Grundig 5040GW/3D Dummheit

      Grundig 5040GW/3D Dummheit

      Hallo Leute,

      wir berichten ja zu 95% über unsere Reparaturerfolge, heute war ich an einem 5040GW/3D zu Gange, habe alle Kondensatoren getauscht (wieder mal zwei Hände voll) und beim Einschalten tat sich nichts, kein Watt auf der Leistungsanzeige.

      Nun ist das ja bei diesen "G" Geräten nicht so einfach, den Fehler zu finden. Also, alle Röhren ziehen, Heizfaden prüfen und siehe da, eine UL41 hatte aufgegeben. Nach dem Tausch fuhr das Radio hoch - prima. Das war vor dem Kondensatortausch.

      Nun habe ich dem Kerl eine nagelneue UM4 spendiert, Anzeige hervorragend.

      Um die UM4 zu schonen, habe ich sie wieder aus der Fassung genommen und seit zwei Tagen weiter revidiert, Kontakte geputzt, Potis gesäubert, etc.
      Heute schalte ich das Gerät wieder ein, freue mich auf einen herrlichen UKW-Empfang und... nix, nothing, nadda...

      Wie blöd muß man sein oder ist das schon leicht senil ? Ich hatte schon ewig kein G-Radio mehr repariert und klar - die UM4 muss in die Fassung sonst geht nichts. Hat aber ein paar Minuten gedauert, bis ich draufkam...

      Gruß, Dieter
      Immerhin, nur ein paar Minuten. Von Senilität kann da keine Rede sein. Das ist ja eine relativ kurze Zeitspanne, bis Du den Fehler entdeckt hast. So etwas passiert mir meist zwischen 1:00 und 2:00 Uhr nachts. Mein dickstes Ding in der Richtung: Dual 1600, nach dem xten Test der Treiber- und Endstufenkombis mit nach extern verlegten Bauteilen ist alles wieder an seinem Platz, sauber verlötet und verstaut. Es will aber partout kein Signal aus dem Ausgang kommen. Nach einer ganzen Weile Suchen, Kontrollieren der Spannungsversorgung und Nachverfolgen der Platinenanschlüsse fällt mein Blick auf ein Stück Alu-Kühlblech mit zwei Transistoren und Sechsfach-Steckkontakt neben dem Chassis. Ja richtig, ohne gesteckte Treibertransistoren kein Ausgangssignal. Ab ins Bett, heißt es dann. Weiterlöten im Zustand geistiger Umnachtung kann mittlere Katastrophen verursachen. (;-)
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)
      Ach Dieter, vertrotteln tun wir alle mal was. Zur weiteren Reparatur, wenn du die UM weiterhin nicht gefährden willst, lötest du einfach einen WId. von etwa 180 Ohm/2W an die Heizanschlüsse. (Diesen aber später nicht vergessen zu entfernen, hehe).
      Wenn du mit Regeltrenntrafo arbeitest (will ich ja mal schwer hoffen), geht's noch einfacher, du brückst einfach die Heizanschlüsse und stellst 200 statt 220 V ein.

      VG Stefan

      Klarzeichner schrieb:

      Wenn du mit Regeltrenntrafo arbeitest (will ich ja mal schwer hoffen),


      Ach ja,
      wer es bis jetzt noch nicht kapiert hat dass man für Gleichstromradios einen TRENN Trafo braucht, dem sei dies hier noch einmal angeraten. Hier das Livebild vom 5040GW/3D.

      Das Teil habe mal günstig bei einem Radiostammtisch eingekauft, geil sind die schönen Gossen Instrumente, die sehr träge einschwingen.

      Gruß, Dieter
      Bilder
      • rtt_werkstatt_2.jpg

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      Wer viel macht macht auch manchmal Mist, ist doch selbstverständlich, Dieter.

      Wenn in frühen Lehrlingszeiten ich mal wieder Mist gebaut hatte und mein Meister die Wände hochzischte wie eine Silvesterrakete, dann fragte ich schonmal ob es ihm denn lieber wäre wenn ich lieber nichts machen würde als Mist zu machen. Alleine diese Frage ließ ihn dann nochmal so lange oben auf der Gardinenstange ausharren.

      Die ganz alten Meister hatten Null Fehlertoleranz, da setzte es auch mal Backpfeifen.
      Ich habe mir früh angewöhnt zu erkennen das niemand unfehlbar ist aber das man in diesem Wissen alle Dinge fehlertolerant planen kann, so daß nicht bei jedem Ausrutscher gleich die ganze Hose von oben bis unten reißt.

      Das klappe mein gesamtes Berufsleben lang prima, ich habe mich nie mit einem meiner Projekte blamiert im Gegensatz zu vielen hochnäsigen Fatzkes die sich für Gottes Ebenbilder hielten.

