Revision einer 3-Wege Lautsprecherkombination nach fast 35 Jahren

      Revision einer 3-Wege Lautsprecherkombination nach fast 35 Jahren

      Seit einigen Wochen überhole ich meine im Sommer 1984 selbst gebauten Lautsprecherboxen. Sie waren damals das vorerst letzte Projekt einer langen Reihe von Eigenentwürfen, bildeten den optimalen Abschluss in dem Sinne, dass mich das Ergebnis vollkommen überzeugt und zufriedengestellt hat. Bis heute kam mir nie in den Sinn, diese Lautsprecher zu ersetzen, da die Kosten in keinem Verhältnis zum erzielbaren Gewinn bei der Klangqualität stehen würden. Das folgende Projekt habe ich seinerzeit sogar (in Variationen) noch mehrfach für andere HiFi Freunde gebaut.
      Bevor ich die Lautsprecher vorstelle und zeige, was nun im Jahr 2018 repariert, geändert und verbessert wurde, will ich mit einer grundsätzlichen Frage zum Thema Frequenzweiche beginnen.

      Es geht hier um eine 3-wege Weiche mit Butterworth Filtern zweiter Ordnung. Die Werte für die Bauteile habe ich damals nach den üblichen Formeln berechnet, ich hatte damals gerade einen Artikel aus einer Funkschau von 1982 zur Hand, der alles sehr schön zusammenfasste. Hier ein Auszug:





      Man beachte den umrandeten Text. Es geht um die Ankopplung des Hochtonzweigs. Ich habe es damals genau so gemacht wie im Artikel beschrieben: Der Hochtonzweig ist hinter dem Hochpasskondensator des Mitteltöners angekoppelt, nur sind bei mir die Trennfrequenzen 450 Hz und 6,5 KHz.







      Mir fällt nur auf, wenn ich heute Schaltbilder, Bücher, oder Formeln sehe, dass es offensichtlich nie so gemacht wird, sondern stets der Hochtonzweig direkt am Lautsprecherausgang liegt.
      Was ist "richtig"?
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()

      Hi Achim,

      bin nicht sicher, ob die Frage "richtig" gestellt ist. Es hängt doch von den Impedanzen auch der Chassis ab, wie man die gesamte Weiche rechnet, und was dann in der Praxis daraus wird. Wenn das gut abgestimmt ist, kann in dieser Kombi doch MHT und HT zusammen, mit der lokalen Beschaltung, eine bessere ohmsche Last werden als ein Chassis alleine an seinem Zweig. Oder anders ausgedrückt, beide Versionen können "richtig" sein.

      Aber ich nehme an, dass Du das inzwischen schon einmal konkret gerechnet hast, inkl. der auftretenden Phasenverschiebungen ?
      Oft weiss man bei den alten Chassis die Daten nicht, die man heute mitgeliefert bekommt, wenn man welche kauft.

      Besten Gruss,

      Michael
      Hallo Michael,

      die Frage bezieht sich zuerst einmal auf den (unrealistischen) allgemeinen Fall idealer, also konstanter Impedanzverläufe bei allen Chassis mit dem Nennwert 8 Ohm, um grundsätzlich zu wissen, welche Schaltungsvariante von sich aus keine Verfälschung des Impedanzverlaufs produziert.

      Im konkreten EInzelfall, mit gegebenen Chassis kann dann ja ggf. die andere Variante die Eigenheiten der Chassis kompensieren helfen.Impedanzschriebe habe ich zu meinen Chassis damals nicht auftreiben können, habe auch nicht gemessen, sondern nach Gehör (das war damals noch richtig gut und gut trainiert) gearbeitet. Probiert, probiert, verglichen, gegengehört, weiter probiert....
      Achim
      Hi Achim,

      im idealen Fall geht sicher beides. Aber am Ende kann es sein, dass die Abstimmung hier schwieriger ist, weil die Chassis halt nicht rein ohmsch sind ...

