Revision einer 3-Wege Lautsprecherkombination nach fast 35 Jahren

      Vorgeplänkel (muß nur der harte Kern lesen und nur wenn er will)
      Kurze Pauschalaussage: Die können es nicht und haben aus den Fehlern nie gelernt - wie bei allen Pauschalaussagen ist es der Sache innewohnend das jeder bei genügend umständlicher Suche die einzige, oder auch mehrere, Ausnahme(n) findet, weil es offenbar unwahrscheinlich reizt eine Pauschalaussage zu widerlegen.

      Aber ich fleddere nicht, ich habe mir über viele Jahre, unzählige und schon wieder vergessene Geräte, Unmengen an Erfahrungen, mangels unendlichem Speicherplatz im Kopf - der noch dazu für Wichtigeres als solche Kinkerlitzchen dienen muß - zu so gut wie jedem Aspekt aus jedem für mich überhaupt interessanten Gebiet eine Quintessens über alles (über alle vorgenannte Erfahrungen) sozusagen als Ein-Satz-Erkenntnis gelegt. Das reicht für gewöhnlich aus um mit solchen Dingen umzugehen.
      Ich sehe es auch nicht als erstrebenswert an, wegen minimalen Ausnahmen daran etwas zu quittieren oder gar alles in Frage zu stellen. ewährt hat sich dieses Prinzip mein gesamtes Leben hindurch und nicht nur in der Technik.
      Ich muß nicht erst durch Einbruch in mein Haus mehrfach und jedesmal neu lernen das Einbruch Sch... ist und Einbrecher Blödmänner sind, oder?

      Also bitte alles nicht immer so bierernst sehen, über alles betrachtet kommt keine einzige solche Sache aus Vor-Urteil sondern alle aus unzähligen Nach-Urteilen, die als Summe diese Quintessenz ergaben.
      Btw. hat FIAT es auch noch nie geschafft ein Auto zu bauen, nur immer krampig-krause Fortbewegungsinstrumente, obwohl es einmal einen in Deutschland gebauten "Neckar" gab und der ganz leidlich gelungen war.

      Btw. habe ich mal vor vielleicht 35 Jahren einen Verstärker auf dem Tisch gehabt der war den Japs offensichtlich für die Zielgruppe zu teuer anzufertigen, darum ließen sie ihn von den Koreanern anfertigen. Alle üblichen Japs-Fehler fehlten darin
      - es gab eine vernünftig wirkende Loudness in merhreren Stufen fein anpaßbar
      -ein mehrfach angezapftes Poti (komisch das Koreaner sowas bauen können und Japse nur ihren Alps-Schrott - diese Billigen die jeder von uns kennt, nicht die Leitplastikpotis - mit einem simplen Zapf)
      - die Endstufen waren kein Blendwerk sondern konnten mehr als angegeben, 120W Nennleistung je Kanal standen 180W gemessener Leistung gegenüber
      - sie wurden aus kübelgroßen Transistoren und bottichgroßen Stützkondensatoren gespeist
      - um unter Last Impedanzschwankungen abzupuffern wurden 100W-Leistungswiderstände verwendet, LS-Gruppenschalter konnten also unter Volllast geschaltet werden genau wie Betriebsarten - Mono-Stereo-2xStereo-3d-Quadro usw.
      - auch wenn man nach der DIN gemessen hat und nicht nach der huldigend milden JIS kam man auf konkurrenzfähige Werte zu detuschen Entwicklungen.
      - es gab einen gut geschirmten Riesen-Netztrafo in ihm der den Kunden bei einem Transport meinen ließ das der Verstärker am Regal angenagelt wäre.
      - einzig der S/N Abstand bei voller Vorverstärkung (war in mehreren Abstufungen über mehrere Baustufen hinweg wählbar ) am Phono-Magnet Eingang bei unter 1µV Empfindlichkeit (wann nochmal verwendet man diese Einstellung und dreht dann noch alle Ventile auf Fluten? selten? nie?) ließ zu wünschen über, da eine Siebstufe nicht üppig genug bemessen war, bzw. man dort besser einen separaten Linearregler oder zumindest einen Gyrator verwendet hätte.

