Saba StV100 Schaltbild gesucht

      Saba StV100 Schaltbild gesucht

      Liebe Kolleginnen und Kollegen,

      ich suche dringend das Schaltbild (Schematic) für den Stereo-Vollverstärker SABA STV100. Es handelt sich dabei um einen Eintakter mit 2 x EL95 und 1 x ECC83, der Ende der 1950er vorgestellt wurde und leider sehr schnell wieder aus dem Saba-Modellprogramm verschwand.

      Außer dem Schaltbild sind auch alle anderen Informationen über dieses spannende Gerät sehr willkommen; in den Untiefen des www ist leider herzlich wenig zu finden über einen der allerersten Stand-alone-Stereo-Vollverstärker aus deutscher Fertigung.

      Vorab vielen Dank für jeden sachdienlichen Hinweis!

      Uli

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      Hallo Uli,

      In meinem Archiv befinden sich inzwischen rund tausend SABA-Schaltbilder, darunter auch einige seltene Exemplare.
      Leider konnte ich den gesuchten Verstärker dort nicht finden.
      Ich selbst habe ihn bislang nur ein einziges Mal zum Verkauf gesehen, und das liegt erst wenige Wochen zurück.


      Auch in den digitalisierten Dokumenten der GFGF und der NVHR ist kein entsprechender Schaltplan aufgeführt.
      Dennoch könnte es sinnvoll sein, beide Organisationen direkt zu kontaktieren.
      Es besteht die Möglichkeit, dass sich der Schaltplan zwar im Archiv befindet, aber bislang noch nicht digitalisiert wurde und daher online nicht verfügbar ist.

      Beim Schaltungsdienst Lange ist der Schaltplan ebenfalls nicht gelistet, weshalb davon auszugehen ist, dass er dort nicht vorrätig ist.
      Eine Anfrage könnte sich dennoch lohnen, um eventuell Hinweise darauf zu erhalten, wer im Besitz eines solchen Schaltplans sein könnte.

      In Villingen gibt es zudem eine Radiowerkstatt mit ehemaligen SABA-Mitarbeitern.
      Dort ist ebenfalls eine große Sammlung an Schaltbildern vorhanden, und man kann vermutlich weiterhelfen.
      Bei meinem letzten Besuch Anfang 2025 wurde mir jedoch mitgeteilt, dass die VHS plant, die Räumlichkeiten anderweitig zu nutzen und die Radiowerkstatt möglicherweise ausziehen muss.
      Ob sie sich aktuell noch dort befindet, ist mir nicht bekannt.
      Die Mitglieder der Radiowerkstatt sind aber voraussichtlich wieder auf der Phonobörse in St. Georgen am 06.06.2026 vertreten.

      Darüber hinaus existieren von SABA aus den 1950er-Jahren sogenannte Kundendienstschrift-Bücher, die sämtliche Schaltbilder der Radios eines jeweiligen Produktjahres enthalten.
      Meines Wissens nach umfassen diese jedoch ausschließlich komplette Radios und keine einzelnen Verstärker.
      Ob es eine entsprechende Kundendienstschrift speziell für diesen Verstärker gab, ist mir nicht bekannt.
      Meine vorhandenen Unterlagen reichen bis zum Jahr 1959, und dort ist dieser Verstärker nicht aufgeführt.


      Grüße Patrick

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      Hallo Patrick,

      exakt jenes Exemplar, das unlängst klein angezeigt wurde, habe ich gekauft, in der trügerischen Annahme, im www würden sich die nötigen Hintergrundinfos schon finden lassen.

      Töne gibt das weitestgehend unverbastelte Gerät erfreulicherweise von sich, allerdings keine sehr wohlklingenden, sondern massiv aufgeblähte Bässe und keine nennenswerten Hochtonanteile, woran die beiden Klangregler nichts zu ändern vermögen.

      Ich bin zuversichtlich, dass sich die genannten Probleme beheben lassen. Aber als Journalist mit anderthalb linken Händen bin ich im reparieren leider nicht halb so firm wie im recherchieren, weshalb ein Schaltplan, den ich einem befreundeten Techniker an die Hand geben könnte, schon eine prima Sache wäre.

      Dass die Firma Saba ausgerechnet zu Beginn der Zweikanalära einen Stereoverstärker auf den Markt brachte, ohne dafür im Fall der Fälle einen Schaltplan parat zu haben, halte ich für höchst unwahrscheinlich. Im Saba-Programmkatalog von 1959/60, und nur in diesem, ist der Stereofonie-Verstärker StV100 auf Seite 12 abgebildet mit dem Text:

      "Viele Besitzer von Musiktruhen haben den Wunsch, auch stereofonische Schallplattenaufnahmen abspielen zu können. Für sie hat SABA einen 2 - Kanal -Stereo - Verstärker entwickelt, der aus einem Gerät seitheriger Bauart mit geringen Mitteln eine Voll-Stereo-Truhe macht. Abmessungen in mm: 310 X 58 X 168. Barpreis DM 250.-"

      Für deine Tipps, lieber Patrick, bin ich sehr dankbar. Ich werde sie der Reihe nach befolgen, um hoffentlich bald von der erfolgreichen Behandlung des Patienten berichten zu können.

      Natürlich sind zwischenzeitlich weitere sachdienliche Hinweise immer willkommen. Eine hochaufgelöste Aufnahme des Innenlebens kann ich ggf. gerne zur Verfügung stellen.