      Ein Punkt, der mir an der gezeigten Version nicht so gut gefällt: Der HT-Zweig muss durch 2 Kondensatoren in Reihe durch, aber es ist doch nur eine Weiche 2. Ordnung. Da hätte ich lieber eine Version, bei der man den HT einzeln behandelt, und dann den MHT per Bandpass richtig einsetzt.

      In der hier gezeigten Version beeinflussen sich HT und MHT stärker gegenseitig.

      Besten Gruss,

      Michael
      Naja, wir alten Rocker und Roller haben früher alle unsere Lautsprecher nach dem Gehhör und einigem bekannten Grundlagenwissen zusammen geschustert und wie ich feststellte taten das auch kommerzielle Hersteller.
      Eine faßbare Wissenschaft mit ihren eigenen Parametern und Meßmethoden bis zum Meßexzess kam dann später.
      Man muß auch den Kontext sehen, so eine Schallwand einer Konzerttruhe kann man schlecht sinnvoll messen, je nach Einbauort, oder Betrieb im freien Raum oder im unendlichen Raum - usw. möchte ich mir jetzt nicht alles wieder in den Sinn kommen lassen müssen - wären auch sinnlos vielfältige Ergebnisse herausgekommen.

      Bei geschlossenen Boxen konnte man auch gut nach den Datenblättern und Einbauempfehlungen der Hersteller gehen, bei meinem Hauslieferanten paßte das eigentlich immer und war auch Jahre später im Audiolabor exakt meßbar.

      Frequenzweichen waren mir immer ein Gräuel gewesen. Nicht wegen dem bisschen komplexer Zahlenjongliererei sondern, weil ich schon die Grundidee für falsch halte einwandfreie Verstärkerausgangssignale kurz bevor sie an die Schallwandler gelangen noch mal ordentlich mit für diesen Zweck völlig unperfekten Passiv-Bauelementen zu verbiegen und verzerren.

      Wie ich Weichen meide könnte man jetzt in einer kilmeterlangen oder hunderte Seiten umfaßenden Abhandlung niederlegen, das schenke ich mir.

      Aber das man, wenn man schon Weichen benutzt, die Phasenlage wenn dann schon zweimal 90° weiterdrehen muß ist so eine schwere Wissenschaft garnicht. Die von Achim angesprochene nur 90° Drehung vieler heutiger LS-Gruppen führt zu eben den unpräzisen, nicht im Raum sauber zu ortenden Hochtönen die wir heute alle so heiß und innig lieben. Das und das Stereo-Gehabe das sich von einem Raumklangverfahren inzwischen völlig gelöst zu haben scheint, sorgt dafür das da nichts mehr originalgetreu im Sinne des HIFI-Gedanken ist trotz teurem Equiplment.
      An dem Punkt der Erkenntnis angelangt sollte man mal nach dem Motto "Back to the roots" vergleichsweise die natürlich ebenso aufwändig zu behandelnde Monowiedergabe über Breitband-LS ausprobieren. Mancher würde wohl, nachdem er sich an den Wegfall des allgegenwärtigen Stereo-Monopols gewöhnt hätte, bemerken wie voll und reich, wie spontan und wohlklingend sich das im Vergleich zu Hühnerhof-Stereo über Batterien von ALU und Eisen (Kondensatoren und Induktivitäten) anhören kann.
      Gruß Jogi
      -------------
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      Hallo Jogi,

      Deinen letzten Sätzen bzl. Mono schließe ich mich gerne an. Seit der Jugend - also jetzt gut 40 Jahre - betreibe ich die gelegentliche Bastelei von Verstärkern und Boxen. Zuweilen kamen auch fertige Geräte und LS zum Einsatz.
      Leider bin ich mit keiner Variante wirklich glücklich gewesen. Dagegen habe ich manche Konzertübertragung aus dem Radio sehr genossen - und im Hinterkopf bohrte die Frage, warum in aller Welt echtes Musikhören über die Anlage im Wohnzimmer nicht so überzeugend und packend gelang.

