Korrosion bei Chips ?

      Der Sinn und Zweck dieser und anderer Fragen geht mir halt nicht in den Sinn.
      Das läuft doch alles auf blinde „to do" Listen hinaus.
      Irgendwann wird dann generell jedes Bauteil gewechselt.
      Das hat alles nichts mit dem Erhalt „historischer“ Geräte zu tun, ganz im Gegenteil, es ruft zur Zerstörung dieser Geräte auf.

      Jedes original erhaltene Gerät, mit allen Bauteilen, ist mir wertvoller als die blind verbastelten Geräte.
      Die Quelle dieser Geräte ist nun mal Endlich.

      Gruß Ulrich
      uk64 postete
      Jedes original erhaltene Gerät, mit allen Bauteilen, ist mir wertvoller als die blind verbastelten Geräte.



      Hallo Ulrich,

      ich kann hier nur für mich und meine eigenen Ansichten sprechen. Ich sehe diese Frage nicht so dogmatisch. Wenn ich hier eine Reparatur dokumentiere, mache ich das möglichst vollständig mit Bildern und erläuterndem Text. Dabei kann natürlich jeder "zuschauen" und Kritik äußern - so ist das, wenn man nicht im geschlossenen Kämmerchen arbeitet. Dem stelle ich mich auch vorbehaltslos, diskutiere aber auch gerne, wenn sich kontroverse Meinungen herausbilden.
      Wenn ich mir meine eigenen letzten Threads anschaue, gibt es einerseits relativ umfassende Überarbeitungen, bei denen ich oft auch PDF Listen mit den Messwerten oder Bilder der alten Bauteile eingebunden habe. Aus meiner Sicht empfahl sich dann ein tendenziell eher umfassendes Vorgehen.
      Natürlich kannst Du einwenden, dass all diese Geräte jetzt "blind verbastelt" sind, ich nehme mir aber einfach die Freiheit. Hier einige Beispiele:

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=6729

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=6870

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=6559

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=5266

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=5048

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=4504

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=4051

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=5099

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=4022

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=5203

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=4972

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=3664

      Dann gibt es auch Reparaturen, bei denen es völlig ausreicht, akut defekte Teile zu ersetzen, weil die Bewertung der von mir in Post 036 genannten Kriterien das nahelegt. Auch dafür gibt es Beispiele:

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=3951

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=4342

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=3788

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=3129

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=3778

      http://saba.magnetofon.de/showtopic.php?threadid=5325

      Dann gibt es natürlich unzählige Reparaturen, bei denen es beim Ersatz von 1 oder 2 Bauteilen bleibt, bei denen man infolge ihrer Trivialität und mangelnden Bedeutung auf eine Dokumentation verzichtet.

      Bei der Definition von "verbastelt" ist für mich nicht die Tatsache entscheidend, ob oder wie viele Bauteile ersetzt wurden, sondern w i e die Arbeit ausgeführt wurde.
      Aber auch ein Gerät, bei dem Bauteile, die bereits am Ende ihrer Lebensdauer sind und stark von ihren Sollwerten abweichen, oder mit deren baldigem sicheren Ausfall zu rechnen ist, nicht ersetzt wurden, kann m. E. als nicht optimal repariert bezeichnet werden.

      Ich glaube ja, in einem Forum wie hier sollte genug Raum für verschiedene Konzepte sein. Ausnahmen gibt es auch, etwa bei Fragen der elektrischen Sicherheit oder wenn die volle Leistungsfähigkeit einer Schaltung gefährdet ist.
      Achim
      Lieber Reinhard,

      danke fuer Deine Info -- das passt eigentlich zu dem, was ich mir vorher gedacht hatte.
      Die Frage entstand, wie oben geschrieben, also aus den Aussagen eines Bekannten, der
      wesentlich mehr auf den Tisch bekommt als ich und diverse Halbleiter aufschneidet.

      Ich koennte mir noch denken, dass u.U. in unguenstigen Faellen die Vergussmasse
      irgendwelche Reste enthalten koennte, die Korrosion erzeugt, aber ich hake das dann
      mal als "zu selten um relevant zu sein" ab, und verbuche die RC 4559 als normale
      Ausfaelle.

