 2SC1213 im ersten Schritt erfolgt. Ist der Fehler damit behoben, erfolgen keine weiteren Maßnahmen. Wenn nicht, würde in in einem zweiten Anlauf die verbliebenen Kleinsignaltypen (bis auf die Treiber- und Endstufen ersetzen. Wenn selbst das keinen Erfolg bringt? (Über diese Brücke gehe ich, wenn ich dort angekommen bin.)
      5. Es soll Markenware zum Einsatz kommen, deren elektrische Daten gleich oder besser, als die Originalbestückung sind.

      Für den Erstschlag werden also insgesamt 4 Stück Ersatztypen für 2SA673A benötigt und 12 Stück Ersatz für 2SC1213A.
      Von ON Smiconductor ist aus aktueller Produktion lieferbar:

      BC327-16, BC337-16 (45V, hfe 100-250 bei 100mA, 1V)
      BC327-25, BC337-25 (45V, hfe 160-400 bei 100mA, 1V)
      BC327-40, BC337-40 (45V, hfe 250-630 bei 100mA, 1V)

      Der im Yamaha verbaute 2SA673A hat eine Ucbo und Uceo von 50V - da ist der BC327 mit seinen 45V leicht unterlegen. Dann gibt es den 2SA673A auch noch in 3 Stromverstärkungsgruppen (B=60-120, C=100-200, D=160-320) Welche verbaut sind, muss ich erst prüfen, auf meinen Fotos ist es nicht zu erkennen.
      Aber es gibt auch noch:

      BC636 (45V, hfe 40 bei 150mA, 2V )
      BC638 (60V, hfe 40 bei 150mA, 2V )

      Beim BC638 ist man spannungsmäßig auf der sicheren Seite, aber es gibt ihn nur mit einer Stromverstärkung.

      (Schließlich gibt es noch von Central Semiconductor den 2N2904A mit 60V und hfe 120 bei 150mA, 10V. Er ist nicht ganz billig, hat aber ein Metallgehäuse TO39, geht bis 200 MHz, bis 200°C, hat 600 mW, Icmax 600 mA... Macht einen guten Eindruck, geht aber mehr in Richtung der BC140, BC160 Klasse.)

      Kommen wir zum 2SC1213A. Hier wird als Vergleich meist der BC337 oder BC637 genannt.
      Die BC337 sind genau wie die BC327 in 3 Stromverstärkungsklassen lieferbar. Der BC637 ist nicht ohne weiteres zu bekommen, aber der BC639 mit 80V, hfe 100 bei 150mA, 2V.
      Auch hier hat der originale 2SC1213A 50V, der BC337 liegt darunter.

      Mit welchen konkreten Spannungen die Transistoren hier in der Schaltung nun unter welchen (extremen) Betriebsbedingungen belastet werden, weiß ich nicht. Und damit stehe ich vor der Frage, ob die BC327 und BC337 gefahrlos einsetzbar wären.
      Was den maximalen Kollektorstrom und die Verlustleistung angeht, dürfte es bei allen genannten Typen keine Probleme geben. Die Grenzfrequenzen der BCs liegen mit ca. 100 - 150 MHz deutlich über den alten Originalen.


      Achim

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