      Nach langem Grübeln reifte die Erkenntnis, daß Stereo einfach nicht das richtige für mich ist.
      Mit kleineren Unterbrechungen zur Vergewisserung habe ich nun im Verlauf des letzten Jahres auf Mono umgestellt; seit Januar erklingen sämtliche Musik- und Wortsendungen ausschließlich über eine einzelne LS-Box und ich bin sehr froh, diesen Schritt vollzogen zu haben. Das nächste Ziel ist nun, einen etwas breiter abstrahlenden, vor allem größeren(!) Wandler zu bauen; eine einzelne Telefunken TL5000 ist für große Orchesterwerke manchmal doch etwas knapp.

      @Achim: entschuldige bitte den OT-Einwurf.
      Viele Grüße
      Eberhard
      Hallo allerseits,

      die Frage der richtigen Ankopplung des HT-Zweiges stelle ich im Moment hintenan, komme aber darauf zurück.
      Der konkrete Aufbau der Frequenzweiche sah im Jahr 1984 so aus:



      Ich hatte damals einen großen Vorrat Papierkondensatoren und alte 4µF Typen aus den 60ern im verlöteten Gehäuse. Die Serienspule (3,9 mH) im Basszweig ist sehr niederohmig und als Luftspule ausgeführt. Die beiden Spulen à 0,27µH für die 6,5 KHz Trennfrequenz habe ich damals selbst nach Tabelle(!) gewickelt und den Wert, wie ich jetzt nachgemessen habe, genau getroffen.
      Die Prallelspule im Hochpass für den Mitteltöner ist ein Ferritkerntyp, sie ist weit weniger belastet, als die Spule vor dem TT, der Kern dürfte auch unter Extrembedingungen weit von der Sättigung entfernt sein.
      Das Nachmessen der 6,5 KHz Kondensatoren zeigte starke Abweichungen nach oben (bis über 3µF, statt 2,2µF), die Papierkondensatoren im TT-Tiefpass laufen zum Teil aus, die Gummidichtungen werden angelöst.



      Die Parallelschaltung von 8 x 4µF im Mitteltonhochpass schließlich hatte ESR-Werte von 0,55 - 0,98 Ohm, je nach Frequenz, die Toleranzen lagen auch nicht mehr im akzeptablen Bereich.
      Nachdem ich also an den Induktivitäten nichts auszusetzen hatte, entschloss ich mich zum Ersatz der Kondensatoren - so schön die alten Exemplare auch aussahen.
      Heute sehe ich keinerlei Vorteile mehr bei Ppierkonmdensatoren, NOS "Ölpapier" (möglichst noch PCB), Elkos scheiden ohnedies aus.
      Ich bevorzuge schon lange MKP-Typen mit ausreichender Spannungsfestigkeit. MKP10 von WIMA sind impulsfest, verlustarm, temperaturunempfindlich und kompakt. Unter Audiogesichtspunkten habe ich nie negative Erfahrungen gemacht.
      Im Basstiefpass ist nun ein 32µF 250V~ 5% Bechertyp, der Rest sind WIMA MKP10 mit 400V~ bzw. 250V~.





      Damals hatte ich noch Impedanzkorrekturglieder berechnet und eingebaut, später festgestellt, dass sie entweder keinen, oder negativen Einfluss auf den Klang hatten, also wieder ausgebaut.
      Ferner hatte ich 1984 einen L-Regler für den Hochtöner und einen fixen 6 dB Spannungsteiler für den Mitteltöner mit in die Weichen integriert, weil mir das alles "zu schrill" und aufdringlich war. Heute besorgt mein Gehör diese Dämpfung, Regler und Spannungsteiler konnten entfallen :)
      Der ESR der Hochpasskapazität am Mitteltöner ist jetzt 0,17 Ohm, also rund ein Fünftel des vorigen Wertes, entsprechendes gilt für den Hochtonzweig. Gerade weil das HT-Signal durch beide Kapazitäten läuft (wie auch bei einem 18 dB Filter) ist das sehr positiv zu beurteilen.
      Auch habe ich diesmal auf Kanalgleichheit bei den Kapazitäten geachtet und durch ausmessen und passendes Kombinieren genau die gewünschten Werte erreicht.