      Servus, Uli

      Neu

      Ja, Bilder sind willkommen!

      Mache welche von außen, mehrere Perspektiven.
      Gleiches gilt sinngemäß für innen.
      Möglicherweise gibt es Parallelen zu anderen Geräten.
      Kann ja sein, daß ein Mitglied solche erkennt, ähnlicher Aufbau bei einem Folgegerät.
      Es ist ja nicht so, daß spätere Geräte immer komplett neu entwickelt wurden.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com

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      danke für deine Anregung, Andreas.

      Sodele, hier ein paar Aufnahmen von meinem StV100.

      Eines vorab: Auf den wenigen Fotos im Netz ist der Verstärker stets mit mehr oder minder geschmackvollen Frontblenden aus Holz, Pressspan oder, in meinem Fall, Pertinax zu sehen.

      Ich habe besagte Pertinaxblende wegen Nichtgefallens umgehend abmontiert. Was der Originalität keinen Abbruch tut, denn ab Werk wurde der StV100, wie die Abbildung im SABA-Prospekt von 1959/60 beweist, definitiv ohne dieses stets von den Besitzern nachgerüstete zeitgenössische Accessoire ausgeliefert.

      Völlig original ist mein StV100 allerdings noch nicht, zu erkennen u.a. an der mit Edelstahl-Schräubchen montierten Metallbedienfront sowie den drei auf hölzernen Abstandshaltern verschraubten Kunststofffüßen, vermutlich um den Verstärker in die verwendete Musiktruhe einzupassen. Riesig gefreut hat mich dagegen das Originalnetzkabel inklusive blitzblankem SABA-Stecker.

      Ich bin gespannt, was die Techniker unter euch so alles im Innenleben erspähen! Die verbauten EL95 (Telefunken) und die noch nicht herstelleridentifizierte ECC83 messen sich jedenfalls OK und dürften der eingangs erwähnten bescheidenen Klangperformance NICHT geschuldet sein.
      Bilder
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      Original ist das Gerät nicht mehr!

      An der Front wurde offensichtlich eine grüne LED eingepflanzt.
      LEDs gab es damals noch nicht, wohl aber Neonlämpchen.
      Auch sehen die Übertrager vergleichsweise neu aus, bunte Kunststoffisolation.
      Früher war Gewebeschlauch gängig, siehe rechts beim Netztrafo.
      Der war auch in der Mangel, nachträglich seltsame Vergussmasse.

      Andreas
      Was bedeutet DL2JAS? Amateurfunk, www.dl2jas.com

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      Hallo Uli,

      auch die beiden Plessey-Kondensatoren sind sicher nachträglich verbaut worden. Sieht mir nicht nach Ende der 50er Jahre aus. RM.org hat ein paar Bilder vom Innenleben, da sieht man sie auch nicht. Da es KP-Wickelkondensatoren sind, dürfte das aber keine ganz schlechte Wahl gewesen sein.
      Jemand mit etwas Erfahrung in Röhrenverstärkertechnik sollte auch ohne Originalschaltbild keine Schwierigkeiten bei der Fehlersuche haben, noch dazu mit dem Hinweis von Tommy auf die NF-Schaltung des TK46. ELL80 = 2 x EL95 in einem Glaskolben. Die Eintakt-EL95-Schaltung ist ja nicht gerade anspruchsvoll.

      Andreas' Hinweis auf die vermutlich nicht originalen Ausgangsübertrager halte ich für interessant. Wenn da etwas Unpassendes eingebaut wurde, kann es nicht vernünftig klingen. Neben der Prüfung der Spannungen an den Röhren wäre das wohl meine erste Kontrolle.
      Dieser Verstärker dürfte auch nicht an jeder beliebigen Box ordentlich spielen. Ich habe leider nichts gefunden, ob 4 oder 8 Ohm vorgesehen waren, würde aber auch da erste Versuche mit einfachen zeitgenössischen Lautsprechern vornehmen. Ohne angeschlossene Boxen sollte er übrigens nicht in Betrieb genommen werden.

      Noch ein Link:
      tube-classics.de/TC/GermanTube…mps/Saba/SabaStereoDe.htm

      VG, Christian
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „chriss_69“ ()

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      @Andreas und Christian

      vielen Dank für eure Infos und Hinweise, langsam erhellt bzw. bestätigt sich so manches, was auch mir bzw. meinem Techniker aufgefallen war.

      Was ich partout nicht begreife: Wie kann ein Produkt eines ehemaligen Großserienherstellers, selbst wenn es nur kurz im Programm war, derart unter dem Radar seiner nach wie vor riesigen Fangemeinde segeln?

      Zum Thema Lautsprecher: Der StV100 absolvierte seine Funktionskontrolle nach behutsamem Hochlauf am Variac an nahezu gleichalten US-Hörnern mit 104 dB/W/m Wirkungsgrad und betont unkritischem Impedanzverlauf. Ich kann also mit zweistelligen Milliwatt mehr als hinlänglich laut Musik genießen und werde nicht ruhen, ehe der SABA zeigen konnte, was er wirklich drauf hat. Eintakter mit möglichst wenig Papierleistung sind schließlich genau das, ich und was meine La Scalas lieben!

      Allerdings, so steht zu befürchten, wurden die geschätzten zwei Watt des SABA mit reichlich NFB gedopt. Schau ma mal...
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