Saba 8080 Selen-Brückengleichrichter defekt

      Saba 8080 Selen-Brückengleichrichter defekt

      Hallo an das Forum,

      wodurch ersetzt ihr einen defekten Selen-Brückengleichrichter B250C30, im Plan als Bauteil GR601 eingetragen? Die alten Selen-Gleichrichter gibt es ja schon seit längerer Zeit nicht mehr. Ausfälle dieser Gleichrichter scheinen ja nicht selten zu sein.

      Viele Grüße
      David
      Hallo David,

      ausnahmsweise passt an der Stelle für GR601 wegen dessen Sonderbauform kein Si-DIL Typ rein, ohne Bohrungen/Anschlüsse verlegen zu müssen. Ich nehme deshalb dafür diesen:

      Brückengleichrichter 250VAC, 1,5A, 600V (250V AC, 0,8A oder 0,5A geht auch)

      Ausführung: rund (Beispielsweise von Reichelt oder aus der Bucht).

      RundGLR.jpg

      Man biegt die Beinchen so, dass die Polung stimmt (wie auf dem Platinenlayout vorgesehen) und die Beinchen sich nicht berühren. Ich löte die mit mittellangem Bein ein.

      Gruss,
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Dazu noch eine Anmerkung:
      Sobald ein Si-Gleichrichter verbaut ist, liegt die Gleichspannung etwas höher (zusätzlich auch noch durch die neue 230V~ Netzspannung), sie hat einen geringeren Innenwiderstand, ist damit "härter" und steigt beim Einschalten schneller an.

      Ich hatte schon bei 4 8080 Receivern den Fall, dass kurz nach dem Ersatz des Brückengleichrichters der Ladeelko mit Schluss ausfliel.
      Man sollte daher meiner Meinung nach C602 gleich mit ersetzen, den Siebelko C601 ggf. auch. Neue Elkos mit 350V- passen mechanisch perfekt.
      Achim

      nightbear schrieb:

      Ja, den 8080 soll man nicht unterschätzen. Ein echter Klassiker und ein hervorragender Receiver damals und heute.

      Hier, gelb umrandet, sieht man, dass auch ein Gleichrichter im DIL8 Gehäuse eingebaut werden kann, wenn man ihn etwas "streckt". Die Elkos sind auch alle zu sehen.
      Gratulation zum sauberen Innenleben, da gibts kein Staubkörnchen mehr! Hast du manche Bauelemente auch aus optischen Gründen ausgetauscht oder hatten alle ihre kleinen Defekte?
      Hier ist die Reparatur dokumentiert:

      HiFi Studio 8080 Stereo - ein Portrait

      Insbesondere war der Ersatz der Tantalelkos erforderlich, da es durch nicht bzw. nicht schnell genug abfallende Restströme zu Pump- und Rumpelgeräuschen beim Schalten und zu Kratzgeräuschen bei den Schiebereglern kommt, die erst verschwinden, wenn all diese Kondensatoren ersetzt sind.

      Der Ersatz der großen Ladeelkos der Endstufenversorgung war allerdings reine Kür.

      Ganz ähnlich ist die Problematik beim 8120, den ich hier vorgestellt habe:

      Saba HiFi Studio 8120 Receiver
      Achim

      8080 im Test

      Hier noch ein zeitgenössisches Urteil über den 8080:

      Im Novemverheft 1969 brachte die Zeitschrift Hifi-Stereophonie einen ausführlichen Test des neuen SABA 8080. Man war gespannt, war doch der 8080 die erste Hifi-Neuentwicklung nach dem Verkauf von SABA an die Amerikaner. Die Zusammenfassung der Ergebnisse liest sich so:

      "Mit dem SABA 8080 brachte die nach wie vor im Schwarzwald ansässige Firma einen Empfänger-Verstärker auf den Markt, der bei auf das Notwendige beschränktem Bedienungskomfort im UKW-Teil ebenso wie im Verstärkerteil alles übertrifft, was Saba zuvor aus eigener oder fremder Produktion angeboten hat. Zu einem Preis, den man fast schon als Kampfpreis bezeichnen muß, ist dieses Gerät von der Qualität her in die durchaus noch übersehbare Liste der Spitzenerzeugnisse einzureihen" - Karl Breh.

      Breh stellte also den 8080 über bisherige Saba-Komponenten (kein Wunder) und auch explizit Saba-Telewatt-Geräte (bemerkenswert!) und zählt ihn zu den "Spitzenerzeugnissen" - in einem Magazin, das damals sonst z. B. The Fisher, MacIntosh, Pioneer oder Sony testete.

