Nordmende Tannhäuser 60 Stereo

      Hallo Dieter,
      ECC 82 und 83 sind aber ganz gut zu unterscheiden, die 82 hat die "dickeren" und auch meist längeren (höheren) Anodenzylinder (also das schwarzgraue Blechpaket in der Mitte). Die beiden Typen sind pinkompatibel, aber in ihren Daten völlig unterschiedlich. D.h. wenn du sie verwechselst, qualmt nichts, es funktioniert bloß schlecht.

      Hallo Achim, Jogi,
      nochmal zu der Nordmende-Platine: Gewirewrappt ist da nichts. Die Drähte sind um die Pins herumgebogen und verlötet. Das Gerät ist aus der Modellsaison 59/60 und original voll mit Tropydurs. Das war ja zu der Zeit noch normal. Bemerkenswert ist bei denen, die schon ihren Wickel freigelegt haben, dass das ja schon im Betrieb passiert war und nicht unbedingt gleich zum Defekt führte, solange der Fernseher täglich in Gebrauch war. Verluswärme brachte die Umhüllung zum Weglaufen, der Wickel arbeitete warm weiter, wenn die Feuchtigkeit raus war, war die Funktion wieder gegeben. Bei täglichem Betrieb hatte neue Feuchtigkeit dann kaum eine Chance sich einzunisten. Und wenn's doch schief ging, musste eben der Mann mit dem Servicekoffer kommen.

      Das gilt noch mehr für die naturgemäß weniger belasteten Kondensatoren in Radios: Solange die Geräte im Alltag liefen, blieben auch die schlechtesten Papierwickler sehr lange sehr dicht. Erinnert euch, dass noch in den Achtzigern viele 50er-Jahre-Radios im Alltagseinsatz waren, bei Oma in der Küche oder im Hobbykeller.

      VG Stefan
      Hallo Stefan,

      die beiden Röhren gleichen sich wie eineiige Zwillinge !

      Lediglich der noch vorhandene Aufdruck aussen auf dem Getterspiegel unterscheidet die beiden. Es sind aufgedruckt:
      in gelb/weiß: Tnc 585 und Tnc 310, falls das was hilft.

      Klarzeichner schrieb:

      ECC 82 und 83 sind aber ganz gut zu unterscheiden, die 82 hat die "dickeren" und auch meist längeren (höheren) Anodenzylinder


      Ich hab jetzt mal eine ECC82 NOS von Matsushita aufgemacht. Sie zeigt genau das gegenteil: ihre Anodenzylinder sind deutlich kleiner als die der beiden unknowns :(

      Gruß, Dieter

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      Hallo Dieter,

      man kann doch folgendes Experiment machen: Du steckst z. B. in die erste Position (wo lt. Schaltbild die ECC82 hingehört), eine ECC82 aus deinem Lagerbstand mit Beschriftung.
      Dann testest Du an der 2. Position beide zweifelhaften Röhren aus der Originalbestückung und achtest auf Unterschiede bei der Lautstärke und beim Klang. Wenn Du Glück hast, ist nur eine der Röhren optimal. Dann weißt Du auch, was was ist.
      Achim
      Moin Achim,

      genauso werde ich es machen !
      Aber momentan ist alles zerlegt, das ist ein größeres ERO100 Grab als mancher Freiburg, dazu gibts auch noch Tropydurs und massig Elkos mit Blähbacken. Nach meiner ersten Zählung werde ich über 40 Kondensatoren tauschen (müssen).

      Gruß, Dieter
      Bilder
      • tann_60_6.jpg

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      Hallo an euch,

      die Revision der NF-Platine ist abgeschlossen, an der Unterseite war es eine Friemelarbeit, die Drähtchen wieder anzulöten. Eine Strafarbeit für jemand, der seine Frau erschlagen hat. Aber mit einem Weißbier und einer Valium klappt alles... :)
      Das zufällige Einsetzen der ECC82/83 war vermutlich ein Volltreffer.
      Entgegen meiner Erwartung spielt das Gerät trotz noch 28 zu tauschender Ladungsspeicher mit 65 VA Leistungsaufnahme erstaunlich gut. Nun darf es erst mal bis zur Bettgehzeit dudeln, dabei prüfe ich vor allem die Komponenten im Netzteil.

      Der Empfang ist perfekt und auch die Klangeinstellungen sind sehr gut. Voluminöser Bass und klare Höhen, alles gut.
      Morgen gehts weiter.