      Besten Gruss, und schoene Feiertage,

      Michael

      p.s.: Zu Achim's Darstellung kann ich nur sagen: Hut ab ! Soviele gut dokumentierte
      Reparaturen, das ist ein echter Beitrag zum Erhalt alter Geraete, und auch zur Vermeidung
      von Elektroschrott ! Einfach klasse !
      Späte Erkenntnis.
      Du Michael hast uns Mitleser keine Chance gelassen mit deiner Vorgabe, das der routinierte Bekannte , sehr oft Oxidation als Fehlerquelle angibt.
      Das Schaltbild mit Angabe welche IC, an welcher Position und welchem Kanal. ausgefallen war. Auch kein Bild mit den Bauteilen von denen Du ja so viel weist.
      Welches E -Teil war original? Welches mit was ersetzt?
      Sonst bist Du doch auch sehr kritisch gegen schlechtes Material,
      Hier schobst Du das einfach beiseite! Weis ?? warum?
      ICs die zwischen einer positiven und einer negativen Spannung betrieben werden, regieren allergisch auf Verschiebungen nach Plus oder Minus.

      Letztendlich bist Du jetzt gescheitert mit deiner Vorgabe.

      Außerdem steht das unter FACHWISSEN, die Kritiker freuen sich.

      Echte Belege, legst Du, wie ein anderer Kollege hier auch, nie oder selten vor.
      Stets deine durchgezogene oder die Meinung eines X oder Y Bekannten
      Meine Frau sag mir auch oft: ich habe mal wo gelesen,. oder ich hab`gehört!

      Bei mir hast Du sehr als „Prüfstein“ oder sichere Quelle, gelitten.

      Ich bin zwar ein entschiedener Gegner davon, wenn immer Belegen und nie den Aussagen von ´fachkundigen oder erfahrenen Personen geglaubt wird. Hier hast Du auf Sand gebaut. Weil nun das Ganze (ELKOS) in seichtes Fahrwasser geriet, ist nicht nur Dir zu zuschreiben:

      EDIT: die Person "ACHIM" herausgenommen.

      Seit Reinhard`s Bericht sehe ich mich jetzt auf dem richtigen Weg. Egal was kommt!
      Nachsatz: ich weis auch, dass Kritiker NIE recht haben".

      Auch von mir FROHE WEIHNACHTEN
      und nix fuer Ungut! Hans
      Lieber Hans,

      nun bin ich etwas platt -- und verstehe nicht so recht, was Du meinst. Meine Frage nach
      der Korrosion war doch eine solche, von einer "Vorgabe" lese ich da nichts. Und meine
      Skepsis hatte ich doch auch gleich zu Beginn genannt. Hmm ...

      Woher die defekten 4559 stammten (aus einem Dual CV 1250) stand da auch, und die
      waren natuerlich noch die originalen, da war noch niemand dran. Ich konnte sie nicht
      selber aufschneiden (oder spalten ?), und wollte mal nach Erfahrungen fragen. Nun ja,
      letztlich weil es mir bisher halt EXTREM selten vorgekommen ist, dass mal ein IC dieses
      Typs defekt war, ich aber auch laenger keine mehr von dem Typ hatte.

      Fehler in der Spannungsversorgung schliesse ich uebrigens aus. Die ist dort mit zwei
      Spannungsreglern (Typ 7815 / 7915) bereitgestellt, und lief und laeuft ohne Mucken.

      Wenn Du das misverstanden haben solltest, so tut mir das leid. Vielleicht war "Fachwissen"
      die falsche Rubrik ? Falls ja, dann tut mir das auch leid, war sicher keine Absicht. Was nun
      die Bemerkung mit den Elkos betrifft, so verstehe ich die gar nicht. Oder wolltest Du
      damit sagen, dass man zu jedem einzelnen Elko die vollen Daten mit Bild beibringen
      soll ? Das kannst Du nicht meinen ...

      Misverstaendnisse entstehen immer, das ich nicht zu vermeiden, und an sich auch kein
      Problem. Man sollte sie dann nach Moeglichkeit klaeren. Sich aber auf keinen Fall die
      Feiertage vermiesen lassen, und das war GANZ SICHER nie meine Absicht !

