Kondensatorkur bei einem SABA Freudenstadt 125 Stereo

      Kondensatorkur bei einem SABA Freudenstadt 125 Stereo

      Moin zusammen,

      ich bin neu hier im Forum und zu einem SABA Freudenstadt 125 Stereo gekommen, wie die
      Jungfrau zum Kinde - mit der Bitte, das Gerät vom leidigen Knacksen zu befreien. Ich bin zwar
      kein Radio+Fernsehtechniker, habe aber Grundlagenwissen in meiner Ausbildung vor über
      40 Jahren mitbekommen (Transistortechnik). Röhren sind ein bisschen Neuland für mich.

      Ein netter Mensch in einem Repair Cafe hat sie professionell durchgemessen und ich
      habe die ‚verschlissenen‘ getauscht. Mindestens eine der beiden EL95 hatte die Grätsche gemacht – das
      Knacksen hatte sich mit dem Tausch dann erledigt. Und der Klang ist wunderbar:-)

      Jetzt möchte ich noch die Kondensatoren – wo nötig – tauschen, und wende mich daher mal
      an die Fachleute.
      Ich habe einen etwas verwaisten Teer-Kondensator gefunden, zu dem ich folgende Fragen habe:

      Die Kapazitäts- und Toleranzangaben passen anscheinend nicht zu der Ersatzteilbeschreibung für C44:

      Die Daten interpretiere ich als 0,015 µF +/- 20% - gemessen habe ich 0.001 µF.

      Das ist (vermutlich) die SABA Bestell-Nr. für C44, die ich allerdings nicht in der Ersatzteilliste gefunden habe:


      Hier der Auszug aus der SABA-Ersatzteilliste (Kapazität passend zum Schaltplanwert, allerdings ist die
      Toleranz mit 10% angegeben.):
      Auszug_SABA-Ersatzteilliste.png

      C44 am Höhenregler P2/1:

      Auszug_Schaltplan.png

      Jetzt weiß ich nicht, welchen Austauschkondensator ich einsetzen soll.

      Zudem hing ein Anschlussdraht mit dem markierten Ende in der Luft –
      ich bin mir aber nicht sicher, wo er sich gelöst hat - vermutlich an der markierten
      Lötöse. Der andere Anschlussdraht ist an einer Chassis-Lötfahne befestigt.



      Vielleicht kann mir ja jemand von euch einen Hinweis geben.

      Zum Schluss hab ich noch eine Frage zu weiteren verbauten Kondensatoren:


      Sind die silbernen Kondensatoren mit der blauen Aufschrift Styroflex Kondensatoren
      (die nicht zwingend getauscht werden müssen?)?

      Das wäre es mal fürs Erste ...

      Vielen Dank vorweg für eure Hinweise und beste Grüße

      Andreas
      Die bläulichen Kondensatoren sind wohl Styroflex. Das mit der Öse kann ich nicht richtig erkennen, insbesondere nicht, wo der Draht hingehört. Es sieht nicht so aus, dass da schon einmal Lot dran war.

      Beim C 44: Bist Du sicher, dass der richtig zugeordnet ist ? Der im Bild sollte in der Tat 15 nF haben, aber C 44 ist laut Plan einer mit 1,5 nF. Das sollte jemand ergänzen, der dieses Gerät gut kennt.

      Besten Gruss,

      Michael
      Guten Abend Andreas, wenn ich den richtigen Plan runtergeladen habe, dann ist das Freudenstadt 125 ein Stereo-Radio (mit dieser trickreichen Umschaltung der Endstufe auf Mono).
      Dann müsste C44 für links die gleiche Funktion haben wie C61 für rechts, also am besten mal vergleichen.
      Die 1,5nF für den Höhenregler erscheinen mir allerdings realistischer als 15nF. Wenn ich richtig
      mit einigen Vereinfachungen lese, sind vorher 47kOhm, was bei 15nF nur 220Hz Grenzfrequenz ergäbe - etwas wenig für einen Höhenregler.

      Hinsichtlich "Kondensatorkur" möchte ich keine Glaubensdiskussion anstossen, jedoch aus Erfahrung meine Meinung weitergeben.
      Die Teer-Dinger haben gerne hohe Leckströme. Wenn sie mit hoher Spannung betrieben werden, habe ich auch schon welche kochen sehen, ähnlich auch wie die Tropydur "Honigbonbons"
      (weis nicht ob davon welche drin sind).
      C56 und C72 haben - bei Leckströmen - das Potential die EL95 zu grillen (Verschiebung der Gitterspannung durch Leckstrom).
      Elkos sind immer gut für schlechten Klang oder Rauchwolken aus dem Gerät.
      Insofern könnte man erwägen, C57 und 73 zu prüfen oder zu ersetzen (korrekte Basswiedergabe) und vorzugsweise C38.
      C81 bis 84 führen ggf. zu erhöhtem Brumm und irgendwann mal zu rauchendem Gleichrichter (a propos GL: wenn Selen könnte man den Ersatz durch Silizium erwägen).
      Je nach vorhandenem Typ und Geschmack würde ich auch über die ganzen 4,7nF Blockkondensatoren der höheren Betriebsspannungen nachdenken,
      einschliesslich C78 und 79 (also C34, 24, 23 und ähnlich Verwendung an U+1 bis U+4) - wie gesagt dies nach Lust, Laune und Bauchgefühl.
      Direkt sicherheitskritische Cs habe ich aber jetzt auf die Schnelle nicht identifiziert, wie oft in U-Röhren Radios leider vorhanden.

