Stern Weimar mit UEL51

      Stern Weimar mit UEL51

      Hallo Leute !

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      Sehr gut erhaltenes Wohnzimmerradio der VEB Stern Sonneberg "Weimar" 6118/55 von 1955. Äußerlich total ohne Beschädigungen, nicht mal Kratzer, innen lediglich Staub und ein fehlender Dipolstecker.

      Was mich an dem Gerät technisch wundert ist seine Röhrenbestückung: Neben der bekannten E-Serie mogelt sich eine UEL51 dazwischen, die als Zf- und Endröhre dient. Der Netztrafo hat extra eine Sekundärwicklung für die 60 V Heizspannung der Allstromröhre. Was für ein Aufwand !

      Welcher vernünftige Grund erschließt sich für die Experten für den Einsatz einer solchen Röhre ?

      Gruß, Dieter
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      Hallo Dieter,

      das ist schon eine bemerkenswerte Röhre, schon von der Nomenklatur her: Das "E" steht hier für eine Triode und das "L" steht für die Triode der Endstufe.
      Gebaut ist die sicher auch vom Röhrenwerk Mühlhausen. Den tieferen Sinn dieser ZF_NF Kombi kenne ich auch nicht. Natürlich ist das eine sockelsparende Lösung: In nur zwei Röhren hat man 6 Systeme, die fast alles in ZF, Demod. und NF abdecken.
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()

      Hallo Achim,

      das wäre jetzt natürlich ein Rechenexempel: ich spare eine Fassung und eine (billigere) Röhre, muss aber dafür den Netztrafo mit zusätzlichem Kupfer für die Heizspannung ausrüsten. Ich schätze mal eine EF89 + El84 egalisieren den Preis für die UEL51.

      Noch bleibt das Radio in der Warteschlange, ich hoffe die UEL ist heile, die Preise für Ersatz sehen nicht gut aus... :(

      Gruß, Dieter
      Ja Dieter, gerechnet haben die sicher, aber in der DDR der 50er sah es wirtschaftlich gar nicht rosig aus. Importe waren tabu und oft wurde genommen, was aus den eigenen Kombinaten verfügbar war. Eine weitere Wicklung auf den NTR war da vielleicht noch das kleinere Übel.

      Aber irgendwie muss diese UEL doch für diese Situation entwickelt worden sein, denn immerhin läuft die UKW-ZF auch duch das erste Triodensystem.
      Achim
      Hallo zusammen,

      die Verwendung der UEL51 könnte durchaus seinen Grund in der Mangelwirtschaft der DDR haben. Das Allstromgerät 6118/55GWU wurde laut rm.org etwas eher gefertigt als die Wechselstromvariante 6118/55WU. Das Schaltungskonzept stammt damit aus der Übergangszeit zwischen ECL11/UCL11/ UEL11 und EL84. Die EL84 als Endröhre war da gerade in den Startlöchern der DDR-Produktion (1954). Da gab es in der Anfangszeit mit Sicherheit Verfügbarkeitsprobleme.

      2 Jahre später konnte man offensichtlich bei Stern Radio auf solche Sonderlocken verzichten. Das Radio Consul 697/57WUS, ebenfalls ein Kind der Sonneberger, hat schon eine gebräuchliche Bestückung:
      ECC85 ECH81 EF89 EABC80 EM80 EL84 EZ80

      Viele Grüße,
      Christian
      **************************************************
      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)
      Ihr dürft nicht vergessen, das war Planwirtschaft. Da wurde eine Menge X der UEL 51, die ja für Einkreiser entwickelt wurde (E fürs Audion, L als Endröhre) gepkant und produziert, und die Menge musste dann auch aufgebraucht werden. Und dem Weimar bricht die UEL keinen Zacken aus der Krone, sie erfüllt auch bei ihm ihre Zwecke.

      Im Westen gab es Parallelen, z.B. beim Röhrengiganten Valvo. Hatte der zuviel Bestand einer Type, die am Markt nicht oder nicht mehr so abgesetzt werden konnte wie erwartet, musste die Konzerneigene Deutsche Philips diese in ihre eigenen Geräte "verwursten". EIn Beispiel: der UKW-Teil im 1967er Capella 971 mit 2 x PC 900.

