Defektes SABA HiFi-TG 674 STEREO zu retten?

      Defektes SABA HiFi-TG 674 STEREO zu retten?

      Liebe SABA Freunde,

      nachdem ich überwiegend als Leser im Forum unterwegs bin, möchte ich mich heute mal mit einem Tonbandproblem an Euch wenden.

      Vor einigen Tagen bekam ich das SABA HiFi-TG 674 STEREO auf den Basteltisch. Der vorherige Besitzer wollte (nach langer Standzeit) damit alte Tonbänder auf den PC überspielen. Nachdem sich die Spulen nur langsam gedreht hatten und dann kleine Rauchwölkchen aufgestiegen sind, hat er ausgeschaltet und das Gerät mir übergeben.

      Eine Sichtkontrolle brachte keine Erkenntnisse. Bei mir ergab sich das gleiche Fehlerbild, nur dass sich auf einmal die normale Bandgeschwindigkeit einstellte, allerdings ohne Ton und nach kurzer Zeit mit einer starken Erwärmung des Motorpaketes. Ich schätze mal ca. 60 Grad und dann kamen auch wieder die kleinen Rauchwölkchen und ein unangenehmer Geruch.
      Daraufhin habe ich die beiden Leitungen zum Brückengleichrichter getrennt, so dass nur noch der Motor an der Spannungsversorgung hing - keine Änderung! Die Stromaufnahme liegt bei ca. 0,8 A. Die Stromaufnahme ändert sich auch nicht in der Mittelstellung des Geschwindigkeitsschalters, wenn der Motor also im Leerlauf ist. Nachdem das Gerät immer nur ca. 1 Minute eingeschaltet ist, fliegt auch die Netzsicherung nicht raus (T 0,315A).

      Nun meine Frage: Ist der Motor wirklich defekt und damit das Gerät unbrauchbar?

      Ich würde mich freuen, wenn sich ein TB-Spezialist findet, der mir weiter hilft.

      Viele Grüße aus Heidenheim
      Herbert
      Hallo Herbert,

      hast Du mal versucht, ob der Rotor sich frei und leicht dreht? Wenn die lager richtig heftig verharzt sind, und der Motor schwergängig ist, kann es schon mal zur Überhitzung kommen.

      Wenn der Motor mechanisch leicht läuft, und trotzdem zu warm wird, (bei 0,8 A kein Wunder) dann solltest du mal die Spulen durchmessen, auch die "Trafowicklungen" für die Niederspannung. Ich habe hier leide gerade keine Bandmaschine, an der ich nachmessen könnte was normal sein sollte.
      Eventuell am Wochenende in meiner Wohnung in Bayern, da hab ich ein paar stehen.
      Gruß, Gunnar
      Hallo Gunnar,

      danke für Deine schnelle Antwort.

      Der Motor dreht sich leicht. Ich habe den 4-kt Riemen abgenommen und von Hand das Rad gedreht. Nach dem Anstoß des Rades läuft es ca. 0,5 bis 1 Umdrehung nach. Geräusche gibt es auch keine.

      P1030856-web Kopie.jpg

      Die Motorwicklungen haben folgende Werte: Obere Wicklung im Bild = 27,7 Ohm, untere Wicklung im Bild = 27,5 Ohm.

      Die Niederspannungswicklungen wurden wie folgt gemessen: Widerstand zwischen Anschluss 1 und 2 (gehen zum Brückengleichrichter) = 1,4 Ohm. Das kommt mir etwas zu wenig vor. Auffällig ist, dass das (innere) Wicklungspaket eine deutlich dunklere Farbe hat (siehe Ziffer 3 im Bild) und kleine dunkle Ausblühungen. Diese Wicklungen sind wohl sehr heiß geworden und haben den Geruch und die "Wölkchen" verursacht. Wenn dabei die Isolierung verschmort ist, dann gibt das wohl Kurzschluss-Windungen?

      Hilft Dir das weiter?

      Viele Grüße

      Herbert
      Moin zusammen.

      Die Wicklung sieht aus wie aus dunklerem Lackdraht, solchen in dieser Farbe habe ich auch im Bestand, das allein wäre kein Indiz für einen Wicklungsschluß.
      Die Temperatur solcher Motoren kann auch enorm werden, wenn man sie nur allein mit den Fingern fühlt. Ab ca. 40°C sind die Finger dazu unbrauchbar, signalisieren dauerhaft zu heiß.
      Nur eine Temperaturmessung brächte da Aufschluß, ist aber eigentlich nicht erforderlich da ein leicht laufender Motor und die angegebenen Wicklungswiderstände der Sekundärwicklungen nicht aus dem Normalbereich herausragen.
      Das hat nicht immer viel zu sagen solange man statisch mißt, aber es ist ein Indiz das es noch keine massiven Dauerkurzschlüsse geben kann.

