Röhrenradios - Signalgeneratoren und Signalverfolgung

      Röhrenradios - Signalgeneratoren und Signalverfolgung

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      Hallo, Forumgemeinde,

      da ich ein Quer-Einsteiger auf dem Gebiet der Röhrenradio-reparatur / restaurierung bin, möchte ich mich mal mit folgendem Problem
      an euch wenden:

      In vielen Threads und Fachbüchern wird immer von den Signalgenaratoren (also dem Einspeisen eines Signals) bzw. auch von der Signalverfolgung
      als unabdingbares Mittel zur Fehlereingrenzung bei der Reparatur der Radios gesprochen.
      Ich habe ein Problem damit, da ich nirgends ein Video oder eine Beschreibung gefunden habe, wie das ganz praktisch zu machen ist. Wie und wo
      wird z.B. das Signal eingespeist, mittels Prüfspitze o.ä. an einem Pin der Röhren oder an einem Schalterkontakt oder an der TA-Buchse, oder oder... .
      Und was muß dabei rauskommen und was bringt mir das für eine Erkenntnis.
      Und das ganze möglichst ohne ein Monster- Equipment. Ich werde mir für meine "Amateur-Werkstatt" wahrscheinlich kein Oszillograhen mehr zulegen.
      Ich hatte so ein Gerät wie den MSV 2 von ELV im Auge. Ich glaube, das ist für meine Verhältnisse ausreichend. Ich werde kein Gerät Abgleichen o.ä. .

      Vielleicht könnt ihr mir mal ein paar Tipps geben, wie man so was einsetzt und welche Ergebnisse man erwarten kann .

      das ist jetzt vielleicht etwas allgemein gehalten, aber vielleicht kann man das dann im Gespräch konkreter ausgestalten.

      Ich hoffe ihr wißt, worauf ich hinaus will.

      Einen schönen Abend noch und Grüße vom Rhein

      Wilfried

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      Wilfried, Du suchst eine eierlegende Wollmilchsau?

      Gerade habe ich mir den MSV2 von ELV angesehen.
      Man kann sich die Baumappe mit Schaltplan herunterladen.
      Das Teil ist interessant, wird nicht nur Hobbyelektroniker ansprechen.
      Es handelt sich um einen Signalgenerator 1 kHz und einen Signalverfolger in einem Gehäuse.
      Beide kann man unabhängig oder auch zusammen benutzen.
      Der Eingang scheint einen Überspannungsschutz zu haben, Suppressordiode.

      Was kann man damit machen?
      Du suchtest nach einem einfachen Signalgenerator.
      Das macht der, Frequenz 1 kHz fest, nicht einstellbar.
      Einstellbar ist jedoch der Signalpegel mittels einem Poti 10 kΩ, Spannungsteiler.
      Du kannst den als einfache Audioquelle benutzen und damit an z.B. Phono oder Tonband gehen.
      Auch kannst Du den als Injektor benutzen, irgendwo in der Schaltung Signal einspeisen.
      Beim zuvor behandelten Röhrenradio wäre der interessant gewesen, kurz vor dem Audioverstärker.
      Der Signalgenerator hat leider keinen nennenswerten Schutz.
      Kommt man mit dem an ernsthaft Gleichspannung, könnte einem das der OPV übelnehmen.
      In Röhrenradios also etwas aufpassen, Anodenspannung wird der nicht überleben.
      Ich hätte den Generatorteil anders entwickelt, mehr Wert auf Schutz gelegt.

      Der Signalverfolger ist durchaus brauchbar geschützt, hält ein paar Volt DC aus.
      Hauptsächlich handelt es sich bei dem um einen NF-Verstärker mit kleinem Lautsprecher.
      Das Eingangssignal kann man über Schalter in Schritten 20 dB bis zu 60 dB abschwächen.
      Mit dem tippt man interessante Punkte in der Schaltung an, prüft, ob Audio kommt.
      Defekte Koppelkondensatoren (taub) wird man mit dem leicht finden.
      Auch prima geeignet, um Fehlern bei Audioschaltern (hochohmig) auf die Spur zu kommen.

      Wilfried, jetzt willst Du bestimmt wissen, ob der MSV2 für dich empfehlenswert ist.
      Aktuell 30 Euro für den Bausatz ist ein durchaus angenehmer Preis, günstig.
      Elektronikbauteile, alles SMD, sind schon alle bestückt.
      Laut Beschreibung ELV ist der Zusammenbau einfach, also für Anfänger geeignet.
      Kauf den mal, vermutlich gibt es zu dem auch einige Erklärbärvideos, nicht nur von ELV.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com

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      Hallo Andreas,

      was heißt das auf "deutsch": Man muß aufpassen, das man z.B. nicht den falschen Pin an der Röhre erwischt, oder ?
      Oder kann man da irgendwelche Sicherungssysteme einbauen, wenn ein nicht so erfahrener Nutzer am Werk ist ?
      Man nutzt ja das Teil nur im eingeschalteten Zustand. Man sollte sich also z.B. im Schaltplan informieren, wo die
      Spannungen anliegen.

