Hallo Forenfreunde,
Von kugel-balu (Michael) wurde ich neulich gefragt: "Willst Du Dir mal den kleinen Tube-03 Röhrenvorverstärker (nicht Mk II) von FX-Audio ansehen? Um den wird im Internet ja viel Wirbel gemacht."
Mit nur "Ansehen" ist es bei mir ja nicht getan, wie Ihr schon wisst. Ich möchte schon wissen, was er so drauf hat - und das muss er mit harten Daten beweisen.
Tatsächlich findet man im Internet Videos zu diesem Teil aus aller Herren Länder, Unboxing Videos, zahlreiche Verkaufsangebote und viele blumige Hörbeschreibungen, die i.A. voll des Lobes sind. Tatsächlich finde ich im Internet kaum (eigentlich nie) Videos oder Hörbeschreibungen von neuen Geräten, egal in welcher Preisklasse, die sagen: "Der klingt nicht gut", schon gar nicht in YouTube Videos und erst recht nicht bei den Angeboten oder Kundenrezensionen auf den Seiten der Verkäufer. Und unabhängig gemessene Daten zum Tube-03 mit nachvollziebarer Angabe der Messbedingungen findet man auch nicht. Die von den jeweiligen Verkäufern beigefügten Technischen Daten / Spezifikationen erscheinen in einzelnen Punkten jedenfalls mehr als fragwürdig: Ausgangsspannung, Verstärkung, Klirrfaktor, da werden Werte genannt, die entweder stark variieren oder aufgrund der genannten Größe (Klirrfaktor 0,03 % ???) zweifelhaft erscheinen.
Verfügbare echte "Informationen" sind also rar.
Was man dagegen haufenweise findet ist nicht objektivierbares "Klanggeschwurbel"und viel faktenloses Gesäusel.
Bei mir gibt es weder "reiche Mitten", "präsente Vokale", "transparente Höhen" oder "trockenen Punch". Bei mir gibt es Messungen und Daten. Audiophile seien also gewarnt vor Messergebnissen, die vielleicht ihr Weltbild erschüttern könnten. Dagegen hilft dann nur die Totschläger-Formel: "Messen zählt nicht, nur Hören". Womit sich dann ja auch wundersame Kristalle rechtfertigen lassen, die man auf ein Gerät legen soll, goldene Sicherungen, richtungsgebundene Kabel, Granitplatten, Abstandshalter für Lautsprecherkabel, damit sie bloß nicht auf dem Parkett aufliegen und, jetzt erst gelernt, sogar hohle Schrauben, die den guten Klang erst vollenden sollen.
Aber nun zum Teil selbst:
Man kann diesen Vorverstärker für weniger als 40,- € kaufen.
Das ist schon erstaunlich, denn in dem kleinen Kästchen, kaum so groß wie zwei Zigarettenschachteln, findet sich eine Menge Technik, sauber aufgebaut. Und ein kleines Steckernetzteil ist auch schon dabei.
Die standardmässig eingesetzten Röhren (Pentoden) sind wohl die China-6K4, austauschbar durch 6K4P, 6AK5, Chinesische 6J1, 6J1P bzw. JAN 5654W (sowie noch einige andere).
Zunächst die Ansichten:


Es gibt also ausser Lautstärkesteller noch einen Bassregler (+ / - 14 dB bei 50 Hz) und einen Höhenregler (+ / - 6,5 dB bei 10 kHz). Das ist prima, ich hätte mir allerdings mehr Höhenregelumfang gewünscht, denn mein altes Gehör kommt mit nur + 6 dB nicht mehr aus. Warum wird das beim Höhenregler nicht gemacht? Warum nur 6 dB? Bei mir gibt's dafür einen Minuspunkt.
Auf der Rückseite RCA-Ein-und Ausgang für jeden Kanal und Norm-Anschluss für ein 12 V DC-Netzteil. (Der MK II hat noch eine BlueTooth Antenne und ist innen auch sonst anders, um den geht es hier nicht).
Innenleben:
Hinter dem Metallwinkel unten link (direkt an der Netzteilbuchse) befindet sich ein kleiner DC-DC Schaltwandler auf Basis des PWM-Controllers UC3843A und MOSFET SVF 2N600 Schalttransistor. Dieser Wandler erzeugt die Anodenspannung von 100 V für die Röhren. Welche Schaltfrequenz der einstreut, sehen wir noch.
In der Mitte der Röhrensockel sitzt jeweils eine rote LED, die nur optische Funktion hat. Für das Auge des Röhrenliebhaber leuchten die Röhren also ohne die roten Lichter alleine nicht genug. Optisches Gimmick.