      Was den Motor am normalen Lauf hindert kann vielfältig sein, nicht selten verhärten nach Jahrzehnten Gummilagerungsbuchsen usw. so daß die Achslager nicht mehr fluchten, dann heißt es zerlegen, Muffen austauschen, exakt! wieder zusammen montieren, dabei so justieren das der Motor komplett frei dreht, nicht leicht, nicht mittelleicht, sondern frei und ohne gleich nach dem loslassen wieder stehenzubleiben. Der ist erst dann richtig frei und gut geschmiert, wenn erwiderstandslos frei nachläuft sobald die Antriebskraft wegfällt. Ein gut frei drehender Motor hat ein wenig Axiallagerspiel ohne Widerstände, Geruckel oder Hemmung und dreht sich alleine noch eine Weile weiter wenn man ihn nur etwas antreibt.

      Sollte der Trafo-Teil überlastet worden sein, sollte er gar schmoren, dann gibt es Bodennebel, da wird nicht bloß ein bisschen über handheiß produziert, da qualmt und stinkt es das alle Rauchmelder anspringen (Gesundheitsgefahr beim direkten Einatmen). Die Wicklungen platzen förmlich heraus und gehen auf wie Hefeteig, so einen Zauber bemerkt man sofort und wird nicht mit der Lupe nach ein bisschen andersfarbigem Draht suchen müssen.
      Außerdem kann der Trafoteil dann keine ausreichende Ausgangsspannung mehr liefern, alle Sekundärfunktionen werden komplett ausfallen oder zumindest grob eingeschränkt sein. Also auf jeden Fall die Ausgangsspannungen kontrollieren. Natürlich bei starker Rauchentwicklung sofort damit aufhören. Am Labornetzteil könnte man die Elektronik auch ohne Gefahr für den Motor ausmessen, Strombegrenzung einschalten nicht vergessen. Genauso kann man den Motor ohne die Elektronik lastfrei laufen lassen, gegen alle theoretisch an die Wand malbaren Widrigkeiten könnte man als Grundlast die Beleuchtung dran lassen, die ist auch sekundär angeschlossen, sie müßten eigentlich auch schon bisher bei Funktionsstörungen signalisiert haben, durch Flackern, durch dunkel werden usw.

      Ich hoffe auch das niemand im Vorfeld an den Wicklungen herumgelötet hat, bspw. den Wicklungssinn vertauscht hat, das würde dann viele Fehler, auch mangelhaften Lauf erklären.
      Gruß Jogi
      -------------
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      [frei nach W. Reus]
      Hallo Herbert,

      ich empfehle zunächst die Verbindung zum Gleichrichter beidseitig aufzutrennen - wie in dem anhängenden SB-Auszug markiert.
      Wenn du dann den Motor laufen lässt und er sich nicht mehr erwärmt, liegt ein Fehler (Kurzschluss) in der Gleichspannungsversorgung vor.
      Falls also bei abgetrennten GLR der Motor normal, mit normaler Stromaufnahme läuft, ist dieser nicht defekt. Dann können wir nach dem
      Fehler im Netzteil suchen.

      Bei diesem Gerät wird der Motor gleichzeitig als Netztransformator genutzt.
      Dateien
      • Saba.TG674.JPG

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      Freundliche Grüsse, sagnix
      Hallo in die Runde!

      Vielen Dank für die vielen Hinweise. Ich habe mal wieder gemessen um etwas Licht in die Sache zu bringen:



      • Die Verbindung zum Gleichrichter habe ich aufgetrennt und auch gleich mal die Spannung gemessen - es sind 14 V ~
      • Nach 1 Minute Laufzeit habe ich heute die Wicklungstemperatur der Niederspannung gemessen (unteres Paket im Bild) - es sind 68 Grad! Nach längerer Laufzeit gibt es "Wölkchen" und einen sehr unangenehmen Gestank!
      • Dann habe ich noch ein Foto von der Wicklung gemacht, die mir verdächtig vorkommt - siehe Bild. Die andere Wicklung ist übrigens unbeschädigt und der Draht hat die gleiche Farbe wie die Motorwicklung darüber.
      • Der Motor ist nach meiner Einschätzung leichtgängig genug für ein Gleitlager. Die beiden Motorwicklungen werden nicht warm und sind nicht beschädigt.
      • Das Gerät ist nach meiner Einschätzung unverbastelt zu mir gekommen.