      Gruß Wilfried

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      Hallo Wilfried, Hallo Andreas,

      Wilfried schreibt:

      "In vielen Threads und Fachbüchern wird immer von den Signalgeneratoren (also dem Einspeisen eines Signals) bzw. auch von der Signalverfolgung
      als unabdingbares Mittel zur Fehlereingrenzung bei der Reparatur der Radios gesprochen."


      Hier liegt eine Fehleinschätzung vor. Ein NF-Signalgenerator kommt nur bei ganz bestimmten Fehlern im NF-Teil zum Einsatz, wenn der Fehler schon eingegrenzt ist.

      Der Thread müsst heißen: Fehlersuche und Fehlereingrenzung bei Röhrenradios. Damit müsste sich Wilfried als Quereinsteiger vor allem praktisch und theoretisch beschäftigen. Denn ein Röhrenradio besteht aus vielen Teilen, die defekt sein können und bei denen ein Signalgenerator gar nichts bringt, außer Frust.

      Die erste Lerneinheit wäre eigentlich: Wie funktioniert so ein Röhrenradio überhaupt?
      Die zweite Lerneinheit wäre: Aus welchen Teilen besteht ein Röhrenradio?
      Die dritte Lerneinheit wäre: In welchem Teil des Radios könnte der Fehler sein?
      Die vierte Lerneinheit wäre: Mit welchen Methoden finde ich den Fehler in dem eingegrenzten, fehlerhaften Teil des Radios?

      Auf "deutsch" gesagt: Ein Signalgenerator und die sogenannte Signalverfolgung hilft überhaupt nicht bei einer ersten Fehlereingrenzung.

      Viele Grüße von
      Reiner

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      Hallo Andreas, hallo Reiner,

      danke für eure Beiträge. Das ist es ja, was ich eigentlich anstoßen wollte: Ein Gespräch oder
      Diskussion darüber, wie Fachleute an eine Fehlersuche herangehen und Schritt für Schritt den
      Fehler eingrenzen. Dabei spielt mit Sicherheit die Erfahrung eine wesentliche Rolle. Ich habe
      mich auch schon in diverse Literatur zu diesem Thema ("Radios der 50er Jahre" 1+2 z.B.) rein-
      gelesen und auch bei meinen ersten Versuchen in den Foren herumgestöbert. Deshalb denke ich,
      nach Reiners Fahrplan bin ich jetzt in der 3. und 4. Lerneinheit. Und das macht man, glaube ich
      am Besten learning by doing. ich habe da auch schon 2 Probanden dastehen, die ich demnächst
      in Angriff nehmen werde. Und da fand ich, so wie ihr beide mich letztens bei meinem Problem
      mit dem "Wildbad" geführt habt, unwahrscheinlich lehrreich. Soviel wie ich im Laufe unseres Gesprächs
      (ich vermeide gerne dieses englische Geplapper) gelernt habe, hätte ich durch alleiniges Probieren
      und Herumstochern bestimmt nicht mitbekommen. Aber dazu will ich mir halt ein minimalen Geräte-
      park mit der Zeit zulegen, damit dieser dann auch zur Verfügung steht, wenn er gebraucht wird.
      Das war eigentlich mit der Hintergrund meines Themas.

      Viele Grüße
      Opa Willi

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      Macht mal das Ding von ELV nicht unnötig madig!

      In früheren Jahren hatte ich teilweise mit Ausbildung zu tun, Lehrlinge, Praktikanten und Studenten.
      Anfänger, je nach Vorwissen, sind schnell mit einem Oszilloskop überfordert.
      Einem Elektrotechnikstudenten hat man halbwegs schnell die Funktion eines Oszis erklärt.
      Das heißt aber nicht, daß der auch sofort den Trigger einstellen kann, es gibt nicht nur HAMEG.

      Der MSV2 ist durchaus für viele Sachen bei der Fehlersuche geeignet.
      Genaue Messungen bekommt man damit nicht hin, ist jedoch in vielen Fällen ein guter Indikator.
      Nehmen wir als Beispiel einen Verstärker, bei dem wir die Audioquellenumschaltung untersuchen wollen.
      Ton kommt weder über Lautsprecher noch über Kopfhörer, es gibt viele Fehlermöglichkeiten.
      Mit dem Mithörverstärker können wir überprüfen, ob z.B. Radio bis zur Quellenumschaltung kommt.
      Nehmen wir die Injektorfunktion, können wir 1 kHz vor der Endstufe oder beim Lautstärkepoti einspeisen.
      Tut sich in beiden Fällen was, also Ton vorhanden, ist der Fehler schon recht weit eingegrenzt.

      Ich machte auf eventuelle Schwachstellen aufmerksam, gerade im Zusammenhang mit Röhrenradios.
      Anbei die beiden Schaltplanausschnitte für Eingang und Ausgang.
      Der Eingang (Mithörverstärker) ist mit der Suppressordiode D2 schon recht brauchbar geschützt.
      Nicht so gut sieht es beim Injektorausgang 1 kHz aus.
      Je nach Stellung des Pegelpotis R17 kann eine Fremdspannung von außen fast ungehindert durchschlagen.

