Netzteil-Elkos ersetzen oder nicht?

      Netzteil-Elkos ersetzen oder nicht?

      Hallo,

      ich habe hier eine Grundig A5000-Endstufe auf dem Tisch liegen, welche ich gerade überhole.
      Im Netzteil sind die berühmten Roederstein 10000µ/50V verbaut, die Überdruckverschlüsse sind alle noch geschlossen, die Elkos sehen aus wie neu und haben alle 4 noch 10000µF Kapazität. Den ESR kann ich leider nicht auf die Schnelle ermitteln. Das Herstellungsdatum ist 3/80, lag also vor ziemlich genau 38Jahren.
      Meine Frage an die Experten, die Roederstein drin lassen oder durch Snap-In Elkos ersetzen? Die neuen Elkos hätte ich da, allerdings muss dafür die Platine neu gebohrt werden.
      Es geh mir nicht darum den Original 100%ig zu erhalten, was eh nicht geht, viel wichtiger ist mir Zuverlässigkeit für die nächsten Jahre.



      Gruß Andreas
      Nicht tauschen!

      Zugegebermaßen ist das bei Roederstein immer so eine Sache.
      Die konnten wirklich gute Elkos bauen.
      Die konnten aber auch Elkos bauen, die sich nach der angegebenen Lebensdauer in Schrott verwandeln.
      Für mich verdächtig sind die im goldenen Kleid, neigen zu Kurzschluss.
      Die im silbernen Kleid wie hier sind eher unverdächtig.
      Das mit dem ESR ist hier eher unwichtig, jedoch selten vernachlässigbar in Schaltnetzteilen.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Hallo Andreas,

      danke für deine Ausführungen. Ich werde die Elkos wohl drin lassen und hoffen dass sie irgendwann mal dahin gehen und nicht hoch gehen. Durch das Überdruckventil sollte eine Explosion im Geräteinneren eigentlich vermieden werden.
      Die anderen Elkos sowie fast alle Tantals sind gewechselt, da kann man geteilter Meinung sein ob das nötig ist, wenn ich aber ein Gerät komplett zerlege und reinige dann wechsle ich auch die 38 Jahre alten Elkos mit. Ich bin mir bewusst dass man damit in die Ecke der dummen Elkowechsler gestellt wird, sei's drum, damit kann ich leben. So weit es geht werden die kleinen Größen natürlich durch WIMA MKT ersetzt.
      Viele Grüße,

      Andreas
      Hallo ihr Andreasse,
      ich sage auch: nicht tauschen. Je größer der Elko (hinsichtl. Kapazität und Abmessungen), desto zuverlässiger ist er. Das gilt auch für Roedersteine.
      Und WENN sie irgendwann mal altersschwach werden, leiden sie eher an Kapazitätsverlust, sehr hohem ESR oder, selten, Kurzschluss. Ein Explodieren aus Altersgründen ist extrem unwahrscheinlich und mir in über 30 Jahren UE-Praxis noch NIE untergekommen, mit Ausnahme einiger Fälle in fast neuen Geräten = fehlerhafte Produktion. Explosionen ereignen sich praktisch nur bei Verpolung bzw. Auftreten von Wechselspannung und wenn die Stromquelle potent genug ist (was bei einer Endstufe natürlich gegeben ist). Deshalb das Sicherheitsventil.

      Das Tauschen von Kleinelkos ist dagegen in vielen (nicht allen) Fällen sinnvoll - auch wenn's jetzt Kloppe von Jogi gibt.

      Gruß
      Stefan
      Diese gezeigten Roederstein explodieren wirklich nicht, garantiert! Sie blasen aber leicht ihren schwarzen Stopfen raus bei Überdruck. Leider ist das nicht so selten. So ca. 20 Stück mit geblasenem Stopfen habe ich über die Jahre bestimmt schon in A 5000 und V5000 und R 2000, R 3000 und V 2000 ersetzt. Wenn das passiert, verbreiten sie augenblicklich einen penetranten fischigen Geruch (Dimethylformamid im Elektrolyt?), den man nicht aushält. Man merkt das also sofort.

      Wenn die Elkos aus einem gepflegten und immer wieder benutzen Gerät stammen, das nicht bei Frost oder Dachboden-Sommerhitze oder bei 29°C Heizungskeller-Bedingungen 15 Jahre bei Nichtbenutzung gefoltert wurde (was bei vielen augenscheinlich stattfand) habe ich Vertrauen in weitere 10-15 Jahre Lebensdauer. Willst Du mehr Sicherheit, müsstest Du moderne Typen einbauen. Die gibt es aber mit 10.000 µF/50V (oder 63V) und 5-Pol-PCB-Pinanschluss in der passenden Bauhöhe nicht mehr, hast Du sicher auch bereits herausgefunden. Da kommst Du dann nicht umhin, Snap-in Typen einzubauen, für die man die Platine an einigen Stellen anbohren muss.

