Uher Report

      Hallo zusammen,
      Ich habe kürzlich ein altes Uher Report Stereo TG wieder zum Leben erweckt.
      Nach dem Einbau neuer Riemen und eines neuen Motors läuft das Gerät wieder einwandfrei.
      Aber, ich kann die Motordrehzahl nicht einstellen.
      Könnte jemand von Euch mir einen kurzen Schnipsel Tonband mit einem 1000 Hz Ton zur Verfùgung stellen?

      Liebe Grüsse
      Mogens
      So wie von Stefan beschrieben mache ich den Grundabgleich der Bandgeschwindigkeit solange wie ich Tonbandgeräte besitze, also seit TK5. Perfektionisten koppeln eine Gabellichtsschranke im Bandlauf an ihren schon vor Jahren gebastelten Stop-Timer und messen damit ohne die Verzögerung des Stopuhrbedienens.

      Ich bespiele das Testband auf so einer frisch genau justierten Maschine dann mit 3000Hz und habe dann ein Normal für weitere Geräte ohne wieder die Stopuhr nehmen zu müssen.
      3000Hz weil das einer der üblichen Normtesttöne für die Geschwindigkeit ist.

      Man kann dann die niedrigeren und höheren Geschwindigkeiten auch ganz leicht mit einem Frequenzzähler/messer oder der PC-Soundkarte und einem Programm wie Adobe Audition (oder Steinberg oder diese Freeware deren Name mir entfallen ist oder oder oder) als Vielfache oder Teile jener Frequenz messen.
      So ist dann eine Maschine wie Philips oder wasweißich mit elektronischer Drehzahlregelung binnen Minuten in allen Drehzahlen in einer rutsche durch mittels bloßem Betätigen des Bandgeschwindigkeits-Schalters und Frequenz-Teilung im Kopf richtig eingemessen.
      (damit das auch alles richtig Spaß macht baute ich mir schon vor etlichen Jahrzehnten einen analogen Frequenzmesser nach dem Transistor-Diode-Pumpe-Prinzip diskret auf und renovierte ihn später auf digitale Gatter, der die richtigen Frequenzen in Skalenmitte markiert hat, aber solchen Popelfanz behinhaltet ja heutzutage schon jedes 20Euro-Multimeter)
      Gruß Jogi
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      Menschen mit Tiefgang laufen schneller auf Grund
      Nichts wird dem Menschen weniger verziehen, als Recht gehabt zu haben
      [frei nach W. Reus]
      Die Methode, die Stefan vorschlägt, hat Tücken.

      Bei Reports passt es, wenn die Abweichung insgesamt kleiner +- 1 % ist.
      Meist justiert man bei 9,5 cm/s und schaut, ob es auch bei den anderen Geschwindigkeiten passt.

      Ein Rollbandmaß mit hinreichender Genauigkeit wird nicht so das Problem sein.
      Bei 0,1 % Abweichung sind nur noch 1,905 cm zulässig.
      Wie misst man die Länge des Tonbands?
      Man muss das Rollband möglichst glatt auf 20 m ausziehen können.
      Auf das muss sich das aufgelegte Tonband anschmiegen, kaum zu schaffen.
      Es geht aber halbwegs brauchbar, wenn das Tonband unten ist und das Rollband oben.
      Anfang Tonband und Rollband spannt man irgendwie ein.
      Die Schwerkraft macht dann, daß sich Tonband und Rollband anschmiegen.
      Viel Spaß, wenn man das auf knapp 20 m versucht...

      Weiteres Problem, wird häufig nicht bedacht, die Dehnung.
      Wegen des Bandzugs wird das Tonband im Betrieb reversibel etwas gedehnt.
      Diese Dehnung ist sehr stark abhängig vom Bandzug der Maschine und vom Bandmaterial.

      Bevor ich damals Messbänder herstellte, habe ich lange über solche Probleme nachgedacht.
      Eine perfekte Lösung gibt es nicht, Störfaktoren kann man aber minimieren.
      Meine Maschine ist extrem genau bei der Bandgeschwindigkeit, eine AEG/Telefunken M15A.
      Deren "Geheimnis" ist, daß sich die Capstanwelle quarzgenau dreht, nicht der Motor.
      Bei den Geschwindigkeitsbändern ist die Aufnahmefrequenz von einem Funkmessplatz abgeleitet.
      Der hat einen Referenzoszillator 10 MHz mit Quarzofen, wenige ppm nach genügend Warmlauf.
      Wer ppm nicht kennt, parts per million, z.B. 10 ppm = 0,01 Promille = 0,001 %.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Man kann Klarband nehmen, Michael, das längt weniger.