      Andreas
      Bilder
      • MSV2IN.PNG

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      • MSV2OUT.PNG

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      Hallo Wilfried,

      Theorie hilft immens bei der Fehlersuche. Ohne sowohl im Schaltplan als auch im Gerät die einzelnen Baugruppen zu erkennen, beschränkt sich eine Reparatur auf das Tauschen sichtbar defekter Bauteile.
      Das Kennenlernen der Röhrentechnik macht natürlich viel mehr Spaß, wenn man gleichzeitig in einem Gerät zu Gange ist. Meine allererste Röhrenradioreparatur habe ich auch durchgeführt, ohne schon detaillierte Kenntnisse zum Prüfen einer ZF-Stufe oder eines FM-Mischteils zu haben. Damals war ein Teerkondensator durchlässig geworden und hat die Schirmgitterspannung an einer Röhre weit abgesenkt. Simples Vergleichen der im Schaltplan verzeichneten Sollspannungen mit dem Ist hat damals ausgereicht.

      Mit Systematik geht es natürlich besser und der Erfolg hängt nicht mehr vom Glück ab, dass nur relativ einfache Fehler vorliegen. Bewährt hat sich bei mir folgendes Vorgehen:

      -Sichtprüfung des offenen Gerätes auf verbrannte Bauteile, fehlende Isolierung und Ähnliches.

      -Kontaktpflege - fast immer sinnvoll. Etwas Sprühöl in Potis und Schaltwerk und alles 10 bis 20 mal bewegen.

      -Inbetriebnahme unter Begrenzung und Überwachung der Stromaufnahme. Hintergrund dafür ist v.a. das Erkennen leckgewordener Siebelkos oder defekter Gleichrichter.

      -Funktionsprüfung, welche Baugruppen funktionieren? Brummt oder rauscht es wenigstens. Heizen alle Röhren? Wenn gar nichts aus dem Lautsprecher kommt, sind Stromversorgung und NF-Verstärker schon mal Fehlerkandidaten.

      -Messung der Heiz-, Betriebs- und Arbeitspunktspannungen an Baugruppen/ Röhrenstufen, die fehlerbehaftet sein könnten.

      -Prüfung der Signalkopplung zwischen den Stufen, wenn sich bis dahin nichts ergeben hat: Schnell und Schmutzig: Mit der Metallklinge eines isolierten Schraubenziehers nacheinander die Gitterkontaktpins der Stufen berühren. Knackt und raschelt es dabei, ist die Stufe meist grundsätzlich funktionabel. Besser ist da natürlich die Nutzung einer Signalquelle wie die vom MSV2. Bei Röhrenradios würde ich zum Schutz eine Reihenschaltung von einem 47 nF-Kondensators und einem Widerstand von z.B. 22 kOhm beim Einspeisen zwischenschalten, um den Signalausgang des MSV2 zu schützen, wenn man mal versehentlich einen Pin mit hoher Spannung berühren sollte. Eine Stufe ist in der Regel fehlerhaft, wenn die vorherige noch reagiert hat, die aktuelle aber nicht mehr.

      Ab hier wird es speziell. Je nach Funktionseinheit und konkretem Fehlerbild entscheidet sich das Vorgehen. Manchmal braucht man dann auch etwas aufwändigere Ausrüstung, zum Beispiel, wenn jemand die ZF-Kreise verstellt hat.

      Noch ein paar Tipps bezüglich Sicherheit:

      Allstromgeräte konsequent in Rente schicken. Deren fehlende Potentialtrennung macht sie auch im Normalbetrieb mit geschlossener Abdeckung sehr riskant.

      Netzspannungsführende freiliegende Kontakte sollte man stets abdecken oder isolierend abkleben, wenn man hantiert. Ein Trenntrafo ist auch sinnvoll, schützt aber nur vor Berührspannungen, wenn das Chassis nicht anderweitig mit Erdpotential verbunden wird, z.B. durch das Anschließen einer Oszimasse mittels Tastkopf oder durch eine Antennenerde oder durch eine netzbetriebene Signalquelle mit Schukostecker.

      Die linke Hand in der Hosentasche beim Prüfen mildert die Folgen eines elektrischen Schlages durch die Anodenspannung. Es zwickt trotzdem noch, wenn man mit der rechten Hand in Kontakt mit solchen Spannungen kommt, aber der Stromfluss Richtung Erde über die Herzregion ist wesentlich kleiner und bleibt meist folgenlos.

      Nach dem Abschalten des Gerätes, z. B. zum Löten, Siebelkos entladen und Spannungsfreiheit prüfen. Dort kann unter Umständen noch tagelang Spannung bei abgeschaltet Gerät vorhanden sein, wenn nicht von Werk aus ein Entladewiderstand vorgesehen wurde.

      Viele Grüße
      Christian
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