      Gruß, Dieter
      Die Röhren ECC82/83 unterscheiden sich dermaßen in ihren Eigenschaften das der Einsatz der ECC82 anstelle der ECC83 sofort mit Betriebsstörungen auffällt.

      Das Umwickeln der Pins mit Draht wurde wohl kaum Freihand gemacht, Serienfertigung waer auch damals schon von REFA und Innenrevision überwacht und die hätten alle laut gehustet bei dem langwierigen Gewürge. Es muß also einen Sinn gehabt haben , erstens, und es muß schnell gegangen sein, zweitens.

      Eine der Durchführungsvorschriften für Montage an Lötleisten war die gewesen das das Ganze mechanisch sicher festgelegt sein mußte und die Schaltung quasi schon vor der Lötung testweise funktioniert hätte. NM hat nichts falsch gemacht, genauso montiert man auf Lötleisten.
      Entlöten im Reparaturfall ist so leicht wie nur denkbar.
      Das defekte Bauteil wird am Korpus abgeschnitten, der lange Bauteiledraht wird unter Einwirkung der damals üblichen ungeregelten, heißen Lötkolben auf die Lötöse bewegt bis das Zinn bei entfernter Lötspitze bei weiter beweglichem Draht erstarrt, alle Windungen durchgeschnitten und die kleinen Drahtreste abgelesen, fertig. Und das Loch für das Ersatzbauteil in der Lötöse ist so auch schon frei.
      Reparieren war damals noch Arbeit, da hat keiner geklagt und keiner die Nerven verloren wenn es dauerte und mehr anstrengte als Ratze-batze-fertig-ab. Es gab auch noch nicht den Druck auf Reparateure wie in späteren Jahren.
      Und immerhin, ist eine Leiterplatte die richtig mechanisch fest bestückt ist auch nicht wenig arbeitsintensiv, man muß auch da den umgebogenen und festgelegten Draht erst freimachen und richtig herum herausziehen, nur schnell Ablöten und das halbe Lötauge dann infolge raus reißen führt nicht weit.

      Handwerk adelt.
      Gruß Jogi,
      der im Forum von jedem dahergelaufenen Neuling verspottet, beleidigt und als charakterlos tituliert werden darf.
      So, long time, no repair !

      Nun ist der Tannhäuser komplett revidiert, alle Kontakte gereinigt und die Mechanik leichtgängig.
      Seit 17 Uhr erfreut er mich mit hervorragendem Klang, auch wenn es Stefan nicht glaubt... :)

      Insgesamt liegt jetzt hier ein Berg aus 39 Kondensatoren, 4 Elkos und 2 Widerständen.

      Nach dem ersten Einschalten fehlte ein Kanal, grrr.
      Aber die Signalverfolgung brachte schnell den "Fehler": ein abgebrochenes Käbelchen am LS-Poti. Viele kennen bestimmt diese dünnen grauen abgeschirmten Leitungen, wo der Innenleiter aus gefühlt 5 Litzchen besteht, man beim Abisolieren schon 2 killt und nach dem Anlöten man haargenau drei Biegeversuche bis zum Abbrechen hat. Genau das war passiert beim Einbau der NF-Platine.

      Viele Grüße, Dieter
      Doch, ich mag es gerne glauben, freut mich. Vielleicht hatte ich immer Gurkenexemplare.

      Was den dünnen Innenleiter deines geschirmten Kabels betrifft: Sowas isoliere ich nicht mit Werkzeug ab, sondern kerbe die Isolation mit der Lötkolbenspitze an und ziehe das Stückchen mit den Fingernägeln ab. Ist nicht lehrbuchmäßig, aber materialschonend.

      39 Kondensatoren?? Allmächt! Wo kamen die denn her? Was hast du alles gewechselt?

      VG Stefan
      Moin Stefan !

      Alleine auf der NF-Platine waren schon 14 zu wechselnde, dabei bin ich beim Kondensatortausch eher konservativ denkend. Aber 90 % waren wirklich die hellen ERO Milchbonbons, die sahen schrecklich aus. 4 EROs sassen auf den AÜs. der Rest unten drunter (s. Bild im post vorher).

      Die Idee mit der Lötkolbenabisoliertechnik kam mir noch gar nicht in den Sinn, klingt gut. Bei dünnen Kabeln muss bei mir immer die Kauleiste herhalten, die ist nicht so scharf wie eine AI-Zange und der Druck läßt sich besser dosieren. Blöd nur wenn das Kabel schon einseitig irgendwo angelötet ist... :(

      Gruß, Dieter