      Insofern viel Freude beim Überholen und dann hörenn, viele Grüße,
      Stefan
      Guten Abend und vielen Dank Michael und Stefan für eure Hinweise und Tipps,

      an der markierten Öse war etwas Lötzinn dran, konnte man auf dem Foto leider nicht sehen. Mit Lupe und Taschenlampe konnte ich an der mittleren Öse jetzt auch etwas Lötzinn sehen. Ganz sicher bin ich mir mit der Zuordnung auch nicht. Aber ich sehe keinen weiteren Kondensator, der vom Poti ausgehend auf Masse verbindet. Leider finde ich den C61 nicht am Poti. Ist etwas difus ... Es gibt noch 2 angelötete Styroflexkondensatoren. Die sind recht lütt; C45 und C62 mit jeweils 100 pF müssten das sein).
      Zu den anderen Kondensatoren: Die Wima Bonbons und Papierkondensatoren möchte ich auf jeden Fall tauschen, wenn ich schon dran bin. Der Entstörkondensator C78/C79 sollte ersatzlos entfernt werden, habe ich jetzt öfters gelesen. Siehst Du das auch so? Und die meisten von Dir angegebenen Elkos habe ich auch auf meiner Liste. Die restlichen schaue ich mir noch an.

      Schöne Grüße
      Andreas
      15 nF günstig gesucht?

      immer wieder mal schaue ich bei Pollin nach guten und günstigen Restposten.
      Die haben gerade im Angebot 15 nF 400 V= für wenig Geld, Mengenrabatt:
      pollin.de/p/folien-kondensator…400-v-radial-rm-10-200732
      Die sind wie angegeben original ERO, also nicht was wie Hui Gung.
      Pollin hat noch mehr Kondensatoren in der Richtung, wird häufig NOS sein.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Namensbruder, ist unterschiedlich!

      Man muss schon schauen, was angeboten wird.
      Die kaufen häufiger mal Industrierestposten auf, haben aber auch Chinaware.
      Weiß man das, sucht man wie ich gezielt nach echten Sonderangeboten Industrieware.
      Häufig ist es begrüßenswert, Produkte wie Folienkondensatoren NOS zu bekommen.
      Für manche störend, teilweise sind die Staffelungen für Hobbyelektroniker ungünstig.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Guten Abend Andreas, guten Abend in die Runde,

      wegen der Rückfrage zu C78/79.... Es ist letztlich ein Entstörkondensator. Da ich (auch) EMVler bin, ginge das Entfernen gegen meine Berufsehre.
      Aber im Ernst: Die Gleichrichterstörungen werden sich in Grenzen halten und kommen auch schlecht über den vorgelagerten Trafo.
      Im schlimmsten Falle hat man etwas verschlechterten LW/MW/KW Empfang, falls das überhaupt interessiert.
      Andere zu stören ist wegen dem vorgelagerten Trafo sehr unwahrscheinlich - insofern kann man C78/79 auch weglassen und
      offen gestanden habe ich ähnliches auch schon gemacht.
      Zur Beschaffung... mit NOS Folienkondensatoren (vielleicht ohne Teer und PCB) habe ich keine Vorbehalte.
      Daneben gibt es weiterhin axiale Folienkondensatoren aus deutscher Fertigung und auch vom Passiv-Riesen mit 6 Buchstaben,
      beide mit Polypropylen Dielektrikum - die eine Sorte ist schwarz, die andere halt grün - was will man mehr.
      Weiterhin viel Spaß mit dem Radio, viele Grüße, Stefan

      Lastwiderstand brutzelt

      Hallo zusammen,

      ich habe noch mal eine Frage in Verbindung mit der ‚Kondikur‘. Ich habe jetzt soweit alle Kondensatoren bis auf die
      abgeschirmten C48 und C65 sowie die großen 50 µF Elkos getauscht und die Entstörkondensatoren C78 und C79
      rausgenommen (Teerkondis) – soweit, so gut und weiterhin super Klang im Test.


