Pünktlich vor den Feiertagen...

      Ich habe mal wieder etwas, das in dieses informationstechnische Sammelsurium passt.
      Im Keller fand ich ein Mainboard (Jetway), das vor ca. 20 Jahren für einen Testaufbau angschafft wurde und nur ein paar Tage im Betrieb war. Dann habe ich es verpackt und eingelagert.
      Als es mir am Wochenende wieder in die Hände fiel, staunte ich nicht schlecht darüber, wie es sich verändert hat.



      Die Elkos in der Spannungsversorgung sind brav gealtert und aufgeplatzt, obwohl sie all die Jahre weder Spannung noch Last gesehen haben.
      Ich kenne solche Fälle aus IT-Foren, wo bisweilen berichtet wird, wie jemand extra ein neues Mainboard als Ersatz für Notfälle eingelagert hat und als er es braucht feststellt, dass alle Elkos dicke Backen haben. Mir selbst war das noch nie passiert.
      Ich habe sie alle ausgelötet und gemessen:
      Die 1000µF 10V hatten 133, 150,129,142,154 und 130 µF
      die 1500µF 6,3V hatten 287, 296,279,296 und 299 µF.

      Alle sind vom gefürchtet-berüchtigten Hersteller "GSC". Und alle sind schön synchron im Gleichschritt gealtert. Bei Ausfällen durch Hitze und/oder Ripplebelastung sind meist einzelne Exemplare komplett tot, andere noch fast in Ordnung.

      Nun wurden neue Rubycon ZLH 1000µF und Nichicon HM(M) 1500µF eingebaut.



      Man sieht, dass diese hochwertigen Typen, die auch wirklich bei hoher Belastung und Ripplebelastung durchhalten selbst heute noch einen größeren Formfaktor haben als die GSC. Jetway hat freundlicherweise beide Rastermaße bzw. Durchmesser berücksichtigt, so dass der Einbau sauber erfolgen kann.

      Das Board hat einen"AcerLabsInternational" /ALi-Chipsatz. Die Northbridge ist hier in der sehr seltenen letzten Revision "G" bestückt, bei der pracktisch alle Bugs gefixt waren. Es wäre schade darum gewesen - ich werde es deshalb testen und aufbewahren.
      Achim
      Das widerlegt sehr anschaulich die oft geäusserte Vermutung, extreme Belastung in Schaltnetzteilen hätte zum Versagen solcher Elkos geführt. Nein, die Ursache ist der von Beginn fehlerhafte Elektrolyt, der erst die Anodisierung angreift (Aluminiumoxid auflöst) und dann auch noch das Aluminium selbst, wobei sich Wasserstoff bildet, dadurch die dicken Backen.

      Gruß
      Reinhard
      Wirklich heftig !!
      Ich habe auch noch viele Elkos aus meiner Basteljugend in den Schubfächern rumliegen, alle über 50 Jahre alt, sehen aber noch gut aus und ich baue sie auch noch ein wo Bedarf ist. Entsorgen oder keinen blinden Aktionismus starten ??

      Ach ja, wer weiß denn schon, wie warm es in Achim´s Keller ist ?? :)

      Gruß, Dieter
      Also bei mir im Keller ist es trocken und kühl.
      Auch habe ich in meinen Beständen schon Elkos mit Kapazitätsverlust gefunden, die ich in den 70ern gekauft hatte. Man hätte sie höchstwahrscheinlich nachformieren können. Aber keiner war aufgeplatzt.

      Ich sehe es genau wie Reinhard. Die Elkos der Billighersteller (und sogar manche Serien der Tier 1 Anbieter) in dieser Zeit um 1999 - 2004 herum hatten beim Verlassen des Werks schon die Selbstzerstörungssequenz eingeleitet. Egal wie man sie behandelt hat, sie sind völlig unbrauchbar geworden.
      Gerade beim Hersteller GSC gibt es viel schlechtes Feedback. Es wird berichtet, dass sie höchstens ein paar Monate funktioniert haben.
      Auch gab es Systemintegratoren und IT-Firmen, die sich von besonders leistungsfähigen und zuverlässigen Mainboardtypen reichlich Neuware für spätere Projekte und als Ersatz ins Lager genommen haben. Auch da gab es Berichte, wie man dann 5 Jahre später ein original verpacktes Board voller Vorfreude aus dem Regal genommen und ausgepackt hat nur um festzustellen, dass alle Elkos aufgebläht waren und sich entleert hatten.