      VG Stefan
      Dank an Hans für die Korrektur. (Mir vernebelt derzeit ein übler grippaler Infekt Sinne und Geist.)

      Man sagt doch auch, dass Philips in seinen Farbfernsehern der ersten Generationen noch die Hor.Endst. etc. mit Röhren bestückt hat, weil die entsprechenen Produktionskapazitäten und Lagerbestände noch vorhanden waren, während etwa RFT schon ein Volltransistormodell im Angebot hatten.

      Weiterhin gab es damals auch Fälle, wo aus Moskau die Auflage kam, eine bestimmte Stückzahl eines Gerätes mit bestimmten Spezifikationen (z.B. Allstrom) bis zum Termin X oder pro Jahr abzuliefern. Die hat man dann bauen müssen und die darüber hinaus gehende Produktion auf dem heimischen Markt verkauft.
      Achim
      Hallo,

      die Antworten klingen schlüssig, die UEL erinnert an eine EL12 :)

      Was mir jetzt noch auffiel: alle Bilder im Netz zeigen das Gerät mit einem Frontlautsprecher und glatter Seitenwand, mein Gerät hat seitliche LS-Gitter und ist 3-fach bestückt. Gab es hier Varianten ? Das gesamte Gerät inkl. Rückwand ist m.E. komplett original.

      Das rm.org schreibt zusätzlich: "Das Loch in der Schallwand ist aus akustischen Gründen beabsichtigt und weist daher nicht auf einen fehlenden Lautsprecher hin."
      Würde mich interessieren, wie das Loch die Akustik beeinflusst ?

      Gruß, Dieter
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      Hallo Achim,

      "Man sagt doch auch, dass Philips in seinen Farbfernsehern der ersten Generationen noch die Hor.Endst. etc. mit Röhren bestückt hat, weil die entsprechenen Produktionskapazitäten und Lagerbestände noch vorhanden waren, während etwa RFT schon ein Volltransistormodell im Angebot hatten."

      Nee, das stimmt so nicht ganz. Ablenkung und Hochspannungserzeugung mit Röhren waren 1967/68 noch, entschuldigt das Wort, alternativlos. Auch 1969 waren entsprechende Halbleiter noch im Laborstadium, d.h. nur in Kleinstauflagen und zu hohen Preisen lieferbar. Hüben wie drüben. Nur, drüben machte das nichts: der erste RFT-Color (Oktober 1969) wurde anfangs sowieso weder in nennenswerten Stückzahlen noch zu rentablen Kosten produziert. Der RFT color 20 war ein sozialistisches Prestigeobjekt, man wollte das Modernste präsentieren, was damit ja auch gelang. Nebenbei bemerkt hatte er eine Hochspannungskaskade mit Röhrendioden in einem Ölgefäß.

      Was stimmt, ist dass Philips auch nach 1970 noch stark auf Röhren setzte, auch außerhalb der H-Endstufe, Chassis K7N und K8, um sich selbst der beste Kunde zu sein, nachdem die anderen Hersteller immer weniger Röhren abnahmen.
      Hallo Dieter,

      "die UEL erinnert an eine EL12" - aber nur optisch!!! :D

      In Westdeutschland kam die Mode der seitlichen "3D-" Lautsprecher um 1954 quasi über Nacht über die Branche (m.W.n. initiert von Blaupunkt). Alle Hersteller mussten reagieren und ebenfalls a.s.a.p. 3D anbieten. Darum gab es zu dieser Zeit etliche Modelle mit und ohne "3D". Möglich, dass das in der "Zone" auch so war.

      VG Stefan
      Hallo Stefan,

      ich meinte ja die Zeit um 1970 herum.
      Ab Juni 1970 hatte der Color20 übrigens auch eine Selenkaskade.

