Körting "Low-Fi" 1968-1970

      Körting "Low-Fi" 1968-1970

      Forenfreunde,

      nachdem wir uns ja schon ausführlich mit den SABA HiFi-Stereo Receivern der Hochzeit von Saba (ca. 1968-1970), HiFi-Studio 8080 und 8120 befasst haben, wollte ich hier einmal einen Vertreter des HiFi Stereo Tiefpreis-Segments vorstellen, zu dem ich seit meiner Jugend eine sentimentale "Haßliebe" entwickelt habe.

      Ich meine den Neckermann-Körting HiFi-Stereo-Tuner 821/616 (1968), bzw. deren fast gleiche Varianten 821/667 (1970) und 821/691 (1970).
      Die Körting Bezeichnungen lauteten 29713 (1968), 30713 und 30715 (beide 1970)

      In Deutschland hatte seinerzeit das Versandhaus Neckermann (Frankfurt/Main) das alleinige Vertriebsrecht für Körting Radio/Fernsehen in Deutschland. Auf den Geräten prangte daher meist "Neckermann-Körting" als Name, statt nur der Herstellername "Körting". Körting vertrieb die Geräte unter seinem eigenem Namen über lokale Importeure nur im Ausland (vorwiegend Österreich, Schweiz und andere benachbarte Länder) unter der Marke "Transmare". Der o.g. Tuner hieß im Ausland "Transmare T 500".

      Dieser Tuner wurde erstmals im Neckermann Frühjahr/Sommer-Katalog 1968 als "HiFi-Gerät nach DIN 45500" vorgestellt und kostete 219 DM. Das war weniger als die Hälfte des Preises damaliger Mittelklasse-Tuner der Konkurrenz. Bei Saba, Grundig, Dual,..musste man um die 500 DM für einen HiFi-Stereo-Tuner auf den Tisch legen. Der Körting war also für "das kleine Budget". Ich werde hier noch darauf eingehen, welche technischen Kompromisse dafür gemacht wurden. Zum Vergleich: Ein Mittelklasse-Kofferradio kostete damals von Körting etwa den gleichen Preis (um 180-200 DM), bei anderen Firmen gut 50 bis 100 DM mehr. Das muss man im Kopf behalten: Ein HiFi-Stereo-Tuner zum Preis eines günstigen Kofferradios.






      Die Norm DIN 45500 legte bestimmte Mindest-Anforderungen fest. Mit welchem Abstand der Körting Tuner die einhielt, ist nicht bekannt, denn in den Technischen Daten fand man nur die Empfangsbereiche (L,M.K, UKW) mit den Frequenzbereichen, Empfindlichkeit für AM (15µV), Ausgangsspannung an 470 kOhm (80 mV !), 6 AM-Kreise, 10 FM Kreise (davon 8 abstimmbar) und den Satz "Das Gerät entspricht den Anforderungen nach DIN 45500".

      DIN 45500 (Blatt 2, Mindestanforderungen an UKW-Empfangsteile) sagt
      ...bei 1mV HF Antenneneingangsspannung am 240 Ohm Antenneneingang:

      Übertragungsbereich 40- 12500 Hz +/- 3dB, 50-6300 Hz +/- 1,5 dB
      Kanalunterschied bei Stereo < 3 dB
      Klirrfaktor bei 1 kHz und 40 kHz Hub < 2% (Stereo R/L)
      Stereo-Übersprechdämpfung wenigstens 26 dB für 250-6300 Hz und wenigstens 15dB für 6300-12500 Hz
      Fremdspannungsabstand bezogen auf auf 1kHz mod/40kHz Hub wenigstens 46 dB (NF Bandpass 40Hz bis 15 kHz)
      Geräuschspannungsabstand bez. auf 1kHz mod/40 kHz Hub wenigstens 54 dB (NF Bandpass 40Hz bis 15 kHz)
      Pilotton-Fremdspannungsabstand bei 67,5 kHz Hub, selektiv wenigstens 20 dB bei 19 kHz, wenigstens 30 dB bei 38 kHz
      Ausgangsspannung bei 40kHz Hub an 470 KOhm, parallel 100pF wenigstens 500mV bis max 2V

      Inwieweit nun dieser Tuner tatsächlich diesen Anforderungen entspricht, dazu später mehr. Nur schon vorweg: Die allerdings allesamt wesentlich teureren HiFi-Tuner der deutschen Konkurrenz hatten 1968 absolut KEIN PROBLEM diese Mindestanforderungen nicht nur einzuhalten, sondern sie sogar in praktisch allen Punkten weit zu übertreffen.


      Aufbau des Tuners

      Zieht man das Chassis aus dem folierten Pressholz-Gehäuse, erkennt man den sehr materialsparenden Aufbau aus einem gestanzten Blechboden, ab 1969/70 stattdessen nur aus einem dünnen U-förmigen Blechrahmen, der an den offenen Enden durch die Kunststoff-Front zusammengehalten wird. Ein Schwungrad fehlt, die Sendereinstellung geht gebremst, wie bei einem Kofferradio (dort ist ja Leichtgängigkeit auch gar nicht gewünscht, damit bei Bewegung des Geräts die Sender fest stehenbleiben. Das ist bei diesem Körting Stereo-Tuner aber keine Überraschung, denn tatsächlich handelt es sich um nichts anderes als ein in das Pressholz-gehäuse geschobenes Körting Kofferradio (z.B. Körting Arosa 829/234 (29165), Taunus 829/293 (29183), Taunus 829/285 (31183), ), bei dem Lautsprecher und NF-Endstufe entfernt wurden und stattdessen ein kleiner Netztrafo, ein kleines Netzteil und ein Switch-Mode Stereo-Decoder der allereinfachsten Standard-Bauart nachgerüstet wurde. Auf einen Pufferverstärker hinter dem Stereodekoder wurde verzichtet (Kosten), was unangenehme Folgen hat, nicht nur zu geringe Ausgangsspannung, auch dazu später mehr.





