Telefunken TRX 3000 - Wiederbelebung eines Männerreceivers

      Bei mir schaltet der Netzschalter auch nicht immer zuverlässig, rastet nicht immer ein. Eine sehr ärgerliche Sache, die wohl ALLE TRX 3000 irgendwann betrifft.

      Schaltplanausschnitt
      Der rechte Teil der Primärwicklungen ist permanent am Netz, wird gar nicht geschaltet und versorgt das Display/Uhr.
      Der linke Teil, wie schon geschrieben, schaltet erst den Stromweg über die beiden 5,6 Ohm/ 5W Keramik-Hochlastwiderstände und überbrückt sie mit dem zweiten verzögert schaltenden Kontaktsatz anschliessend.



      Eine Lösung mit Einschaltstrombegrenzung/Einschaltverzögerung (auch genannt: Softstart für Ringkerntrafos) für den linken Teil käme wohl infrage. Nur, wo kann man sie einbauen? Am Netzschalter ist kaum Platz und gut isoliert und fest verschraubt muss so eine Platine sein, denn sie führt Netzspannung.

      So kann man das im Prinzip realisieren (ich habe das aber noch nicht gemacht!):
      - Neuer zweipolig schaltender Netzschalter (für bis nominell 10A Schaltstrom) schaltet sowohl L als auch N (Sicherheit!)
      - Einschaltverzögerung für Netzspannung einbauen. Im ersten Einschaltmoment wird der Strom über einen 10 Ohm/ 10W Hochlastkeramikwiderstand oder einen hochbelastbaren NTC-Widerstand (für Nennstrom 15A, Nennwiderstand 10 Ohm, z.B. Ametherm Typ MS32 10015) geführt und nach einer Verzögerungszeit von ca. 0,5-1s wird dieser Vorwiderstand von einem 5-10A Relais überbrückt.
      - Die Verschaltung muss entsprechend geändert werden. Das ist ein netzseitiger Eingriff und darf nur von einem Fachkundigen vorgenommen werden. Die Einschaltstrombegrenzungs-Platine führt überall Netzspannung und darf nur unter Beachtung der VDE-Vorschriften eingebaut werden (Isolationsvorschriften, Kriechstrecken, usw.) - Kein Bastler-Anfängerprojekt!
      - Die Netzsicherung auf dem Einschaltstrombegrenzer wird auf 4A /T geändert.

      Schaltung für 220 V:



      zum Beispiel hier mit NTC-Widerstand R1 (anstelle des NTC-Widerstand können hier auch die beiden TFK-originalen 5,6 Ohm/5W Hochlastwiderstände, in Serie geschaltet, eingebaut werden, dabei unbedingt Drahtanschlüsse sorgfältig mit Schrumpfschlauch isolieren - Netzspannung!).

      Solche Platinen werden z.B. bei ebay und anderswo bereits fertig bestückt angeboten. Kauf/Anfertigen der Platine, Kauf der Bauteile und Selbstbestückung kommt kaum günstiger!

      Die Netzspannung (Lein) gelangt über die Schmelzsicherung F1 (hier auf 4A/T ändern!) über den NTC-Widerstand R1 (10 Ohm oder 15 Ohm, 15 A) auf den Ausgang (Lout). Gleichzeitig gelangt Lein hinter der Schmelzsicherung auf den kapazitiven Blindwiderstand C1 (X2-Typ ist vorgeschrieben! 0,47 µF/630V), dem zur Entladung (beim Ausschalten) der Widerstand R3 (820 kOhm, 0,25W, parallel liegt. Dann weiter über den in Serie liegenden Schutzwiderstand R2 (220 Ohm 1W oder 2W) auf den Brückengleichrichter B1 (B500C1500). Der andere Wechselspannungspol des Gleichrichters B1 ist direkt mit dem zweiten Netzeingang (N) verbunden.
      Die über den Blindwiderstand abgeschwächte und von B1 gleichgerichtete Spannung von nunmehr ca. 24V lädt den Elko C2 (470 µF oder 1000µ F / 35V) in ca. 0,5 bis 1 s, der zur Relaisspule des Netzrelais (2 Schliesser, min. 5A pro Kontakt, 24V DC Spule) parallel liegt. Nach der Ladezeit schaltet das Relais durch und überbrückt dabei den Widerstand (NTC) R1, so lange, wie der Receiver eingeschaltet bleibt. Empfehlenswert ist die Ergänzung einer 24V /1,3 W Zenerdiode (Polarität wie eingezeichnet) zur Stabilisierung der Spulenspannung.