      In dem Sinne, ein frohes Fest und geruhsame Tage,

      Michael
      Lieber Michael,

      ...Vergussmasse, da schneidest Du tatsächlich einen etwas heikleren Punkt an.

      Die Chip-Vergussmasse besteht aus gefülltem, sog. avanciertem Epoxidharz. Wenn überhaupt, gab es dort ganz zu Beginn der Fertigung von Chips (aber wahrscheinlich nicht mehr zum Zeitpunkt der Fertigung der 92xx Geräte) tatsächlich einen Angriffspunkt.

      Grundstoff für die Herstellung von Epoxidharzen ist Epichlorohydrin, also eine Chlorverbindung. Darüber kann Chlorid in das endgültige Epoxidharz eingeschleppt werden. Der Chloridgehalt wird natürlich kontrolliert. Aber vielleicht war die Erkenntnis zu der Vergussmasse in der Frühzeit der Chipvergussmassen (vor 1980) noch nicht so weit entwickelt.

      Deshalb muss man das wohl auch zeitlich differenziert sehen.

      Gruss,
      Reinhard
      Danke, Reinhard !

      Ich hatte vor einigen Monaten einem Vollverstaerker namens "T-frisch" bei dem
      Phono nicht mehr ging. Oder genauer, ich konnte per "Wackeln" eine Funktion erzielen.
      War vergossen -- also eine bestueckte Platine in eine kleine Aluwanne gesteckt, und dann
      die Loetseite mit einer Epoxidharz-Vergussmasse bedeckt. Hmm, die hatte sich dann so
      richtig "reingefressen", denn an den Seiten war auch Harz auf die andere Seite gekommen,
      und dort in Kontakt mit einigen Bauteilen (vor allem mit roten Roedersteinen).

      Ich habe das recht muehsam mit Abbeizer abgeloest, und konnte das dann sehen: Einige
      Teile waren regelrecht zerfressen, betraf die roten Roedersteine und einige Beinchen von
      Transistoren. Auch einige Leiterbahnen waren weggefressen. Chlorverbindung koennte da
      schon gut sein ... man ist beim Hersteller auch wohl rasch vom Vergiessen abgekommen.
      Hier ist ja sicher keinerlei Kontrolle der Chemie in der Vergussmasse moeglich, und
      es war auch in etwa die Zeit. Ich denke, das ist damals so einigen Firmen mit solchen
      selbstvergossenen Modulen passiert ...

      Mein Bekannter nannte mir neulich speziell die BD 417 / 418 als Beispiele fuer Probleme.
      Das hat mich dann schon gewundert, denn mit denen habe ich in den Receivern noch
      nie Probleme gehabt (und ich habe noch einige NOS davon hier). Allerdings laufen die
      darin auch nicht nahe an der Hitzegrenze, waehrend die genannten Uebeltaetern alle
      aus britischen Geraeten stammten, in denen sie richtig heiss wurden ... das koennte ja
      auch winzige Reste beschleunigt zur Wirkung bringen, die bei "kuehlem" Einsatz kein
      Problem sind. Es handelte sich dabei m.W. ausschliesslich um Motorola Transistoren
      (und andere von dem Typ habe ich selber auch nicht).

      Besten Gruss,

      Michael
      Vergussmasse ist in dem Zusammenhang ein interessantes Stichwort.