      Man sieht deutlich dass die Front auch dem Kofferradio entstammt, die Rückseitenbedruckung wurde im 180° gedreht, weil das Radio im Holzgehäuse ja "auf dem Bauch" liegt, und die Drucktasten unten sein sollten. Weil man den Sendereinstellknopf (für die Mehrheit der rechtshänder) rechts haben wollte, wurde er separat rechts aussen angebaut. Die ursprüngliche Öffnung für den Drehknopf vor dem UKW-HF-Kasten blieb hier deshalb leer. Die mittlere der drei Öffnungen, die im Kofferradio für für Bass/Höhen und Lautstärke vorgesehen waren, wird hier nun durch den Stereo-Schalter benutzt.

      Wenn es wahr ist, dass es sich um ein für Stereo ergänztes Körting Kofferradio handelt, dann müssten die Schaltungen für das Empfangsteil (HF- und ZF) in diesem Stereo-Tuner dazu baugleich sein. Das trifft tatsächlich auf die oben genannten Kofferradios (und noch einige mehr, die von Körting in verschiedenen Gehäusen aber weitgehend derselben Technik von ca. 1967-1970 verkauft wurden, zu. Auch die verbauten Platinen für FM-HF und ZF und AM und die Abgleichanleitungen sind im 1968er Modell zu den oben genannten Körting Kofferradios identisch.




      Das ist zumindest ungewöhnlich, da Stereo eine grössere ZF-Bandbreite als FM-mono benötigt und deshalb auf Trennschärfe ausgelegte Kofferradios normalerweise nicht durch nur Nachrüsten eines Stereodekoders als HiFi-FM-Stereo-Tuner betrieben werden können. Offensichtlich aber wurde bei Körting gefunden, dass ihre Kofferradios eine für Stereo nach DIN45500 ausreichende ZF-Bandbreite haben und sogar der Abgleich dafür nicht geändert werden musste. Der Abgleich wurde im Werk vermutlich effizienter/anders durchgeführt als im Service Manual angegeben (vermutlichdort mit Vorabgleich der einzelnen Platinen/Baugruppen), denn das in der Service-Anleitung angegebene An- und Ablöten von Brücken und Hilfswiderständen, um beim Abgleich Kreise zu dämpfen, ist ausgesprochen umständlich und zeitraubend.

      Der Stereodekoder wurde einfach von einem bereits bekannten einfachen Referenzdesign 1:1 kopiert:


      Tuning and Adjusting Stereo Decoders - Gordon J. King - Hi-Fi News - November 1969

      Lediglich die Spannungsversorgung musste von Körting umgepolt werden. Denn bei Auto-Kofferradios liegt die Versorgung auf "Minus" und Masse auf "Plus", deshalb auch bei diesem Körting Stereo-Tuner.





      Der 330 Ohm Widerstand zwischen Basis und Emitter des Schalttransistors für die Stereo-Anzeige, der im Körting Schaltbild auch eingezeichnet ist, ist nicht bestückt.

      Es ergeben sich aus der kreativen und kostensparenden Kofferradio-Lösung als HIFI-Stereo-Tuner (es war ja keine Neukonstruktion nötig) mit dem "Spar-Dekoder" einige Nachteile:

      Die Bandbreite genügt zwar für HiFi-Stereo nach DIN 45500, aber nur knapp. Das wirkt sich auf die erreichbare Übersprechdämpfung im Stereodekoder aus, es werden gerade 26 dB (Verhältnis 20:1) bei 1 kHz erreicht. Auch ein modernerer PLL-Decoder Toshiba TA7343AP anstelle des Körting Decoders bringt es gerade auf 36dB (seine Minimum-Spezifikation. Bandbreitenerhöhung verbessert ddie Kanaltrennung, allerdings auf Kosten von Empfindlichkeit und Trennschärfe. Nach Körting Abgleichanweisung ist nicht mehr "drin".

      Das "Skalenglas" aus Kunststoff (PMMA) ist beim Aufdruck für UKW nicht durchsichtig. Bei Dunkelheit ist die eingestellte Senderfrequenz trotz Belechtung von innen für UKW nicht ablesbar (typisches Kofferradio-Skalendesign aus der Zeit).

      Die Unterdrückung von 19kHz Pilotton und 38kHz Hilfsträger ist mangels zusätzlicher low-pass-Filter schlecht. Die Werte nach DIN 45500 werden bei 19 kHz so gerade, bei 38 kHz kaum erreicht. Bandaufnahmen von diesem Tuner verursachten bei Wiedergabe von meinem Tonbandgerät (in jüngeren Jahren) hörbare Pfeifstörungen durch Überlagerung des Hilfsträgers (oder Oberwellen des Pilottons) mit der Oszillatorfrequenz des Bandgeräts (Philips N4414).