      //

      Hauptaussage

      Die Japaner, ich bleibe im Pauschalen, haben vor allen Dingen dieses nicht verstanden (Loudness):

      Es geht überhaupt nicht sinnvoll und fein abgestuft mit einem 50-Pfennig Alps Tandem-Poti das nur einen einzigen Abgriff oben in der Mitte, also bei ca. 2...3/10 je nach Widerstands-Kurvenverlauf hat. Dieses bedeutet "(fast) immer Loudness" auch wenn man schon laut hört.

      Es ist keine "gehörrichtige Lautstärkekorrektur" die die entsprechende Kurvenschar gehörig korrigiert, wenn man die Höhen (fast) so stark anhebt wie die Subbässe, die Höhen hebt man dezent und den Tiefbässen nacheilend sanft an. Ab ungefähr der beginnenden Zimmer-Lautstärke muß man sie garnicht mehr anheben. Ich habe sogar schon Japse gesehen die hoben nur die Höhen an und nichtmal die Tiefen, weil das so schön simpel ohne angezapftes Poti geht.

      Wenn ich Loudness einbaue (ganz aus dem Signalweg wegschaltbar natürlich), dann bei Halbleiterverstärkern mit zwei Anzapfpunkten, bei ca.3...5/10 Widerstand - also wenn die Zimmer-Lautstärke wirklich also solche zu benennen ist blendet die Loudness sich bis zur Original-Lautstärke hin ganz aus. Die Höhen sind nacheilend und wenig angehoben, die Anhebung der Höhen verschwindet auch als erste wieder.
      Ich verwende dazu lineare Vierfach-Potis, vor und nach den Steuerstufen wird damit auf immer einheitliche Pegelverhältnisse im Steuerverstärker abgezielt, so kann man den Abstand zwischen Grundgeräusch und Verzerrungsbeginn immer oprimal voll ausnutzen.
      Den Potis wird dann zuerst eine annähernd logaritmische Kennlinie mit langem Einsatz am Anfang aufgezwungen, also im unteren Bereich eher schon eine exponentielle. So hat man lange Bahnlängen die man luxuriös zu ganz feinen Einstellungen (wichtig besponders für Kopfhörerbetrieb) nutzen kann.
      In der Röhrenzeit verwendete ich noch einen Anzapf mehr, der bei ca 7/10 Widerstand der Bahn die Höhen absenkte und die Tiefbässe leicht im Zaum hielt. So ein rechteckig mit k3 dahinscheppernder Röhrenverstärker ist bei dann ballernden Tiefbässen und krächzenden Höhen nämlich auch kein Hörvergnügen mehr.

      Tja, ingenieursmäßig ist das alles kein Hexenwerk, einige Hersteller zeigen das deutlich auf (Grundig, Telefunken, von den Großen jetzt nur), SABA macht leider mal so und mal so, waren wohl immer verschiedene Leute mit verschiedenem Rezept im Labor unterwegs.




      Gruß Jogi
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      Ja Michael, der 1010 /2010 hat das. Das Lautstärkepoti ist 5-fach - 1 Balance, 2 x 2 für die Lautstärke.
      Der Vorgänger, der CA 1000, hatte auch eine regelbare Loudness. Den hatte ich damals mal repariert, gefiel mir sehr gut, habe mir gleich den 1010 bestellt und war zuerst enttäuscht, dass keine Loudness mehr vorhanden war.
      Leise habe ich ohnehin nur im äussersten Notfall gehört, nachts Kopfhörer (Stax SR Lambda Professional), und die fehlende Loudness hat mir eigentlich nie gefehlt. Bei Bedarf reichten leichte Korrekturen mit den Klangreglern in der 8 KHz Position bei den Höhen und 250 Hz bei den Bässen.

      Die Bläser in Hans´ Post habe ich heute genossen, außerdem alte 70er Krautrockstücke wie etwa







      Damals war ich stets schon kurz nach dem Betreten eines Plattenladens pleite.
      Achim
      Natürlich kommt man gut ohne Loudness-Funktion aus, habe ich in meiner Anlage auch nicht, wohl aber beim 9241 ... den ich aber wiederum nie laut spielen lasse ...

