9241 seltsamer Fehler

      9241 seltsamer Fehler

      Hallo an euch,

      nachdem ich das Display meines Receivers nach Ausbau und Nachlöten wieder stabil am Laufen habe, taucht ein gemeiner Fehler auf:
      Der Receiver empfängt sehr gut, allerdings läuft FM-Mitte langsam weg, ebenso die Frequenz der Digitalanzeige.
      Wählt man AFC so oscilliert das Instrument um die Mitte etwa im Sekundentakt und die Digitalanzeige macht dasselbe in 50 kHz Schritten nach oben und unten.
      Da das Ganze vom FM ZF-Modul gesteuert wird, hätte ich dieses, bzw. das CA im Verdacht.
      Wer weiß mehr ?

      Gruß, Dieter
      Hallo Dieter,

      ich hatte vor längerer Zeit das Symptom der schwingenden Mittenanzeige ebenfalls (Thread/Link: AFC schwingt bei 9241 ) und hatte zunächst die Abstimmspannung/TCA530 im Visier. Das war es bei mir aber nicht, sondern ein übersehener Haarriss an einer Stelle, wo er gerne auftritt aber nur bei Durchleuchtung der Platine mit einer starken Lampe gut erkennbar ist. Wurde durch die Unterbrechung der schmalen Leiterbahn erzeugt, sie führt die Abstimmspannung. Das periodische Verhalten war durch Erwärmung, dann Unterbrechung, dann Abkühlung, dann wieder Kontakt und Erwärmung, dann wieder Unterbrechung, usw. verursacht. Das ging teilweise mehrfach pro Sekunde.






      Gruss,
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Hallo Reinhard,

      ich habe heute morgen direkt die Hauptplatine untersucht aber keinerlei Symptome festgestellt.
      Da mir um den Tunerbaustein einige Lötstellen blass vorkamen, habe ich großzügig nachgelötet und seit 3 Stunden läuft das Gerät ohne Zuckung auch nur eines Zeigers. Selbst FM Mitte steht stabil, keinerlei Thermodrift, die man ja doch ab und zu beobachten kann, vor allem wenn das Gerät oben nicht frei ist. Mal sehen wie es heute Abend aussieht.

      Gruß, Dieter
      Zu dem Thema noch ein Kommentar:
      Ich führe zu jeder Reparatur eine Log-Seite, ähnlich wie ich es aus der Fliegerei gewohnt war. Da werden die Fehler gelistet und rechts daneben die Abhilfen. Durch ein Symbol wird der Zustand des Gerätes gekennzeichnet.
      Wenn ich einem Ordner diese Fehlerberichte so durchgehe, so stoße ich geschätzt auf 30% Fehlerbehebung durch "Nachlöten".
      Eigentlich gibt dies doch zu denken, waren die Tauchlötungen sooo schlecht ? An frei verdrahteten alten Geräten taucht dieser Fehler sehr selten auf.

      Gruß, Dieter
      Bei freier Verdrahtung und variierender Temperatur des Bauteils kann die thermische Belastung der Lötstellen durch die viel längere Anschlussverdrahtung der Bauteile stark gemindert werden. Zusätzlich wird ggf. auftretende thermische Spannung leicht durch Verbiegen der Anschlussdrähte aufgefangen. Beides geht bei Platinenmontage nicht, dort wird die Wärme und thermische Spannung viel stärker in die Lötstellen übertragen. Das ist meine Interpretation.

      Reinhard
      Lieber Dieter!

      Das mit dem Log ist interessant, habe ich noch nicht gemacht.
      Das mit den 30 % kann ich aus der Hüfte heraus bestätigen.
      Häufig hat man Standardfehler, z.B. Elkos in der Spannungsversorgung oder Signalweg.
      Sind es die nicht, löte ich gern nach, verzichte erst mal auf Fehlersuche.
      In geschätzt 50 % der Fälle ist danach der Fehler weg.
      Ähnlichen Stellenwert wie Nachlöten hat bei mir das Reinigen mechanischer Kontakte.
      Erst dann suche ich gezielt, weil ich dann Blödfehler durch Wackelkontakte ausschließe.
      Am fehleranfälligsten sind einseitig kaschierte Platinen, Standard über Jahrzehnte.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Reinhards Vermutung unterstütze ich.

      Bröselige Lötstellen findet man häufig bei Platinen mit Temperaturschwankungen.
      Schlimm kann es z.B. bei Leistungshalbleitern werden.
      Die sind in der Platine verlötet und mechanisch mit Kühlkörper oder Gehäuse verbunden.
      Auch können sich Lötstellen kaputtrattern.
      Das habe ich häufig schon bei Zeilentrafos und teilweise bei Schaltnetzteilen gesehen.
      Grundig z.B. hat an solchen kritischen Stellen gern Niete gesetzt, ähnlich Durchkontaktierungen.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Man weiß ja nie welche Lötstelle es war, die den Fehler verursacht hat, wenn man 100 nachlötet...
      Aber beim genauen Hinschauen, und das muss man z.B. bei IC Fassungen, sind viele Lötstellen sehr sehr sparsam mit Lot versehen, teilweise kann man in das Loch sehen, das halbe Beinchen ist nur mit wenig Zinn verlötet.
      Das war und ist in meinen Augen keine QS, da gehört nachgebessert.

