Grundig MXV 100 Vorstufe

      Danke Reinhard -- es wird eine komplexe Gemengelage sein. Auf jeden Fall ist es ein Geduldsspiel. Bin erst halt durch, man muss beim Löten wirklich mehrere Anläufe machen. Immerhin scheinen die Durchkontaktierungen noch gut zu sein. Selbst wenn mal eine einzelne Öse abgeht, hält das Bauteil der Hülse, und die ist in der Regel auf der anderen Seite noch gut mit den Leiterbahnen verbunden. An einigen Stellen muss man auch dort löten, eine echte Fummelei ...

      Leider sind in diesem Gerät recht viele Elkos mit 0,47 uF verbaut, die im Signal liegen. Es handelt sich dabei um die orangenen LL-Typen, die wir auch aus dem SV 2000 etc. kennen. Leider sind diese Elkos ganz offenbar weitgehend hin, ich messe nur noch die halbe Kapazität und eher hohe ESR Werte. Die sollte ich besser mal gegen kleine Folienkondensatoren tauschen.

      Michael

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      Also, das kann sein, ist aber unwahrscheinlich. Wenn es sich um eine normale (einseitige) Platine handelt, ist es keine grosse Sache. Aber bei einigen Geräten von Grundig sind doppelseitige Platinen drin, die einem das Leben wirklich schwer machen. Vor allem, wenn schon einmal jemand darin herumgelötet hat (wie bei meiner Vorstufe der Fall ist).

      Aber auch bei dieser Vorstufe, die innen recht warm wird, sind längst nicht alle Elkos geschädigt. Die von Elna sind noch intakt, auch die grossen Netzteilelkos haben noch gute Werte. Man will nicht unnötig auslöten, weil dabei leicht die Lötpunkte kaputt gehen. Das muss man immer abwägen, so eine Revision soll zwar lange halten, aber sie muss aus meiner Sicht auch nicht für weitere 40 Jahre sein.

      Darum schaue ich lieber genauer hin, und tausche nur, was angeschlagen ist. Zumal unklar ist, ob aktuelle Elkos, die viel kleinere Bauformen haben, wirklich langlebig genug sind. Im Zweifel gute Markenware nehmen, die für lange Standzeiten konzipiert sind, wie Panasonic FR und andere. Bei den typischen Angeboten von Elko-Sätzen wie auf dem Bild bin ich eher skeptisch, da finden sich oft viele Feld-Wald-Wiesen-Elkos dabei, denen ich in so einem Gerät, das recht warm wird, nicht über den Weg traue ...

      Besten Gruss,

      Michael
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      Bei mir ist das Relais noch in Ordnung. Man kann auch den Deckel abnehmen und die Kontakte ggf. reinigen. Ich muss nur sehen, dass das Anziehen wieder ordentlich klappt, aber soweit bin ich noch nicht. Ich warte noch auf Teile. Ich tausche auch die Elkos mit den kleinen Werten gegen Folienkondensatoren (Wima oder Vishay).

      Michael
      So, bin etwas weiter ... alle kleinen Elkos mussten raus, vor allem die 0,47 uF waren defekt (obwohl es LL Elkos waren). An den Stellen habe ich jetzt Wima Folienkondensatoren drin. Ausserdem waren praktisch alle Elkos mit 100 uF schlapp (teilweise weniger als die halbe Kapazität), dafür waren aber die Elkos von Elna noch in Ordnung. Auch die meisten Tantal-Elkos. Hier erst einmal ein Bild:



      Die Transistoren im Ausgang, die BC 638, waren schon einmal getauscht, einer war schon wieder defekt. Da sollte man nur gute Markenware einbauen, und ich habe einen kleinen Kühlkörper spendiert. Das sporadische Rauschen bzw. Prasseln kam von einem Widerstand, der bauteileseitig keinen sauberen Kontakt mehr zur Leiterbahn hatte. Genauer gesagt: Die kleine Durchführungshülse hatte einen Wackler zum Leiterbahn. Das konnte ich durch einen sehr dünnen Draht au der Bauteileseite beheben, der dann einfach parallel zur Leiterbahn zum nächsten Bauteil verläuft. Insbesondere war es eben nicht der Widerstand selber, sondern nur sein Kontakt zur Leiterbahn.