      In gewisser Weise wichtiger ist ein phasenrichtiger Mehrbandequalizer, mit dem man gezielt einige der Aufnahmefehler ausgleichen kann (und sich dann für die Scheibe merkt). Denn leider ist das eher selten der Fall, dass man seine bevorzugten Musikaufnahmen in tadelloser Qualität bekommen kann ...

      Besten Gruss,

      Michael
      Fünffach-Potis mag ich nicht, auch sonst mag ich keine 1-Poti-Balancesteller.

      Ich bevorzuge die Lösung die ich seit ewigen Zeiten verwende und die bspw. DUAL auch lange Zeit verbaute, den sogenannten aktiven Balancesteller mit zwei getrennten Potis.
      Es kann damit nicht nur, wie sonst üblich, einer der beiden Kanäle abgeschwächt werden, sondern es kann dank aktiver Schaltung auch ein zu leiser Kanal verstäkt werden.
      Im Prinzip hat man eine separate Verstärkerstufe je Kanal mit kleiner Verstärkung, die man mit je einem Poti mehr oder weniger verstärken lassen kann, mit Vorteilen für den SN- und Klirrabstand.

      Das hört sich zunächst man an wie Jacke und Hose, aber es macht in der Praxis einen gewaltigen Unterschied bei der Bedienung und bei der Vielseitigkeit in der Anwendung.
      Handelt es sich um Aufnahmegeräte so kann man das ähnlich gestalten. Mit einem einzigen Tandempoti legt man die Aussteuerung fest und mit zwei getrennten Potis den Vorverstärkerpegel.
      Dann muß man nicht ständig an zwei Knöpfchen nachstellen, sondern nur zentral, solange die Stereoposition nicht wandert, also der Solist auf der Bühne von Links nach Rechts und umgekehrt spazierengeht.
      Gruß Jogi
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      Keine Frage -- für die Balance ist das die deutlich bessere Version, aber ich möchte nun auch nicht jedes Gerät entsorgen, dass dies nicht hat. Man kann sehr viele Verstärker auch mit solchen (leichten) Schwachpunkten durch ein paar Handgriffe in einen passablen Zustand versetzen, mit dem sich sehr gut leben lässt --- jedenfalls viel besser als mit dem Verstärker zu 20 Euro, den sich heute viele Studies, wie sie selber sagen, beim grossen C "rauslassen".

      Gerade die jüngeren Leute von heute, die mit diesem Elektroschrott ("200 W aus 3 ccm") gross geworden sind, staunen die sprichwörtlichen Bauklötze, wenn sie eine 20-30 Jahre alte Box an einem ebenso alten Verstärker (Grundig, Dual, Saba, ...) hören, und nicht nicht glauben können, was da alles so rauskommt.
      So gesehen ist dieser Thread aus meiner Sicht super-aktuell !

      Besten Gruss,

      Michael
      Leider frißt das Forum mal wieder meine Antworten auf.
      So auch den 200-Zeiler der hier eben noch im Editor ohne weiteres lokales Backup gestanden hat.
      Ich habe keine Lust mehr auf solche blöden Faxen und schreibe das nicht mehr alles neu.

      Sorry.
      Gruß Jogi
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      Hallo in die Runde.

      Ich vertrete auch den Standpunkt, dass 90 Prozent des Klangbildes aufs Konto der Lautsprecher gehen - sofern man die Loudnesskorrektur davon ausnimmt. Hier gibt es in der Tat große Unterschiede. Umso positiver sehe ich Verstärker die einen Pegel-Vorwähler haben - wie unsere Saba 92xx als Stufenschalter.

      Michael sagt "Also, ein gutes Stück hat das vielleicht auch mit den doch recht anders ausgerichteten Hörgewohnheiten in Japan zu tun" und hat damit sicherlich recht, ich lasse es trotzdem nicht gelten. Die Japaner haben ja in Europa Massen verkauft, da hätten es die Seriengrößen ohne weiteres zugelassen, die Exportgeräte anders abzustimmen. Aber der Druck dazu war wohl nicht da, hervorragende Testergebnisse gab's für die Japaner auch so (bei DER tollen Optik kann der doch gar nicht mäßig klingen). Wurden hier nicht sogar allen Ernstes Tuner mit der falschen UKW-Deemphasis verkauft? Zumindest in den frühen HiFi-Jahren?