      Mir ist bekannt, daß es einige Transistoren im Kunststoffgehäuse gibt, die teilweise mit Kontaktunterbrechung ausfallen oder Knistern und Rauschen zeigen. Davon sind offensichtlich mehrere Hersteller betroffen, Europäer und Japaner. Mir selbst ist es bei japanischen Transistoren aufgefallen, Herstellung um 1980.
      Von dem Effekt hatte ich schon gehört, somit war ich neugierig, als ich potentielle Kandidaten vor mir hatte. Es waren mehrere etwas größere Kleinsignaltransistoren in dem Gehäuse TO92L, alles der selbe Typ auf einer Platine. Gibt es Wackelkontakte in einer Schaltung, denkt man zumeist zuerst an das Nachlöten der Platine. Das Problem verschwand nicht, es veränderte sich. Nachdem alle Transistoren ersetzt waren, war das Problem in der Schaltung behoben.
      Die ausgebauten Transistoren habe ich dann näher untersucht, an den Komponententester gehängt. Die Transistoren reagierten auf Temperaturveränderungen wie Warmluft oder Kältespray. Das zeigte ich einem Bekannten, Dr. der Chemie.
      Er war etwas vorsichtig mit der Erklärung, da es viele Kunststoffe mit unterschiedlichem Verhalten gibt. Er meinte, es ist durchaus denkbar, daß der Kunststoff im Laufe der Jahre gearbeitet hat, also Größe verändert. Somit ist es möglich, daß dadurch die Kontaktierungen mechanisch angegriffen wurden. Wärme und Kälte reichen dann, um die genannten Kontaktprobleme kurzfristig sichtbar zu machen.
      Gleiches Phänomen kann ich mir auch bei ICs vorstellen.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Hi Andreas,

      danke fuer die Info -- ich erinnere mich, dass ich das bei Kleinsignaltransistoren vor
      laengerer Zeit auch einmal hatte. Dort war dann das Gehaeuse aber auch schon fast etwas
      "broeselig", es zerfiel unter relativ wenig Druck. War aber bei mir ein Einzelfall. An den
      ICs konnte ich keine mechanische Spannung oder Schwaeche feststellen, habe mal mit
      der Zange gedrueckt.

      Der Hinweis auf mechanische Aspekte ist aber sicher relevant, denke ich. Vor allem bei
      vielen Warm-Kalt-Zyklen.

      Besten Gruss,

      Michael
      Hallo Michael, Andreas,

      in der Tat gibt es erhebliche mechanische Spannungen bei warm-kalt Zyklen zwischen Vergussmasse und dem Siliziumchip. Das liegt an dem grossen Unterschied der thermischen Ausdehnungskoeffizienten. Transistoren und andere relativ "grobe" Schaltungen halten das aber gut aus. Kritisch wird es aber bei hochintegrierten Schaltungen, von denen die Speicherbausteine immer die höchste Integrationsdichte haben und dazu auch noch grosse Chipoberfläche. Deshalb wird dort zwischen Vergussmasse und Chipoberfläche (die meist aus Siliziumnitrid oder Silizium-Oxid besteht) eine sogenannte "Pufferschicht" aus einer fest haftenden flexiblen Polyimidschicht eingefügt. Dieser Werkstoff ist sehr widerstandsfähig und gleicht die Spannungen aufgrund der Temperaturschwankungen aus. Das ist kein billiger Prozess, deshalb wird er nur bei den teuersten Bauteilen angewandt oder bei denen, wo Zuverlässigkeit oberstes Gebot ist.

      Gruss,
      Reinhard
      Liebe Freunde,

      nun ist doch (wie ich gehofft hatte) einiges Interessante zusammengekommen, so dass ich
      noch einmal zusammenfassen moechte.

      Ausgangspunkt waren einige unerklaerte Ausfaelle von ICs (Typ RC 4559) in einem Dual
      CV 1250, Baujahr ca. 1980 und offensichtlich aus japanischer oder taiwanesischer Produktion
      was die Platinen betrifft. Die Chips sassen im Phono und im Hochpegelzweig, andere Defekte
      waren und sind nicht vorhanden. Dies (und eine Behauptung eines Bekannten) hatte mich zu
      der Frage veranlasst, ob es Chip-Korrosion gibt.

      (1) Zunaechst wurde auf die Whisker-Problematik bei Germanium hingewiesen (Frank, Post 1),
      die aber wohl auch eher selten relevant wird, und bei Silizium m.W. nicht auftritt.

      (2) Danach wurde angemerkt (Rolf, Post 9), dass in der fruehen Zeit die ICs noch sehr
      empfindlich waren, und dass die vielen Ausfaelle fuer einige Entwickler durchaus Grund
      genug waren, diskrete Schaltungen weiterhin zu bevorzugen.

