Verstärker NAD C 352

      Verstärker NAD C 352

      Liebe Freunde,

      so ein NAD kam defekt zu mir, schaltete nicht frei. Ein Fehler, über den im Netz einige berichten -- war hier aber nur ein Wackler an einem Steuerkabel. Im Prinzip tat der danach, aber ... der Klang war nicht locker, sondern irgendwie "muffig". Innen alles noch original, Elkos von JH (chinesisch ?), Platine an einigen Stellen deutlich verfärbt, und einige Leiterbahnen schon lose. Einige Kühler auch verfärbt (braun statt schwarz), Endstufentransistoren wurden heiss (Ruhestrom stand ca. einen Faktor 8 zu hoch ... da muss wohl jemand auf "Class A" umjustiert haben ... ;) )

      Nachdem ich den Hinweis fand, dass JH Elkos nicht lange leben, habe ich einige getestet -- und in der Tat: 2 uF statt 10, 40 statt 220 etc. -- alle deutlich zu niedrig, einige fast bei 0. Also alle getauscht (das sind über 50), wobei ausgerechnet die dicken Netzteilelkos noch in Ordnung waren (genau vermessen). Dann war ein längerer Lötjob nötig, alles etwas fieselig, weil teilweise auch noch SMD Bauteile von unten dabei waren. Ein Kühlkörper wurde selbst bei offenem Deckel schon 60 Grad und mehr, im Bereich der Platinenverfärbung. Also mal einen "Huckepack" ergänzt, jetzt kommen alle mit ca. 50 Grad aus. Immer noch unnötig viel, aber OK.

      Abgleich, Probelauf -- alles klar. Klang wieder durchsichtig, spritzig, angenehm -- muss also an den vielen halb-toten Elkos gelegen haben. Vielleicht hat auch die eine oder andere schlechte Lötstelle eine Rolle gespielt. In meinen Augen kein schlechtes Gerät, aber offenbar wirklich eines, bei dem eine Elko-Kur nötig sein kann. Eigentlich seit langem das erste Teil auf meinem Tisch, bei dem das so durchgehend nötig war. Ich erinnere mich, dass JH Elkos hier auch anderswo schon einmal weniger gut wegkamen. Ich habe die meisten durch Panasonic FC ersetzt, durchgehend also 105 Grad Typen -- denn in der Kiste wird's immer lecker warm ...

      Besten Gruss,

      Michael
      Hi Stefan,

      ja, sehe ich auch so. Dieses Exemplar stand aber wohl im Regal, eher schlecht belüftet -- das mag den Prozess etwas beschleunigt haben. JH steht m.W. für Jinghai, und die sind eben nicht in der Liga von Nichicon, Panasonic, Rubicon etc.

      Wie der viel zu hohe Ruhestrom zustandekam, kann ich nicht rekonstruieren. War halt so. Das Gerät hat Sziklai-Paare im Ausgang (oder Komplementär-Darlington-Schaltung), und braucht daher nur einen recht kleinen Ruhestrom, deutlich weniger als eine Emitter-Folger-Schaltung.

      Die wirklich unsinnige Überhitzung kommt aber gar nicht daher, sondern von der Ableitung einer stabilisierten Spannung aus der vollen Versorgungsspannung. Für die zugehörigen Längstransistoren waren schon etwas größere Kühlkörper vorgesehen, aber die waren halt noch zu klein, und die Hitze hat dann die Elkos drumherum ordentlich gebraten, und die Platine verfärbt. Das hätte eine sorgfältige Entwicklung eigentlich vorhersehen können/müssen.

      Besten Gruss,

      Michael

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

      In den 60iger und 70iger, 80iger bis über die 90iger Jahre schien - allerdings schon mit leicht abnehmender Priorität - die avisierte Lebensdauer noch auf wenigstens 10 Jahre ausgelegt gewesen zu sein. Gehalten hat "es" meist locker 20 Jahre oder sogar noch länger.
      In diesem Jahrtausend scheint mir, ist man deutlich davon abgerückt. Drei Jahre ist noch "Muss", fünf Jahre ist gut, zehn Jahre ist bereits Luxus, 20 Jahre Legende. Da man in der Elektronik im Consumerbereich in vielen Anwendungen praktisch Marktsättigung hat, sollen die Sachen in der Masse nicht "zu lange" halten, es sei denn der Hersteller ist nicht zu gross und operiert im oberen Preissegment. Keiner sagt es offen, alle wissen es. Aber was ist "zu lange"? Wir hatten das ja immer wieder mal angetönt.

      Gruß
      Reinhard
      N'Abend Reinhard,

      ja, das ist wohl so. Wobei Vieles bei dem Gerät eigentlich sehr ordentlich gemacht ist. Ich habe immer die Vermutung, dass nicht alle Entwickler die Hitzeentwicklung kritisch genug ansehen. Im Prospekt steht ja, dass man den Verstärker frei aufstellen soll, dann hält der schon mindestens 10 Jahre. Aber die Realität ist halt eine andere, und im Regal wird's dann zu heiss.