      Wenn der Niederspannungsteil überlastet wurde, warum ist dann nur eine Wicklung angeschmort und warum hat keine Sicherung ausgelöst?

      Bei mir verdichtet sich immer mehr die Einsicht, dass der Motor hinüber ist.

      Viele Grüße aus Heidenheim

      Herbert
      Dateien
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      Die Wicklung sieht wirklich nicht gut aus. Häufig hat man da einen Schluß am Ende, z.B. wo der Draht zum Löptstützpunkt geht. Wenn Jahrelang durch Vibrationen der Lack durchscheuert, und der Draht ungünstig liegt, kann es dazu kommen. Entferne doch auch mal die Masseverbindung. Dann dürfte keine übermäßige Erwärmung mehr auftreten, wenn die Spulen mit beiden Enden in der Luft hängen. Ich gehe aber mal davon aus, daß die Wicklung hin ist.

      Bau erstmal den Motor aus, dann sieht man besser.

      Ich könnte mal gucken, ob ich in einem Schlachtchassis noch einen Motor habe. Zumindest eine 564er sollte ich noch irgendwo haben.
      Gruß, Gunnar
      Hallo Gunnar,

      ich habe die Masseverbindung mal getrennt, jedoch ist die Erwärmung die gleiche und nach 2-3 Minuten kommt wieder der Gestank. Die Stromaufnahme ist jetzt 0,6 A. Der Motor ist definitiv kaputt.

      Die Bemerkung von Jogi, ob wohl schon mal jemand dran rumgebastelt hat, hat mir keine Ruhe gelassen. Ich habe noch mal die Sicherung rausgenommen und siehe da, statt T 315 mA ist eine M800/250C drin. Also hat wohl schon mal jemand versucht die höhere Stromaufnahme in den "Griff" zu kriegen. Sowas kriegt man aber nicht gesagt!

      An den Ausbau des Motors traue ich mich nicht so recht ran - hab' ich noch nie gemacht.

      Viele Grüße

      Herbert
      Na das ist ja mal wieder ein Meisterstück.
      Wenn es qualmt haut man einen Nagel durch die Sicherung und schon ist der warme Abriß des Hauses gewährleistet.
      Oder man versteckt den Frevel gut hinter einer unpassend hohen Absicherung.

      Ja das dürfte dem Motor den Rest gegeben haben, da helfen keine anderen Maßnahmen mehr, nur noch Tausch, also Schlachtmaschine besorgen und 1:1 tauschen.
      Mach vorher aussagekräftige Digifotos von den Wicklungsanschlüssen BEIDER Geräte. Nicht das es Ungereimtheiten gibt sobald alle Drähte abgelötet sind.
      Ersatz sollte die gesamte Serie sowie sicher auch die Vorgängerserie bringen, jedenfalls sind mir da keine großen Unterschiede aufgefallen.
      Diese Apparate kriegt man förmlich hinterher geworfen, besonders dann wenn sie eh defekt sind (Schlachtobjekt). Diese Entwertung kommt den Geräten zwar überhaupt nicht gerecht, aber beim Kauf - so man überhaupt etwas bezahlen soll - freut man sich drüber.
      Achte dann drauf, eh der nächste Motor hops geht, das er nicht nur frei läuft, sondern auch das die Elektronik nicht die Sekundärwicklungen brät, bspw. dadurch das der Brückengleichrichter auf einer Diode vollen Durchgang hat oder ein Siebelko 0-Ohm-Widerstand spielt. Auch die Beleuchtung kann in blöden Fehlerfällen einen Kurzschluß verursachen, besonders wenn ohne Rücksicht gebastelt wurde und Lampenanschlüsse irgendwo unerwünscht ans Blech kommen.
      Gruß Jogi
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      [frei nach W. Reus]
      Hallo zusammen,

      nachdem nun feststeht, dass der Motor defekt ist (also die Niederspannungsseite verschmort ist), habe ich mal das Netzteil auf der Platine untersucht und bin fündig geworden: Der Elko mit 2.200 uF hat einen satten Kurzschluss. Daher also die Überlast der Sekundärwicklung.

      Bevor ich im Internet nach einem geeigneten Ersatzmotor suche, möchte ich fragen, ob eventuell hier im Forum jemand einen Ersatzmotor hat und ihn mir verkaufen würde. Außerdem würde mich interessieren, ob schon mal jemand diesen Motorwechsel gemacht hat und worauf ich achten muss, z.B. Justierung der Lage etc.