      Jetzt noch was anderes, einige von euch haben ja internatinale Spitzenverstärker im Regal und auch im Ohr.
      Wie ordnet ihr denn unsere alten Schätzchen, seien es die Saba-Receiver oder auch SV 140, hier klanglich ein? Wo sind ggf. die Unterschiede?

      @ Hans: Auch von mir Danke für die Empfehlungen der großartigen US Navy Band-Aufnahmen! Habe ich gleich kopiert...

      Gruß
      Stefan
      Es waren wohl eher soziologische Gründe und nicht audiophile, die so einen eigentlich völlig sinnbefreiten Hype überhaupt erst entstehen ließen.
      Es ging so richtig los in der sog. 68er Gerneration.
      Auch davor gab es schon jap. Geräte am Markt, die liefen unter "ferner liefen". Man kaufte für Achtfuffzig ein Taschenradio für Klein-Erna am Strand, damit sie nicht den teuren Bajszzo vom Papa voll Sand machte, Klein-Oskar bekam einen Kassettenrekorder mit so einem häßlichen grobschlächtigen klemmigen Einhebel-Bratzen oben drauf, damit er nicht Papas feinzieselierten Einhebel-Philips kaput rohrte wenn er draußen im Regen benutzt wurde.

      Es war alles schon da, aber eben an seinem Platz und für den halben Preis oder noch weniger Toshiba/Philips Einhebelklasse ~ 69DM/199DM.

      Erst besagte, sich so vorkommende "Windelhosen-Revoluzzer" kauften den Japse-Schrott wie blöd in Massen und spottbillig ein. Die Preise wurden ja auch von der Regierung in Japan in Grund und Boden subventioniert und an der Qualität und an Kabinettstückchen in Mechanik und Elektronik wurde zusätzlich gespart. Alles grob und ungelenkig und primitiv zusammen gekloppt.
      Warum die das kauten ist auch klar, Grundig Trutzenstein beim Papa im Wohnzimmer war für diese Spinner ein Haßobjekt in das sie am liebsten eine Axt hinein gedroschen hätten, genau wie in den ganzen (immer noch?) Nazipapa der nach dem kurzhaarigen Pottschnitt und dem Exerzieren in der Pause auf dem Schulhof lechzte. (eingebildeterweise, in Wahrheit gab es nach dem Beispielpapa keine so kriegsmüde und harmoniebedürftige Generation mehr).

      Irgendwann dann hatte sich in genau diesen Kreisen das Vorurteil festgesetzt, eben weil die Generation den Müll massenhaft abnahm, es wäre daran irgendetwas besser. Nimbus aus dem Nichts.
      Japaner sind keine dummen Menschen, die haben gerochen aus welcher Richtung der Wind wehte und versorgten die linke Brut der Deutschen die aus den Eiche-Wohnzimmern geflohen waren mit genau dem was diese wollte - überladene silbrig glänzende umgebördelte Dünnblechpallten imt Bling-Bling und Geleucht an allen Enden, Klang war egal, die Ohren waren eh nicht mehr so toll nach der hundertsten Hausbesetzer-Demo und dem Hottentottenkrakeel an solchen Orten.

      Der lustig gehaltenen Darlegung darf ein ernster Kern entnommen werden, Verkaufszahlen bezogen auf Altersklassen belegen das deutlich. Meine Oma, die wurde steinalt das ist so Pflicht in unserer Familie, hatte nie einen anderen Fernseher als einen SABA und die andere, man hat ja in der Regel zwei, war unterhalb eines Grundig nicht zufrieden und meckerte bei allen anderen Marken über Bunt- statt Farbfernsehen.
      Gruß Jogi
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      HI Stefan,

      ich sehe Dein Argument ein, aber die Kritik müsste man dann sehr stark und deutlich (auch) an die hiesigen Fach- und Testzeitschriften richten, die den "Hype" erst möglich gemacht haben ...