      Was will man mehr!?

      (Bemerkungen: Der "Kampfpreis belief sich anfangs auf 998,- Festpreis. Der 8120 kam erst im Sommer 70 raus.)

      Gruß vom Klarzeichner, der von 1984 bis 1989 einen 8080 als Wohnzimmeranlage betrieben hat (seit 1989 ist es ein, na was wohl, 9241).

      Stefan
      Jaja, da hört man einmal darauf was die anderen machen...
      Neulich kam hier ein schöner alter DUAL-Koffer hereingeschneit, ziemlich hingerichtet vom Lieferanten (DHL), geschätzte Fallhöhe 15m.
      Als ich den mechanisch wieder heil hatte, so ein schönes 430er Chassis mit kleiner Platine ist doch viel zu niedlich um es zu verschrotten selbst wenn der Tonarm einer Achterbahn ähnelte und das Chassis komplett aus dem Rahmen gerissen war, wollte ich dem Verstärker (V71) noch etwas Gutes tun und tauschte neben den definitiv defekten Elkos Sieb- und Koppel-Elkos auch gleich die Selen-Brücke (ITT-schwarz) gegen eine moderne Silizium-Rundbrücke.

      Das hatte nur einen einzigen Vorteil, nämlich eine geringfügige Leistungssteigerung der 4-Watt Germanium-Komplementär-Endstufe. Die Selen-Brücke stellte sich später als Tip-Top heraus, kränkelte in keiner Weise, mußte nichtmal formiert werden.
      Ergebnis war, neben unbedeutender Mehrarbeit, die Leiterplatten mußten eh alle raus um gereinigt zu werden, so einen verspinnwebten, staubigen Schmotterkasten möchte ich nicht in der Wohnung haben, das der gute alte DUAL plötzlich auch noch vernehmlicher brummte, rein subjektiv betrachtet.

      Fassen wir es kurz, bei diesem Verstärker war die "Widerstandsarbeit" der Selen-Brücke gezielt dazu genutzt worden, einen besseren Siebfaktor zu erreichen. Ein Sockenschuß, ihn zu ersetzen.
      In Folge waren nun alle RC-Siebungen zu verbessern, der Vorverstärker besser abzuschirmen, der Endverstärker-Eingang besser abzuschrimen, die Nullung auf Vordermann zu bringen, die Abschirmung der Leitungen auf Vordermann zu bringen...
      Ich weiß nicht ob ein Laie das hinbekommen oder überhaupt erkannt hätte was da los ist.

      Nun klingt der gute alte P51/430/CDS660 wieder wie einst im Mai, aber es mußte auch noch etwas am Keramiksystem gefeilt werden, wie eigentlich immer war die Nadellagerung steif geworden und mußte mit einem gezielten Stoß Ballistol wieder geschmeidig gemacht werden, damit auch die S-Kurve der Mittenentzerrung (RIAA, der Abschnitt zwischen 500Hz und 2120Hz) sowie der Bereich höchster Töne wieder verzerrungsarm genug bei genügend niedriger Auflagekraft vom System mitgefahren werden konnte.

      Seitdem allerdings läuft er sich die Spaltmotor-Pole wund und ruiniert meine Doubletten und Automatenplatten zu Ende, für gute Platten wird er dann doch nicht verwendet, und er verbreitet das gewohnte, noch überhaupt nicht durchperfektionierte aber warmtönende Endsechziger-Jahre Plattenhören-Gefühl.

      Einmal plötzlich tat es einen lauten Rumms!, aha, ich dachte an Achim und noch mehr an den Ladeelko ("tausche den Ladeelko vorsorglich mit"). Nun hat ihn also der Silizium-Gleichrichter erledigt und zu Konfetti zerlegt? Nein, Glück gehabt, es war nur ein dickes schweres Album von Udo Jürgens das neben dem DUAL lautstark umgefallen war. Verblüffend ähnlicher Elko-kaputt-Klang, HIFI? Man sollte das mal mit Alben anderer Interpreten vergleichen, ob da wecle mithalten können.
      Hi, ich hab schon lange nicht mehr so gelacht! Jogi du kannst ja sein wie du willst, aber diesmal hast du dich in deiner Ausführung selbst übertroffen!
      Das umfallende Udo Jürgens Alben jetzt schon den selben Effekt haben, wie ein zerschossener Ladeelko! Ich glaube ich kauf mir auch mal ein paar Jürgens Platten für diesen genialen Effekt! :D :D
      Liebe Grüße Markus
      Wenn nichts mehr geht, geht immer noch etwas!!!!
      Hallo,

      meine erste Reaktion war Kopfschütteln.