      Viele Grüße aus Heidenheim

      Herbert
      Hallo Herbert,

      wie schon etwas weiter oben geschrieben, kann es gut sein, daß ich noch einen Motor habe. Ich habe in meiner Wohnung in Bayern noch einige Maschinen stehen, auch ein paar Schlachtchassis, mit Motoren. Und da ist es recht egal, ob es eine 674 oder 564 ist, die Motoren waren m.W. bis auf ganz weinge Ausnahmen gleich.
      Den kannst dann gern haben.

      Ich komme aber erst an einem der nächsten beiden Wochenenden wieder dahin. Wenn Du es nicht eilig hast, kann ich dann mal suchen gehn.

      Und beim Tausch ist nicht viel zu beachten. Justiert muß an der Stelle nichts werden. Nur würde ich dann auf jeden Fall sehr vorsichtig mit der Niederspannungsseite sein, der Elko (und am Besten der Gleichrichter gleich mit) gehört getauscht!
      Gruß, Gunnar
      Hallo zusammen,

      das Netzteil ist jetzt repariert. Der große Elko mit 2.200 uF/40 V (mit dem satten Kurzschluss) wurde getauscht und sicherheitshalber der Brückengleichrichter auch. Die Anschlussfolge entspricht ja leider nicht den aktuellen gängigen Brückengleichrichtern, so dass ich Anschlüsse kreuzen musste, aber mit etwas Geduld hat es funktioniert.

      Die Elkos ist der Stereo-Endstufe mit 1.000 uF waren in Ordnung. Das hatte ich früher bei anderen Verstärkern auch schon Probleme. Auch der Elko mit 470 uF vom Gleichrichter zur Masse wurde überprüft und ist in Ordnung.

      Ich muss zugeben, dass mir diese Netzteilschaltung etwas sonderbar vorkommt. Trafo mit Mittelanzapfung und Brückengleichrichter?

      Jetzt ist also der Motor dran. Hoffentlich war es dann alles und ich kann mal Tonbänder abspielen.

      Herzliche Adventsgrüße aus Heidenheim!

      Herbert

      Tapeworm664 schrieb:

      Hallo Herbert,

      Bin eben in Bayern angekommen, und es hat mir keine Ruhe gelassen. Zwei Chassis mit Motor hab ich noch, müsste eine 664 und eine 564 sein.
      Ich muß morgen oder übermorgen noch testen, dann kannst gern einen Motor haben.

      Ich melde mich.

      Weißt du zufällig, ob SABA in 524/44 und 564 identische Andruckrollen verbaut hat? Wenn ja und deine noch in Ordnung sein soltlen, wäre ich unendlich dankbar für eine dieser Rollen!
      Hallo Herbert und Ragnar,

      Ich habe die Geräte begutachtet, und habe aus einer 664 den Motor und den Träger mit der Andruckrolle ausgebaut.

      Zuerst für Herbert:
      Ich habe hier einen gut laufenden Motor, und ich gehe davon aus, daß dieser Pabst in allen vergleichbaren Maschinen eingebaut war. Guck mal auf das erste Bild und vergleiche.
      Der Autausch ist ziemlich einfach, Du musst auf der Oberseite den Pulley abschrauben, Zusätzlich natürlich den Andruckbügel, der die Motorachse unten hält. Pass auf, daß Du die kleine Kunststoff-Lagerschale nicht verlierst. Dann gehts von hinten ran. Der Motor-Haltebügel mit den drei Schrauben wird gelöst, abgenommen und nach Lösen der Kabelverbindungen der Motor entnommen.
      Dann neuen Motro rein, Kabel richtig wieder anlöten und von oben den Pulley wieder aufsetzen. Dabei auf die Höhe achten, der Riemen soll nachher wieder richtig fluchten! Mach Dir vielleicht wegen der Höhenlage vorher ein Foto, mit abgenommenem Haltebügel, aber vor Lösen der Schrauben am Pulley. Wenn dann die kleine Lagerschale und der Federbügel oben wieder aufegestzt sind, sollte es wieder funktionieren.

      Wenn Du den Motor haben möchtest, meld Dich einfach per PN dann machen wir alles ab. Ich kann Dir auch den Federbügel oben, einen Pulley und den Guß-Haltebügel unten mitgeben, wenn Du magst.

      Nun zu Ragnar, ich antworte Dir in Deinem eigenen Thread.
      Dateien
      • Motor664.jpg

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      Gruß, Gunnar