      Die Bauteile sind allesamt mit Heißkleber montiert. Das hat über 30 Jahre perfekt gehalten und man kann mit dem Fön Teile wieder Ablösen und neue einkleben.
      Achim

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „nightbear“ ()

      Prima -- so sahen viele der Weichen, die ich über die Jahre gebaut habe, auch aus, ebenfalls viele mit genau diesen Wima Typen. Später bin ich dann doch immer häufiger zu anderen MKP Kondensatoren übergegangen, die nicht auf kleine Bauform, sondern auf Weicheneinsatz getrimmt sind -- sie unterscheiden sich in der Art der Folie bzw. wie diese alubeschichtet ist. Letztlich (wenn überhaupt) nur im Signalweg relevant, Unterschiede waren minimal, traten oft auch erst nach einer deutlichen Phase des Einspielens auf. In jedem Fall sollte sich im Vergleich zu vorher auch sofort eine deutlich verbesserte Transparenz im Klang bemerkbar machen -- mehr Details, bessere Raumabbildung, klarere Stimmen.

      Bzgl. 2 Kondensatoren im Signal bei Weichen 3. Ordnung: Stimmt, und darum sind da die Kondensatoren auch kritischer als in einer Weiche 1. oder 2. Ordnung. Wenn man mit einer Weiche 1. Ordnung die Trennung gut genug hinbekommt, wird man damit eine Direktheit und Auflösung bekommen, die nach meiner Erfahrung kaum eine Weiche 3. Ordnung erreicht. Wie gesagt, WENN man die Abstimmung hinbekommt. Dynaudio hat das bei einigen Serien sehr gut im Griff gehabt. Die waren dann nicht eben leichte Kost für die Verstärker, aber wenn der wiederum gut ist (und die Saba Endstufen packen das recht ordentlich), dann geht die Post ab ...

      Bin also gespannt, was jetzt beim Praxistest herauskommt ...

      Besten Gruss,

      Michael
      Hi Michael,

      mit 18 und 24 dB habe ich nie etwas bei Passivweichen gemacht, das war mir 1. zu aufwändig und 2. mit zu vielen Nachteilen erkauft.
      Die HT (Fostex T925) musste ich mit 12 dB ankoppeln, weil die Kombination auch für sehr hohe Leistungen ausgelegt ist und auch immer wieder einmal im 3-stelligen Wattbereich läuft. Bei 6dB hätte das feine und kostspielige Hörnchen sicher schnell Schaden genommen. Entsprechendes gllt für die Mitteltöner (Lowther C45), trotz 12 dB habe ich zwei Exemplare im "Lautstärkerausch" verbrannt.

      Ich habe heute zuerst nur eine der Weichen umgebaut und dann per Umschaltung Links <-> Rechts verglichen. Der Effekt beim Klang entsprach zu 100% dem, was Du im letzten Satz des ersten Abschnitts gesagt hast. Dazu kommt noch ein deutlich höherer Pegel bei Höhen und Mitten.
      Achim
      Ah ja, das ist doch dann schon jetzt ein voller Erfolg ... ich kenne das von diversen Frequenzweichen britischer Abstammung, KEF Derivate und so, die oft (meist) mit bipolaren Elkos bestückt waren. Recht gute, nicht die normale Ware, aber nach 10 Jahren dann eben doch "angeschlagen". Eine Umrüstung wie in Deinem Fall hat eigentlich immer geholfen, und eine Neuanschaffung von Lautsprechern unnötig gemacht.