      Dann gab's eine Abschweifung ... ;)
      Zurueck zum Thema:

      (3) Reinhard (Post 39) erlaeuterte einige chemische Aspekte, und wies darauf hin, dass
      Fehler aus dieser Ecke wohl eher selten sind, und allenfalls sehr frueh mal vorgekommen
      sein sollten -- die Problematik ist offenbar frueh genug erkannt worden.

      (4) Aehnliches gilt fuer die Vergussmasse (Reinhard, Post 45), bei der jedoch u.U. auch
      mechanische Aspekte zu bedenken sind (Andreas, Post 47). Speziell viele grosse
      Warm-Kalt-Zyklen koennen Probleme bereiten, wobei dies bei teuren ICs durch flexible
      Pufferschichten (Reinhard, Post 49) abgefangen wird.

      Mein (vorlaeufiges) Fazit:
      Bei den RC 4559 koennte es sich schlicht um Altersschwaeche bei ICs aus einer Produktion
      mit ungewisser (Langzeit-)Qualitaet handeln, chemische oder mechanisch bedingte Probleme
      sind eher auszuschliessen.
      Bei Einzelhalbleitern _kann_ ein Problem existieren, wenn sie thermisch stark gefordert sind,
      wobei dann die mechanischen Aspekte vermultich dominieren.

      Sicher so nichts Neues fuer die Experten und alten Hasen -- ich fand's aber dennoch
      interessant.

      Besten Gruss, und schoene Feiertage,

      Michael
      Hallo die Runde,

      schön, dass es jetzt wieder um das ursprüngliche Thema geht.
      Mir fällt noch ein Beispiel ein:
      Vor ca. 6 Jahren hatte eine Reihe von Notebookherstellern mit dem sog. "Nvidia Bug" zu kämpfen. Ein Grafikchip für mobile Anwendungen fiel nach wenigen Jahren in unzähligen Geräten aus. Zunächst, und das ist typisch, wurde das Problem von Seiten der Hersteller geleugnet, betroffene Kunden, deren Geräte schon außerhalb der Garantie waren, abgewiesen. Dann gab es immer mehr Fälle, es wurde nachgeforscht, die nach außen dringenden Informationen blieben spärlich.
      Relativ unstrittig war am Ende, dass der Chip, in BGA Typ, im Betrieb - wie jeder Grafikchip - häufigen, starken und schnellen Termperaturschwankungen ausgesetzt ist. Als Ursache für die Ausfälle kam entweder ein Aufreißen der Kontakte der Lötverbindungen der Chips durch mechanische Belastung beim Ausdehnen / Schrumpfen in Frage oder Schäden innerhalb des Chips durch Produktions- oder Designfehler. Eindeutig wurde die Frage offiziell nie beantwortet, in manchen Fällen ließ sich durch ein "Reballing", also Neuverlöten mit frischen Lotkügelchen der Fehler beheben, häufig auch nicht. Am Ende wurde die Gewährleistung in den USA durch die Hersteller großzügiger gehandhabt.

      Man sieht das Problem. Wenn es derartige Ausfälle gibt, haben wohl die F & E Abteilungen oder Serviceabteilungen der Hersteller die besten Informationen. Sie haben jedoch oft aus den bekannten Gründen (Rechtsfolgen) wenig Anlass, diese zu veröffentlichen. Meist wird so lange wie möglich geleugnet, auch wenn man den Grund längst kennt.
      Achim
      Hallo Zusamem.
      ich sehe Mich hier mittlerweile in eine unsägliche Ecke gedrängt.
      (Auch in anderen Bereichen des Forums, erst mal alles Anzweifeln)
      Obwohl es es Nichts mit meinem Verständnis historischer Techniken zu tun hat,
      macht was ihr wollt, arbeitet Eure „to do Listen“ ab.
      Es ist Mir mittlerweile schlicht egal.

      Mit immer noch durchaus ehrlich und freundlichem gemeintem Gruß

      Frohe Feiertage

      Ulrich
      Hallo zusammen,

      auch im Zeitalter von Google usw. bewahre und erweitere ich ständig meine persönliche "Fachbibliothek" und bin dort zum Thema fündig geworden.

