Sparstelltrafo SST 250/10

      Sparstelltrafo SST 250/10

      Hallo zusammen,

      bisher fristete dieser Sparstelltrafo ein Schattendasein, da die Netzsicherung der Steckdose bei jedem Einschalten auslöste. Kein Wunder, es handelt sich um einen Ringkerntrafo mit 2,5 kVA Leistung. Nun ist eine Einschaltstrombegrenzung drin - danke Michael - und ich kann das Gerät nun ganz bequem nutzen. Im Moment des Einschaltens liegt ein Hochlastwiderstand mit dem Trafo in Reihe, nach ein paar hundert Millisekunden wird dieser Widerstand durch ein Relais gebrückt und das Gerät kann bis zur Leistungsgrenze belastet werden.




      Was kann es?

      Es liefert an den beiden Steckdosen eine einstellbare Wechselspannung zwischen ca. 30 V - 250V. Das kann man nutzen, um z. B. mit einem weiteren angeschlossenen Festtransformator eine einstellbare Kleinwechselspannung zu erzeugen, man kann eine Heizung auf eine gewünschte Leistung abregeln, man kann Geräte langsam hochfahren, man kann auch mal ein 110V-Gerät damit betreiben, Glühlampen dimmen, große Lötkolben in der Leistung reduzieren...

      Was kann es nicht?

      Es trennt den angeschlossenen Verbraucher nicht vom 230 V-Netz. Alle Sicherheitsvorkehrungen, die für Geräte am Niederspannungsnetz gelten,müssen beachtet werden, wenn sie an diesen Sparstelltrafo angeschlossen sind, zum Beispiel: Gerät geschlossen, Gehäuse nicht beschädigt, keine beschädigten Leitungen, keine offenliegenden Anschlüsse...
      Selbst wenn die Ausgangsspannung nur auf 30 V gestellt ist, kann das angeschlossene Gerät gegen Erde oder gegen Null eine wesentlich höhere Spannung führen, je nach Netz und je nach zufälliger Einsteckrichtung des Netzsteckers. Es gehört also unbedingt noch ein Trenntrafo dazwischen, wenn man den Sparstelltrafo für Reparaturen an geöffneten Geräten nutzen möchte.




      Im Schema eines Spartrafos sieht man es schön. Es gibt keine Sekundärwicklung, die Spannung wird nur durch einen Abgriff an der Primärwindung entnommen, damit bleiben angeschlossene Geräte mit dem Stromnetz galvanisch verbunden.

      Beim konkreten Gerät sieht der Abgriff praktisch so aus:



      Das Herz bildet eine Ringkernwicklung, deren Windungen einseitig zugänglich sind. Der Kohleschleifer lässt sich durch Drehen auf eine beliebige Position stellen und stellt so eine Ausgangsspannung bereit, die dem Verhältnis der Abgriffswindungen zur Gesamtwindungszahl entspricht. Die Kontaktkohle ist an einem Gußmetallarm angebracht, ein in der Mitte befindlicher Schleifring führt die Spannung zum Abgriffanschluss auf der verdeckten Seite des Trafos.
      Viel mehr gibt es am Gerät nicht. Eine Schmelz-Sicherung zwischen Abgriff und den Steckdosen, ein Amperemeter, ein Voltmeter und eine Kontrolllampe.



      Das ist das Typenschild, die Seriennummer lässt darauf schließen, dass das Gerät nicht viel jünger als ich ist. Die robuste Bauweise und etwas Polieren der Schleifkontakte lassen mich nun auf eine lange störungsfreie Funktion hoffen.
      Die "1" im Dreieck ist ein DDR-Qualitätssiegel und steht für "Güteklasse 1". Das sollte bedeuten, dass das Industrieerzeugnis den durchschnittlichen Anforderungen des Weltmarktes entspricht. Es war auf allen möglichen Produkten zu finden, vom Taschenmesser über Kameras bis hin zu den MZ-Motorrädern. Die Einstufung erfolgte nicht durch die Hersteller selbst, sondern durch Gutachterausschüsse des Deutschen Amtes für Meßwesen und Warenprüfung.

      Viele Grüße,
      Christian
      Bilder
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „chriss_69“ ()

      Hallo Christian,

      vielen Dank! Jetzt klappt es wunderbar.

      Ahh ... diese Gerätebauart kommt mir sehr bekannt vor! Ich habe vor Jahren von einem lieben Forumsmitglied einen Trennstelltrafo von der selben Firma bekommen. Ein sehr solides Gerät das mir schon bei einigen von Dir beschriebenen Fällen sehr geholfen hat. Ich weiß es nicht mehr genau, da ist einfach noch ein "normaler" 1:1 Trafo davor geschaltet (oder danach).