      Das Tuner Ausgangssignal erreicht bei UKW bei 40 kHz Hub nur etwa 250 mVeff, weil hinter dem Stereodekoder eine Nachverstärkungsstufe bzw. ein Ausgangs-Pufferverstärker eingespart wurde. Das ist weit weniger als DIN 45500 vorsieht. Körting schreibt, dass der Tuner zum Betrieb mit dem "passenden" Körting Verstärker vorgesehen ist. Aber das kann den Mangel nicht beheben. Der passende Körting Verstärker hat zwar einen hochohmigen Eingang (Zin 470 kOhm), aber dennoch muss dort der Lautstärkeregler wegen des zu kleinen Tuner-Ausgangssignals übermässig weit aufgedreht werden, um Zimmerlautstärke zu erreichen. Das weitere Problem ist, dass der Stereodekoder in der gzeigten Bestückung keine normgerechte Deemphasis hat, sodern die Höhen viel zu tief absenkt (1500pF im Deemphasisglied sind zuviel). Bei einem weiteren Exemplar des Tuners gab es sogar ab Werk eine abweichende Fehlbestückung mit 10nF und R825/826 = 7,4kOhm), was an einem Grundig SXV 6000 Vorverstärker mit Zin > 220 kOhm zu einem Höhenverlust von massigen 16dB bei 10kHz (über die korrekte Deemphasis hinaus!) führte. Vermutlich ist die Dimensionierung mit 1500pF im Deemphasis-Glied dafür gedacht, dass ein Verstärker mit ca. 7dB Loudness-Höhenanhebung angeschlossen wird, der den Abfall ausgleicht. Wenn aber der Pegel so gering wie hier ist, genügt das nicht, der Höhenregler am Verstärker muss dann noch weiter als bei anderen Programmquellen aufgedreht werden, da die gehörrichtige Loudness ja bei weiter geöffnetem Lautstärkeregler verringert ist. Das Ergebnis: Ein "flach" und "kraftlos" und etwas zu "dumpf" klingendes Tonbild.

      Dass das Fehlen des Pufferverstärkers nach dem Dekoderausgang ein technischer und ein Gebrauchsmangel war, weil ohne diesen Verstärker das Ausgangssignal nicht nur zu niedrig sondern dessen Frequenzgang auch noch von der Eingangsimpedanz des jeweils angeschlossenen (Vor-)Verstärkers abhing, wussten die Körting-Techniker, denn in der ein Jahr nach Erscheinen eingeführten Neuauflage des Tuners war auf der Platine bereits ein zusätzlicher Bereich für diesen Pufferverstärker eingefügt - leider blieb er (vermutlich nach Entscheidung der Geschäftsleute mit Ziel Kostenersparnis) unbestückt. Als ich mir im Alter von 15 von meinem dünnen Taschengeld 1969 diesen Tuner gekauft habe (mit dem dazu passenden Verstärker) hat mich das schwache, dünne Klangbild von Beginn an gestört und ich habe mir nach einigen Monaten eine Verstärkerstufe selbst auf der dafür vorgesehenen Platinenfläche aufgebaut.

      Heute, 50 Jahre später, hat mich interessiert, ob ich damals einem "Ausreisser" aufgesessen bin oder ob der damals schon bemerkte Mangel hier "regulär" ist. Heute muss man ja keine 215 DM mehr bezahlen, ich habe zwei dieser Tuner gebraucht für je 10 € erstanden, einen aus der ersten (1968) serie und einen aus der 1969 Neuaflage. Die 1969-Serie hat bis auf eine kleine Änderung im Netzteil und zusätzliche Beleuchtung der Feldstärkeanzeige die gleiche Schaltung. Geändert wurde im HF- und ZF-Teil das Platinenlayout, damit die Bauteilezugänglichkeit verbessert und die Gerätegrundfläche wurde verkleinert, das Chassis wurde weniger tief und die Metall-Grundplatte als Platinenträger wurde durch einen dünnen Blechrahmen ersetzt. Dadurch konnte Material eingespart werden (Metall = Grundplatte entfallen) und das Pressholzgehäuse wurde um 3cm auf 20cm verkürzt. Das gab optisch schlechtere Proportionen aber Einsparung um einige Pfennige. Gleichzeitig wurde der dazugehörige Verstärker ebenfalls überarbeitet und auf das kleinere Gehäusemass gebracht. Weitere Änderungen: Frontblech nun ohne Schrauben, Schriftzug "Neckermann Körting" statt nur "Körting", Tuner-Skala nun mit steigender UKW-Frequenz von links nach recht (statt vorher von recht nach links), Frontscheibe statt aus massivem PMMA nun aus dünnem flexiblen "Plastik". Die letzte Änderung hat sich als nicht langzeitstabil erwiesen. Die Scheiben dieser zweiten Serie sind inzwischen alle dunkelbraun geworden, durch (Tages-/Sonnen-)Licht vergilbt. Er wirkt insgesamt dadurch auch optisch deutlich "billiger".





      Es geht nachstehend weiter.



      Reinhard

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      Hier sieht man die Platine der 2. serie mit dem vorbereiteten Bereich oben rechts für den Ausgangspufferverstärker, rechts daneben die Ausgangs (DIN)-Buchse:




      Die beiden jetzt gekauften Tuner, sowohl 1. Serie von 1968, wie auch 2. Serie von 1969/70, zeigten beide die gleichen Mängel wie schon der 1969 von mir gekaufte 1. Tuner. Auch hier nur sehr schwaches Ausgangssignal und fehlerhafte Deemphasis an sowohl 470kOhm als auch an 200kOhm Eingangsimpedanz angeschlossener Verstärker. Nachrüstung dieser Tuner mit einem einstufigen Pufferverstärker der Verstärkung V= 3 vor dem Ausgang mit darauf abgestimmter Neuanpassung der Deemphasis für linearen Frequenzgang an der Ausgangsbuchse verhalfen beiden Tunern zu einem HiFi-gerechten lebendigem Klangbild, das dem eines moderneren Hifi-Receivers (NAD Model 300) vom Klang her ebenbürtig und kaum unterscheidbar ist, mit Ausnahme des etwas schlechteren Fremdspannungsabstands des Körting Tuners.