      Zitat aus: Transistor- und Schaltkreis-Technik von H.-J. Fischer/ W.E.Schlegel, Militärverlag der DDR 4. Auflage 1988 Seite 319

      "Eine Analyse der Ausfallursachen an integrierten Schaltungen über längere Zeit ergab folgende Fehleraufteilung, die man als charakteristisch für elektronische Baugruppen generell ansehen kann:
      Spannungsüberlastung (Durchschlag von Isolierschichten) 38%
      Stromüberlastung 10%
      Fehler der Metallisierung 19%
      schlechtes Bonden 13%
      Oxidfehler, andere Fehler, Ausfall nicht zuzuordnen je 5%
      schlechte Kristall-Träger-Verbindung 3%
      Kristallfehler im Chip 2%"


      Ob diese Statistik auch für Westbauteile vergleichbar ist, vermag man natürlich nicht zu beurteilen, zumindest ist es aber ein Indiz dass es "Korrosion bei Chips" durchaus geben mag.

      Gruß aus Berlin
      Arne
      Hi Arne,

      danke -- das ist auch interessant !! Sicher ist falsche Behandlung beim Einbau auch
      ein Faktor. Schwer zu bewerten ...

      Es kann uebrigens auch durchaus sein, dass ICs aus DDR-Produktion hier und da etwas
      empfindlicher waren / sind. Es gab z.B. von Siemens einen Schwellwertschalter, Modell
      TCA 345 A. Den hat man (mit vertauschter Pinbelegung) im Osten nachgebaut, dort hiess
      der dann A 302. Und der war nach meinen Versuchen nicht nur nach Datenblatt bzgl. der
      Spannungen empfindlicher, sondern auch in der Praxis. Was natuerlich nichts heissen muss,
      denn es ist ja letztlich eine unabhaengige Fertigung.

      Besten Gruss,

      Michael
      Hallo Michael,

      kugel-balu postete
      Sicher ist falsche Behandlung beim Einbau auch
      ein Faktor.


      absolut klar, ich meine mal gelesen zu haben, das insbesondere CMOS-IC durch statische Aufladung sogar erst später (!) tortz anfangs scheinbar einwandfreier Funktion kaputt gehen können - (wie spät gehen die kaputt???). Insofern denke ich, dass eine simple Transistoransammlung wie ein CA3028 wohl eher nie, ein CMOS-IC dagegen wohl eher früher oder später ins Gras beisst.

      kugel-balu postete
      Es kann uebrigens auch durchaus sein, dass ICs aus DDR-Produktion hier und da etwas
      empfindlicher waren / sind.


      Man hatte gewisse Probleme mit der Halbleiterfertigung, hauptsächlich war man aber einfach ein paar Jahre zurück und fertigte überwiegend Klone von ICs die im "Westen" (bzw. Fernost) ca. 5 Jahre davor aktuell waren.
      Qualitätssicherung hat man allerdings auch in der Mangelwiurtschaft betrieben, so gab es die sogenannten "Bastlertypen" populärer ICs die festgelegte Prüfkriterien nicht erfüllten aber dennoch funktionsfähig waren.

      Etwas OT: Heutzutage sammle ich die Halbleiter der DDR geradezu, sind dies doch oft die einzigen Teile die garantiert nicht in China gefälscht werden ;)

      Viele Grüße
      Arne
      ...hallo allerseits,
      ein interessanter Thread auch hier mal wieder - leider komme ich aus verschiedenen Gründen nicht dazu, mich regelmässig im Forum umzuschauen :(
      Trotzdem ein, zwei Anmerkungen:
      "...Oxidfehler, andere Fehler, Ausfall nicht zuzuordnen je 5%..." aus Fischer/Schlegel muß nicht heißen, daß da etwas oxidiert (korrodiert) ist.
      Ich vermute eher, daß hier Fehler des funktionalen Oxids in Silizium-BE gemeint sind, insbesondere der Gate-Isolation bei MOS-BE.
      Aber dazu müsste man den Kontext kennen und ich habe das Buch leider nicht.