      Zur Frage mit dem Vergleich kann ich zum SV 140 nichts sagen, weil ich den daheim nie hatte. Die 92xx, nach einer Revision, schlagen sich gut, sofern man nicht zuviel "Gas" geben muss/will --- denn dann haben sie im Vergleich zu kompromissloser gestalteten Endstufen einige Nachteile, wie intern die dünnen Drähte oder auch die DIN-Buchsen. Die sind bei kritischen Vergleichen mit einer guten Lösung mit ordentlichen Polklemmen oder auch den SpeakOn's im Nachteil.

      Aber wenn man die Boxen gut auswählt, mit ordentlichem Wirkungsgrad und ohne eine zu komplexe Last darzustellen, und mit Kabeln so um die 2 m Länge auskommt, dann kriegt man m.E. ein Resultat hin, das auch wesentlich teurere Anlagen kaum übertreffen können. Bei mir stehen die Endstufen oder
      Receiver IMMER zwischen den Boxen, so dass ich meist mit max. 1.5 ... 2 m Länge bei den Kabeln hinkomme.

      Wer mir nicht glauben will, dass es trotzdem deutlich besser geht, dem rate ich, mal eine Endstufe der
      Fa. Horch zu probieren. Gute deutsche Wertarbeit, sauber entwickelt, langlebig, und (besonders mit LS von Dynaudio) durchschlagend ... soviel "wumm" pro Endstufenvolumen kenne ich von keinem anderen
      Hersteller. Und sie sind, wenn man etwas Zeit hat, recht günstig gebraucht erhältlich, können dazu noch beim Hersteller zu fairen Preisen aktualisiert werden. Die Horch 2.4, das Einstiegsmodell, gibt es schon
      seit 30 Jahren oder so, und ist immer per Modellpflege weiterentwickelt worden --- ohne grundlegend am Konzept etwas zu ändern (warum auch -- was gut ist, soll man so lassen ...).

      Besten Gruss,

      Michael
      Hallo Michael,

      Du hast es ja schon angedeutet. Entscheidend für den Klang ist immer die Kombination aus Verstärker, Boxen und vor allen Dingen Raum.

      Räume haben einen Frequenzgang und der ist in der Regel grauenhaft. Im Bereich unter 200 Hz sind +/- 10dB (Faktor 3 bzw. 0,3) nicht unüblich (Druckkammerprinzip, Resonanzen). Der Frequenzgang des Verstärkers spielt dabei fast keine Rolle mehr.

      Auch Ohren, also unsere Hardware, haben einen Frequenzgang. Bei kleinen Lautstärken im Bassbereich bis -20dB (Faktor 0,1) und im Hochtonbereich -10dB (Faktor 0,3). Da hilft dann die Loudness, wenn sie vernünftig gemacht wurde.
      Vernünftig bedeutet immer das Vorhandensein eines Pegelreglers.
      Eine der besten Loudnessschaltungen überhaupt haben die SABA-Receiver der 92xx-reihe. Lautstärkepoti mit 2 Anzapfungen, die an der richtigen Stelle liegen und den 6-fach-Pegelregler. Auf gleichem Niveau (mit Pegelregler) gab es noch die Braun-Receiver, die Delta-Serie von Blaupunkt, Telefunken mit dem TA 750 und Grundig mit dem V5000 und XV5000.

      Yamaha und Denon hatten das zeitweise auch, aber auf Basis von Alps-Schrott, d. h. Poti mit nur einer Anzapfung und die auch noch an der falschen Stelle.

      Die beste Loudness aller Zeiten hatte das Topp-Modell von Pioneer in den 80ern, der Pegel für die Höhen- und Bassanhebung war zusätzlich unabhängig voneinander einstellbar. Hier hatten die Japaner die deutsche Loudnesstechnik in ihren High-End-Boliden übernommen und noch verbessert. Sicherlich nicht um den Klang zu verschlechtern.

      Bleibt noch die Kombination Verstärker/Boxen. Hier spielen der Wirkungsgrad der Boxen, der Dämpfungsfaktor und die Stabilität der Endstufe eine Rolle. Mit letzterem hat der SABA im Originalzustand so seine Probleme, die sich aber durch die Nachrüstung von Anti-Schwing-Kondensatoren an der richtigen Stelle vollständig beseitigen lassen. Das kann man dann wirklich hören.