      Will sagen: Der Körting Tuner ist in Sprachpausen (die heute im Radio ausserhalb von seltenen Hörspielen nicht mehr oft vorkommen, jede Anage ist ja jetzt mit Dudelei unterlegt) nicht so "totenstill" wie der Vergleichsreceiver, sondern man hört, wenn man mit dem Ohr direkt am Lautsprecher ist, noch ganz leises "zirren". Mglw. ist das durch die negative Betriebsspannung des Körting Tuners bedingt, wogegen andere Verstärker/Receiver mit dem negativen Pol auf Masse liegen. Ausserdem liegt bei Körting ein Entstörkondensator von Netzspannung an Masse. Das kann zusammen über die Masseverbindungsleitung der Audio-NF-Verbindung zwischen den Geräten einen Ausgleichsstrom verursachen, dem ein 50Hz- oder 100 Hz-Anteil aufgeprägt ist. Das kann den Störanteil auf dem Nutzsignal erklären. Beim zugehörigen Körting Verstärker, der auch mit + auf Masse liegt, sollte diese Fremdspannung nicht auftreten, sofern meine Hypothese zutrifft. Ich kann es leider nicht testen, da ich den Körting Verstärker nicht mehr besitze.

      Daten des nachträglich im Tuner ergänzten Pufferverstärkers:
      Verstärkung: V = 3 (10dB)
      Eingangsimpedanz >300 kOhm
      Ausgangsimpedanz 4,7 kOhm
      Betriebsspannung -7,9V, zusätzlich am Pufferverstärker abgeblockt mit 100µF/25V
      + liegt an Masse

      Klirrfaktor 0,16% bei 1 kHz (-56dB)
      Frequenzgang 20Hz - 20 kHz (-0,15 dB)

      Dimensionierung:


      R1 2,4 MegOhm
      R2 1,0 MegOhm
      R3 5,1 kOhm
      R4 1,4 kOhm
      C1 100 nF
      C2 6,8 µF
      T1 BC560C

      Hier der nachgerüstete Ausgangs-Pufferverstärker auf dem Platinenbereich, der dafür vorgesehen war. Im Ausschnitt sieht man den Bereich vor der Nachbestückung:



      Bei der ersten Serie habe ich eine entsprechende kleine Zusatzplatine dafür ergänzt:


      Damit sind jetzt sowohl Ausgangsimpedanz (4,7kOhm), als Auch Signalpegel (0,8Veff bei 40 kHz Hub) und Deemphasis (-10,4dB bei 10kHz) normgerecht und erfüllen nach dieser Ergänzung die Anforderungen der DIN 45500.

      Wieweit entspricht nach der Ergänzung des Ausgangsverstärkers, Anpassung der Deemphasis und Abgleich der Tuner den Anforderungen nach DIN 45500?
      Übertragungsbereich 40-12500 Hz +/- 3dB, 50-6300 Hz +/- 1,5 dB Erfüllt nach Umbau Deemphasis (dann sehr guter Frequenzgang 20-15000 Hz -3dB)
      Kanalunterschied bei Stereo < 3 dB Erfüllt (Unterschied ist < 1dB)
      Klirrfaktor bei 1 kHz und 40 kHz Hub < 2% (Stereo R/L) Erfüllt nach Abgleich (THD < 1%, meist ca. 0,4-0,7 %)
      Stereo-Übersprechdämpfung wenigstens 26 dB für 250-6300 Hz und wenigstens 15dB für 6300-12500 Hz knapp Erfüllt
      Fremdspannungsabstand bezogen auf auf 1kHz mod/40kHz Hub wenigstens 46 dB (NF Bandpass 40Hz bis 15 kHz) nicht quantifiziert, ganz leichtes Störgeräusch
      Geräuschspannungsabstand bez. auf 1kHz mod/40 kHz Hub wenigstens 54 dB (NF Bandpass 40Hz bis 15 kHz) nicht quantifiziert, ganz leichtes Störgeräusch
      Pilotton-Fremdspannungsabstand bei 67,5 kHz Hub, selektiv wenigstens 20 dB bei 19 kHz, wenigstens 30 dB bei 38 kHz Erfüllt
      Ausgangsspannung bei 40kHz Hub an 470 KOhm, parallel 100pF wenigstens 500mV bis max 2V Erfüllt nach ergänzung mit Pufferverstärker

      Nach der Modifikation ein brauchbarer Stereo-Tuner für Küche, Werkstatt, Hobbyraum an jedem (Vor-)Verstärker betreibbar
      Für gehobene Hör-Ansprüche oder schwierige Empfangslagen nicht hinreichend wegen des noch leise direkt an den Boxen hörbaren Störhintergrunds und der nur mittelmässigen Empfangsleistung

      Also meine Hassliebe...
      Hass, ....wegen des nötigen Nachrüstungsaufwands und unangenehm durchzuführenden Abgleichs, des nicht so guten Störabstandes, der billigen Konstruktion und schlechten Haptik.
      Liebe, ...mein allererster Tuner, vom Taschengeld mit 15 gekauft - Sentimentalität.


      Der ELAC Stereoreceiver ELAC 2300 T, gebaut von Körting, ist im UKW-ZF-Teil und Stereodecoder mit diesem Tuner baugleich. Das FM Frontend im ELAC dagegen, ist schon besser, es hat eine Varaktordioden-Abstimmung und einen rauscharmen FET als Mischer und separaten Oszillator, keinen selbstwingenden Mischer.