      Mit nur l/1 ist man eher schlecht bedient, ich habe längere Abschnitte genommen, fragt mich nicht wie lang, die Dinger fliegen irgendwo herum, aber so lx10 bestimmt. Abmetern kann man am Besten mit einem Referenztisch, der ist eh zu vielerlei Zwecken gut. Den kann der Amateur ohne eine entsprechende verzugfreie Bank simulieren indem er sich an seinen Arbeitstisch eine Ecke als Nullpunkt nimmt und von da eine Kerbe bei 1m und eine bei 2m anbringt, der Tisch, auch wenn es ein normaler Arbeitstisch aus dem Möbeldikount ist, wird sich sicher nicht andauernd vergrößern oder verkleinern.

      Man kann so gut wie alles bei Tonbändern ohne hochspezielle enorm teure Supervorrichtungen einstellen, in einer alten Schwarte über den Rundfunk fand ich jede Menge davon was auch der pingelige Rundfunk in grauen Vorzeiten machte. Selbst der Kopfzenith oder die Spurhöhe sind problemlos mechanisch austaumelbar ohne einen Meßplatz für zwanzigtausend DeMark.

      Aber gerade der "besondere" HIFI-Amateur ohne besondere Anlage und ohne die Notwendigkeit hoher Detailansprüche an die Vorrichtung muß sowas immer alles weltmaßstabübertreffend genau haben, genauer als der Erfinder der Sache selbst zutrauen würde. Das ist das was ich immer "Übergenauigkeit durch Ahnungslosgikeit und völliges Verkennen der Gesamtumstände" nenne. Das sind dann die 1MHz Audio-Verstärkerleute oder die die beim Plattenspielen erst das Mittelloch mit den Fingern auf Wucht nachzentrieren und dafür zuvor alle Mittellöcher um 0,1 aufgefräst haben.
      Wenn diese Leute wüßten wie affig sie mit ihrem Gebaren bei Fachspezialisten über kommen...

      Gute Geräte haben manchmal ein mitlaufendes Stroboskop, manch einer hat das schon nachgeahmt. Dazu muß die Maschine lediglich eine frei mitrotierende Rolle haben, bspw. eine Umlenk- oder Beruhigungsrolle genügender Größe.
      Aber für die in der Spätzeit der Tonbandtechnik üblichen elektronischen DC-Antriebe reicht normalerweise immer ein 3000Hz Vollspurband das auf einer Maschine erstellt ist die über die berechtigten Zweifel an Amateurgeräten erhaben und frisch geprüft und eingestellt ist.
      Wem es nicht ganz so wild ist und der Amteur mit Augenmaß, und ohne den Anspruch sich mit der NASA kompatibel auszutauschen, der nimmt seine Hausreferenz, also die beste Maschine die er hat, erklärt diese für perfekt eingestellt und richtet alle anderen Maschinen danach ein. Die muß es dazu natürlich geben und wenn man sie nicht hat dann muß ein Bekannter sie haben.
      Schaut man sich in Foren so um dann kann man glauben - es haben sich schon welche totgemessen und dabei den eigentlichen Spaß am Hobby nicht wieder gefunden.
      Gruß Jogi
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Jogi“ ()

      Ein paar Stichworte zu der von mir erwähnten Methode:

      - Klar ist die ein Kompromiss. Aber kein schlechter.

      - "Bei 0,1 % Abweichung sind nur noch 1,905 cm zulässig." Toleranz für die Soll-Geschwindigkeit nach 45 500? Kleiner/gleich 1,5 Prozent!

      - Natürlich nimmt man kein Dreifachband dafür. Und mit einem Stift macht man alle Meter ein Strichlein.

      - "es haben sich schon welche totgemessen" - Richtig, Jogi, so isses.

      VG Stefan
      Dreifachspielband hat auch Vorteile,
      man muß an keinen Verstellmechanismen oder Potis herum würgen sondern kann über den Bandzug das richtige Tempo simulieren. Viel Zug viel lang.
      Gruß Jogi
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      Ein paar Anmerkungen!

      Jogi hat vorgeschlagen, dafür Klarsichtband zu nehmen.
      Prinzipiell ist die Idee gut, bekommt man nur noch vereinzelt zu horrenden Preisen.
      Gute Alternative ist Vorspannband Rundfunk, gibt es in diversen Kennfarben.