      Sehr lange hatte ich eine komplett selbstgebaute Box, Zweiwegsystem, mit Bextrene TMT und Seidenkalotte beim HT, beides von Audax, an einer Weiche von Falcon Acoustics (Nottingham), bekannt unter dem Namen "The Tabor", und das auch noch aufwändig in einem Sandwich-Gehäuse mit Sandfüllung. Keine nennenswerten Gehäusevibrationen, sehr neutral -- nichts für hohe Lautstärken, aber prima zum entspannten Hören ...

      Nach ca. 10 Jahren war ich dann aber unzufrieden, weil mir der Klang zunehmend "schleierhaft" vorkam. Wegen der grossen Aufwandes beim Gehäuse ein Fall für eine Revision ... und da die Chassis noch topfit waren, blieb nur die Weiche. Das war so eine KEF-artige Weiche, 3. Ordnung beim HT, mit diesen ELCAPs, die man in UK gerne einsetzte. Aber die altern halt ... und letztlich habe ich insgesamt 3 Kondensatoren pro Weiche getauscht, einen im TMT-Zweig (der 2. Ordnung war --- aber Theorie hin oder her
      hat diese Weiche sehr gute Ergebnisse gebracht) --- da reichte ein MKT --- und zwei im HT-Zweig, die habe ich mit MKP bestückt.
      Danach war alles wieder im Lot ... wobei sich der Klang aber locker noch über die nächsten 2-3 Wochen leicht verändert hat.

      So spielen die noch heute, bei einem Freund in der Zweitanlage ... seit dieser Massnahme war keine Änderung mehr nötig, was ja auch klar ist, denn die Spulen ändern sich nicht ...

      Besten Gruss,

      Michael
      Papier/MP für Frequenzweichen ist zeitlos richtig. Das ist der beinahe universelle Kondensator überhaupt, immer wenn es um Leistung, Hochspannung, hohe Impulslast usw. in Frage kommende Parameter geht. Es gibt auch heute noch welche zu kaufen.
      Keine K-Folie übertrifft einfaches ölgetränktes Papier.
      Ummantelungen die halten und konsistent bleiben gibt es auch schon (längere Zeit).

      Das Öl gebräuchlicher Formfaktoren von Ölpapier-Kondensatoren in der U-Elektronik enthält normalerweise schon seit der Zeit des 2.Wk. keine bedenklichen Stoffe mehr.
      Mit Brief und Siegel und Stempel und Freigabe durch Umweltbehörden natürlich erst seit es diese überhaupt gibt (1974 und 1989), der Kondensator hielt sich also schon an die Vorschriften als diese noch nichtmal am Horizont erkennbar waren.
      Vereinzelt enthalten Sonder-Bauformen für die Starkstrom-Energieelekronik höhere Anteile unangenehmer Stoffe, aber immer noch unterhalb der Unbedenklichkeitsgrenze. Diese sind dann mit besonderen Gefahrenzeichen gekennzeichnet. Aber selbst an denen sitrbt man nicht wenn man sie versehentlich mal ißt 8o

      Man kann also ohne schlechtes Gewissen sagen das so gut wie alle Kondensatoren dieser Bauart unbedenklich ist, wenn man nicht nachts heimlich Umspannanlagen plündert und dabei Kondensatoren klaut , die man ohne Schwerlastkram noch nichtmal vom Boden abgehoben bekommt.

      Polypropylenkondensatoren kommen aus verschiedenen Gründen gleich danach. Aber auch für sie gelten die Einschränkungen wie für alle K-Folien.
      Für kleine Leistungen kann man problemlos auch KS/Styroflex nehmen. Diese fetzen aber schnell auseinander wenn sie überlastet werden.