Vermutlich sind - wie sonst auch bei den meisten dieser kleinen Teile, die Röhren als Eingangspufferstufe geschaltet, hinter dem Lautstärkepoti, die eigentliche Verstärkung übernimmt dahinter je ein gesockelter OpAmp NE5532P. Der NE5532 ist eine gute Wahl für Audio.
Zahlreiche Internetauftritte propagieren oder "testen" OpAmp-rolling, d.h. der Austausch gegen "bessere" Operationsverstärker, auch bei diesem Tube-03. Weshalb das aber hier völlig wirkungslos bleiben muss, nur rausgeworfenes Geld ist, darauf komme ich noch zurück.
Bei voll aufgedrehtem Lautstärkesteller beträgt die von mir gemessene Verstärkung 10 dB, also 3,17-fach. Mit 1 Veff NF-Eingangsspannung liefert er also entsprechend über 3 Veff Ausgangsspannung. Mehr als genug. An Ausgangs-Dampf fehlt es also nicht, die Frage, zu der ich noch komme, ist die Qualität des Ausgangstons in Abhängigkeit von der Höhe der Spannung.
Zum Tube-03 gibt es ganz unterschiedliche Angaben im Internet, Ausgangsspannung von 0,9 Veff oder 2 Veff und weitere. Ist auch sicher noch von Typ und Qualität der verwendeten Röhren abhängig.
Ich habe den Tube-03 mit den Röhren 6J1 (China) und General Electric JAN 5654W (Military Grade) getestet. Beide waren in der Verstärkung gleich und lieferten die Maximalverstärkung von 10 dB.
Das Lautstärkepoti hatte einen akzeptablen / guten Gleichlauf von innerhalb 0,5 dB.
Das Gehäuse ist stabil und macht einen sehr guten Eindruck.
Michael hatte mir zu dem kleinen und ultraleichten Stecker-Schaltnetzteil (12 V DC / 1A), das beim Kauf des Tube-03 dabei ist, noch ein stabilisiertes Linearnetzteil mitgegeben. Also die Frage, was ist damit zu gewinnen? Denn das beliebte Modding besteht ja oft in: 1. OpAmps tauschen und 2. Netzteil tauschen. Ich kann schon vorwegnehmen: Kann man sich beides schenken, stattdessen in bessere Röhren investieren! Darauf gehe ich noch im Detail ein.
Damit geht's auch schon zur ersten Messung - welchen Einfluss hat das Netzteil?
Messbedingungen:
Eingangsspannung am Tube-03: ca. 316 mVeff (-10 dBV)
Verstärkung am Lautstärkesteller eingestellt auf V = 1 (Verstärkung = 0 dB)
Ausgangsspannung des Tube-03: ca. 316 mV (-10 dBV)
Ausgangslast (Audioanalysator QA403): 100 kOhm
Audiosignal: 1 kHz
Röhren: 6J1
1. Stecker-Schaltnetzteil (original mitgeliefert)

2. Stabilisierte Linearnetzteil:

a) In beiden Fällen gibt es, im FFT erkennbar, kleine Störspannungen bei 50 Hz und 100 Hz sowie deren Oberwellen in ähnlicher Größe. Die kommen nicht durch die Netzteile, sondern werden an meinem Messplatz von aussen in die frei stehenden Röhren eingestrahlt. Insbesondere die 6J1 sind dafür wunderbare Antennen, offenbar ungenügend gegen solche Einstrahlung konstruiert. Hand davorhalten oder den Standplatz etwas verrücken, macht in dem Fall u.U. einen merklichen Unterschied. Das konnte ich klar feststellen.
Das ist der erste Punkt, wo die 6J1 schlecht abgeschnitten haben: Sie sind sehr Empfindlich gegenüber Einstrahlung von Störungen.
Was sieht man sonst noch?
b) Hoher Klirrfaktor, mit der 6J1 Röhre bei Ausgangsspannung von -10 dBV (ca. 310 mVeff) von 1 % THD. Das wollen Röhrenfans so! Kein Röhrenverstärker ohne relativ hohen Klirrfaktor. Der "weiche Röhrensound" wird dabei durch eine relativ starke 1. Oberwelle (hier 2 kHz) gefolgt von einer Serie von dachschrägartig abfallenden höheren Oberwellen hervorgerufen. Insbesondere die ungeraden Oberwellen, also die 3. bzw. 5., dürfen nicht dominieren. Das haben wir hier - die Röhren machen das, was sie hier sollen. Sie erzeugen die gewollten Röhrenverzerrungen, die mit einem Vorverstärker rein auf Basis der NE5532 OpAmps als Verstärkungsbausteine gar nicht vorhanden wären.
