Saba CD 936 - Platine gebrochen

      Saba CD 936 - Platine gebrochen

      Hallo zusammen,
      ich habe ein äußerlich sehr gut erhaltenes, aber defektes Tapedeck CD 936 geschenkt bekommen. Das Deck lässt sich einschalten, alle Kontrollleuchten und die Beleuchtung der VU-Meter funktionieren. Die VU´s schlagen wenige Sekunden nach dem Einschalten kurz aus - das ist normal. Die Mechanik des Cassetteneinzugs funktioniert einwandfrei, Cassetten werden problemlos eingezogen und ausgeworfen.

      Aber: Es funktioniert kein Laufwerksbefehl, weil der Motor nicht anläuft. Der rührt sich kein bisschen.
      Also habe ich (Elektronik-Laie) das Gerät geöffnet und mal reingeschaut. Dass sich der Capstan-Riemen aufgelöst hat und nur noch eine klebrige Masse am Pulley und am Schwungrad klebt, sei nebenbei erwähnt - das habe ich schon mehrmals in Ordnung gebracht. Bei der Durchsicht sah ich dann, dass die große Platine auf einer Länge von mehreren Zentimetern gerissen ist. Von unten sieht man, dass dort mehrere Leiterbahnen und Lötverbindungen unterbrochen sind. Zur Veranschaulichung hänge ich hier ein paar Bilder (von oben und von unten fotografiert) an.
      Dass dürfte wohl der Grund sein, warum am Motor keine Spannung anliegt.

      Was mich nun interessiert: Kann man sowas überhaupt reparieren? Oder ist das Gerät ausschließlich als Teilespender geeignet? Wäre echt schade, weil das Teil praktisch keine Gebrauchsspuren aufweist und bis auf die defekte Platine und den zermatschten Riemen makellos ist.
      Hat jemand schon mal sowas repariert?
      Wenn reparabel: Wie aufwändig ist so eine Reparatur? Muss die Platine dafür ausgebaut werden? Bei der Arbeitszeit, die dafür drauf geht, wäre das wäre ja schon der Killer.
      Vielen Dank für Eure Rückmeldung,
      Edgar
      Bilder
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      Guten Abend Edgar,

      sowas ist meiner Meinung nach selten - was war denn der Grund für den Riss?
      Ich habe zwar so einen Eingriff noch nicht machen müssen, auch noch nie gesehen, aber ich würde es wie folgt probieren...:

      Da es eine einlagige Platine zu sein scheint, könnte man (mittels kleiner Zwinge o.ä) die Platine plan machen und
      mit 2K-Kleber an der Oberseite stabilisieren, ggf. zusätzlich mit einem Glasgewebeband.
      Die Stelle ist ja zum Glück frei von Bauteilen.

      An der Leiterbahnseite scheinen 6 oder 7 Leiterbahnen unterbrochen.
      Nach der Klebung würde ich den Lötstopplack mit einerm Bastelmesser, Dreikantschaber o.ä. entfernen und die Leiterbahnen
      mit Lötzinn und einem dünnen Draht (z.B. aus einer feindrähtigen Netzleitung) flicken.

      Viel Erfolg, Stefan
      Ich habe solche Risse auf die bereits von Stefan beschriebene Art schon mehrfach wieder zuverlässig instandgesetzt. So ca. 8 bis 10 mal werden es wohl schon gewesen sein. Das ist nicht schwierig, nur zeitaufwändig. Man muss mit der Lupe prüfen, dass man wirklich alle Kontakte wiederhergestellt hat. Macht man mit "Durchpiepen" mit dem Multimeter.

      Wenn die Platine nicht mechnisch belastet wird, reicht das plane Zusammenfügen mit 2K-Kleber an den Bruchkanten und Rißüberdeckung mit dem Kleber auf der den Leiterbahnen gegenüberliegenden Platinenseite bereits. Verstärkendes Gewebeband o.ä. braucht man dann gar nicht. Um die Überbrückung des Risses mit dünnem Draht an jeder der betroffenen Leiterbahnen kommt man aber nicht herum.
      Nicht versuchen, mit nur einem Lot-Klecks auf jeder Bahn den Riß überbrücken zu wollen, denn das hält nicht lange. Aufgrund unterschiedlicher Wärmeausdehnung von Lötzinn und Leiterplattenmaterial bildet sich da sonst wieder ein Haarriss im Lot aus.