      Elkos sind ungeeignet. Werden aber bis zu mittleren Leistungen dennoch gerne verbaut, weil billig und relativ klein.
      Will man solche unbedingt verbauen, dann sollten sie ausladend groß sein, unipolar formiert und einen niedrigen Verlustfaktor aufweisen.
      Dieser ist natürlich im relevanten Bereich wichtig und nicht bei Millimeterwellen. Da kann man die heute üblichen 100kHz Meßgeräte getrost vergessen, damit kann man maximal Elkos für Schaltnetzteile diskriminieren.
      Meßfrequenzen lt. Siemens Bauelemente-Handbuch sind in den Fällen 50Hz/100Hz/10kHz, wobei man logisch denken muß ehe man wieder blind herum mißt wie mit diesen Schaltnetzteil-Billigmetern die in letzter Zeit zu einer Art Fuchsschwanz an der Antenne geworden sind.
      50/100Hz eignen sich für den Netzteileinsatz und für Subbaßfilter, 10kHz für den Hochtonfilter.
      Aber besser man nutzt Elkos nur zu ihrer Standardanwendung Trennen, Puffern, Sieben.
      Gruß Jogi
      -------------
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Jogi“ ()

      Oh ja, das lässt sich aber noch steigern ... nachts auf dem Silbertablett ins Mondlicht gelegt und dann die Drähte mit einem speziellen Antivibrationslack beschichtet ... kostet dann nochmal 30 Euro pro Kondensator extra ...

      Ölpapierkondensatoren werden in der LS-Szene in der Tat noch gebaut, "gehypt" und verkauft. Sie mögen gut sein, wie Jogi es beschreibt, aber sie sind erstens teuer und zweitens meist recht gross in der Bauform. Ich habe einige Male ältere Typen eingesetzt, fand sie aber nicht besser als gute MKP Typen, im HT-Bereich zuweilen sogar klar schlechter. Ich kann nur vermuten, woran das liegt: An der Art, wie sie gewickelt sind. Da die meisten für andere Zwecke entwickelt sind, nehme ich an, dass die Art ihrer Wicklung bei höheren Frequenzen einer anderen Bauform mit Berücksichtigung induktiver Parameter unterlegen sein könnte. Speziell in der Zuleitung zum HT fand ich sie nicht völlig überzeugend ... wobei ich dazusagen möchte, dass ich bisher noch nicht die speziell für den LS-Bau angebotenen Typen probiert habe, die angeblich anders aufgebaut sind, dafür aber auch richtig teuer sind (und meist nicht passen). Wenn jemand das mal genauer untersucht hat, würde mich das interessieren ...

      Besten Gruss,

      Michael
      Ich habe die Papierkondensatoren vor dem Ersatz gemessen. Einige davon haben bei 10 KHz 30% weniger Kapaztät als bei 100 Hz und 1 KHz.
      Eine Erklärung für diese starke Frequenzabhängigkeit im doch niederfrequenten Bereich habe ich nicht parat.
      Die MKPs haben hier praktische keine Abweichung und auch ESR um 1 Ohm herum sind in einer 8 Ohm Kombination nicht wünschenswert.
      Achim
      Jaja, bei Ihhbäääh da wirste geholfen ;(

      Aber in der Tat gibt es soweit ich das noch kenne aus früheren Zeiten, sehr aufwändig und hochwertig von Hand angefertigte Kondensatoren, die kosten ein gutes Geld.
      Nur denke ich, über diesen Anhang des Fachs reden wir überhaupt garnicht, da müßte man viel zu deutlich Humbug und Voodoo von höchstwertiger Manufakturleistung trennen und was man davon hören kann, mit den bloßen Fleischlöffeln... "the answer my friend..."

      Irgendeine Spur Achim, wo die 30% hin hinweg gefleucht sein könnten? Du schriebst was von ölfeucht? Aber in normal betrieben Lautsprechern kommen die doch nicht so ans Schwitzen, daß sie durch Durchschläge soviel Öl und Kapazität verlieren können?? Merkwürdig.
      **Na ich muß mal bei Gelegenheit nach den Spezifikation dieser Blechkästen gucken und was Siemens - die sowas auch fertigten wie ich mich dunkel erinnere - da dazu meinte. Vielleicht sind das irgendwelche komische Spezialbauten gewesen.