Die Sache ist hier: Die für "weichen Röhrensound" charakteristische Verteilung der Oberwellenamplituden kann man ja auch haben, ohne dass der Klirrfaktor insgesamt so hoch ist wie hier, also alle Oberwellen in diesem Muster, aber mit kleineren Amplituden. Und das geht - nicht mit anderen OpAmps, aber mit anderen Röhren.
Der hohe Klirrfaktor ist der zweite Punkt, der mir bei der 6J1 Röhre nicht gefällt. Es geht mit der Röhre GE JAN 5654W viel besser - immer noch mit Röhrensound-Charakteristik, aber viel weniger Gesamtklirrfaktor. Zeige ich noch.
c) Um die NF-Frequenz 1 kHz schart sich ein "Wald" von Frequenzen in Abständen von Vielfachen von 50 Hz und 100 Hz. Das sind Intermodulationsverzerrungen, die man nicht gerne hat. Die werden von der 6J1-Röhre erzeugt, zeige ich später noch genauer.
Die Intermodulation ist der dritte Punkt, in dem die 6J1 Röhren schlecht abgeschnitten haben. Auch dagegen hilft der Röhrentyp JAN 5654W.
d) Im Audiofrequenzbereich bis 20 kHz und sogar bis 95 kHz (meine Messgrenze) gibt es vom Steckernetzteil keinerlei Störfrequenzen. Das Steckernetzteil ist also für den Tube-03 ohne Einschränkung geeignet.
Damit habe ich schon einiges vorweggenommen. das bot sich hier an, da die beschriebenen Effekte schon beim "Netzteiltest" hervortraten, aber von den Netzteilen nicht abhängen. Man kann für den FX Tube-03 getrost das kleine mitgelieferte Steckernetzteil verwenden, ohne irgendwelche klangschädlichen Wirkungen damit befürchten zu müssen.
Demnächst geht es weiter. Dann komme ich zu den Messungen von Frequenzgang, Klirrfaktor (THD) und THD+N sowie Intermodulationsverzerrungen, nutzbarer Dynamikumfang im Multiton-Test und die Abhängigkeit dieser Eigenschaften im Vergleich der Röhren 6J1 gegen 5654W.
Gruß
Reinhard
Von kugel-balu (Michael) wurde ich neulich gefragt: "Willst Du Dir mal den kleinen Tube-03 Röhrenvorverstärker (nicht Mk II) von FX-Audio ansehen? Um den wird im Internet ja viel Wirbel gemacht."
Mit nur "Ansehen" ist es bei mir ja nicht getan, wie Ihr schon wisst. Ich möchte schon wissen, was er so drauf hat - und das muss er mit harten Daten beweisen.
Tatsächlich findet man im Internet Videos zu diesem Teil aus aller Herren Länder, Unboxing Videos, zahlreiche Verkaufsangebote und viele blumige Hörbeschreibungen, die i.A. voll des Lobes sind. Tatsächlich finde ich im Internet kaum (eigentlich nie) Videos oder Hörbeschreibungen von neuen Geräten, egal in welcher Preisklasse, die sagen: "Der klingt nicht gut", schon gar nicht in YouTube Videos und erst recht nicht bei den Angeboten oder Kundenrezensionen auf den Seiten der Verkäufer. Und unabhängig gemessene Daten zum Tube-03 mit nachvollziebarer Angabe der Messbedingungen findet man auch nicht. Die von den jeweiligen Verkäufern beigefügten Technischen Daten / Spezifikationen erscheinen in einzelnen Punkten jedenfalls mehr als fragwürdig: Ausgangsspannung, Verstärkung, Klirrfaktor, da werden Werte genannt, die entweder stark variieren oder aufgrund der genannten Größe (Klirrfaktor 0,03 % ???) zweifelhaft erscheinen.
Verfügbare echte "Informationen" sind also rar.
Was man dagegen haufenweise findet ist nicht objektivierbares "Klanggeschwurbel"und viel faktenloses Gesäusel.
Bei mir gibt es weder "reiche Mitten", "präsente Vokale", "transparente Höhen" oder "trockenen Punch". Bei mir gibt es Messungen und Daten. Audiophile seien also gewarnt vor Messergebnissen, die vielleicht ihr Weltbild erschüttern könnten. Dagegen hilft dann nur die Totschläger-Formel: "Messen zählt nicht, nur Hören". Womit sich dann ja auch wundersame Kristalle rechtfertigen lassen, die man auf ein Gerät legen soll, goldene Sicherungen, richtungsgebundene Kabel, Granitplatten, Abstandshalter für Lautsprecherkabel, damit sie bloß nicht auf dem Parkett aufliegen und, jetzt erst gelernt, sogar hohle Schrauben, die den guten Klang erst vollenden sollen.