      Im vorliegenden Fall sind nicht nur die durch den Riß unterbrochenen Verbindungen wieder herzustellen, sondern auch die dazu senkrecht verlaufende "Knickstelle" der Platine (Anbruch) weiter "oben" hat Schäden verursacht, die ebenso instandgesetzt werden müssen. Die ist auf dem 3. Foto klar erkennbar, aber auf dem 4. Foto noch nicht vorhanden. Es ist also im Verlauf der Aufnahmen noch mehr Schaden durch unsachgemässe Gewalt / Kraft entstanden als anfänglich vorhanden war.


      Gruß
      Reinhard

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „oldiefan“ ()

      Transportschaden?

      So Risse entstehen gern mal, wenn beim Paketdienst das Gerät auf den Boden knallt.
      Ansonsten schließe ich mich meinen Vorrednern an.
      Zur Verstärkung der Klebestelle taugt häufig Platinenmaterial FR4 (Glasfaser).
      Das hat eigentlich jeder Elektronikhändler als Platten, meist kupferbeschichtet.
      Wie schon zuvor genannt, die Leiterbahnen dann mit Draht verstärken.
      Die Dicke sollte ungefähr so sein wie bei handelsüblichen bedrahteten Widerständen.
      Diese Drahtstücke nicht zu kurz machen, möglichst mehrere Zentimeter lang.
      Die Kurven muss man halt biegen, Fleißarbeit.
      Macht man das vernünftig, sind das einige Stunden Arbeitszeit.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com
      Guten Morgen zusammen,
      vielen Dank für Eure Rückmeldungen zu meinen Fragen. Die sind im Wesentlichen damit beantwortet.

      Die Ursache für den Riss kenne ich auch nicht. Ich habe das Tapedeck ja defekt übernommen, und was zuvor damit angestellt wurde, weiß ich nicht. Da am Gerät nichts zerkratzt, verbeult oder verzogen ist, hatte ich ein Herunterfallen als Ursache ausgeschlossen, aber Andreas´ Vermutung (Paket knallt auf den Boden) ist nicht auszuschließen.
      Eure Vorschläge sind recht klar, und Reinhard hat das sogar schon mehrfach hinbekommen - eine Reparatur ist also möglich.
      Das Zusammendrücken der Rissstelle und Kleben der Platine bekomme ich noch hin, das Freilegen der unterbrochenen Leiterbahnen auch, aber das Einlöten dünner Drähte ist nichts für mich - das muss jemand richtig gut können.
      Ich werde dazu einen Kollegen ansprechen, der unsere Mechatronik-Azubis fachlich betreut.

      Noch eine Anmerkung zu Reinhards Hinweis: Dass die Bruchstelle auf dem 3. Foto gut erkennbar ist, aber auf dem 4. Foto nicht, liegt am unterschiedlichen Aufnahmewinkel und daran, dass ich die Beleuchtung beim Fotografieren verändert hatte. Durch das Handling bei den Aufnahmen ist der Riss definitiv nicht vergrößert worden.

      Nochmals vielen Dank für Eure Hinweise & VG,
      Edgar
      Hi Edgar,

      noch ein Nachtrag: Wenn die Platine nicht unter Spannung steht (mechanisch, meine ich) und am Riss beweglich, kann man das auch mit Sekundenkleber machen. Das geht bei Pertinax erstaunlich gut.

      Sonst auf der Leiterbahnseite abkleben und von der Bauteileseite Zweikomponentenkleber mit einem kleinen Schraubendreher einbringen, aushärten lassen. Dann bei den Leiterbahnen mit kleinen Drähten brücken, wie Reinhard das schon beschrieben hat. Bekommst Du sich hin !