      Michael, man muß da schon wieder genau aufpassen. Es gab ölimprägnierte Papierisolationen die mit Alufolie belegt waren und es gab Kondensatoren in solchen Kästen, die hatten eine flüssige Ölfüllung. Was da nun los ist siehe hier **. Weiters können nur die Kondensatoren durch Überschläge/Durchschläge an Kapazität verlieren die selbstheilend sind. Diese ölisolierten Kondensatoren brutzeln vor sich hin und geben nie auf solange noch ein Tropfen Öl da ist und sie nicht geplatzt sind. die verlieren entweder alle Kapazität sofort auf einen Durchschlag oder sie halten brutzelnd ihre groben Werte.
      Vielleicht macht Achim ja mal einen auf und guckt welcher Kuckuck da im Nest sitzt.
      Gruß Jogi
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      Dumme Frage: Ausser der offenbar möglichen Austrocknung, wenn die Dichtung zerbröselt, könnte es doch auch eine Polymerisation geben, oder nicht ? Öl ist nicht gleich Öl, und so etwas wie Ballistol, das auch nach 40 oder 50 Jahren noch einsatzfähig ist, dürfte doch die Ausnahme sein ... jedenfalls erinnere ich mich an Papierkondensatoren, die nach dem Zerlegen eine Papierlage in recht steifer Form aufwiesen, die fast die Konsistenz einer Plastikfolie hatten. So gesehen bin ich sehr gespannt, ob Achim da noch reinschauen kann.

      Besten Gruss,

      Michael
      Es handelt sich um einen MP-Kondensator von ITT/SEL mit 14µF von 1978:



      Die Flüssigkeit isat an der Anschlussfahne ausgetreten und nach unten Richtung Gummidichtung gelaufen. Die Dichtung ist in diesem Bereich aufgequollen und weich geworden. Vielleicht spielt Sauerstoff eine Rolle, denn sonst würde das Öl die Dichtung wohl auch von innen her auflösen.
      Die elektrischen Werte waren noch in Orednung, um PCB-haltiges Öl hat es sich nicht gehandelt, keine der einschlägigenen Kennzeichnungen findet sich auf diesen Kondensatoren.

      Im Hochtonereich saßen 2µF MP-Kondensatoren:



      Sie haben weit höhere Kapazitäten, 2,7 - 2,99µF, die ESR liegen bei knapp 1 Ohm.

      Die 4µF ERO Papierkondensatoren im prismatischen verlöteten Gehäuse stammen aus den Jahren 1965 - 1969. Ich habe sie damals aus Beständen der (grauen) Post bekommen.
      Sie sind auch heute noch proppendicht, die Kapazitäten liegen meist noch im Rahmen der Toleranz ("K", also 10%), sind aber frequenzabhängig):



      Allerdings streuen die ESR zwischen 0,4 bis über 1 Ohm. Bei einer Parallelschaltung von 8 Stück dürfte das eher ungünstig sein.

      Die jetzigen MKP (der Bechertyp ist übrigens auch ölgefüllt, hat die vertrauenerweckende Aufschrift "Pflanzenöl") haben durchweg ESR im Bereich ein Viertel - ein Fünftel der Papier- bzw. MP-Typen und die Kapazität ist praktisch frequenzunabhängig.
      Achim
      Hi Achim,

      die runden Exemplare sehen aus wie diejenigen, die man bei Motoren (Anlauf-C) und in der Energietechnik eingesetzt hat, die werden eher nicht für höhere Frequenzen optimiert worden sein. Die eckigen, wenn von der Post, werden auch eher bei durchweg niedrigen Frequenzen zum Einsatz gekommen sein, wo so eine Schwankung der Kapazität mit der Frequenz keine Rolle gespielt hat. Die könnten also sogar noch intakt sein, sind aber in so einer Frequenzweiche sicher nicht optimal. Ich habe noch ein paar Kondensatoren aus den 80ern, wo man sie schon in PE-Becher gesteckt und vergossen hat. Suche ich morgen mal raus, und messe
      sie --- mal sehen, wie das bei denen ausgeht.