      Das war ein für seine Zeit sehr fortschrittliches Gerät, mit steckbaren herausschwenkbaren Baugruppen. Die Bildröhren vom "großen Bruder" waren allerdings unbrauchbar. Und wenn ein Chassis 10 Bildröhren locker überlebt, hat man etwas falsch gemacht - mit den Bildröhren...
      Achim
      Aha, ich sehe, du kennst die näheren Umstände zum Color 20. Dennoch, um im Westen zu bleiben, bis Frühjahr 1972 (nicht 70!) hatten, von einer einzigen Ausnahme abgesehen, alle Farb- (und großen SW-)Fernseher röhrenbstückte Horizontal- (und Vertikal)-Endstufen. Die erwähnte Ausnahme war das Imperial-Farbchassis 1000, erschienen auf der Funkausstellung 1970, das volltransistorisiert war und eine Thyristor-H-Ablenkschaltung hatte, wie sie später etliche Hersteller auch realisierten.

      Nu aber genug off-toppic, glaube ich... einen Farbfernseher mit UEL 51 gab es jedenfalls nicht :)

      VG Stefan
      Hallo,

      ich habe gestern beim Zerlegen noch etwas Interessantes gefunden; An der Seitenwand schraubte ein Kästchen mit einer ECC81 drin, das UKW Antennenkabel sowie Spannungsversorgungen sind angeschlossen. Es liegt schaltungstechnisch vor dem FM-Tuner.
      Reichweitenerhöhung ? Was war der Sinn ? Im Schaltbild finde ich es nicht.

      Weitere Merkmale:

      - Schaltbild auf die Bodenpappe gedruckt, so gehts es nicht verloren und nicht kaputt, daneben viele Spannungs- und Stromwerte, auf der Rückseite der Bestückungsplan.
      - So eine UKW-Verseilung habe ich noch nicht gesehen: geschätzt über 8 Rollen, das massive Schwungrad und ein weiteres Wagenrad schlängelt sich das Seil um die induktive Abstimmung zu betätigen. Hoffentlich geht das nicht kaputt !

      Die nächsten Tage wird es gesäubert und das erste Mal unter Dampf genommen.

      Gruß, Dieter
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      Hallo Dieter,

      sieht nach Antennenverstärker aus, die Bezzeichnung "AV" spricht dafür. FWB -> Funkwerk Köpenick / Berlin?
      Allerdings ist direkt vor dem Empfänger nicht der ideale Ort für einen Antennenverstärker. Aber vielleicht brauchte man eine Impdanzanpassung oder eine nicht-selektive Vorstufe zur Signalpegelerhöhung?
      Achim
      Hallo zusammen.

      Die Tetrode-Tetrode UEL51 ist eine konsequente Weiterentwicklung der Vorkriegs-Verbundröhre UCL11 und angelehnt an die "harmonische Reihe". Ihre Stahlsockel-Verwandschaft ergänzt sie um zwei Stifte.
      Entwickelt wurde sie in 1949 in Berlin-Weißensee in den Laboren der ehemaligen Loewe AG - nun VEB Phonetika Radio Berlin, später Stern Radio Berlin.

      Die Kapazitäten reichten allerdings nicht lange aus, schon 1951 wurde die Produktion der in rauhen Mengen für Kleinst-Empfänger produzierten neuen Röhre deshalb verlagert nach Mühlhausen, in die Reste des von den Amis demontierten Auslagerungswerks der Lorenz AG.
      Also alles andere als eine unbekannte oder "komische" Röhre.

      Selbst hier im Westen landeten Exemplare dieser Röhre, und wenn nur über Versandhäuser wie Quelle in Einkreisern, natürlich gab es dafür dann auch Ersatzteil-Kontingente. Entsozialisiert natürlich.

      Aber auch der DDR-Radiohörer wollte diese Primitiv-Audione schon nach kurzer zeit nicht mehr, selbst nicht kaufkräftige Käufer sparten lieber auf "Super", die beliebten kleinen Vierkreiser-Super kamen dann aus mit der Bestückung UCH/UEL, altmodische Integrierte Schaltkreise sozusagen.

      Die UEL51 ist nicht ideal, sie würde heute als Fehlkonstruktion durchgehen.
      Der Glaskolben entwickelt eine übergroße Hitze, viele damit aufgebaute und oft bespielte Kleinstempfänger sehen daher deutlich angebrannt aus.
      Die Systeme der Verbundröhre sprechen über und sind sehr schwingfreudig auf UKW, was ja gerade auch in der DDR an Beliebtheit gewann. In späteren Geräten wurde die UEL51 folglich ersetzt.