      Michael
      Hallo zusammen,
      auch wenn es schon fast ein halbes Jahr her ist, melde ich mich jetzt mit einer Rückmeldung zum weiter oben beschriebenen Problem und dessen Lösung.
      Gedauert hat es deshalb so lange, weil ich gezögert habe, mich an die Reparatur der gebrochenen Platine des Saba 936 zu wagen. Jetzt im Urlaub habe ich mich aber dann doch getraut. Dabei bin ich so vorgegangen, wie von Euch beschrieben.
      Gestern habe ich also die Platine mit 2-k Epoxykleber entlang des Risses wieder zusammengefügt. Zuvor hatte ich die 3 Schrauben, mit denen die Platine im Gehäuse fixiert ist, gelöst, um die Spannung aus dem Riss herauszunehmen. Netterweise befand sich direkt neben dem Riss (auf obigem Bild 1 links vom Riss) eine ungenutzte Bohrung in der Platine und im Gehäuse, wodurch ich nach dem Aufbringen des Klebers mittels einer kleinen Schraube (3 x 10 mm) mit Unterlegscheibe und Mutter die eine Rissseite herunterziehen und den Riss gut fixieren konnte. Das Ganze habe ich 24h aushärten lassen und dann die 3 Befestigungsschrauben der Platine wieder angezogen.
      Heute habe ich dann alle unterbrochenen Leiterbahnen und Lötstellen (es waren ca. 10) mit einem dünnen Kabel (0,6 mm2) Stück für Stück überbrückt. Nach dem Löten habe ich jede Verbindung auf Durchgang geprüft. Alle waren i.O.
      Auch die Verbindungen, welche entlang der verlängerten Rissachse liegen und augenscheinlich keine Beschädigungen aufwiesen, habe ich auf Durchgang geprüft. Alle i.O.

      Anschließend konnte ich feststellen, dass der Motor bei Laufwerksbefehlen wieder anlief - Hurra!

      Daraufhin habe ich die Reste der beiden alten Antriebsriemen restlos mit Spiritus beseitigt und zwei neue Riemen (hatte ich mir schon auf Lager gelegt) eingebaut. Beim ersten Betätigen der Play-Taste schaltete das Deck nach 2 Sekunden ab, obwohl die Antriebsriemen sauber liefen. Beim Blick auf den Reed-Schalter sah ich, dass einer der beiden kleinen Antriebsriemen des Zählwerks von der Riemenscheibe gerutscht war. Nach Auflegen des Riemens liefen dann alle Laufwerksfunktionen so, wie sie sollen.
      Soweit also alles im grünen Bereich - wäre da nicht der rechte Kanal, auf dem kein Tonsignal ausgegeben wird. Beim Abspielen einer Cassette bleibt auch das rechte VU-Meter bewegungslos. Bei Aufnahme einer Musikquelle zeigen dagegen beide VU´s das Eingangssignal und lassen sich auch beide gleich gut aussteuern. Da ich ziemlich sicher bin, dass ich keine Bruchstelle auf der Platine übersehen habe, Muss das Problem woanders liegen. Aber dafür mache ich ggf. ein neues Thema auf.

      Euch nochmal herzlichen Dank für Eure Hilfestellungen. Ohne Eure Lösungsbeschreibungen hätte ich die Reparatur sicher nicht hinbekommen.
      VG, Edgar
      Erst mal Glückwunsch!

      Auch an den Stellen, wo die Kupferbahnen noch nicht gerissen sind, solltest Du die Leiterbahnen mit Draht verstärken.
      Murphy lässt grüßen, auch die Stellen können sonst reißen, eventuell erst Jahre später.
      So einen ähnlichen Fall hatte ich mal, lötete nur mit etwas Lötzinn über ohne Drahtverstärkung.
      Ging etwa ein Jahr gut, dann doch wieder mindestens ein Haarriss.

      Das Kassettengerät wird vermutlich mechanische Schaltkontakte haben.
      Prüfe diese, da bilden sich gern mal Oxidschichten.
      Es gibt viele Möglichkeiten, AW-Schieber, Bandsortenwahl, schaltbare Rauschunterdrückung...
      Die Kontakte würde ich vorsorglich mit Sprühöl 88 behandeln, nicht mit Kontaktspray.
      Schalter dann mehrfach betätigen, damit sich der Gammel mechanisch löst.

      Andreas
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