Aber nun zum Teil selbst:
Man kann diesen Vorverstärker für weniger als 40,- € kaufen.
Das ist schon erstaunlich, denn in dem kleinen Kästchen, kaum so groß wie zwei Zigarettenschachteln, findet sich eine Menge Technik, sauber aufgebaut. Und ein kleines Steckernetzteil ist auch schon dabei.
Die standardmässig eingesetzten Röhren (Pentoden) sind wohl die China-6K4, austauschbar durch 6K4P, 6AK5, Chinesische 6J1, 6J1P bzw. JAN 5654W (sowie noch einige andere).
Zunächst die Ansichten:
Es gibt also ausser Lautstärkesteller noch einen Bassregler (+ / - 14 dB bei 50 Hz) und einen Höhenregler (+ / - 6,5 dB bei 10 kHz). Das ist prima, ich hätte mir allerdings mehr Höhenregelumfang gewünscht, denn mein altes Gehör kommt mit nur + 6 dB nicht mehr aus. Warum wird das beim Höhenregler nicht gemacht? Warum nur 6 dB? Bei mir gibt's dafür einen Minuspunkt.
Auf der Rückseite RCA-Ein-und Ausgang für jeden Kanal und Norm-Anschluss für ein 12 V DC-Netzteil. (Der MK II hat noch eine BlueTooth Antenne und ist innen auch sonst anders, um den geht es hier nicht).
Innenleben:
Hinter dem Metallwinkel unten link (direkt an der Netzteilbuchse) befindet sich ein kleiner DC-DC Schaltwandler auf Basis des PWM-Controllers UC3843A und MOSFET SVF 2N600 Schalttransistor. Dieser Wandler erzeugt die Anodenspannung von 100 V für die Röhren. Welche Schaltfrequenz der einstreut, sehen wir noch.
In der Mitte der Röhrensockel sitzt jeweils eine rote LED, die nur optische Funktion hat. Für das Auge des Röhrenliebhaber leuchten die Röhren also ohne die roten Lichter alleine nicht genug. Optisches Gimmick.
Vermutlich sind - wie sonst auch bei den meisten dieser kleinen Teile, die Röhren als Eingangspufferstufe geschaltet, hinter dem Lautstärkepoti, die eigentliche Verstärkung übernimmt dahinter je ein gesockelter OpAmp NE5532P. Der NE5532 ist eine gute Wahl für Audio.
Zahlreiche Internetauftritte propagieren oder "testen" OpAmp-rolling, d.h. der Austausch gegen "bessere" Operationsverstärker, auch bei diesem Tube-03. Weshalb das aber hier völlig wirkungslos bleiben muss, nur rausgeworfenes Geld ist, darauf komme ich noch zurück.
Bei voll aufgedrehtem Lautstärkesteller beträgt die von mir gemessene Verstärkung 10 dB, also 3,17-fach. Mit 1 Veff NF-Eingangsspannung liefert er also entsprechend über 3 Veff Ausgangsspannung. Mehr als genug. An Ausgangs-Dampf fehlt es also nicht, die Frage, zu der ich noch komme, ist die Qualität des Ausgangstons in Abhängigkeit von der Höhe der Spannung.
Zum Tube-03 gibt es ganz unterschiedliche Angaben im Internet, Ausgangsspannung von 0,9 Veff oder 2 Veff und weitere. Ist auch sicher noch von Typ und Qualität der verwendeten Röhren abhängig.
Ich habe den Tube-03 mit den Röhren 6J1 (China) und General Electric JAN 5654W (Military Grade) getestet. Beide waren in der Verstärkung gleich und lieferten die Maximalverstärkung von 10 dB.
Das Lautstärkepoti hatte einen akzeptablen / guten Gleichlauf von innerhalb 0,5 dB.
Das Gehäuse ist stabil und macht einen sehr guten Eindruck.
Michael hatte mir zu dem kleinen und ultraleichten Stecker-Schaltnetzteil (12 V DC / 1A), das beim Kauf des Tube-03 dabei ist, noch ein stabilisiertes Linearnetzteil mitgegeben. Also die Frage, was ist damit zu gewinnen? Denn das beliebte Modding besteht ja oft in: 1. OpAmps tauschen und 2. Netzteil tauschen. Ich kann schon vorwegnehmen: Kann man sich beides schenken, stattdessen in bessere Röhren investieren! Darauf gehe ich noch im Detail ein.