      Gruß
      Wolfgang
      geht nicht - gibt's nicht!
      Moin,
      auch mir ist vor kurzem ein ähnliches Gerät zugelaufen, ein RFT ST240/4 Labor Regel-Trenn-Transformator.
      Habe ihn erst auch nur für einen Regeltransformator gehalten aber nach ein wenig forschen im WEB und praktischen Messungen festgestellt das es doch ein Regeltrenntrafo ist.
      Nach dem öffnen des Gehäuses bestätigte sich das dann auch.

      Echt schweres Kaliber. Sehr solide verarbeitet. Allerdings kein richtiger Netzschalter sondern nur ein Schnurschalter in der Zuleitung. Das gefiel mir nicht.
      Also kpl. zerlegt, gereinigt, Frontplatte u. Gehäuse von Farbresten befreit, Netzschalter eingebaut und verdrahtet. Alles wieder montiert.
      Jetzt hat er seinen fest Platz auf meinem Arbeitstisch.

      Dazu ein paar Bilder:










      Funktioniert prima, brummt am Anfang ein wenig wird aber schnell weniger wenn er "warmgelaufen" ist ...

      8)

      Gruß Wolfgang
      Andreas schrieb: "Manche sind ja skeptisch bei DDR-Elektrik"

      Vorschriften hüben wie drüben waren weitgehend gleich, da sich die TGL in der DDR an die DIN und VDE angelehnt hat, schon der West-Exporte wegen. Ich glaube, die Skepsis war/ist im allgemeinen nicht angebracht. Aber ausgerechnet diese alten Thalheimer Trennstelltrafos sind diesbezüglich ein Stolperstein.

      Der von Wolfgang gezeigte RFT ST 240/4 müsste bereits ein etwas "neueres" Modell sein, denn er hat bereits statt Schutzkontaktsteckdose(n) (Verbindung zum Netzschutzleiter sind an der Trenntrafo-Steckdose nicht zulässig) eine korrekte Steckdose ohne Schutzleiterkontakt, und zwar NUR eine, wie es richtig ist.

      Allerdings verwirrt hier die Modellbezeichnung ST ...für Stelltrafo. Die Trennstelltrafos dieses Herstellers hatten ja extra die Typenbezeichnung TST.
      Aber offenbar ist der ST 240/4 ein Trennstelltrafo, da völlige Netztrennung vorliegt (dazu auch: RM.org). Vielleicht aber nur deshalb als "ST" bezeichnet, da evtl. keine doppelte Schutzisolierung vorhanden ist ? Dann sollte er nur an einer Netzsteckdose betrieben werden, die mit einem Fehlerstrom-Schutzschalter (FI) abgesichert ist.



      Ich besitze einen älteren "Verwandten" aus dem selben Stall, den Trenn-Stelltrafo RFT TST 280/6.
      Der allerdings hatte ab Hersteller noch zwei Steckdosen, jeweils noch mit angeschlossenem Schutzkontakt, verbunden mit Schutzkontakt zum Netz. Das ist zwar auch ein Trenntrafo, für den aber die Schutzkontaktverbindung der den Ausgangssteckdosen zum Netz und zwei Steckdosen nicht richtig ist und die Sicherheit gefährdet. Der TST 280/6 ist nicht doppelt schutzisoliert und die Schutzleiterverbindung zum Netzanschluss muss daher für Schutzklasse I belassen bleiben.

      Ich habe aber die Schutzleiter an den Ausgangs-Steckdosen entfernt, einen Aufkleber angebracht "ACHTUNG, Schutzleiter nicht angeschlossen!" und eine der beiden Steckdosen mit einer Blende verschlossen, auch mit Aufkleber: "Nur eine Steckdose zulässig". Damit ist für meine Nutzung ausreichende Sicherheit hergestellt.

      Der Trafo des TST 280/6 ist so "mächtig" (Gewicht des Geräts: 30 kg) daß er eine Einschaltstrombegrenzung benötigt. Die ist in robuster Art durch einen 2-Stufen-Knebel-Drehschalter realisiert, wobei in der ersten Stufe in der Netzzuleitung ein 0,56 Ohm/ 20W Widerstand liegt, der in der zweiten Schaltstufe überbrückt ist. Die erste Schaltstufe des Schalters rastet tief ein, so dass man nicht "in einem Zug" voll einschalten kann, sondern auch bei zügigem Weiterdrehen wenigstens 2-3 Sekunden benötigt. Dadurch erfolgt in der ersten Einschaltstufe eine Vormagnetisierung mit begrenztem Strom, so dass der 16 A Sicherungsautomat im Haus nicht auslöst.