      Wenn Du das Glück hast, einen A 5000 oder V 5000 mit Siemens-Elkos zu erwischen, bist Du der Glückspilz, die sind praktisch unkaputtbar:




      Sonst - wenn Du erneuern willst - gibt es nur diese Snap-in Lösung beim V5000 und A 5000 (für den R 2000, R 3000 mit 40V gibt es noch passende Originalbauformen, da sind noch keine Snap-in Ersatztypen nötig):





      Gruss,
      Reinhard


      Nachtrag:
      Andreas meinte wohl diese (goldenen):



      Die sind im A 5000 / V 5000 nach meiner Beobachtung selten. Hatte erst ein Gerät damit - und dort waren die goldgelben Elkos noch tiptop!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Moin,

      ich habe die Elkos wieder ein- und das Gerät zusammengebaut. Das Hochfahren mit dem Regeltrafo war erfolgreich, kein Rauch, keine Kurzschlüsse, die Relais ziehen wie erwartet und erhofft.
      Die einzige Maßnahme welche noch aussteht ist das Wechseln der 1K Trimmer für den Ruhestrom...und natürlich der Neuabgleich.

      @Reinhard - gern wüsste ich wie das Gerät behandelt wurde und aus welchem sozialen Umfeld es stammt. Leider ist es aber in der Praxis meist so, dass man die Geräte aus den bekannten Internetquellen erwirbt und sich freut überhaupt ein Exemplar zum annehmbaren Preis zu bekommen. Die Kombi Grundig XV5000 und A5000 habe ich schon lange gesucht, leider nie bekommen.
      Kurzum kann man den Zustand der Elkos einfach gar nicht einschätzen. Die originale Bauform habe ich nirgends finden können, das wäre natürlich der Königsweg gewesen, da hätte ich die alten rausgeschmissen.
      Eine A5000 oder einen V5000 mit den goldgelben Siemens-Elkos habe ich noch nie gesehen, auf allen Fotos die so kursieren sind immer nur die Roederstein verbaut.

      Nochmals danke für die Beratung! Anbei noch ein Bild vom derzeitigen Zustand des Gerätes.



      Gruß Andreas
      Die "dummen" Elkokur-Hiwis brocken sich ja einen Problemkomplex ein, für das sie dann andere wieder belästigen müssen oder am Ende das schöne kaputtgebastelte Gerät mangels Können wegwerfen.
      Jeder Eingriff, jeder Handgriff, unüberlegtes Gelöte insbesondere schafft nämlich erst das Umfeld für Fehler die vermeidbar wären, würde man nicht blind und taub an Dingen herum schrauben und schmoren, die man besser in Ruhe weiterleben ließe.

      Fachmännisches Arbeiten erfordert vor dem Einschalten des Lötkolbens immer und viel länger als das Löten dauert - Denken, Abwägen, Folgen erkennen.

      (niemand speziell ist von mir gemeint und unsere foristen hier sind eh alles bedächtige Leute - zur Erklärung für die oft auch noch zum Überfluß ziemlich mädchenhaft-zimperlichen Brachialpfuscher)

      Eines bleibt übrigens immer auf der Strecke - Die Originalität ist dahin - So eine nachkuratele Ansammlung von Kraut und Rüben Neubauteilen hat mit dem ursprünglichen, wohl fast immer reichlich durchdacht und wohl abgewogen so und nicht anders produzierten, Originalfabrikat nur noch die tarnung des Gehäuses gemeinsam. Der Rest ist, so verkauft und nicht bekannt gegeben, sogar ein - wenn nicht im rechtlich belangbaren Sinne dann zumindest landläufiger - Betrug um das innewohnende Wesen der Sache.

      Btw. zu Siemens-Elkos.
      Ich nehme mir das Recht heraus diese als unsterblich (mit einem Augenzwinkern) zu bezeichnen.

      Selbst in Vorkriegsgeräten habe ich noch niemals defekte S&H Elkos gefunden.
      Dazu muß gesagt werden, daß ich im frühen Mittelfeld meiner Berufstätigkeit beim technischen Service für Geräte und Anlagen im med. Umfeld unzählige Lichtrufverstärker und andere Elektronikanlagen gewartet, getauscht, modernisiert habe, da wurden aufgrund Wartungsvereinbarung nach ca. 50 Jahren auch die Elkos getauscht, und was soll ich sagen, nur die Röhren hatten es nötig, ob Widerstände, Kondensatoren oder was auch immer aus Siemens-Fertigung, alles lebte und alles spielte, d.h. Relaisantriebe und -Kontakte waren natürlich auch serviceintensiv - das Schubberstäbchen belegt mit feinem Leder obligatorisch - aber es herrschte auch schonungsloser Dauerbetrieb 24h/365t/50j.
      Das in all meinen eigenen und zu Händen gegebenen Geräten nie ein Siemens-Elko seinen Dienst verweigerte muß ich nicht extra erwähnen.
      Gruß Jogi
      -------------
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      [frei nach W. Reus]

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