      Gruß
      Reinhard

      PS:
      In einem anderen Beitrag hatte ich zu einem Rauschproblem eines der Tuner geschrieben. Im zweiten Exemplar (andere Transistortypen verbaut) trat es nicht auf. Deshalb nicht generalisierbar. Es konnte durch Austausch des Stereodekoders durch einen IC-basierten moderneren PLL-Decoder (TA7343AP, = TFK U2343, S/N typisch 74dB) behoben werden. Es blieb unklar, ob, ggf. wie weit die verbauten Lockfit-Transistoren hier auch einen Anteil am vorher hörbaren Rauschen hatten.

      Der zum Tuner gehörende Stereoverstärker
      hifi-forum.de/bild/dscf0647_84096.html

      Körting 821/764, Transmare A 500, 2 x 10W Sinus, 259 DM, war bei seinem Erscheinen 1968/69 schon eine veraltete Konstruktion, noch mit Germanium-Treibern (AC124, AC132) und Germanium-Endtransistoren (AD166) mit Ausgangsübertragern, ohne Endstufensicherungen und mit einstufigem Phono-Entzerrer. Das Netzteil des Verstärkers arbeitete mit einem Siemens Selen-Flachgleichrichter B40C1000. Er hat damals (neu) schon auf beiden Kanälen gerauscht, wie ein Wasserfall. Das war bei leiser Lautstärke sehr störend (Lautstärkeregler sitzt direkt hinter den NF-Eingängen). Obwohl wenigstens so viele dieser Verstärker wie die noch oft anzutreffenden Tuner seinerzeit verkauft sein müssten, sind sie heute wesentlich seltener aufzufinden, was darauf schliessen lässt, dass die Verstärker leichter defekt wurden (z.B. bei Kurzschluss in einer Lautsprecherleitung Endtransistor-Tod) und dann entsorgt wurden.

      Ab 1970

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      Hallo Forenfreunde,

      zum Schluss noch ein paar Fotos.


      Front der ersten Serie (1968), die stabile Skalenscheibe vergilbt nicht, UKW Frequenz von rechts (niedrig) nach links (hoch)





      Front der zweiten Serie (1969/70), die dünne Skalenscheibe wird braun, wo sie dem Tageslicht ausgesetzt ist (schlechter Kunststoff, UV-Sabilisator fehlt), Feldstärkeanzeige beleuchtet, Gehäuse weniger tief, UKW Frequenz von links (niedrig) nach rechts (hoch).




      Innenleben der ersten Serie mit Bodenblech - schlecht zugängliche Bauteile, drangvolle Enge. Bauteile über-und untereinander sowie überkreuz.
      Untere Platte: AM und FM ZF-Verstärker und Detektor; rote Spulen/Kreise für AM, schwarze für FM. Dieselbe Platine wurde in Körting Kofferradios verbaut.
      Obere Platine: AM HF; Vorkreis, L, M, K Oszillatorspulen und C-Trimmer sowie L, M, K Band-Schalter




      ...die gleiche Ansicht und gleiche Platinen/Schaltung im Körting Kofferradio Arosa 829/234:



      ...und von der Endstufe im Transistorkoffer und Stereodekoder im Tuner abgesehen, die gleiche Schaltung im Kofferradio wie im Stereo-Tuner:




      Innenleben der zweiten Serie mit geändertem Platinen-Layout,und Chassis. Billiger, besser zugänglich. Chassis weniger tief, erlaubt Einsparung auch am Pressholzgehäuse.
      Version mit originalem Stereodekoder und nachgerüstetem Ausgangs-Pufferverstärker mit Verstärkung = 3 (10 dB)




      Zweite Serie, Stereodekoder ersetzt mit IC-Typ PLL-Dekoder (links auf Lochrasterplatte montiert). Stereoanzeigelampe durch weisse LED ersetzt. Mit nachgerüstetem Ausgangs-Pufferverstärker mit Verstärkung = 2 (6 dB), da das vom IC-Decoder gelieferte NF-Signal grösser ist als das vom Körting-Dekoder gelieferte.





      Gruß
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Hallo Reinhard,

      die rückseitig oben exponiert liegende Netzsicherung stellt sicher, dass der Unterarm bei Arbeiten am Gerät satten Kontakt mit 230V bekommt. Das verhindert, dass der Techniker den Unzulänglichkeiten des Gerätes auf die Spur kommt bzw. dass er zumindest nicht mehr darüber berichten kann. Sehr geschickt gemacht!
      Aber bei Dir hat es ja zum Glück nicht funktioniert.
      Ich glaube ja, dass einem in jungen Jahren gar nichts besseres passieren kann, als HiFi Geräte mit ungenügender Leistung. Das ist ein Anreiz zu forschen, Verbesserungen zu finden, Schwachstellen zu beseitigen. Ein Auftrag für´s ganze Leben.
      Bei mir lief das ganz ähnlich. Man ist unzufrieden, verbessert, erforscht, baut selbst, kauft Messgeräte, liest Bücher, geht auf Messen, kauft sich bessere Komponenten, die haben auch wieder Schwächen und so weiter - ad infinitum.
      Reinhold Messner sagte "Wenn man eine echte Leidenschaft hat, kann man immer von deren Abfallrodukten leben" ( nicht von der Leidenschaft selbst, die kostet.)
      So verdiente man sich das Geld für seine Leidenschaft etwa durch das Reparieren anderer Geräte.

