Philips Konzertmeister 953

      Philips Konzertmeister 953

      Hallo an euch,
      einem geschenkten Gaul schaut man doch schon mal ins Maul, oder unter die Haube...
      Ich habe schon viele Geräte aufgemacht, aber in dieser Kompaktanlage von 1978 steckt nix was ich kenne, von den Bauteilen abgesehen.
      Viel Exotisches, Cassettendeck, Plattenspieler, Gesamtaufbau, Darlington Endstufen.
      Mal sehen was mich nach der Reinigung erwartet.
      Beim PS-Bild fehlt der Teller, ist aber mit dabei.

      Gruß, Dieter
      Bilder
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      Hallo Achim,
      da hast du wohl recht.
      Mittlerweile habe ich die Anlage gereinigt. Während die Empfangseigenschaften sehr gut sind, habe ich beim Plattenspieler Bedenken. Der Teller ist eine einfache Blechpressung aber: belt drive OHNE pitch control. Mal sehen wie das unter dem Stroboskop aussieht. Es gibt oft Wunder...
      Das Cassettenteil muss ich erst säubern und revidieren, momentan eiert die Wiedergabe.
      Die innovativen Schieberegler sind absolut sauber und laufen smooth...
      Was natürlich negativ auffällt ist eine Senderwahlmechanik ohne Schwunggewicht, d.h. das Einstellen der Sender fühlt sich an wie am Transistorkofferradio aus Japan von 1975 für 9,95 DM...

      Gruß, Dieter
      Hallo Dieter,
      das ist wieder eine schöne Reminiszenz an die bei der Kundschaft damals sehr beliebten typischen Stereo-Kompaktanlagen.
      Es gab von sowas tolle Schrammelbretter - Szeneausdruck - von zwei Meter Breite und zentnerschwer. Überdacht mit Klarsichthauben und auf Trompetenfuß.

      Diese Ausführung ist etwas sparsamer aber trotzdem nett.

      Der Plattenspieler ist mechanisch einfach, aber erstaunlicherweise haben auch sehr einfach wirkende Philips-Konstruktionen meistens problemlos Platten abgespielt, im Gegensatz zu im Ostblock gefertigten Telefunken Plattenfräsen des Typs "Mister Hit".

      Das Kassettendeck ist die kleinste Ausführung der damaligen HIFI-Serie, lediglich ein andere, formschlüssige Abdeckung ist da montiert. Die Funktionen scheinen gleich.
      Die Konstruktion ist eigentlich unkaputtbar, es gibt keine Elaste-Zahnräder zum Schwarzärgern, die Mechanik geht auf den Philips-Ur-Rekorder zurück. Umlenkstangen übersetzen den einstigen Universal-Hebel auf die verbauten Blocktasten. Der Aufwickeldorn ist krisenfest mit einer Filz-Friktion angekoppelt und der Wickeltrieb hat einen stabilen Idler der nicht zerbröselt mittig montiert. So ein gerät kriegt man immer spielbereit auch in zweihundert Jahren.

      Die Elektronik ist philipstypisch gut und weder affig noch mimosenhaft. Sie tut einfach was sie soll.
      Endstufen funktionieren hier immer und neigen nicht zum Schwingen und sonstigen Unsinn.
      Leider kriegen weniger schlaue Leute mit ihrem Umgang mit den LS-Leitungen sie unter Last im Betrieb auch schnell durchdiffundiert.
      Die Bauelemente sind unkritisch, Elkos machen kaum Ärger, wenn dann am ehesten werden nach Jahrzehnten die kleinen Werte mit geringem Korpusdurchmesser hohohmiger, was in den gutmutigen, wenig verworrenen Grund-Schaltungen der meisten Stufen aber kaum Auswirkungen hat.
      Transistoren neigen nicht zum Ausfall.
      Was man beachten muß sind die schwipsig angelöteten Kondensatordrähte an den Schoopungen der Folienkondensatoren.
      Bei Mißbrauch bei der Montage und Nachlötungen gehen die schnell ab und dann ist der Kondensator hinüber. Gibt es da Risse, dann ist es besser den betroffenen Kondensator auszutauschen, der Bestückungsautomat könnte den Kondensator dann verkantet haben, ein Draht-Abriß ist dann vorprogrammiert.