      Die Problematik mit den JH Elko hatte ich allerdings bei einer Suche im Netz gleich gefunden, das ist also sicher nicht nur bei diesem Exemplar so, sondern generell. Ich meine, Achim hätte auch mit JH Elkos bei Schaltnetzteilen so seine Erfahrungen gemacht. War ein wenig eine Fummelei, über 50 von denen zu tauschen. Und bei dem zeitgleich bearbeiteten Lenco R 50 (aus Korea ...) war kein einziger Elko fällig. So unterschiedlich kann es sein ...

      Besten Gruss,

      Michael

      p.s.: Mal ein Gedankenspiel ... unter der Annahme, dass die Entwickler genau wussten, was sie tun (was man bei NAD durchaus annehmen darf). Die Elkos altern, der Klang wird etwas "schlaff". Wer's merkt, bekommt ein neues Gerät verpasst, und das alte, das ja noch tut, wird an den üblichen Stellen verkauft. Ist ja ein Testsieger, also findet sich wer, der es kauft, und gut findet (weil es ja gut sein muss, und die Mehrheit glaubt das dann ... ich weiss, ist etwas böse ...). Dann geht das nochmal einige Jahre, bis sich ein echter Defekt einstellt. So wie bei dem Exemplar, das bei mir landete, nach ca. 12 Jahren. Normal wird das eher etwas später sein, denn diese Teile sind nicht unbedingt dafür bekannt, schnell und oft kaputt zu gehen -- der schleichende Effekt ist doch für Hersteller, Handel, Kunde eigentlich besser ... oder nicht ?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

      ...und über die Sortimentsbreite relativiert sich das. Wirklich geplante Obsoleszenz halte ich für eine grosse Ausnahme. Eher wird eine Konstruktion auf "Minimum x-Jahre" ausgelegt, und dann reicht es manchmal für sehr viel länger, manchmal aber eben auch nicht. Im Querschnitt im Durchschnitt - wenn das am Ende steht, ist es gut. An schlechtem Image kann keinem Produzenten/Verkäufer gelegen sein.

      Darüber hinausgehende Langlebigkeits-Tests wären der Gegenentwurf. Das macht z.B. Miele. Kostet aber am Ende auch 2-3x so viel. Auch das muss sich am Ende ja rechnen.

      besten Gruß
      Reinhard
      Moin Reinhard,

      das ist sicher richtig, es sollte ja auch nur mal ein Gedankenspiel sein. Wobei schon seltsam ist, dass man offenbar bei vielen Modellen aus der Palette Elkos von JH einsetzt -- und nicht andere, die besser durchhalten. Aber das kann dann auch genau so eine Rechnung der Form sein, dass mindestens 5 Jahre ja reichen ...

      Besten Gruss,

      Michael
      Chefentwickler zum Chefeinkäufer: Aber bloß keine Elkos von JH bestellen! Die sind bekannt dafür dass sie nicht lange halten.
      Chefeinkäufer zum Chefentwickler: Wer sagt das? Wo steht das schwarz auf weiß?
      Chefentwickler zum Chefeinkäufer: Konkret steht das nirgendwo, das ist allgemeine Branchenerfahrung.
      Chefeinkäufer zum Chefentwickler: Papperlapapp.

      So geht das.

      Und wenn der Chefentwickler insistiert:
      Chefentwickler zum Chefeinkäufer: Dann nehmen sie doch Nichicon. Mehrkosten pro Gerät 2,35 Dollar.
      Chefeinkäufer zum Chefentwickler: Vorgesehene Produktionsauflage 10.000 Stück. Wie soll ich vor der GL Mehrkosten von 23.500 Dollar mit Ihren komischen Branchengerüchten argumentieren?
      Chefentwickler zum Chefeinkäufer: Ähhh....
      Chefeinkäufer zum Chefentwickler: Sehnse.


      VG Stefan

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Klarzeichner“ ()

      Naja, bei NAD ist das ja alles irgendwie noch komplizierter. Die entwickeln in UK (soweit ich weiss, immer noch), und produzieren dann bei verschiedenen OEM Herstellern. Früher in Taiwan (da waren die eher gut, jedenfalls durchaus langlebig, wie man an den immer noch gerne gebraucht gekauften Geräten aus der Zeit sieht, man denke an die 1155 Vorstufe etc.), später dann zunehmend in China (mit m.E. sehr unterschiedlichen Resultaten). Die Top-Serien waren aber dennoch sehr ordentlich, und mit ein paar kleinen Massnahmen auch langzeitfest zu machen. Ein Freund von mir hat seit Ewigkeiten die Vorstufe 1000 S, sehr viel genutzt, und jetzt hat mal ein Transistor aufgegeben -- sonst war nichts.

      Da in diesem Gerät nun wirklich _alle_ Elkos von JH waren (ziemlich sicher auch der mit NAD bestempelte im Netzteil), könnte es auch sein, dass dies einfach durch den Produktionsort diktiert ist -- der sicher irgendwo in China liegt. Und dort sind bestimmt alle Qualitäts-Elkos (die ja eher von japanischen Firmen stammen) viel teurer als JH -- bei insgesamt rund 60 Elkos dann in der Herstellung sicher mehr als 2 Euro ... und dann würde das Gerät im Verkauf gleich mal 50 ... 100 Euro teurer, was die Planungsetage nicht zulassen wird. So gesehen schon ernüchternd, aber selbst Hans hatte uns ja von ähnlichen Problemen bei Grundig berichtet.