      Auch schlug Jogi eine "Referenzmaschine" vor.
      Ich habe schon einige Tonbandgeräte in meinem Leben repariert und auch auf Geschwindigkeit überprüft.
      Am besten in Erinnerung habe ich Revoxe wie A77 oder B77, häufig unter 0,3 %.
      Das gilt aber nur, wenn die Motorregelelektronik intakt ist, da hakt es manchmal.

      Stefan, Du hast einen indirekten Denkfehler gemacht.
      Laut HIFI-DIN Heimaudio sind bis zu 1,5 % Geschwindigkeitsabweichung zulässig.
      Wird nur eine Geschwindigkeit eingestellt, passt das normalerweise mit der abgemessenen Länge Band.
      Die allermeisten Reports haben 4 Geschwindigkeiten, 2,4 bis 19 cm pro Sekunde.
      Zeigen Capstanrad und Stufenscheibe merkliche Gebrauchsspuren, hat man ein Problem, Schlupf.
      Da ist man froh, wenn man alle vier Geschwindigkeiten in den Bereich +- 1 % bekommt.
      Hat man schon beim Prüfband 1 % Fehler, wird das nichts mehr mit 1,5 % für alle 4 Geschwindigkeiten.

      Anbei eine nette Anekdote.
      Vor einigen Jahren hatte ich mal eine Kundin, Opernsängerin.
      Da war es ein Plattenspieler in einer Truhe mit nicht ganz konstanter Geschwindigkeit.
      War die Truhe warm, stimmte die Geschwindigkeit recht gut.
      Kalt war die Abweichung etwa 1 %.
      Die Frau mit ihrem wirklich musikalischen Gehör hat diese Abweichung tatsächlich gehört!
      Gesponnen hat die nicht.
      Sie trat an mit einer LP, die sie gut kannte, mir sagte, wann der Ton zu hoch oder zu tief war.
      Ich prüfte dann sofort mit Messmitteln, ihre Aussagen bestätigten sich!
      Sie beherzigte meinen Ratschlag, die Truhe erst mal warmlaufen zu lassen und alles war gut.

      Andreas
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      Das man mich nicht falsch versteht, Andreas.
      Meine Ziel-Tonbandler für solche Tips sind Amateure, Wohnzimmer-Tonmeister usw. also Besitzer von Geräten bis maximal UHER Royal dL, denn dem Rundfunk (ja ich kenne noch Macher die analog aufzeichnen) oder Tonstudio (es gibt schon lange wieder welche die gezielt analog arbeiten) braucht man keine Tips vorzugeben die haben ihre Anordnungen zu ihren Prozeduren und ihre Techniker die sich auf den Pups genau daran halten.

      Musiker sind ein komisches Volk, was ich da schon alles erlebt habe.
      Ein "Original" hier aus der Gegend weigerte sich beharrlich zu warten bis sein Take dran war, er kam, spielte und ging wieder, der Rest war ihm egal, das was er konnte war "nur" musizieren, Sozialkompetenz null, kein Benehmen, keine Rücksicht auf seine Musikerkollegen oder gar die Tontechnik. Man mußte ihm quasi mit dem in Aufnahmebereitschaft harrenden Digital-Rekorder hinterher fliegen.
      Ein lustiger Verein von alten Hasen unter den Produzenten und Arrangeuren die ich mal erlebte hatten ihren Heidenspaß beim Heraushören von einzelnen Sequenzen inclusive exakter Besprechung anhand einer leidernden und dümpfelnden Tonkassette auf einem alten, halbtoten SABA-Kassettenrekorder. Da jammerte keiner über Tonhöhenschwankungen oder verschmutzte Tonköpfe, nein, man erkannte Dinge herasu die ich nie im Leben gehört hätte. Die hätten das auch aus einem Grammophon mit 100 Jahr alter mechanischer Aufnahme und total abgenutzter Nadel samt einem beinharten Rauschteppich klar herausgehört.

      Dann wieder die von dir beschriebene Fraktion der Gleichlauf-Spezialisten, ein Pianist hörte das ein Band um 0,3% (gemessen) statisch abwich und regte sich fürchterlich auf das er so nicht arbeiten könne, gut das es da wenigstens keine gleichlaufschwankungen gab, das hätte ihn wohl umgebracht.

      Dann wiederum die Soundbastler, alle kleine Joe Meeks, denen konnt man die übelsten Leierkästen hinstellen und ein paar Strunden später hatten sie Klangkompositionen zusammen ge-multiplaybackt das man nur mit den Ohren wackeln konnte, Rückwärtsechos, Tempoeffekte, Klangverdichtung durch Mehrfachkopien mit sich selber im Quartett singen usw. alles lustig locker frisch wie anno dunnemals bei den Spotnicks.
      Gruß Jogi
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