      Fazit: Teurer Verstärker plus teure Boxen und ein schönes Zimmer, das klangliche Resultat dürfte in 90% der Fälle eine Katastrophe sein. Guter Klang geht nur wenn alle drei Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Und das hat absoluten Seltenheitswertwert.

      Gruß

      Rolf
      Mit dem Besorgen eines TFK TA750 hätten alle meine privaten Geldausgaben für sowas 1979/80 enden können.
      Der Preis den ich dafür auswerfen mußte glich schon fast einem Geschenk, besonders wenn man die "Heavy Metal" Ausführung und die vielen Vorzüge mal erstmal genossen hatte.
      Man ahnt schon das die Neugier dann doch noch mehrfach zu weiteren Käufen reizte.

      Ein Grundig Flatface hatte sich Mitte/Ende der Achziger noch bei mir festgesetzt und führt heute ein stromloses Invaliden-Dasein. Der Marke seit jeher positiv zugewandt hatte ich gewisse Erwartungen denen er nicht mehr gerecht wurde. Andere konnten vielleicht damit glücklich werden, ich nicht. Es war folglich das letzte Grundig HIFI-Gerät das ich kaufte.
      Bei Fernsehern und Autoradios sowie diverser Henkelware und Weltempfängern ging es noch eine ganze Weile munter weiter, wissend das diese teilweise garkeine deutschen/europäischen Produkte mehr waren (Taschen-Weltempfänger).
      Gruß Jogi
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      Einen Telefunken TA750 habe ich seit 1980 hier stehen. Nach dem Kauf einmal auf volle Funktion geprüft und dann in Folie eingeschlagen eingelagert.
      Ich hatte mir die 750er Serie gekauft, aber nur Tuner und Cassettendeck in meine Anlage integriert, den Verstärker nicht.
      Möglicherweise habe ich das Gerät ja damals unterschätzt. Andererseits war ich mit dem Yamaha immer sehr zufrieden und bin es bis heute - trotz 5-fach Poti. Allerdings habe ich von 1978 bis heute nie den Balanceregler benutzt oder gebraucht.
      Achim
      Hallo Achim,

      soll das etwa heißen, dass ein Höhepunkt der Deutschen Verstärkerentwicklung der 70er Jahre, seit 40 Jahren gefesselt und geknebelt auf einem Dachboden gefangen gehalten wird?

      Ich wäre bereit ihm die Freiheit wiederzugeben, ihn artgerecht zu halten, mit 220V zu versorgen und mit vier Ohm-Boxen zu beglücken.

      Free TA 750!!

      PS: Es wäre interessant mal zu erforschen was nach 40 Jahren noch so funktioniert. Der nächste Winter kommt bestimmt ....

      Gruß
      Rolf
      Kleiner Hinweis zum TA750.

      Die Endstufen werden von Treiber-IC angesteuert und überwacht, alles das ist vom Prinzip sehr solide und eigensicher.
      Im Fall dieses Verstärkers und seiner hohen tatsächlichen Leistung die nicht nur auf dem Papier existiert sondern auch an die Lautsprecher gelangt, wurden Leistungstransistoren verwendet für die die Stromversorgung an der Grenze der damaligen Treiberversorgung liegt.

      Nach der sog. EU-Harmonisierung der Netzspannung kann es dadurch bei gewissen Ausnahme-Betriebsbedingungen zu spontaner Zerstörung der IC kommen, die gesamte betroffene Endstufe geht dabei mit über den Jordan. Ein unerfreulicher, fremdverschuldeter Umstand den 1979 keiner vorhersagen konnte, damals herrschten noch gute deutsche Vorschriften zur Netzversorgung und nicht der EU-Schwachsinn.

      Abhilfe bringt es, sofort noch vor der Inbetriebsetzung die (gesockelten) 90V-IC zu ziehen und durch, nach der Bauzeit des Verstärkers auf den Markt gekommene, 100V-IC zu ersetzen.