      Ansonsten, schönes Teil, besonders die "Rechenschieber-Flachbahnregler" und die "Flutlicht-Skale".
      Gruß Jogi
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      Menschen mit Tiefgang laufen schneller auf Grund
      Nichts wird dem Menschen weniger verziehen, als Recht gehabt zu haben
      [frei nach W. Reus]
      Hallo Jogi !

      Danke für die wie immer hilfreichen und erklärenden Worte.

      So kann man sich täuschen: auf den ersten Eindruck sah ich ein etwas windiges, fast schon japanisch-billig anmutendes Gerätchen, das jetzt doch seine wahren Qualitäten beschrieben bekommen hat.
      Habe gerade das Cassettendeck in der Mangel, da es doch von der langen Spielpause her sich etwas schwer tat mit allen mechanischen Bewegungen. Meine Physiotherapeutin hat mir auch schon "Alterssteifheit" angedichtet, als ich ihr ein paar Wehwehchen geschildert hatte... :)

      Gruß, Dieter
      Ach werden wir nicht alle irgendwie immer steifer, Dieter? Da darf so eine kleine nette Kompaktanlage das doch auch.

      Ich habe mich leider wie so viele andere Anfang der Achziger von diesen damals als völlig unmodern empfundenen Geräten getrennt und bisher habe ich noch keine Gnade bei meinen Mitbewohnern gefunden nochmal so einen Liliputanersarg ins Haus bringen zu dürfen.
      Aber es bleibt der Trost das alle diese meine damals nicht verschrottet wurden, sondern zu mildtätigen Zwecken weitere Verwendung fanden.
      Gruß Jogi
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      [frei nach W. Reus]
      Plastik und Kunststoffe waren die! Werkstoffe der Siebziger.
      Niemand bringt diese Erinnerungslinie bspw. zusammen mit grobem Bakelit oder unästhetischem Zählerschrank-Metall.
      Das einige Fabrikanten zu doof und zu ungelenk für Kunststoffe waren, bspw. sah Plaste aus Japanesien immer aus wie zertrampelter Joghurtbecher und griff sich noch schlimmer an, das tut dem keinen Abbruch.
      Mit Kunststoffen waren dem pfiffigen Designer plötzlich Formen und auch feinste Zieselierungen möglich, die vorher Wunschdenken waren.
      Ich denke da an Rams-Entwürfe, wunderschöne Film- und Fotogeräte die heute noch zugleich wertvoll wie zeitlos modern aussehen, an Sitzgelegenheiten in großen Eiern und auf körperlich abgerundeten Flächen ohne Druckstellen am eigenen Balg und geschwollene Beine bei der Oma.
      Ich denke da aber auch an die Teile mit einer sehr hohen Gestaltungstiefe und detailverliebtheit von bspw. Grundig-Gehäusen der Pult-Linien, die Studiolinien bei ITT oder eben auch Philips mit solchen grafisch gezeichneten Großflächen-Erscheinungen uvam.

      Die Anmutung eines Gerätes liegt im Auge des Betrachters, das (beschriebene Gerät) waren die Geräte die die Leute auch real kauften und nicht nur bei Karstadt in der Tonmöbelabteilung anhimmelten und sich niemals leisten konnten. Das war es womit Philips Plus machte, und andere Hersteller auch. Das es daneben auch Kompakt-Bretter aus Mahagoni mit handzieselierten Präzisions-Schiffsarmaturen gab, für die ein einfacher Angestellter ein Jahresgehalt hätte ausspucken müssen, hindert niemanden daran Freude an der Rückbesinnung auf die tatsächlich in den Wohnzimmern der Normalbürger anzutreffenden Gerätschaften zu empfinden.

      Es gibt das Sammelgebiet der alltagstauglichen Gerätschaften, trotzdem kaprizieren sich auch Leute in zerbröselnde Statussymbole. Sollen sie doch, heutige Generationen sind für sowas garnicht mehr empfänglich, kennen sie den damit verbundenen Effekt des sich verkneifen müssens doch garnicht mehr. Sie werden das eine (bewährtes Alltagsgerät) wie das andere (protziger Schaltschrank) und ihre damalige Bedeutung eh nicht mehr.