      Hier wäre m.E. der Gesetzgeber gefragt, der einen Anreiz schaffen müsste, damit derlei Produkte, die sinnvollerweise eine Lebensdauer von wenigstens 10 Jahren haben sollte, das auch locker erreichen. Wobei dieser Amp ja gut 10 Jahre lief ... nur eben ganz sicher schon lange mit miserablem Klang. Der Besitzer hat das wohl nicht bemerkt, weil es schleichend kam ...

      Besten Gruss,

      Michael
      24 Monate Mängelhaftung hat der Gesetzgeber ja vorgeschrieben. Mehr will er gar nicht. Früher waren es nur 12 Monate. Einige Hersteller geben heute ein Jahr oder sogar 3 Jahre Garantie freiwillig dazu. Die von ihren Produkten überzeugt sind, die anderen natürlich nicht.

      Gesetzlich vorgeschrieben für die Sachmängelhaftung sind:
      3 Jahre in Schweden
      5 Jahre in Island und Norwegen bei langlebigeren Produkten
      6 Jahre in Irland
      Im Vereinigten Königreich gibt es zwei verschiedene Verjährungsfristen:
      6 Jahre in England, Wales und Nordirland, 5 Jahre in Schottland

      Man sieht, in anderen Ländern soll's nach Regierungswillen bessere Haltbarkeit sein, in Deutschland genügt das Minimum von Europa. Wir sollen KAUFEN und WEGSCHMEISSEN. Die Welt beklagt unseren zu grossen Exportüberschuss.
      Ich habe nicht gehört, dass eine unserer Parteien für eine gesetzliche Verlängerung der Sachmängelhaftung auf das Niveau wie z.B. in Island, Norwegen, England, Irland, eintritt.


      Gruß
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Wir sollen natürlich kaufen. Aber wir sollen auch nicht so grosse Müllberge mit Elektroschrott produzieren ...

      Also wäre es doch besser, wenn wir diese Sachwerte längerlebig gestalteten, und das Kaufen auf andere Bereiche verlegen. Das muss doch möglich sein ... einmal davon abgesehen, dass es ja auch etwas sagt, wenn viele Leute Produkte aus D kaufen.

      Vieles von dem reparierten Gerödel geht an junge Leute, die das nicht kennen, und denen daher etwas entgeht. Aber da darf das nicht mehr als ein paar Euronen kosten ... ergo kommen nur alte Teile infrage. Wenn die dann noch das Studium überdauern, und länger halten als die meisten neuen Sachen, setzt bei Einigen ein Denkprozess ein, den ich gerne ein wenig befördere ...

      Michael
      Ursächlich am Dilemma Haltbarkeit vs. Bedarf an Neugeräten, Reparaturunfreundlichkeit, usw. ist m. E. das Gebot des ständigen Wachstums in unserer aktuellen Gesellschaftsordnung. Dass das nicht auf lange Zeit gutgehen kann, liegt bei simpler Betrachtung eines endlichen Planeten auf der Hand. Eine vernünftige Alternative zum gegenwärtigen System hab ich aber leider auch nicht in der Hosentasche.
      Das Umdenken und Umlenken in eine ressourcenneutrale Wirtschafterei wird wohl noch etwas brauchen. Noch knirscht es nicht genug im Weltgetriebe.

      Unsere Reparaturaktivitäten in allen Ehren, sie sind wohl doch eher symbolisch zu werten. Im Kollegenkreis habe ich schon einige Male Kopfschütteln geerntet: "Wer braucht denn den alten analogen Mist noch..." Aber vielleicht sollte ich ja mal eine Vorführung organisieren. Saba, Grundig, Kenwood... im Vergleich gegen ein Smartphone mit Bluetooth-Boxen.


      Viele Grüße,
      Christian
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)
      Hi Christian,

      klar -- so ist es. Wobei ich zum Glück Sprüche der Form "Wer braucht das denn noch" praktisch nie höre. Habe da wohl einen entsprechenden Ruf ... und ja, eine Vorführung lohnt. So mache ich das mit den Studenten hier. Klappt meist, so als Augenöffner.

      Sicher alles nur symbolisch. Aber doch noch eine nette Geschichte: Mein Schwiegervater, schon hoch betagt, ist stolzer Besitzer einer CD-Verstärker-Kombi von Exposure, und einem Tuner von Saba (immerhin ...). Neulich kam ein Handwerker für eine Reparatur, und sah die Kombi. Selber höchstens halb so alt, fragte er, ob er da mal reinhören dürfe. Durfte er, und war dann ganz begeistert. Meinte dann noch "... das kommt bei mir so nicht aus den kleinen Aktivboxen" (vermutlich vom PC, ich war nicht dabei). Würde mich mal interessieren, was der dann in seinem Bekanntenkreis erzählt hat ...

      Besten Gruss,

      Michael
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