      B250C30 in einem Volltransistor-Receiver? 450V-Elkos? Versteckt sich da noch irgendwo eine Röhre? Oder ist Restalkohol im Spiel?

      Aber man lernt nicht aus!

      Da gibt es tatsächlich einen Spannungskonstanthalter (heißen die Dinger Glimmstabilisatoren?), der mit 165 Volt betrieben wird, woraus dann über Umwege 30V für die UKW-Abstimmspannung erzeugt werden.

      Wer denkt sich so was aus?

      Grundsätzlich ist aber der Austausch von Selen- gegen Siliziumgleichrichtern in Empfangsteilen nicht ganz unkritisch. Ich zitiere mal aus Wikipedia:

      "Ein Vorteil der „weichen“ Kennlinie von Selengleichrichtern sowie deren hoher Plattenkapazität ist, dass sie kaum Störemissionen hervorrufen und aufgrund des größeren Stromflusswinkels eine geringere Zusatzbelastung für den speisenden Transformator darstellen. Demgegenüber müssen Siliziumgleichrichter oft entstört werden und verursachen auch dann starke Verzerrungsblindleistungen."

      Tatsache ist, dass in einigen High-End-Tunern noch Selengleichrichter eingebaut wurden als es längst preiswertere Silizium-Brücken gab. Der Grund war die "sauberere" Gleichrichtung mit deutlich weniger Oberwellen. Wenn die erst einmal im Gerät sind, wird es schwierig sie von der HF/ZF fernzuhalten.

      Am Besten ersetzt man einen Selengleichrichter durch einen Siliziumgleichrichter mit vorgeschaltetem Serienwiderstand (hier 200 Ohm) und überbrückt jede Diode mit einem Kondensator, hier 4n7/1000V. Dann kommt man dem positiven Verhalten der Selenbrücke am nächsten. Das kann man natürlich alles auch ignorieren, wenn das letzte dB Störabstand bei UKW nicht so wichtig ist.

      Gruß

      Rolf
      Hallo Rolf,

      das Entstören der Diodenstrecken ist bei Receivern, Tunern und Radios fast immer erforderlich.

      Ich habe es eine Zeitlang versucht, systematisch zu optimieren. Interessanterweise war es unter dem Kriterium "Minimierung von Störungen beim AM-Empfang" nicht immer optimal, alle 4 Dioden zu entstören. Oft war das Ergebnis mit 2 oder gar 3 Kondensatoren besser.
      Auch herstellerseitig findet man oft Lösungen wie 1C über ~ ~ und 1C über + -.
      Achim
      Hallo Achim,

      jetzt hat sich noch eine Frage ergeben. Habe einen Gleichrichter mit DIL8 Gehäuse zurecht gebogen und eingelötet. Der Selengleichrichter hatte ja 2 "Füßchen an die Masse (-) angeschlossen, der neue Gleichrichter hat nur einen Anschluss dafür. Also die alten zwei Öffnungen für die Masse müssen weiterhin direkt verbunden bleiben oder? Auf der Platine gibt es so nämlich keine direkte Verbindung mehr zwischen den alten zwei Masse (-) Anschlüssen.

      VG
      David
      Vielen Dank ans Forum, speziell an Achim für die Tipps zum Ersatz der Selenbrücke. Das Gerät lebt wieder, Radioempfang funktioniert. Das Problem ist aber, dass kein Stereoempfang funktioniert (Lampe bleibt ebenso aus). Ebenso bewegt sich der Zeiger der Feldstärkeanzeige keinen mm. Könnten das Folgen der defekten Selenbrücke sein, könnten dadurch andere Bauteile in Folge in Mitleidenschaft gezogen worden sein? Vielleicht hat ja jemand ein paar verdächtige Bauteile die zu den Symptomen passen.

      Viele Grüße
      David
      Am Selengleichrichterersatz liegt das mit Sicherheit nicht.

      Es wird einerseits ein Fehler im Stereodecoder vorliegen - dazu müssen wir wissen, welchen 8080 Du hast. G? F?

      Das Anzeigeinstrument wird nicht direkt aus dem Demodulator angesteuert, sondern über einen sog. Zusatzverstärker, einen parallelen ZF-Verstärker und Demodulator. Dort kann ein Fehler vorliegen, das Instrument könnte auch defekt sein. Welche Gleichspannung misst Du denn am Instrument - ohne Signal und mit starkem Sender?
      Achim
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