      Bei Netzteilen kam das auch vor, da ist es aber kein Unglück, alles ist genormt, man nimmt eins aus heutiger Produktion. Bei Mainboards jedoch ging es in der Regel um ganz bestimmte Ausstattungen, Formfaktoren, Controllerchips, Chipsätze etc. die für einen reibungslosen Ersatz Voraussetzung sind. Wenn man dann feststellt, dass der Lagerbestand unbrauchbar ist, kann man schon schlechte Laune bekommen.
      Und es waren ja praktisch alle Hersteller betroffen, nicht nur die billigen Jakobs. Auch Jetway wie hier ist bis heute ein angesehener Hersteller gerade auch für Industrieanwendungen.
      Achim

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      Und hier kommt noch ein Beispiel:

      Gestern habe ich einen unbenutzten VPN-Firewall-Router, der im Keller eingelagert war, ausgepackt, um ihn am Montag beim Kunden einzubauen.
      Zuvor wollte ich die Software aktualisieren und staunte nicht schlecht, dass dieser Vorgang nicht durchlief, sondern mittendrin feststeckte.
      Mehr aus Verlegenheit habe ich das Gerät geöffnet.



      Hier finden sich ausschließlich "Teapo" Elkos, die eigentlich den Ruf haben, je nach Serie "ganz o.k." zu sein, aber auch zu vorzeitigen Ausfällen zu neigen.

      Die beiden grünen Exemplare habe ich dann infolge des Aufplatzens des einen ausgebaut und gemessen. Der nicht geplatze hat noch 430µF, der aufgeplatze noch 51µF (statt 470µF). Und das ohne eine einzige Betriebsstunde.

      Ich habe mich dann auf den Ersatz der beiden 470er beschränkt, weil ich aktuell keinen Anlass sehe, die Blauen und Schwarzen auch als Ausfallkandidaten eizustufen.


      Achim

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      Hammer !!
      Da fragt man sich, welcher Schrott in den LED-Fernsehglotzen verbaut ist, damit die jaaa nicht länger als 3-5 Jahre halten.
      Ich bin fernsehmäßig sowieso evolutionstechnisch auf dem Rückzug, mein flättskrien ist so gut wie nie an, eigentlich könnte ich ihn verkaufen, das Bild ist sowieso ohne Dynamik und hinkt einem Loewe oder SABA Röhrengerät weit hinterher.
      Als PC wünsche ich mir meinen 386DX40 wieder auf den heutigen Stand - er läuft nach fast 30 Jahren übrigens immer noch mit einer 80MB Festplatte, 16 MByte RAM und Windows 3.1. Anscheinend wurden damals in den Netzteilen bessere Elkos verbaut... :)

      Gruß, Dieter
      Ja, Michael, jetzt ist alles bestens und ich muss das gute Stück nicht abschreiben.
      Bei einer Unterbrechung des Updatevorgangs kann schnell mal ein image korrupt werden, oder sogar der Bootloader beschädigt werden. Dann sieht es übel aus.

      Hallo Dieter, damals wareen die Netzteile haltbarer, wurden auch nicht so warm, hatten nur 150-250W. Auf den Mainboards wurden durch die Bank noch Tantalelkos verbaut. Das ging um das Jahr 2000 herum für etliche Jahre stark bergab, heute ist die Qualität eigentlich wieder beseer, auch die der Bauteile (Billigschrott ausgenommen).
      Fernseher kaufe ich mir in diesem Leben keinen neuen mehr. Schließlich habe ich mir gerade erst 1979 meinen Telefunken gekauft (läuft seit 40 Jahren täglich). Der überlebt mich locker.
      Achim
      Um der Sache etwas positives abzugewinnen, seien wir froh, dass der Zahn der Zeit nur an Elkos nagt - und damit an Allerweltsbauteilen, die im Nu beschafft und getauscht sind. Ein Massensterben exotischer ICs wäre deutlich tragischer.

      Dass allerdings Achims grüne Elkos sogar ohne Betriebszeiten aufgeplatzt sind, ist natürlich eine neue "Qualität" und ein schlechter Witz.

      Meine Fernseher werden mich alle überleben, denn ich mache es ihnen leicht. Angesichts der heutigen Programme werden sie nur selten aus ihrem schläfrigen Dasein geweckt.

      VG Stefan
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