      Merkspruch:
      Wieder ist ein Tag vollbracht,
      wieder ist nur Mist gemacht,
      drum gute Nacht ihr Sorgen,
      LMAA bis morgen.
      Gruß Jogi
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      [frei nach W. Reus]
      Hallo Jogi,

      mein Lehrmeister war ein Radio- und Fernsehmeister in meiner Kleinstadt, bei dem ich so oft es ging aushalf und Ferienarbeit gemacht habe. Man mag es nicht glauben, aber Ende der 60er mußte ich alte Fernsehchassis entlöten und die Widerstände und Kondensatoren sortieren, so waren die Gedanken 25 Jahre nach dem Krieg, nix wegwerfen, sparen...
      Leider war der begnadete Techniker Alkoholiker und Kettenraucher und jedesmal wenn er einen Bock schoß, ging er nebenan zum Bäcker und holte sich einen kleinen Chantreé und machte eine Viertelstunde Pause...
      Dann kam meine Bundeswehrzeit und irgendwann war sein Laden dicht.

      Gruß, Dieter
      Ja, so waren sie, Ecken und Kanten hatten sie.
      Ich startete in einem kleinen Elektroladen mit angeschlossenem Reparatur- und Installationsbetrieb als Allround-Lehrling, es wurde alles gemacht von der Verkaufshilfe im Laden über Kundendienst und Auslieferung sowie Installationen vor Ort, Reparaturen von allem was kam - Elektrogeräte, Radio, Fernsehen in der Werkstatt und vor Ort. Handwerksbetrieb eben.
      Mein Gebieter war auch auf Cognac programmiert...
      Er kroch auch gerne auf den Baustellen über Kohlenhaufen in seinem Sonntagsanzug, wenn er drunter eine herabgefallene Rohrschrappel oder Holzschraube blinken sah.
      In der Werkstatt ging es recht lustig zu, wir hatten dann auch mal Zeit für Eigeninitiative und Unsinnmachen,
      Wettfahrten auf rollenden Musikschränken, Völkerball mit geladenen Kondensatoren, Sprengen von Schrottbauteilen mittels Überspannung usw.
      Als ich zum Barras ging hatte ich schon etliche Jahre im Beruf um, Schritt für Schritt in Abendschulen neben der Arbeit die Vorraussetzungen zum Studium auf dem Hintern ersessen und hatte auch mit dem klein-klein im Veedel (wie ein Dorf in einer Großstadt) und in der Endstation Radio-/Elektrowerkstatt abgeschlossen.
      Die Werkstatt schloß dann in den frühen Achzigern, der Laden folgte. Die ersten kleinen Discounter hatten die jüngeren Generationen ergriffen und nicht mehr los gelassen. Die mittlerweile Alten, Immobilen die wir u-elektronisch betreuten waren im Heim oder tot, sie brauchten kenen mehr der alle drei Tage den Fernseher neu einstellten oder auf den Spitzdächern die "Balken" aus der Antenne drehten und elektrisches Kellerlicht legten.
      Gruß Jogi
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      Da möchte ich relativieren. Die Sterne und Genies, im besten Sinne des Begriffes Meister ihrer Zunft, gab es sicherlich. Mein Ausbilder, Chef eines damals privaten Werkzeugbaus, zählt dazu. Aus eigenem Erleben kenne ich aber auch die Schattenseiten dieses Systems. Stilblüten des Altmeisters, seines Schwiegervaters, echt nur in erzgebirgischer Mundart:

      Erster Tag, wir zwei Frischlinge werden durch die Gemächer geführt. Im letzten Winkel des muffigen Kellers zeigt er uns einen alten Küchenschrank, in dem alle mühsam ergatterten Paßstifte und Inbusschrauben gelagert werden. Er hält uns ein rostüberzogenes Normteil unter die Nase und spricht streng: "Aber dass dos gleich klar is: Ihr Gunge, geklaut werd hier nich!"

      Selbiger Altmeister schraubte regelmäßig die Beleuchtung an der Metallbandsäge von 25 W auf 15 W um. Die Folge war eine solche elende Funzelei, dass der Anriss auf dem Werkstück kaum noch sichtbar war.

      Seine Arbeitsschutzbelehrung, universal, gültig für Dreh-, Bohr-, Fräs-, Stoß- und Schleifmaschine: "Ihr Gunge, saht zu, dass ihr net neikummt."

      Vormittags wurde der von dunklen Flecken überzogene Elektrokocher in der Ecke der Werkstatt angeschmissen, der Geruch gedämpfter Kartoffeln für die Hühner mischte sich für mindestens eine Stunde in die Bohrmilchdämpfe. Manchmal hatten wir Mitleid mit den Kartoffeln und schalteten ab, bevor das letzte Wasser verkocht war. Die Hühner selbst fristeten ihr freudloses Dasein mit uns auf Augenhöhe. Ihr Auslauf lag direkt vor den Fenstern der Subparterre-Werkstatt.