      Die Unterseite der Platine sieht nicht mehr überall gut aus, hier ist ein Bild:



      Von den Problemen beim Löten hatte ich ja schon berichtet, es war teilweise ein echtes Geduldsspiel, die Kontakte wieder herzustellen. Das scheint aber nun gelungen zu sein, jedenfalls läuft die Vorstufe wieder, mit sehr ordentlichem Klang. Der kleine Umschalter für die Empfindlichkeit bei Phono war am stärksten angeschlagen, aber eine Kur mit Sprühöl 88 hat geholfen, er musste nicht getauscht werden (ich hätte auch keinen passenden Ersatz gehabt). Die Potis sind nach der üblichen Behandlung mit Sprühöl auch wieder tip top -- kein Knistern, satter Lauf, einwandfreie Funktion. Die Schalter von ALPS ebenso.

      Was noch bleibt, ist das schnarrende Anziehen des Relais ca. 10 Sekunden nach dem Einschalten. An den Elkos liegt es nicht, die sind getauscht oder in Ordnung. Aber die Verzögerungsschaltung will nicht sauber durchschalten. Hat jemand da einen Reflex, woran es liegen kann ? Das muss noch, der Rest ist wieder einwandfrei ...

      Besten Gruss,

      Michael

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      Bricht die Betriebsspannung zum Schalten des Relais ein?

      Normalerweise, hat es einmal angezogen, ist die Haltespannung wesentlich niedriger als Einschaltspannung.
      Ein Relais 12 Volt müsste eigentlich mit 6 Volt noch brauchbar halten.
      Ich kenne den Schaltplan nicht, möglicherweise ist da ein grenzwertiges RC-Glied im Spiel.

      Dann natürlich noch die Möglichkeit, daß der Schalttransistor für das Relais nicht vernünftig schaltet.
      Es kann der Transistor selbst sein, muss aber nicht.
      Ist die Ansteuerung für den grenzwertig, wird etwas Einsacken der Betriebsspannung schon reichen.
      Soweit meine Ideen, wie ich auf Verdacht vorgehen würde.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com

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      Die Transistoren T904 und T905 bilden einen Schmitt-Trigger. Sie schalten durch, sobald C911 auf ca. 8 Volt geladen ist. Im Moment des Durchschaltens erfolgt die Mitkoppelung über R919, der das Potential an der Basis von T904 zusätzlich erhöht.

      Die Abschaltung erfolgt, wenn T903 aktiviert wird. Ist alles in Ordnung, sorgen, wenn ich die Schaltung richtig interpretiere, D903 und D904 für ein Potential nahe Masse am negativen Pol von C910. Liefert nur eine Sekundärwindung Strom, verschiebt es sich in positive Richtung. Wird dann die Zenerdiode D905 leitend, entlädt T903 den Verzögerungskondensator C911.

      Wenn das Relais nach dem Zuschalten flattert, würde ich erst mal im vorderen Bereich um T903 suchen. Speziell, welches Potential sich am negativen Pol von C910 einstellt. Wenn das keine Spur ergibt, mal die Triggerschwellen der Schaltung von T904/905 untersuchen.

      Viele Grüße
      Christian
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      Danke Christian -- am negativen Pol von C 910 stellen sich etwa 3 V ein. Beim Ausschalten fällt das Relais sofort ab. Die Dioden D 903 und D 904 sind in Ordnung, einen Fehler an T 903 kann ich nicht ausmachen. Wie sollten sich die Triggerschwellen denn verhalten ? Die Hauptspannung (28 V) brincht nicht ein. Alle Widerstände haben ihren korrekten Wert gemäß Plan.