      Für den Einbau in Motoren, Elektrowerkzeuge, usw. hinter deren Netzschalter werden auch sog. "Softstart-Module" oder "Weichanlauf-Module" angeboten, die nur einen NTC-Widerstand enthalten, der bei laufendem Gerät immer im Stromweg liegt, also nicht nach einer kurzen Schaltzeit überbrückt wird. Beim Dauerbetrieb wird der NTC heiss, was dessen Lebensdauer verkürzt (platzt bei Defekt!). Eine solche Einfachst-Lösung ist deshalb hier nicht anzuraten.


      Gruß
      Reinhard

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      Ich habe noch eine etwas andere Idee!

      Häufig wird heute gewünscht, daß das Gerät über den Netzschalter ganz ausschaltbar ist.
      Das unterstelle ich jetzt in meinem Vorschlag.
      Klar, dann läuft die Uhr nicht aber dafür wird die Anzeige geschont.

      Es wird wieder vorausgesetzt, Änderungen werden von einer befugten Fachkraft vorgenommen.
      Mit dem Drückeschalter wird der rechte Teil mit der Uhr eingeschaltet.
      Anders ausgedrückt, es ist ein Netzschalter, der nur den rechten Teil einschaltet.
      Baut sich in dem Schaltungsabschnitt mit Uhr Spannung auf, wird damit Relais 1 betätigt.
      Das entspricht den Kontakten S1b und S1d in Serie mit jeweils 5,6 Ω.
      Mit Relais 2 werden die Kontakte S1a und S1c zeitverzögert realisiert.
      Vor dessen Relaisspule setzt man ein RC-Glied, um die gewünschte Zeitverzögerung zu realisieren.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Eine kleine andere Anmerkung: die originale Version von Telefunken hat einen Vorteil, der nicht zu verachten ist: Am Ende ist nur ein Kontakt in der Zuleitung zum Trafo, und der wird auch nicht stark belastet, weil nur der _andere_ die Einschaltpulse sieht. Reinhard's Variante ist in der Tat standard, hat aber den kleinen Nachteil, dass man dann zwei Schalter in Reihe hat. So etwas versuche ich meist zu vermeiden, wenn da "fette Brocken" anliegen.

      Besten Gruss,

      Michael
      Ich kann die erfreuliche Mitteilung machen, dass ein weiterer TX 3000 wiederbelebt ist. Das Schalterproblem hab ich mit einem PETRICK 285/5 Netzschalter, der eigentlich für Braun Geräte gedacht ist, gelöst. Er besteht ähnlich wie der Petrick 285/1 aus zwei nacheinander geschalten Schaltstufen Die Anschlüsse sind allerdings etwas verdreht. Von diesem Schalter konnte ich noch ein Neuteil ergattern.

      Vielen Dank nochmals für die vielen Tipps und Antworten.

      Gruß Alex
      Aber im PETRICK 285/5 Schalter schalten doch der Haupt-(Netz)Schalter und der Hilfsschalter gleichzeitig, weil es dort keine getrennten Schaltachsen mit Leerweg dazwischen gibt? Das ist doch ein ganz normaler Netzschalter mit Hilfskontakten 2xUM.
      Die Verzögerung für das Schalten der hinteren Kontakte ist damit nicht gegeben.

      Gruß
      Reinhard

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