      Auf den Ruf der Altmeisterin zum Essen kam maximal eine gebrummelte, unwillige Antwort. Oft auch gar nichts.
      Nach dem Mahl, es gab überdurchschnittlich oft Huhn, wurden die Überbleibsel mit einer in den Schraubstock geklemmten Hebelkonstruktion in schnabelgerechte Stücke geschreddert und an das dem Kannibalismus nicht abgeneigten Federvieh verfüttert.

      Regelmäßig erschrak ich auch beim Gang, den auch der Kaiser zu Fuß zurücklegt. Durch das dunkle Kellerlabyrinth endlich am Eingang des Privatesten aller Orte angekommen, fand ich diesen nach Öffnen der Tür schon besetzt vor. Verriegeln? Wozu, dachte er sich wohl, es ist doch schließlich mein Örtchen.

      Spätestens im zweiten Lehrjahr lag unsere Ausschussrate deutlich unter seiner. Ich habe meine Lehrzeit vor allem deshalb in guter Erinnerung, weil wir halt vornehmlich mit dem etwas jüngeren Chef zu tun hatten, der uns früh eigenständiges Denken beibrachte, uns ernst nahm und beim Handfeilen einer Stempelpassung durch eine 30 mm dicke Führungsplatte eine derart ebene Fläche hinbekam, dass der Haarwinkel von vorn bis hinten den feinsten gleichmäßigen Lichtspalt offenlegte, den die Welt sich vorstellen kann.

      Aber aus diesem Erleben weiß ich auch, Werner ist Realsatire und keinesfalls übertrieben.

      Viele Grüße,
      Christian
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      Wieder zurück zur Technik,

      nun habe ich mit meiner letzten UL41 meinen Reservebestand auf Null heruntergefahren, einen Ersatz zu bestellen liegt schon in der Gegend nahe 20.- EUR. Nun sagt das Rm.org, dass die PL82 ähnlich sei.
      Abgesehen von den Heizdaten und der Beschaltung, was man ja leicht adaptieren kann: könnte man die im Grundig verwenden, evtl. als Paar ? Von denen hätte ich noch einige.

      Gruß, Dieter
      Hallo Dieter,

      also bei € 18,95 einschl. Versand für eine neue Valvo

      ebay.de/itm/Rohre-Tube-UL41-UL…Philetta-etc/254231084628?

      was ja kaum mehr ist, als der Preis damals, würde ich keine Verrenkungen machen und Umbauten bei einem so schönen Grundig Radio machen.
      Gönne dem 5040GW/3D eine Originalröhre!

      P.S.: Ich habe die Schilderungen weiter oben über den Werkstattalltag sehr genossen. Da könnte man Bücher drüber schreiben...
      Ich glaube schon, dass es damals mehr Querköpfe, Käuze und überhaupt Originale gab, die sehr eigenwillig waren.
      Manche, gerade die mit Alkoholproblemen, waren wohl auch einfach kaputt vom Krieg.
      Wenn wir damals nach der Arbeit oder mittags irgendwo auf ein Bier eingekehrt sind, fand man dort fast immer Männer mit massiven Alkoholproblemen, die spätestens nach 10 Minuten ihre Kriegserlebnisse schilderten, was wir als Jungspunde recht sonderbar fanden. Aber das hatte einen ernsten Hintergrund.
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()

      Eigentlich gibt es noch keine richtigen Mangelerscheinungen, es sei denn man sucht nach nicht müde gewordenen speziellen "Augenröhren" und ist nicht bereit Kompromisse einzugehen.
      Aber die manchmal geforderten Preise sind natürlich dennoch utopische Forderungen von Schacherern und Abzockern.

      Solche Augen haben wir in den Siebzigern zu Tausenden mit der Stachelwalze pulverisiert und es gibt noch heute jede Menge Restbestände, werden mal wieder größere Mengen aufgefunden dann dauert es selbst bei gutwilligen Findern nur zwei Umdehungen auf der weltgrößten Beschißplattform sie auf Gewinnmaximierung zu trimmen.

      Das verschenken gab ich selber sehr schnell auf in der Neuzeit, der Ebayzeit, der Beschißzeit, als ich bemerkte das welche die ich aus Mitleid jemandem schenkte weil er jammernd und heulend an meinen Schuhen herum zog, kurze Zeit darauf als maßlos überteuertes Angebot bei so einem Schacherverein wieder auftauchten.
      Mittlerweile brauche ich auch keine mehr und habe alle weggegeben, das peinliche Gebettel war damit auch gleich mit beendet.

      das Umsockeln und Umwidmen war nach dem WK2 eine wichtige Sache, es gibt noch heute nagelneuen (NOS)Ersatz für bspw. ansonsten kaum noch zu beziehende VE-Röhren, man muß sie lediglich selber zurecht Sockeln und optisch passend verpacken.
      Gruß Jogi
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