      Seltsam und verwirrend,

      ...ein ST 240/4, nur als "Stelltrafo" bezeichnet, allerdings ein vollwertiger Trenn-Stelltrafo zu sein scheint, mit korrekt ausgeführter Ausgangssteckdose ohne Schutzleiter - aber evtl. immer noch nur Schutzklasse I (?)

      und andererseits

      ...ein TST 280/6, der als "Trenntrafo" bezeichnet wird (und auch tatsächlich ist), aber mit ab Werk (heute) unzulässiger Ausführung mit zwei Steckdosen, die zudem auch noch mit (an einem Trenntrafo) verbotenen Schutzkontakten mit dem Netz-Schutzkontaktleiter versehen sind, da sicher nur Schutzklasse I. Schutzklasse I und Betrieb als Trenntrafo bedingt bei den alten Thalheimer Trennstelltrafos einen Konflikt mit den gültigen Vorschriften.

      Hier mehr zur beschriebenen Problematik (die von mir praktizierte Lösung für den TST 280 ist dort der "Vorschlag 2")
      elektropraktiker.de/ep-2000-11…8f4a8dd838030acd6e9d6ac19

      Ich glaube, es gab hier im Forum schon mal früher Beiträge zu dieser Sache.

      Gruß
      Reinhard
      -

      Dieser Beitrag wurde bereits 13 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Hallo Andreas, hallo Reinhard,

      ja, von der Qualität und handwerklichen Ausführung bin ich ebenfalls sehr angetan. Ich muss zugeben das ich sehr starke Vorbehalte hatte weil es meistens nur Stelltrafos waren und keine Trenntrafos waren bzw. drin hatten.
      Und vor allem die Bruns TV-Geräte die wir damals verkauft hatten und natürlich reparieren mussten. Die kamen aus einer anderen Welt ... !

      Also der ST240/4 hat keinen Schutzkontakt, siehe Netzkabel ... obwohl vom Fach muss ich zugeben habe ich mir da nie große Gedanken drum gemacht habe ... meinen Eigenbau-Stell-Trenntrafo, den ich sehr lange benutzt habe, zeige ich hier lieber nicht ... :D .



      Gruß Wolfgang
      Kleiner Tip!

      Was ein echter Trenntrafo und ein einfacher Stelltrafo ist, wurde beschrieben.
      Ich habe z.B. auch einen einfachen Stelltrafo, Spartrafo.

      Spartrafos sind nicht netzgetrennt, nicht mit einem Trenntrafo verwechseln!

      Solche Dinger waren wohl in der DDR gängig, um Netzspannungsunterschiede auszugleichen.
      Sackte die Netzspannung zu sehr ein, war mal schnell der Fernseher dunkel.
      Auch solche Trafos kann man gut für Hobbywerkstattzwecke gebrauchen.
      Schaltet man einen echten Trenntrafo davor, hat man Netztrennung und Stellmöglichkeit.

      Echte Trenntrafos gibt es nicht an jeder Ecke und gehören eher selten zu den Sonderangeboten.
      Ab den 90ern war es Mode, Seile unter die Wohnzimmerdecke zu hängen.
      Sie wurden meist an einen Ringkerntrafo für Halogenlampen 12 Volt angeschlossen.
      Waren es mehrere Lampen, hatte so ein Trafo meist >> 100 Watt.
      Nimmt man zwei solche Trafos, verbindet man jeweils die Klemmen 12 Volt miteinander.
      Ist zwar dann Bastelwerk, man hat aber so eine Netztrennung und wieder rechnerisch Netzspannung.
      Lastabhängige Spannungsunterschiede beseitigt man mit erwähntem Sparstelltrafo.

      Dieser Tip ist ausdrücklich nicht für Laien gedacht, nur für Leute mit entsprechender Fachausbildung.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Dieser mickrige Schnurschalter kann doch niemals der werksmäßige Netzschalter gewesen sein? Die kennt man doch eher von Kaffeemühlen usw.!? Diese Durchschiebeschalter sind ja nichtmal sprungfederunterstützt, der "macht" doch höchstens 6A? Wie soll der mit dem Einschaltstrom dieser Trafos zurecht kommen?
      Und überhaupt, ein Laborgerät hat doch keinen Schnurschalter.

      Was mir noch auffällt, die Wickel des Trenntrafos sehen m.E. schon arg verfärbt aus. unten kupferfarben, oben eher rötlich. Also ich wäre gegenüber diesem Apparat höchst misstrauisch.

      VG Stefan