      Ebenfalls durch diese Netzspannungsvergewaltigung können die heute schon rar und empfindlich teuer gewordenen integrierten Linear-Spannungsregler 78G/79G bei transientenverseuchten Netzen eingangsseitig überlastet und zerstört werden. Der Ersatz dieser Vierbein-Regler durch modernere Dreibein-Festregler oder einstellbare L-xxx sollte niemandem Probleme bereiten. Die Ausgangsspannungen stehen im Schaltbild angegeben, die zulässige Eingangsspannung der Ersatzregler muß mindestens 6V mehr betragen um die Netzüberspannung plus Ripple zu kompensieren.

      Mein Verstärker war die ganze Zeit im Einsatz, war teilweise als Leihgabe unterwegs. Er kam dann eines Tages um 1990 herum defekt zurück - keine Funktion (eine Betriebsspannung fehlte), eine Endstufe komplett abgeschossen (ein Treiber hatte den Hut gezogen und alles aktive um ihn herum mitgerissen).
      Da wurden genau die oben angegebenen Probleme erkannt und beseitig.
      Gruß Jogi
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      Eine Frage dazu: 220 V musste damals doch mit 10 % Schwankungen zurechtkommen, ab 230 V Einführung sollen es doch nur noch 5 % sein (und bei mir jedenfalls weicht es auch nicht mehr ab). Sollte der Verstärker das also nicht aushalten ?

      Besten Gruss,

      Michael

      p.s.: Sollte Achim an sein Exemplar im Rahmen einer Revision herangehen, würden wir hier sicher einige Details (in einem neuen Thread) diskutieren können. Mir persönlich sind z.B. die vielen OPVs ein wenig suspekt, wenn ich bedenke, dass bei den Saba Vollverstärkern ihr Einfluss auf den Klang nicht unerheblich ist. Im Vergleich zu den Preisen, die manche Anbieter beim TA 750 aufrufen, sind die Saba Geräte ja echte Sonderangebote ... ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

      Die 750er Serie von Telefunken wurde damals kurz nachdem ich meine Geräte gekauft hatte, von Telefunken zu Spottpreisen verramscht. Ich legte mir daher noch einen zweiten TA750 in Silber zu, den ich später wieder verkauft habe.
      Von der Problematik mit der Spannungsfestigkeit der LMs habe ich damals auch erfahren. Es gab wohl schon vor der Umstellung auf 230V~ Probleme mit gehäuften Ausfällen.

      Inzwischen ist allerdings nicht nur die Spannung höher, sondern seit der "Energiewende" schwankt durch die zunehmende Einspeisung von Zappelstrom auch die Frequenz.
      Ich hatte dieses Jahr bei einem Kunden in Köln einen stadtteilweiten Stromausdfall durch Trafobrand, in Frankfurt ebebnfalls zwei ausgedehnte Ausfälle in der Innenstadt, einer mitten in der Geschäftszeit.
      Für mich sieht das nach einer Häufung derartiger Ereignisse aus. Ob sie durch schwnkende Netzfrequenz, höhere Belastungen oder Überalterung der Technik durch Investitionsstau verursacht wurden, kann ich nicht beurteilen, aber es fällt schon auf.
      Achim
      Hallo Achim,

      ich habe mal mit einem Freund darüber gesprochen, der etliche Jahre bei den Stadtwerken einer deutschen Metroploe gearbeitet hat (Dipl-Ing in der Netztechnik). Auch in jener Stadt sind Brände von Trafohäuschen nichts allzu ungewöhnliches. Er nennt zwei Gründe. 1) Es ist in der Infrastruktur unserer Städte eine Menge Uralttechnik im Betrieb, teilweise aus der Vorkriesgszeit. Sehr viele Transformatoren und Schaltanlagen sind weit über ihre estimated lifetime hinaus, auch große Anlagen in den Umspannwerken. Man fährt diese Anlagen unter dem Motto, "so lange es geht ist doch gut". Der zweite Grund sind Anlagen aus den siebziger Jahren, die durch die verwendeten Materialien, besonders Kunststoffe, namentlich Isolationen, jetzt im Alter hochproblematisch sind.

