Verstärker Sherwood S-702 CP (auch Frey 9303, Inkel AK-650, Music Hall HSV 2002, Bayreuth Concerto HSV 9165, Eagle A-7600, Orchester 9000 HSV 9303)

      Verstärker Sherwood S-702 CP (auch Frey 9303, Inkel AK-650, Music Hall HSV 2002, Bayreuth Concerto HSV 9165, Eagle A-7600, Orchester 9000 HSV 9303)

      Liebe Freunde,

      derweil ich beim passenden Tuner noch auf einige Teile warte, starte ich mal einen kleinen Bericht zum "passenden Vollverstärker " ... Bilder gibt es in grossen Mengen im Netz, einige kommen auch hier noch. Es handelt sich um einen solide gefertigten Verstärker aus koreanischer Produktion, mit 2 x 50 W RMS an 8 Ohm, alles eher konservativ ausgelegt.

      Vor- und Endstufe kann man auftrennen, einen Mikrofoneingang gibt es auch (ist also Karaoke-geeignet ...). Aktuell habe ich zwei Exemplare auf dem Tisch, einmal Frey und einmal Music Hall. Beide gut erhalten, einer ganz ohne Defekt. Der andere brauchte erst einmal nur eine Poti-Kur, beide mussten aber nachgelötet werden. Kritisch ist das Relais (Kontakte, lassen sich aber gut reinigen) und der Längstransistor für die stabilisierte Vorstufenspannung. Wie beim Tuner wird der zu heiss. Er ist nur auf einen kleinen Blechwinkel geschraubt, da muss also etwas mehr getan werden.

      Der Klang ist erfreulich ordentlich, das ist also definitiv keine "Rappelkiste" (obwohl bei uns auch meist nur als "Kaufhaus-Verstärker" verkauft worden). Ein ulkiges Detail ist der beleuchtete Lautstärkeregler, angetrieben von zwei Birnchen (8 V, 60 mA). Die sind natürlich hin ... aber interessanterweise an Gleichspannung betrieben, was den Umbau auf LEDs erleichtert und nahelegt (Details folgen).

      Mehr in Kürze,

      Michael

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      Hallo Michael,

      diese Geräteserie von 1978 stellt ja zeitlich auch ungefähr den Beginn des koreanischen Eintritts in den weltweiten "HiFi-Markt (mit Kopien von technisch bewährten japanischen Vorbildern von 1975) dar. Sowohl das Design, wie auch sämtliche Konstruktionsmerkmale und auch die Bauteile sind 1:1 aus Japan übernommen, ohne Anspruch auf eigenständige Merkmale. Wüssten wir jetzt nicht, dass die von Inkel/Korea sind, würden wir auf Japan als Herkunftsland schliessen. Die zeitliche Verzögerung der Technik von 3 Jahren hat auf die Verstärker-Leistungsfähigkeit keinen Einfluss, die war ja schon bei den 1975er Vorbildern ausgereift.

      Heute auf jeden Fall immer noch eine gute Wahl, neuere Verstärker mit Hybridendstufen sind wegen Nichtverfügbarkeit der speziellen Hybride ja oft unreparierbar. Solche Verstärker wie dieser, lassen sich immer noch gut instandsetzen - sollte mal etwas dran sein. Dürften auch unterschätzt und meist preisliche Schnäppchen sein, da kein bekannter "klingender Name" dahintersteht.

      Gruß
      Reinhard
      Moin Reinhard,

      klar, das sehe ich genauso. Hier noch ein paar Bilder ...



      Innen sieht das so aus:



      Ordentlicher Aufbau, wie in der Zeit üblich, mit etwas krummen Bauteilen ... Im rechten Bild sieht man diese kleinen, hellblauen Kondensatoren. Das sind die mit dem festen Elektrolyten, die ich erst im Verdacht hatte, aber sie sind noch tip-top. Es bestand kein Grund, sie zu tauschen. Das Krach-Problem mit dem Poti lag am Ende nur am Poti und einem schlechten Kontakt der Wire-Wrap-Stifte in der Platine. Übrigens waren auch die anderen Elkos alle noch völlig in Ordnung. Viele von Samwha, die dicken im Netzteil von Mitsubishi (wie auch sonst einige Teile).