Damit geht's auch schon zur ersten Messung - welchen Einfluss hat das Netzteil?
Messbedingungen:
Eingangsspannung am Tube-03: ca. 316 mVeff (-10 dBV)
Verstärkung am Lautstärkesteller eingestellt auf V = 1 (Verstärkung = 0 dB)
Ausgangsspannung des Tube-03: ca. 316 mV (-10 dBV)
Ausgangslast (Audioanalysator QA403): 100 kOhm
Audiosignal: 1 kHz
Röhren: 6J1
1. Stecker-Schaltnetzteil (original mitgeliefert)
2. Stabilisierte Linearnetzteil:
a) In beiden Fällen gibt es, im FFT erkennbar, kleine Störspannungen bei 50 Hz und 100 Hz sowie deren Oberwellen in ähnlicher Größe. Die kommen nicht durch die Netzteile, sondern werden an meinem Messplatz von aussen in die frei stehenden Röhren eingestrahlt. Insbesondere die 6J1 sind dafür wunderbare Antennen, offenbar ungenügend gegen solche Einstrahlung konstruiert. Hand davorhalten oder den Standplatz etwas verrücken, macht in dem Fall u.U. einen merklichen Unterschied. Das konnte ich klar feststellen.
Das ist der erste Punkt, wo die 6J1 schlecht abgeschnitten haben: Sie sind sehr Empfindlich gegenüber Einstrahlung von Störungen.
Was sieht man sonst noch?
b) Hoher Klirrfaktor, mit der 6J1 Röhre bei Ausgangsspannung von -10 dBV (ca. 310 mVeff) von 1 % THD. Das wollen Röhrenfans so! Kein Röhrenverstärker ohne relativ hohen Klirrfaktor. Der "weiche Röhrensound" wird dabei durch eine relativ starke 1. Oberwelle (hier 2 kHz) gefolgt von einer Serie von dachschrägartig abfallenden höheren Oberwellen hervorgerufen. Insbesondere die ungeraden Oberwellen, also die 3. bzw. 5., dürfen nicht dominieren. Das haben wir hier - die Röhren machen das, was sie hier sollen. Sie erzeugen die gewollten Röhrenverzerrungen, die mit einem Vorverstärker rein auf Basis der NE5532 OpAmps als Verstärkungsbausteine gar nicht vorhanden wären.
Die Sache ist hier: Die für "weichen Röhrensound" charakteristische Verteilung der Oberwellenamplituden kann man ja auch haben, ohne dass der Klirrfaktor insgesamt so hoch ist wie hier, also alle Oberwellen in diesem Muster, aber mit kleineren Amplituden. Und das geht - nicht mit anderen OpAmps, aber mit anderen Röhren.
Der hohe Klirrfaktor ist der zweite Punkt, der mir bei der 6J1 Röhre nicht gefällt. Es geht mit der Röhre GE JAN 5654W viel besser - immer noch mit Röhrensound-Charakteristik, aber viel weniger Gesamtklirrfaktor. Zeige ich noch.
c) Um die NF-Frequenz 1 kHz schart sich ein "Wald" von Frequenzen in Abständen von Vielfachen von 50 Hz und 100 Hz. Das sind Intermodulationsverzerrungen, die man nicht gerne hat. Die werden von der 6J1-Röhre erzeugt, zeige ich später noch genauer.
Die Intermodulation ist der dritte Punkt, in dem die 6J1 Röhren schlecht abgeschnitten haben. Auch dagegen hilft der Röhrentyp JAN 5654W.
d) Im Audiofrequenzbereich bis 20 kHz und sogar bis 95 kHz (meine Messgrenze) gibt es vom Steckernetzteil keinerlei Störfrequenzen. Das Steckernetzteil ist also für den Tube-03 ohne Einschränkung geeignet.
Damit habe ich schon einiges vorweggenommen. das bot sich hier an, da die beschriebenen Effekte schon beim "Netzteiltest" hervortraten, aber von den Netzteilen nicht abhängen. Man kann für den FX Tube-03 getrost das kleine mitgelieferte Steckernetzteil verwenden, ohne irgendwelche klangschädlichen Wirkungen damit befürchten zu müssen.
Demnächst geht es weiter. Dann komme ich zu den Messungen von Frequenzgang, Klirrfaktor (THD) und THD+N sowie Intermodulationsverzerrungen, nutzbarer Dynamikumfang im Multiton-Test und die Abhängigkeit dieser Eigenschaften im Vergleich der Röhren 6J1 gegen 5654W.
Gruß
Reinhard
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