      Gruß
      Stefan

      PS: Wie schnell wir doch von deinem Telefunken-Verstärker auf expoldierende 10kV-Trafos gekommen sind... hat's geraucht, geknallt, gestunken, war's bestimmt ein Telefunken...
      Hat es geknallt und auch gestunken, dann war es bestimmt ein Telefunken 8o

      Hier ist das nicht anders mit dem Netzstrom, und mit vielem anderen auch.
      Deutschland hat sich Schritt für Schritt abgeschafft, nur das das bei der Mehrzahl der Normalbürger noch überhaupt nicht angekommen ist und das auch noch eine Weile so bleiben wird.
      Der große Sinkflug wird lawinenartig passieren, von Sonnehut auf Gartenliege bis Schnellfeuergewehr und knitterfreiem Natohut wird es so schnell gehen das der normale Zeitlupe-Denker mit dem mechanischen Gehinr das nichtmal mehr einordnen kann bevor er sich den finalen Schuß fängt.
      Bundesbahn, Bundespost, wichtige Versorgungsdienste, Gesundheitssystem, Sozialwesen, alles ist bereits völlig im Eimer, auf allen Gebieten wurden Gewinne in private Taschen umgeleitet, Verluste hingegen dem Populus in die Socken gesteckt.

      Zurück zum TA750 muß man sagen das das Genörgel daran nie ganz abriß. Aber diese Geräte sind von der Konstruktion eben etwas besonderes, nicht Mainstream, nicht alles nur Teile aus der Klamottenkiste die schon jahrelang zwischen allen Herstellern als Einheitsware dienten. Noch spezieller ist nur der komplett aus diskret aufgebauten OP-Verstärkern zusammengestellte Verstärker, der mal gut und hunderte von Transistoren enthalten kann.
      Bei den anderen Herstellern kam diese Art von Verstärkeraufbauten erst später, es wurden dabei auch viel scheußlichere OPs verwendet, vor denen es einem heute grausen kann.

      Die Operationsverstärker im telefunken sind richtige Spezialisten, Spezial-Audioverstärker mit integrierten Klasse-A Endstüfchen.
      Von sich aus gehen die eigentlich auch nicht kaputt, sie arbeiten aber aufgrund der dann zu erzielenden besten Audioeigenschaften relativ nahe an ihren Grenzdaten.
      Man ahnt schon was das im Zusammenhang mit einer geänderten, deutlich miserabler und unsauberer gewordene Netzversorgung bedeutet. Es gibt da weniger Spielräume bei solchen Spezialisten
      Wenn die Linearregler von der Netzüberspannung zerstört werden, sind sie in großer Gefahr.

      Hat man so ein Teil erstmal kaputt gekriegt dann wird es schwierig. Keiner der bekannten und vertrauenswürdigen Distris bietet diesen Typ (HA1457) noch an. Typen dieses Namens die im Ausland angeboten werden, sind teilweise völlig andere Schaltkreise, inkompatibel.
      Man kann sie natürlich dennoch bei Unumgänglichkeit ersetzen, aber das macht Arbeit, mehr Arbeit als ein Gewerbebetrieb da hineinstecken würde.


      Michael, eine Faustregel kann man sich bei der Netzspannungs-Harmonisierung merken.
      Hochgezüchtete Transistorgeräte stehen in erhöhter Gefahr dadurch relativ oft beschädigt zu werden, wenn sie vom Mainstream abweichende, besondere Schaltungsdetails aufweisen.
      (bei mir war schon so gut wie jeder besondere Transistor-Verstärker mehr oder weniger betroffen, jeder mir übergebene Patient ebenso, immer das gleiche Bild - Stabilisierungsschaltungen überlastet und zerstört)
      Zum Glück ist das Thema schon fast 30 Jahre alt und damit die meisten Geräte entweder als defekt entsorgt oder bereits repariert.
      Historische Halbleitergeräte - vor_Dreibeinregler - sind wenig empfindlich, weil die entweder klassische Siebketten oder Zenerdioden-Stabis enthalten die wenig grenzwertig dimensioniert sind. Gyrator-Siebschaltungen sind eh so gut ie immer breitbandig spannungsfest.
      Historische Röhrengeräte scheren sich um dieses Thema nicht, entgegen anderslautenden Behauptungen. Auch die evt. Überheizung ist kein in der Praxis relevantes Problem.
      Gruß Jogi
      -------------
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