Kathodenspannung EL12, Grundig 5010

      Moin,
      unbedingt erforderlich ist die Messung der Gesamtstromaufnahme nicht, aber sie waere interessant zu wissen.

      Die Postroehren ziehen in der gegebenen Schaltung mehr Strom als die EL12. Genaueres wird das Datenblatt zeigen. Auch, ob die Postroehre zu dem Ausgangsuebertrager passt. Er ist ja schliesslich kein Selbstzweck, sondern passt den Lastwiderstand (Lautsprecher) an die Endroehre(n) an. Dabei will man die groessmoegliche Ausgangsleistung bei geringsten Verzerrungen erreichen.

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      Peter
      Hallo Peter,

      leider besitze ich kein Datenblatt von der F2a11. So viel ich weiß soll sie einen geringeren Klirrfaktor haben. Da der Siemens Spitzensuper SH906W damals mit der F2a11 oder der EL12 ausgeliefert wurde, war ich der Meinung, daß man die F2a11 bedenkenlos in jedem Gerät mit vorgesehener EL12 Bestückung einsetzen kann.

      Gruß Udo
      Moin,
      ob eine Roehre einen geringeren Klirrfaktor hat, kann man pauschal nicht bestimmen. Der Klirrfaktor ist auch (oder nur?) von der Aussteuerung abhaengig. Mit genuegend Aussteuerung kann man jede Roehre "klirren lassen". Man macht die Sache also andersherum. Man legt einen maximalen Klirrfaktor fest und misst dann nach, welche Leistung (bei Endroehren) die Roehre _ohne Gegenkopplung_ an den fuer diese Roehre guenstigsten Lastwiderstand abgeben kann. Bei normalen Rundfunkroehren, wie der EL12, legt man den Klirrfaktor im Eintakt A.Betrieb meist auf 10% Klirr fest, bei Gegentaktendstufen meist auf 5%. Durch geschickte Auslegung der Verstaerkerschaltung und vor allem einer gut ausgefuehrten Gegenkopplung kann der Klirrfaktor auf Kosten der Verstaerkung erheblich gesenkt werden.

      Ich habe gerade mal im Beier[1] die F2a und EL12 miteinander verglichen. Die Postroehre ist fuer den 5010 nicht geeignet. Der Grund ist der Heizstrom, 2A gegenueber 1,2A, macht 1,6A mehr Heizstrom. Das will der Trafo nicht unbedingt leisten muessen. Der Siemens hatte wahrscheinlich eine dementsprechend bemessene Heizwicklung.
      Die Postroehre hat auch gegenueber der EL12 nur etwa die halbe Steilheit. Dass sie gegenuber der EL12 leistungsfaehiger ist, liegt daran, dass sie fuer 425V und 30W Anodenverlustleistung zugelassen ist. Daher kann sie im Eintaktbetrieb 12W gegenueber 8W leisten (bei 10% Klirr), allerdings muss man auch 12W mehr hineinstecken... (Bei Eintakt A muss in die Endroehre staendig eine Leistung hineingesteckt werden, die der maximalen Anodenverlustleistung entspricht, wenn man die Roehre voll ausnutzen will. Im Leerlauf erscheint diese Leistung als Waerme an der Anode, bei Aussteuerung wird davon ein Teil (max. 50%) an den Lastwiderstand abgegeben.)

      [1]
      Wilhelm Beier: Das grosse Roehren-Taschenbuch, Franzis Verlag 1998 Lizenzausgabe; Originalausgabe Verlag Technik Berlin, 1963, 1965)

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      Peter
      Moin,
      diese relativ geringe Ueberlastung kann der Trafo noch eine ganze Weile aushalten. Es dauert etwa eine Stunde, bis die Beharrungstemperatur erreicht wird ;)
      Ich weiss jetzt nicht, welche Erwaermung, bezogen auf 25°C, fuer Netztrafos in Radios zu jener Zeit zugelassen wurde. Ich gehe mal von max. 50K aus, damit kommt der Trafo unter Vollast auf eine Temperatur von 75°C, was die damaligen Isoliermaterialien noch ertragen haben duerften.

      Wil man eine geringe Ueberlast kompensieren, kann man sich helfen. Ich habe in einem Geraet die Gleichrichterroehre EZ80 durch die staerkere EZ81 ersetzt. Die benoetigt natuerlich auch mehr Heizleistung. Gefunden habe ich die, indem ich die 0,3A-Lampen der Beleuchtung durch 0,1A-Lampen ersetzt habe. Die Differenz betraegt 400mA, so dass die beiden Skalenlampen mit dem Tausch das herausgeholt haben. Ist zwar nicht so hell, aber was will man machen.

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      Peter
      Für eine Doktorarbeit gibt die Eingangsfrage nicht ausreichend Stoff her, aber ein Fachbuch mit dem Titel "Betrachtungen über eine um 10% zu niedrige Kathodenspannung aus physikalischer Sicht unter Berücksichtigung aller daraus entstehenden psychologischen Folgen" würde sicher ein Bestseller.
      Es ist kaum zu glauben, was aus einer simplen Frage entstehen kann. Ich bin mal gespannt, wie lang dieser Thread noch wird. :D

      Gruß Otto
      Gruß Otto
      Moin,
      ich gehe mal davon aus, dass Udo "noch nicht so lange dabei ist" und irgendwelche Spannungsangaben noch woertlich nimmt.
      Ist verzeihlich, denn da musste so ziemlich jeder von uns durch: Bauteilewerte und -bauformen _mussten_ eingehalten werden, Spannungen mussten auf 2 Stellen hinter dem Komma stimmen...
      Irgendwann lernt man, dass man besonders bei "Dampfradios" ziemlich viele "Fuenfe gerade sein" lassen kann. Dann senkt sich der Stresslevel ganz von selbst ;)

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      Peter