      Der Antennen-Vorverstärker ist absichtlich dort eingebaut wo er ist, damit wurde der schlappe Empfang der Gehäuseantenne aufgebessert, der Weg zur Antenne ist also kurz.

      Das Loch in der Schallwand des Weimar ist beabsichtigt gewesen, man dachte sich das so, daß man das Radio in einem auszuprobierenden Abstand an eine Wand stellt und mit der Schallreflexion an der Mauer durch dieses Loch die Baßübertragung stärkt.

      OT
      Fernseher mit Kaltgeräte-Chassis (volltransistorisiert) waren Anfangs nur den Werbetextern von Vorteil.
      Die Röhren-Zeilenendstufen hielten länger, der Röhrentausch war unkompliziert auch für den Lehrling oder Außerhaus-Kundendienst Personal, das nur noch einfache Fehler vor Ort behob, aber waren plötzlich aus der Mode.

      Da Valvo noch Ende der Sechziger neue und sehr leistungsfähige Beam-Power Endröhren entwickelt hatte, wäre Philips dämlich gewesen schlagartig auf Transistoren umzusteigen. Bei Graetz blieb man bei einigen Serien bei Röhren bis Mitte Siebziger und fuhr damit gut und verkaufte gut anstatt Geld in Neuentwicklung zu stopfen.
      Die Elektronenröhre wurde eh viel früher totgesprochen als es der Realität entsprach.
      Gruß Jogi
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      Menschen mit Tiefgang laufen schneller auf Grund
      Nichts wird dem Menschen weniger verziehen, als Recht gehabt zu haben
      [frei nach W. Reus]
      <<Der Antennen-Vorverstärker ist absichtlich dort eingebaut wo er ist, damit wurde der schlappe Empfang der Gehäuseantenne aufgebessert, der Weg zur Antenne ist also kurz.>>

      @Jogi: das scheint also eine zusätzliche werksseitige Nachrüstung zu sein, genauso wie die beiden seitlichen Lautsprecher. Die Staubablagerungen und das Aussehen der Lötstellen lassen den Schluß zu, dass dies bereits ab Werk so fabriziert wurde. Dazu gesellt sich noch ein uralter Kippschalter, der durch das ganz rechte Loch in der Rückwand ragt, um die beiden seitlichen LS zuzuschalten. Schade dass es keine Dokumentationen zu den Varianten gibt.

      Gruß, Dieter
      Dieter, dazu kann ich als Ewig-Wessi nicht viel sagen.
      Aber ich stelle mir das so vor, ja.
      Selbermachen war nur bedingt erwünsht, es sollte ja dadruch nicht zu luftiger Empfang entstehen, möglichst nur Ortssender der Marke "Erichsfresse".
      Es gab noch viel viel mehr lustige Spitznamen für Radios und Sender, bspw. "Parteipfeifer" oder "Berliner Roller" für den "Kolibri". Da war auch oft nur ein Umschalter für zwei Sender dran, Berlin 1 - Berlin 2, keine Selektionsmöglichkeit für ein ganzes Band)
      Gruß Jogi
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      @ Jogi: Na, hier wohl eher Waltersfresse!

      @Dieter: Ja, das kann durchaus eine ab-Werk-Nachrüstung sein. Das gab es auch im Westen, sogar bei Spitzengeräten. Beispiel? Der Philips Uranus 53, Typ BD 724, immerhin das Top-Modell des Jahrgangs, hatte ein UKW-Teil mit EF 42 als Hf-Vorstufe und zur Mischung die (auch für AM verwendete) ECH 42. Nun ja, man schrieb 1952. Dann aber bekam er irgendwann während der Produktionszeit den Index -02 verpasst und eine Vorstufe vor der Vorstufe mit einer zusätzlichen EC 92. Selbige auf ein Pertinaxbrettchen gesetzt und am Chassis angeschraubt. Offensichtlich hatte die Empfindlichkeit dem Konkurrenzvergleich nicht standgehalten. Siehe Bild (etwas staubig).

      VG Stefan
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