      Bernhard hatte weiter oben von demselben Problem berichtet, aber ich entnehme seinem Text nicht, wie es am Ende behoben wurde. Ich vermute, dass ich gerade eine Trivialität übersehe ...

      Besten Gruss,

      Michael

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      Hallo Michael,

      Eine seltsame Schaltung. Sie zeigt kein Schmitt-Trigger-Verhalten, der 2,7 MOhm-Widerstand sorgt nur dafür, dass nach dem Zuschalten der Zeitkondensator etwas schneller geladen wird.

      Die Simulation mit zwei Wechselspannungsquellen zeigt tatsächlich eine im 100-Hz-Takt pulsierende Relaisspannung im Übergangsbereich. Der Einschaltvorgang läuft nicht gleichmäßig. Zwischen 5,8 und 6 Sekunden nach Start schaltet das Relais, die Dauer des Flatterns hängt unter anderem vom Stromverbrauch der Schaltung nach dem Gleichrichter ab. Höherer Strom, längeres Flattern.

      Aufgrund des Tests in der Simulation vermute ich, dass C901 im Schaltplan einen falschen Wert hat. Der dürfte größer sein, 47 uF bis 470 uF? Kannst du das bestätigen?
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      Moin Christian !

      Meinst Du den C911 ? Der hatte bei mir Original 10 uF. Den hatte ich getauscht. Weitere Elkos waren auch bei meinem Gerät außer der Toleranz. Im Kaufzustand war das Relais auch sehr unterschiedlich am anziehen: Mal nach 6 Sek. mal auch erst nach 12 Sek. Es ratterte immer. Dann war der T905 und der T902 (BD439) defekt.
      Die vier 100uF Elkos im Zentrum des Gerätes waren auch alle zu tauschen. Im ersten Test habe ich auch noch den Folienkondensator C364 mit 22nF mit innerem Kurzschluss entdeckt (Das war mein erster kaputter Keramik-C). Der ist im Zulauf.

      Ich werde weiter berichten. Der MXV100 ist bisher meine zeitlich längste Baustelle.

      VG Bernhard

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      Hallo Bernhard, nein, ich meine den C901, im Schaltplan mit 1 nF ausgewiesen. Mit diesem Wert in der Simulation macht die Schaltung nichts Sinnvolles.
      Das Flattern verstärkt sich, wenn C911, 10 uF angeschlagen im Sinn eines erhöhten Leckstromes ist. Er wird durch sehr hochohmige Widerstände geladen, da machen sich Leckströme schnell bemerkbar.

      Noch bin ich mir nicht ganz sicher, aber mein Verdacht ist, dass diese Schaltung eine (seltene) fehlerbehaftete Konstruktion vom Hersteller ist. Dazu muss ich mich noch einmal mit dem kompletten Servicemanual befassen. Meine bisherige Funktionsdeutung: Sie soll das Relais verzögert zuschalten und schnell abschalten, falls eine der Trafosicherungen fliegt. Das tut sie in der Simulation bisher nicht ordentlich.

      Viele Grüße
      Christian
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      Ja, 1000 uF. Der war noch topfit, daher noch original. An dem liegt es nicht. Mir ist tatsächlich auch nicht klar geworden, wie das eigentlich sonst erwünschte Triggerverhalten zustande kommen soll ... momentan schliesse ich einen Defekt bei den Transistoren aus, soweit ich das ohne Auslöten messen kann. Und unnötig auslöten will man hier nicht ...

      Den 10 uF, der die Zeitkonstante bestimmt, hatte ich ersetzt. Da kann ich aber auch nochmal einen besseren einsetzen, mit dem hohen Ladewiderstand ist das nicht ganz unkritisch. Das Abschalten der Vorstufe führt zum sofortigen Abfall des Relais. Insgesamt eine etwas seltsame Schaltung, wenn man auch die Netzteilsektion mit ansieht.

      Alles andere tut ja wieder, wie es soll ... hier ist mir halt nicht einmal klar, was es wirklich tun soll ... ;)

      Michael
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