      Heute habe ich einen neuen Becherkondensator C81 (47 µF) eingebaut, die Lautsprecher angeschlossen und
      eingeschaltet. Die Röhren begannen zu glimmen und die Skalenbeleuchtung tat was sie soll. Allerdings waren
      die Lautsprecher ‚tot‘ – weder Rauschen noch Knacksen.

      Dann habe den Kondensator wieder ausgebaut, alle Lötstellen im Arbeitsbereich überprüft und die Anschluss-
      drähte auf Abstand kontrolliert (und, wenn zu eng, neu ausgerichtet). Hintergrund ist, dass der Kondensator
      so fest saß, dass ich richtig Arbeit mit dem Lösen der Kunststoffmutter hatte.und daher etwas gröberes Werk-
      zeug zum Einsatz kam.
      Nach dem Wiedereinbau funktionierte das Radio wieder (gefühlt standen aber weniger Sender zur Auswahl …).
      Zwecks Test habe ich die Last (Lautstärke) erhöht; kurz darauf fing der Lastwiederstand R89 47 Ohm/1Watt wie
      eine Wunderkerze an zu brutzeln.

      Hat jemand von euch eine Idee, was der Grund für die hohe Last am R89 sein könnte? Vor diesem Elkotausch
      ist das Radio ohne Probleme gelaufen.

      Besten Dank schon mal für eure Tipps und viele Grüße

      Andreas
      Bilder
      • SABA-Freudenstadt-125-Stereo_Netzteil.png

        110,52 kB, 537×355, 52 mal angesehen
      Dieser Elko darf die Masse nur über den R89 bekommen.
      Diese widerstand sollte eine 1 W Ausführung sein.
      Über den läuft der gesamte Anodenstrom zur Masse
      Sollte in der Anodenstrom Versorgung eine Überlast auftreten, sei es durch inkontinente Papierwickel Koppel Kondensatoren oder Endröhren die Gitterstrom ziehen, dann wird dieser R89 überlastet und brennt durch.
      M.f.G.
      Justus

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „puntomane“ ()

      Hallo Justus und Reiner,

      besten Dank für die schnellen Antworten und den freundlichen Zuspruch;)
      Ja, der Elko bekommt Masse über den R89 und der Widerstand ist noch das Original mit 1 Watt. Es gibt noch zwei ERO 100 Papierkondensatoren mit Schirmung an den Steuergittern der ECC83.
      Die Ersatzteile hab ich gestern erst in einem Shop entdeckt. Der Rest ist getauscht.
      Den Elko kann ich nicht durchmessen, hatte aber beim Radiotest ein Voltmeter dran. Was ich sagen kann ist, dass die Entladung dem Anzeigenverlauf nach einer E-Funktion entsprach.
      Hier ein Foto vom großen Bruder (2 x 47µF) - allerdings mit 'nacktem' Fuß (Minuspol). Der 'Kleine' ist von unten komplett metallfrei.



      Bei den Anschlussdrähten hab ich drei- bis fünf mal hingeschaut, bevor ich sie angelötet hab. Den Knall und Gestank wollte ich mir nicht antun:)
      Ja, ich vermute auch, dass beim hantieren etwas schief gelaufen ist. War, wie schon beschrieben, etwas knuffig in der Ecke.
      Jetzt bin ich etwas überfragt, wie ich weiter vorgehen sollte. Ich werde zunächst mal die beiden Papierkondensatoren und den defekten Widerstand ersetzten.
      Muss ich aber erst noch bestellen.
      Könnte eine Röhre auch Schaden genommen haben?

      Beste Grüße
      Andreas

      P.S.: Wie kann ich verhindern dass die Bilder unterhalb vom Text noch mal angezeigt werden? Ist etwas unschön.

      Bilder
      • Foto_C81.png

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      Hallo Andreas,

      Der gesamte Strom des Radios fließt über Masse zurück zum Gleichrichter und somit über R89. Ausgenommen der Heizstrom und diese Minus 4 Volt Gittervorspannung, die aber nicht ins Gewicht fallen.

      Es gibt wohl viele Ursachen für den zu hohen Strom über R89. Irgendwo ein Masseschluß, eine falsche Gittervorspannung und so weiter. Es können auch Röhren geschädigt worden sein. Eine systematische Fehlersuche ist jetzt wohl notwendig.
      Vielleicht kannst du noch Bilder schicken von dem "engen Gebiet" oder dem Kondensator.

      Systematische Fehlersuche wäre etwa: alle Röhren ausstecken, die Spannungen und Ströme +1,+2,+3,+4 nacheinander zuschalten und messen, dann nacheinander Röhren einstecken und jeweils messen...... und so weiter. Also rausfinden welcher Strang, welches Bauteil, den hohen Strom verursacht.

      Viele Grüße von
      Reiner
      Bilder
      • 001_Netzteil_Freudenstadt_125.jpg

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