      Die Fa. Körting, die mit dem früheren Unternehmen in Leipzig nach anfänglichen Erfolgen in der frühen Bundesrepublik bald außer dem Namen nichts gemeinsam hatte, knüpfte leider nicht an die Tradition der Spitzenprodukte (Transmare, Ultramar...) an, sondern baute für Neckermann Billigware. Neckermann hat damals, als noch Preisbindung bestand, viele Produkte "demokratisiert", für jeden erschwinglich gemacht. So wurde eine Marktlücke geschlossen, Top Qualität konnte man natürlich nicht erwarten. Mancher hatte lieber einen Körting Fernseher, oder eine Körting HiFi Anlage, als gar keine. Auf Besseres umsteigen kann man später immer noch. Anfang der 70er hätte ich als ersten Tuner liebend gern den Revox A76 gehabt, aber es wurde infolge von Budgetrestriktionen dann der Dual CT18. Der war zwar im Vergleich zum Körting 821 schon deutlich besser, aber zufrieden war ich nie damit, auch nicht mit der Konstruktion und der Verarbeitung. Aber ich habe ihn bis 1979 behalten, als der TFK TT750 angeschafft wurde.

      Jetzt habe ich gar nichts zum Körting Tuner geschrieben, aber den hast Du schon perfekt besprochen. Eine Freude beim Lesen.
      Achim

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      Für solche Einsatzgebiete wurden hier damals nette Ostgeräte verkauft, die sich dann hoher Beliebtheit bezüglich ihrer massiven Ausgestaltung und hochwertigen Schaltungstechnik erfreuten. Da stand dann auf einmal anstelle REMA oder RFT Hanseatic oder Universum drauf oder gewisse bekannte Phantasienamen.

      Mitte/Ende der Siebziger ging es noch einfacher, da gab es industriedesign-ausgezeichnete Geräte aus Japan, die deutscher ausgesehen haben als die deutschen die sich da schon alle Mühen gaben das ihre Kisten japanesich aussehen sollten. Noch fünf Jahre später kamen die dann auch nicht mehr aus Japan sondern aus Korea (Süd), Frontplatte (wie) Pioneer, Innenleben LuckyGoldstar.
      Gruß Jogi
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      Menschen mit Tiefgang laufen schneller auf Grund
      Nichts wird dem Menschen weniger verziehen, als Recht gehabt zu haben
      [frei nach W. Reus]
      Eure Berichte sind faszinierend zu lesen. Ich hab den vorhin in einem Stück durch, wie ich früher in jungen Jahren als ich einen neuen Perry Rhodan Heft oder TB-Roman in Händen hielt, ebenfalls in einem Stück durchgearbeitet hatte. Lebendig beschrieben,begeisternd zu lesen, soviel zur Thematik, wie in diesem Forum hab ich so gut wie noch nirgends vermittelt bekommen....Chapeau!
      --Hans--
      Meine Zeit war die Zeit, als man noch Zeit hatte, sich Zeit zu nehmen...
      Kopf hoch,au wenn de Hals dreckig isch ;( .....
      Hallo Reinhard
      Danke für den ausführlichen Bericht - sehr interessant.

      Ich besitze und schätze diese Geräte aus dem Preiswertsegment.
      Mich begeisterte der nahezu störungsfreie Empfang schon mit Wurfantenne
      und der durchaus brauchbare Klang in Kombination mit dem passenden Verstärker.
      Ich habe keine Frquenzmessungen angestellt und meine Ohren sind weit älter als
      diese Geräte und damit natürlich auch "mangelhaft" - trotzdem klingt es prima.
      In meiner Sammlung finden sich auch Tuner mit "traumhaften" Daten,
      unglaublicher Eingangsempfindlichkeit und, teils heute sogar, hohen Preisen -
      der gebotene "Mehrklang" ist jedoch nur gering und die Störungen meiner
      neuen "China-LED-Leuchte" werden nur noch stärker empfangen.

      Für den verlangten Preis durchaus brauchbare Geräte, die manchem Käufer
      jahrzehtelang treue Dienste erwiesen haben.






      Freundliche Grüße Michael
      Hallo Michael,

      wenn man bedenkt, dass ja in der 2.Serie 3cm an Pressholz für das Gehäuse gespart wurde, die Frontscheibe nur 1,5mm aus schlechterem Kunstoff, statt 5mm dickes PMMA und der billigste Chassisrahmen, der denkbar ist, das alte Bodenblech ersetzen musste, kann man daraus nur schliessen, dass es auf jeden Pfennig (buchstäblich!) ankam.

      Für den Pufferverstärker hätte man wenigstens benötigt
      2 Transistoren (BC179 oder BC154 oder ähnlich - , damals (1969) pro Stück ca. 1 DM (Quelle: singularity.com/images/charts/AverageTrans.jpg )
      8 Kohleschicht-Widerstände 1/4 W - zusammen 10-20 Pfg ?
      2 Kondensatoren - zusammen 20 Pfg?
      Man kommt dann auf Teile-Kosten von zusammen ca. 2,20-2,50 DM.

      Ich nehme an, dass angesichts der bereits begonnenen finanziellen Schwierigkeiten und des Neckermann-Verkaufspreises von 219,-DM, der Technik eine Kostenobergrenze gesetzt war, die mit diesen 2,50 DM überschritten worden wäre.

      Nehmen wir an:
      219 DM abzgl. 10% Umsatzsteuer (1969) = Neckermann Verkaufspreis netto: 199,00 DM (Vielleicht war Neckermann-Diktat: Netto-Verkaufspreis < 200 DM ?)
      Neckermann Handelsspanne: 25% vom Verkaufspreis = 49,75 DM
      Verkaufspreis von Körting an Neckermann = 149,25 DM