      Insofern, nicht der Protzanspruch macht heute das gealterte Sammelobjekt interessant sondern die eigene Beziehung und die Bedeutung des Objektes der Sammelei.

      (Nachtrag: Es gab m.W. überhaupt nur einmal eine Auszeichnung eines Instituts für Industrie-Design für eine Voll-Kunststoff-Unterhaltungsgeräteserie fernöstlicher Fertigung für die hier im Lande wenig wertgeschätzte Firma "Teleton" und ihre wohl deutschen Designer | Werbespruch damals: Japanische Ingenierskunst/deutsches Design)
      Gruß Jogi
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Jogi“ ()

      Was ich bisher von Teleton gesehen habe, war solide gebaut und hielt, was es versprach. Preiswerte Mittelklasse eben. Ich habe da nichts gefunden, was Anlass für begründete Klage gegeben hätte.

      In einem anderen Forum gab es mal ein regelrechtes "Teleton bashing", daraufhin habe ich einen Teleton A500 Verstärker gründlich durchgemessen. Ausser einer Schwäche im Fremdspannungsabstand bei Nennleistung (die beiden grossen Siebelkos hätten eine Erneuerung gebraucht, dann wäre das wohl auch voll i.O. gegangen) war da nichts zu bemeckern. Gut, ein Grundig V 1000, den ich im Vergleich hinzuzog, war zwar insgesamt besser, aber schlecht war der Teleton deshalb nicht.

      Ich bin kein Werbemann von/für Teleton. Aber der Name steht nach meiner Erfahrung nicht für Plastikmüll, sondern ist solide Technik für relativ kleines Geld. Sichergab es auch Plastikgehäuse-Geräte von Teleton, Von Saba, Grundig, usw. etwa nicht? Das war mal eine zeitlang richtig Mode. Hässliche deutsche Plastikgehäusegeräte (aber bei mehreren dennoch mit exzellenter Technik unter der Haube) fallen mir da so einige ein. Ich sage freiwillig nicht, welche, sonst drohen mir hier Prügel. Einige Leser wissen auch so schon, was ich da im Auge haben könnte.

      Gruß
      Reinhard
      Ja, diese Firma meinte ich, Dieter.

      Allerdings waren die ausgezeichneten Geräte eine neuere Serie, so ca. 1977-79, aus dem Gedächtnis.
      Wirklich nett und gefällig im Design, abgerundete Ecken, Flutlichtskale, hochkant stehende Flachbahnsteller die die gesamte fronthöhe nutzten, ergonomische Tasten und Schalter für die weiteren Funktionen.
      Die Technik war nicht zu beanstanden, obwohl in Fernöstlern oft einiges zu beanstanden habe. Sie war da und machte was sie sollte und spielte ohne Allüren und Zicken.
      Der Klang der damals schon dort verbauten Hybrid-Endstufen war erstaunlich gut, anderes Hybridzeug krächzte und klirrte damals noch sehr jämmerlich mit 10% Klirrfaktor bei hoher Aussteuerung, dieses darin nicht, es blieb im Rahmen von ca. 1%.

      Wenn ich Bilder auf meinen unergründlichen Platten finde, dann bringe ich sie nach.

      PS: Einen großen Namen machten sich die Geräte nicht, es gab kein Voodoo, keine hinter sakralen Händen geflüsterten Empfehlungen von Päpsten, kein Journalisten-Tamtam.
      Dafür waren die Preise unglaublich, sie halbierten die Zahlen die an anderen Japan-Produkten in gleicher Klasse standen nochmal.

      Reinhard hat natürlich auch Recht damit das es damals außerdem auch scheußlich anzusehende Einfachst-Plastikgeräte in den Regalen gab. Da standen manchmal auch eigentlich gute Namen dran, oft aber waren es auch Geräte aus einer Ecke wo sogar die Autos aus Leukoplast über einen Leisten gerollt wurden. Auch da war aber oft nur das Aussehen keiner Mode entsprechend aber die Technik tat einfach was sie sollte.
      Gruß Jogi
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