      Zu den von Jogi bezweifelten Elkoausfällen möchte ich immerhin meine persönliche Erfahrung beisteuern - ich vermute, daß sie nicht völlig unrepräsentativ ist:
      Ein HP Marken-PC (unmodifiziert) im wild zusammengestückelten Umfeld eines kleineren Büros fällt auf wegen Problemen beim Booten.
      Geht mal - geht mal nicht - so die Fehlerbeschreibung.

      OK - ein Backup war möglich, das Gerät durch ein neues ersetzt, Daten wieder eingespielt und das Leben geht weiter...

      Weil ich grundsätzlich neugierig bin, hab ich mir die Kiste dann näher angeschaut.
      Alle (? - nicht geprüft...) Elkos im Netzteilbereich waren oben dick, zwei drei gepatzt.
      Damals war gerade die Elkoproblematik in aller Munde - also hab ich mir den Spass gemacht und die Teile gewechselt.
      Ergebnis: Tadelloser Start, auch bei mehrmaliger Wiederholung.
      Danach hab ich die Kiste entsorgt - war ja alt und wurde nicht mehr gebraucht.
      Was will ich damit sagen?
      Allein das Ausbleiben von Reklamationen muß nicht heissen, daß es keine Probleme gibt.
      Auch hier ist es eine Frage der Abwägung, ob man den Weg der Garantie beschreitet und solange auf sein Arbeitsmittel verzichtet - oder ob man ein altes Gerät einfach ersetzt (womöglich war es ja eh soweit).
      Das gilt nach meiner Erfahrung auch und besonders für den Konsumer-Bereich - hier wartet man ja heutzutage regelrecht darauf, einen Grund zu finden, um dem neusten Trend folgen zu können.
      Ein Ausfall ist da oft eine gute Begründung...
      Das nur als meinen bescheidenen Beitrag zu einer gewissen relativierung dessen, was Jogi schrieb und was ich damit keinesfalls in Frage stellen möchte.
      LG

      HolgerHa
      Hi Arne,

      danke -- auch interessant ! Und sicher richtig, mit dem "Nicht-Faelschen" von DDR-ICs.
      Jedenfalls so lange, wie die nicht zu Sammlerstuecken werden. Dann wuerde auch das
      losgehen ...

      Holger: Auch interessant. Das meinte ich oben ja, als ich schrieb, dass nicht jeder Fehler
      reklamiert wird. Habe mir inzwischen auch die letzten der bei uns ausgefallenen PCs
      angesehen (alles Consumer-Geraete, alles andere waere viel zu teuer). Fazit: Bei denen
      sind in den Netzteilen schon mehrere Elkos mit dicken Baeckchen zu sehen ... sieht also
      eigentlich so aus wie erwartet. Aber das ist die Schaltnetzteilproblematik.

      Bin gerade an einem Dual KA 50 dran, aus 1. Hand. War jetzt stumm ... und Sicherung
      geflogen. Zum Glueck war in der BDA ein Schaltplan abgedruckt, so dass die Fehlersuche
      recht rasch ging. Die Empfaengerplatinen sind durchweg mit japanischen Elkos bestueckt
      (wurden die evtl. zugekauft ?), die NF-Platinen mit Elkos von Frako (die waren alle axial
      und noch in Ordnung) oder ITT (die waren alle angeschlagen, zwei hatten keine Kapazitaet
      mehr, einer war ausgelaufen, und die mit 10 uF hatten noch 6 uF bei ESR von ca. 200
      Ohm ...). Zudem war der Hauptelko im Netzteil (5000 uF) tot. Also alle ITT Elkos mal
      ersetzt, und den Hauptelko, dann Probelauf und Abgleich -- alles wieder im Lot.

      Dann zeigte sich aber noch, dass Phono nur auf einem Kanal lief -- Fehler hier war ein
      tauber und ein toter BC 173 C. Ersatz durch BC 549 C im Eingang, und alles laeuft, und
      das sogar etwas rauschaermer als vorher. Woran die Transistoren nun gestorben sind ?
      Keine Ahnung ... aber recht alt sind sie schon ...

      Besten Gruss,

      Michael