      Herstellkosten 1969 überschläglich (bitte korrigieren, wenn ich grob falsch schätzen sollte):
      Holzgehäuse, Papprückwand, AL-Frontblech, und Chassisrahmen, zusammen ca. 10,- DM
      Frontteil (Kunststoff mit Skalenseilzug/-Trieb), Skalenplatte, ca. 5 DM
      12 Transistoren ca. 12 DM
      11 Dioden ca. 6 DM
      1 Gleichrichter ca. 2 DM
      1 UKW HF Frontend/Mischteil 10 DM
      1 Drehkondensator 5 DM
      3 Platinen, 1-fach kupferkaschiert, geätzt und gebohrt, ca 9 DM
      1 Feldstärkemeter 4 DM
      15 Spulen (AM HF, AM und FM ZF, Stereodecoder) ca. 10 DM
      Trimmkondensatoren, Kondensatoren (Elkos, Folienkondensatoren, Styroflex- und Keramikkondensatoren), Widerstände, versilberter Schaltdraht, Sicherungshalter/Sicherung, Glühlämpchen, andere Kleinteile ca. 15 DM
      7 Druckschalter 10 DM
      1 Trafo ca. 2 DM
      1 Ferritantenne 4 DM

      Bestückung und Verlötung ca. 5 DM
      Abgleich ca. 5 DM
      Montage und Endprüfung ca. 10 DM
      Versand, Buchhaltung, Lagerhaltung, Technik Auftragsabwicklung, Einkauf, usw. ca 5-10 DM
      (Die letzten Positionen enthalten Personalkosten)

      Summe: 129-134,- DM
      Vielleicht ist das noch zu wenig gerechnet.

      Das bedeutet, Körting hätte nur etwa 10-15 DM (max. 10%) pro verkauftem Gerät vor Steuern verdient. Deshalb die Knauserei.

      Gruß
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      nightbear schrieb:

      die rückseitig oben exponiert liegende Netzsicherung stellt sicher, dass der Unterarm bei Arbeiten am Gerät satten Kontakt mit 230V bekommt. Das verhindert, dass der Techniker den Unzulänglichkeiten des Gerätes auf die Spur kommt bzw. dass er zumindest nicht mehr darüber berichten kann. Sehr geschickt gemacht!


      Hallo Achim,

      Du triffst das wieder "auf den Punkt"!

      Jedesmal, wenn ich das Chassis offen und am Netz hatte, habe ich mir 10 x laut vorgesagt: "Reinhard, pass auf - da darfst Du nicht drankommen!" Aber drei- oder viermal ist es dann doch passiert. Ich habe es überlebt, da ich nicht gleichzeitig mit der anderen Hand Wasserhahn oder Heizungsrohr anfasse. Da hätte eine Plastikkappe drübergehört - aber Du weisst, Kosten!

      Körting hatte einen grossen Wurf 1953 mit der Erfindung der FM-Syntektor-Schaltung ("Synchro-Detektor").
      welt-der-alten-radios.de/technik-1-synchron-detektor-40.html

      Wie man liest, war der Körting "Royal Syntektor 54W, 55W", der parallel von Neckermann unter weniger spektakulärem Namen (Neckermann Royal Nr. 111/21; Luxus Syntektor 111/26, 111/27, 111/28, 3D 111/29) baugleich für weniger Geld verkauft wurde, ein Spitzenkönner hinsichtlich Empfang und Trennschärfe.
      radio-bastler.de/forum/attachment.php?thumbnail=44484
      welt-der-alten-radios.de/files/111-21-katalog.jpg

      Danach hat Körting (Moortgat-Pick) diese UKW-Synchro-Detektor-Schaltung auf Transistorempfänger übertragen und es gab dann mehrere Körting Spitzengeräte, die diese Schaltung enthielten.
      Technik bei Körting konstruiert und gebaut:
      Siemens Klangmeister RS 17
      Siemens Klangmeister RS 171, RS 172
      Siemens Studiomeister RS 502
      ELAC 4000T Syntektor
      EAC 4101T Quadrosound
      ELAC 5000T
      Ich hatte auch Neckermann-(Körting) Receiver gesehen mit dem Schriftzug "Syntektor", finde ich aber nicht mehr.

      Viele wussten nicht, dass Siemens und ELAC Receiver, auch Siemens Fernseher damals von Körting kamen. Auch Blaupunkt liess einen Zeitraum wohl (wenigstens teilweise) bei Körting bauen.
      Auch bei Fernsehern war Körting früh ein Preisbrecher und deshalb in der Branche nicht gut gelitten.

      Es gab also durchaus Highlights von Körting, aber leider gingen die in der Masse der Neckermann-Low-Preis-Produkte unter. Über Neckermann war eben kein "Markenwert" zu erreichen. Auch die ersten ELAC Receiver von Körting (2000T, 2300T, 2400T) hielten in der Technik nicht ganz das, was das Äussere versprach, waren aber bereits besser als die besprochene Neckermann Tuner/Verstärker-Kombi. Es gab z.B. keine Ausgangsübertrager-Endstufen mehr, z.T. besseres FM-Frontend, besserer Phono-Vorverstärker, z.T. besserer Stereodecoder.

      Die für Siemens gebauten Receiver lassen erkennen, dass dort spezifische Schwachpunkte der Neckermann-Versionen ausgemerzt wurden. Immer noch die typische Körting Technik, aber im Detail aufwendiger und besser. So hat der Siemens Klangmeister RS91 Receiver (Körting) von 1967 zwar noch eine Germaniumendstufe mit Ausgangsübertragern aber einen ordentlichen 2-stufigen Phonoverstärker, einen überarbeiteten Stereodekoder, Preomat und besseres Varaktor-HF-Teil sowie einen aufwendigeren 4-stufigen UKW ZF-Verstärker. Körting konnte es, wenn sie nur immer gedurft hätten....wenn die Kostenklammer nicht gewesen wäre.

      Gruß
      Reinhard
      Hallo Reinhard,

      ja, nach dem Krieg in den 50ern konnte man bei Körting noch an frühere Erfolge anknüpfen, dann muss aber mehrmals einiges schief gelaufen sein und es es ging abwärts ins Billigsegment, nicht zuletzt durch die Abhängigkeit von Neckermann. "Once in the cheap business segment, there´s no coming back."