      Besten Gruss,

      Michael
      Ja, die Metallpapier (MP) Typen im Becher waren primär als Phasenschieber (Anlauf-) Kondensatoren bei Motoren und zur Blindleistungskompensation bei Leuchtstofflampen vorgesehen.
      Dabei hat man es mit 50 Hz zu tun, hohe Spannungsfestigkeit, Impulsbelastbarkeit bei Schaltvorgängen und Selbstheilung stehen im Vordergrund. EIn etwas höherer ESR und die Verluste bei höheren Frequenzen und gewisse Toleranzen sind im 230V 50 Hz Stromkreis nachrangig. Auch Induktivitäten bei der Wicklung und Kontaktierung stehen nicht im Vordergrund.
      So gesehen sind sie als Parallelkapazität am Tieftonblautsprecher durchaus geeignet, ihr Verhalten bei 18 KHz unwichtig, da der Lautsprecher da ohnehin nicht mehr abstrahlt. DIese Konddensatoren habe ich nur wegen der "Inkontinenz" zweier Exemplare ersetzt

      Im Hoch- und Mitteltonbereich sieht es schon wieder anders aus, da möchte man möglichst keine Verluste haben, um keinen Wirkungsgrad zu verschenken und die 12 dB Filter sollen möglichst bei Nennfrequenz und dann auch wirklich mit 12 dB / Oktave arbeiten, um etwa den HT zu schützen. Auch eine Abhängikkeit der Kapazität und des ESR von der Frequenz sind unerwünscht.


      Ein übler Fehler ist mir seinerzeit bei der Auswahl der Anschlussterminals der TT und MT Gehäuse unterlaufen. Ich habe in der Eile, und weil ich diesem Detail keine Bedeutung beigemessen habe, solchen Abfall eingebaut:



      Der Ärger begann an Tag 1! Ständige Wackelkontakte und Unterbrechungen, sobald sich die Position der ankeklemmten Leitungen auch nur minimal änderte. Pegelsprünge im Betrieb bei kleinen Lautstärken, teils regelrechte Filtereffekte. Grund: Das Kabel wird von der schwächlichen Feder mur mit deren schmaler Kante, ein paar Zehntel dick, an einem einzigen Punkt kontaktiert. Zudem platzten die Klemmblücke bei der runden Version vom Plastikgehäuse ab, damit war das Gehäuse nicht mehr dicht.

      Alle Anschlüsse an der Weiche und am Hochtöner sind robuste Bananenbuchsen mit Schraubfunktion, an denen an den Kabeln angelötete Messingkabelschuhe festgeschraubt werden. Da gab es keinerlei Probleme, das sitzt bombenfest.
      An den Gehäuserückseiten der TT und MT Boxen habe ich jetzt auf Neutrik Speakon Einbaustecker umgebaut. sie sind in eine ca. 10 x 10 cm große Metallplatte eingebaut, die ihrerseits mit Heißkleber an der Rückwand befestigt wurden So erreicht man gleichzeitig eine (mit Wärme wieder lösbare) Befestigung und eine Abdichtung der Öffnung im Gehäuse.:







      In den Speakon Steckern kann man 2 x 4mm² Leitung bequem und kraftvoll verklemmen, sie sind kontaktsicher, hoch strombelastbar und die Verbindung kann leicht getrennt werden. Zudem ist das Gehäusematerial der Einbaustecker Metall und unverwüstlicher schlagzäher Kunststoff bei den Kabelbuchsen.
      So wurden endlich die immer schlimmer werdenden Wackelkontakte und Übergangswiderstände beseitigt.
      Achim

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