      Die Relaisplatte ist hochkant eingebaut:



      Sie ist einfach nach Lösen zweier Schrauben halb herausdrehbar, so dass man gut nachlöten kann und das Relais tauschen (oder reinigen). Tatsächlich geht das Reinigen der Kontakte recht gut, wenn man die Kappe abgezogen bekommt (etwas Fummelei). Dann kann man die Zugfeder abnehmen und den Schaltkontakt herausziehen, wonach man an alle Kontakte sehr gut herankommt (plattgedrücktes Wattestäbchen, mit etwas Deoxit getränkt).

      Die Sache mit dem Längstransistor habe ich hier folgendermassen gelöst:



      Das Aluprofil ist aus dem Baumarkt, 10x20x10x1,5 mm, und passt recht genau über den einfachen Blechwinkel, der original verbaut ist. Der hält den Transistor ja nur fest (ist mit einer Schraube auf der Platine fixiert), kühlt ihn aber kaum ... jetzt macht das dieser Aluwinkel, auf den ich den Transistor dann isoliert montiert habe. Platz ist genug, eine Länge von 6 ... 8 cm ist gut geeignet. Nach dieser Aktion bleibt das unter 50 Grad.

      Dann ist da noch die spezielle Beleuchtung des Lautstärkereglers. Original mit 2 Birnchen, wie weiter oben schon beschrieben (und im 1. Bild ist der Effekt zu sehen), aber die sind eigentlich fast immer durch. Hier ist die Schaltung dazu:



      Oben die originale, unten die Änderung mit 2 hellen, weissen LEDs. Die passen mechanisch sehr gut in die 5 mm Löcher der Gummihalterungen für die Birnchen. Die paar extra Bauteile haben locker Platz direkt daneben, weil das LS-Poti mit gutem Abstand zur Front auf einem Blechwinkel montiert ist. Die 220 Ohm sorgen für einen Strom von etwas unter 10 mA durch die LEDs, das reicht hier völlig. Die 220 uF glätten etwas, was mir wegen der Einweggleichrichtung sinnvoll erschien.

      Nachlöten muss man das Gerät, will man wieder lange Freude haben. Man sieht das gut an den manuell gefertigten Lötstellen (die waren alle noch gut) im Vergleich zu den Platinenlötstellen (die waren alle matt, einige rissig -- evtl. ein Flussmitteleffekt ?). Man kommt aber gut an alles dran, und danach sieht das dann in etwa so aus, wobei ich mit Lot nicht sparsam bin (nach getaner Arbeit mit Isoprop abgepinselt, was das Kolophonium gleichmäßig verteilt):



      Abgleich besteht aus DC-Offset (der sich gut auf wenige mV einstellen lässt) und Ruhestrom. Bei diesen beiden Exemplaren waren Emitterwiderstände mit 0,47 Ohm verbaut, Ausgang ist eine Emitterfolgerschaltung. Die Empfehlung laut Manual ist 13 mV ueber beide Widerstände, aber das ist eigentlich zu wenig. Ich bin der Tabelle von D. Self gefolgt, und habe auf 55 mV eingestellt (also ca. 60 mA). Die Kühlkörper sind so gross, dass man praktisch keine Erwärmung wahrnimmt, das sollte also unkritisch sein. Wo nun wirklich das Minimum der Übernahmeverzerrungen ist, kann ich leider nicht messen -- aber vielleicht gibt's da anderweitig noch Erfahrungen ?

      So viel erst einmal hierzu, die Revision war insgesamt erfreulich bauteile-sparsam ...

      Michael

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