      Schon im SW-TV Bereich waren die Körtings bestenfalls Einsteigermodelle, kein Vergleich mit Grundig, Saba, Nordmende oder Telefunken.
      Im Farb-TV Bereich wurde es dann richtig übel. Für "Kuba" baute man eine Krücke mit doppelseitig kaschiertem und eng gedrängtem Chassis. Da konnte man die Löstation permanent beim Fussball Schauen eingeschaltet lassen und bei jedem Eckball nachlöten.
      Dann kam ein Chassis mit Thyristorablenkung, wie in den 760ern üblich, aber die ganze Ablenksektion war gestopft voll mit Kommutierungskondensatoren, die so stark mit Impulsen belastet wurden, dass es gar keine Typen gab, die bei dieser Belastbarkeit hinein gepasst hätten. Auch eine Dauerbaustelle. Irgendein großer Händler hatte diese Geräte im Rhein Main Gerbiet in beachtlichen Stückzahlen verkauft, vielleiocht auch das Neckermann Kaufhaus selbst?
      Wer damals die robusten und servicefreundlichen Grundig und die Siemens/Blpkt./Telefunken Einheitschassis gewohnt war, bekam zwangsläufig eine massive Aversion gegen Körting.
      Bei Henkelware und günstigen HiFi-Komponenten war es, wie auch bei Quelle, besser. Auch die weiße Ware war anständig, bis hin zu den von Gorenje gebauten Modellen.
      Achim
      Derlei hochstehende, leicht zu berührende Sicherungen oder sonstige Teile mit 230 V isoliere ich immer zuerst einmal ab. Sicherungshalter bekommen ein Käppi, es ist da flexible, die man einfach überziehen kann. Andere Stellen bekommen Schrumpfschlauch oder andere Isolationsmaßnahmen. Auch wenn einem selber in der Regel nicht viel passiert, weil man meist aufpasst, so muss man doch immer damit rechnen, dass andere Leute diese Geräte mal aufmachen (heute mit weniger Respekt als früher --- wohl weil man nicht mehr lernt, wie gefährlich Netzspannung ist). Hier lesen ja auch viele Personen mit, die mal "reinschnuppern", und da muss man das wohl gelegentlich mal betonen.

      Aus meiner Sicht ist das Problem, dass geerdete Geräte wegen der Masse am Gehäuse innen nicht doppelt isoliert zu sein brauchen, und es auch oft nicht sind. Dann kann man sich aber leicht einen zischen, und wenn man dann noch mit der anderen Hand am Chassis ist, kann es übel ausgehen ... daher ist doch Vorsicht besser und angezeigt !

      Besten Gruss,

      Michael
      Hallo,

      sehr schöner Bericht, vor allen Dingen auch die Nachkalkulation, die ja Vieles im Nachhinein verständlich macht. Wenn man bedenkt, dass durch die Pufferstufe bei 2% Mehrkosten eine um 100% (?) verbesserte Produktqualität herausgekommen wäre, kann man sich nur wundern. Und dann wären durch mögliche Weiterempfehlungen bzw. gute Tests auch bei 20 DM mehr Verkaufspreis mehr Umsatz und Gewinn möglich gewesen. Hier ist die Kostensenkungsguillotine eindeutig zu früh gefallen.

      (Ist zwar jetzt ein weiter Bogen, aber die 2% erinnern mich an den Dieselskandal von VW in USA. Genau die hat man dort nämlich auch gespart durch die Manipulation, in Summe etwa 200 Millionen, dafür aber 30 Mrd. Strafzahlungen geleistet. Es gibt Dinge, die ändern sich einfach nicht.)

      Gruß

      Rolf
      Ja, die Sache mit dem "wir sparen jetzt mal 1 Euro, die Mehrkosten von später 1000 Euro suchen wir, wenn es dahin kommt" kann einen schon etwas deprimieren ...

      Wegen Trenntrafo: Ja, alles richtig, aber bitte bedenken: Nicht jeder hat so etwas, und schon gar nicht die Leute, die "unbedarft" nach dem Motto vorgehen "da schauen wir doch erst einmal rein ... ". Daher ist mir eine möglichst weitgehende Berührsicherheit immer wichtig. Es gibt ja auch viele Geräte, bei denen man locker mit einer Schraubenzieher oder einer Schere (Kinder !) von aussen an spannungsführende Stellen kommen kann --- so etwas stelle ich immer ab, wenn es irgendwie geht.

      Besten Gruss,

      Michael
      Sehr sinnvoll, so ein Trenntrafo, hängt bei mir stets in Serie mit einer Glühlampe bei einem offenen Gerät. Letztere schützt das Gerät vor Folgeschäden bei Kurzschluss, fehlerhaften Endstufen u.s.w.

      Obacht ist trotzdem angesagt. Mein letztes Kribbeln habe ich bekommen, als ich sekundärseitig eine Wicklung für die Versorgung eines TAA550 abgehängt hatte. Ich verließ mich blind darauf, dass in Transistorgeräten sekundärseitig keine hohen Spannungen genutzt werden. Beim Löten kam ich dann gleichzeitig mit dem Chassis, und mit dem Unterarm mit diesem Draht in Berührung. Eine reflexartige Zuckung und ein Kraftausdruck waren die Folge. Dann habe ich zum Isolierband gegriffen. Da wir beim Thema Sicherheit sind: was macht ihr als Abschlusskontrolle bei einem revidierten Gerät? Oder sollten wir das hier lieber nicht diskutieren?

      Gruß, Christian
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)