      Gruß, Dieter
      Noch etwas zur Erklärung des Reparaturlogs:
      Es ist in Excel erstellt und kann zu jeder Reparatur zum Gerät gespeichert werden. Hat den Vorteil, dass man jederzeit weiß, was an dem Gerät gemacht wurde.
      Entstanden ist das Ganze aus meiner Zeit der Militärfliegerei, da hies dies AFTO 781. Eingetragen wurde von den Technikern JEDES entfernte Schräubchen, alle Tätigkeiten die am Flugzeug gemacht wurden. Entsprechend mussten in der rechten Spalte alle Felder gefüllt sein, wenn der Flieger wieder einsatzklar war.
      Die roten Symbole bedeuten in der Fliegerei:
      X nicht flugklar
      / flugklar mit Einschränkungen, z.B. Radar fällt teilweise aus
      -- flugklar mit einer Einschränkung, die nicht kurzfristig behoben werden muss, z.B. Kratzer im vorderen canopy
      Analog setze ich dann immer die Symbole bei meinen Reparaturen und sehe sofort nach längerer Zeit, was noch gemacht werden muss.

      Gruß, Dieter
      Bilder
      • radi_log.JPG

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      Liebe Freunde,

      auch wenn sie nicht immer zu einem Fehler führen: Ich hatte bisher bei _jedem_ Receiver der 91xx oder 92xx Serie irgendwo suspekte Lötstellen, weshalb ich _immer_ systematisch alles nacharbeite. Dabei sind oft die Beinchen der IC-Fassungen besonders betroffen, und natürlich alle Beinchen, die an heissen Bauteilen hängen (wie den Spannungsreglern). Übrigens tausche ich dann auch nicht selten die Fassungen gleich mit aus ...

      Was bei vielen Exemplaren (aber nicht bei allen) auffällt, ist eine matte, oftmals auch etwas "grisselige" Konsistenz der Lötstellen, die zudem oft einfach sehr wenig Material enthalten. Wenn das so ist, lassen sie sich auch meist gar nicht so gut bearbeiten, so dass ich zuweilen erst das alte Zinn beseitigen muss, bevor eine wirklich gute neue Lötstelle entstehen kann.

      Ich habe mich daher schon immer gefragt (und ich meine, das hätten wir auch schon einmal hier diskutiert), ob es u.U. verschieden gute Lotpasten in der Produktion gab, und/oder ob es chemische Flusshilfen gab, die langfristig zu Problemen geführt haben können. Es gibt dieses Phänomen ja auch bei anderen Herstellern (Harman Kardon, Grundig Fine Arts Serie, Philips -- alle ein wenig anders gelagert, aber mit ähnlichen Resultaten). Man sollte ja nicht vergessen, dass die Saba's auch schon recht alt sind, und zu einer Zeit gefertigt wurden, wo m.E. noch eher wenig Erfahrung mit der Langzeitstabilität von derlei Produktionsmethoden vorlag (?).

      Besten Gruss,

      Michael
      Dieter beschreibt da eine Notlösung.

      Lötwasser und Lötfett sind meist säurehaltig.
      Entfernt man die Reste nicht, kann die Lötstelle nach Jahren zerfressen sein.
      Normalerweise benötigt man diese Nothelfer nicht.
      Wichtig, mit gutem Sn60Pb löten, nicht mit bleifrei!
      Erfahrungsgemäß lässt sich bleifreies Lot an Problemstellen wesentlich schlechter löten.
      Das Flussmittel Kolophonium ist empfehlenswert, die Seele üblicher Bleilote.
      Man bekommt es in Döschen oder auch als Löthonig.
      Bei besonders hartnäckigen Fällen kann man vorher die Lötstelle mit einem Glaspinsel reinigen.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Hi Andreas und Dieter,

      bleifreies Lot nehme ich nie bei Revisionen, nur qualitativ hochwertige Lote von Markenherstellern wie Fluitin oder Felder. Säurehaltige Flussmittel habe ich gar nicht, die bringen später nur Langzeitprobleme --- egal, wie gut man das gereinigt hat. Glaspinsel kommt gelegentlich zum Einsatz, wenn vorher das alte Zinn entfernt werden musste (was ich an solchen Problemstellen meist mit Entlötlitze mache). Nach einer Überarbeitung kommt am Ende auch immer die Reinigung mit Isoprop --- einige Bilder sind bei den Revisionen der Module eingestellt. Das hat sich bisher sehr bewährt, ich mache das seit über 20 Jahren so, habe nie dadurch Probleme bekommen.

      Besten Gruss,

      Michael