Grundig MXV 100 Vorstufe

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      Simulationsergebnisse



      Zunächst die Simulationsschaltung, Q1 und Q2 gehören zur Stromverstärkungsgruppe C. Die Last nach C2 entspricht der Summe der Ruheströme, die ich aus dem Schaltplan ableiten konnte, es fließen ca. 83 mA, entsprechend habe ich den Lastwiderstand R9 angenommen. Desgleichen stellt R16 die Ersatzlast für die verbaute Endstufe dar: 20 mA an B+ (28V). Die Widerstände R14 und R15 stellen die Summe aller Widerstände der Spannungsquelle dar. Also Innenwiderstand der Sekundärwicklung + sämtliche Übergangswiderstände im jeweiligen Zweig.

      Die Idealbilder



      Einschaltvorgang
      Rot: Spannung am 10 µF-Kondensator C1 (im Schaltbild C911): Bei ca. 9 Volt schaltet das Relais.
      Blau: Spannung am Kollektor des Schalttransistors Q1 (T905)


      Einschaltvorgang gezoomt bei Idealbedingungen
      Man sieht, der Spannungsversorgung der Relaisspule ist eine Welligkeit überlagert, die von den Ladeimpulsen kommt, die C3 (original C901) erhält. So wie hier dargestellt dürfte das unkritisch sein, der Abfall beträgt ca. 5 Volt. Nachdem das Relais einmal angezogen hat, dürfte es halten, beziehungsweise maximal ein bis zweimal schalten.


      Einschaltvorgang gezoomt, nichtideal
      Ich habe den Innenwiderstand der Sekundärwicklungen mit 2 Ohm geschätzt. Sind beide ähnlich, herrschen Idealbedingungen. Erhöhe ich den Wert bei einer Wicklung auf 4 Ohm, dominiert eine Wicklung und zwischen Spitze und Tal kommen ca. 12 Volt Unterschied zustande. Das Relais flattert dann für ein paar Millisekunden im 50 Hz-Rhythmus.

      Konsequenz: Spannungsverlauf an C901 mit dem Oszi prüfen. Liegen gleichmäßige Ladeimpulse von 100 Hz vor, ist da alles gut. Ist das Profil jedoch asymmetrisch mit starkem 50-Hz-Anteil, muss die Ursache dafür beseitigt werden.

      Mögliche Ursachen: Spannungen der Teilwicklungen kontrollieren, Übergangswiderstände bis zum Ladekondensator C901 kontrollieren (Steckkontakte, Sicherungen, Powerschalterkontakte, Sicherungshalter, Diodenteilstrecken des Gleichrichters). Das muss symmetrisch sein, eine Abweichung kleiner 0,5 Ohm ist anzustreben.
      So, wie die Graetzbrücke dargestellt ist, wirken die obere und untere linke Diode als Gleichrichter für die Ladespannung von C901

      Auch auf den Relaistyp kommt es an, es sollte einen Spulenwiderstand haben, der nicht allzu weit weg vom Original (960 Ohm) ist. Insbesondere größere Werte, z. b. 1600 Ohm, vergrößern den Spannungshub, den das Relais sieht. Niedrigere Werte, verkleinern ihn zwar, aber dafür wird die Anstiegszeit der Relaisspannung länger. Statt wie mit dem Original, 0,3 Sekunden, benötigt die Schaltung bei einem 500-Ohm-Relais ca. 0,5 Sekunden.

      Viele Grüße,
      Christian
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)

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      Nachtrag: Ein Elko von 10-33 µF parallel zum Emitterwiderstand von Q2/ T904 glättet die Einschaltkurve auch bei leicht asymmetrischen Ladebedingungen. Damit könnte man auch mal experimentieren. Ich habe aber nicht ausprobiert, inwieweit die Abschaltzeiten dann noch passen.

      VG, Christian
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)

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      So, es macht keinen Unterschied, ob ich erst einstecke und dann einschalte oder umgekehrt. Nach den ca. 8 Sekunden schnattert sich das Relais herein. Alle Verbindungen sind i.O., alle Dioden zeigen mit dem Prüfer korrekt an. Aber wenn ich mit dem Oszillographen die Wechselspannungen des Trafoausgangs ansehe, ist eine sinusförmig, und die andere sieht wie ein Trapezsignal aus. Vielleicht hat der Gleichrichter ein Problem, das teste ich jetzt mal. Wie gesagt, unnötig auslöten will man nicht ... das ist eine Einschränkung.

      Michael

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      So, Christians Analysen waren, wie immer, hilfreich und zielführend ! Es gab eine kleine Asymmetrie bei den Wechselspannungen am Trafo. Dann habe ich die beiden Drähte gelöst, und ohne Belastung war sie weg. Also musste es
      etwas sein, das unter Last passiert --- und siehe da, der Schalter war's ... da hätte ich mal eher dran kommen können ! Er schaltet ja sekundär, also bei eher kleiner Spannung schon etwas mehr Strom. Und das ist einem Kontaktpaar offenbar nicht bekommen. Ausgebaut, gemessen, und die Drähte mal direkt verbunden --- dann klappt's beim Einstecken. Nicht super knackig, aber mit klarem Einschaltpunkt. Somit muss jetzt noch dieser Schalter getauscht werden, und alles ist im Lot. Wie Hans es ja schon gesagt hat ... ;)

      Besten Gruss, und Dank für die Unterstützung !

      Michael

      p.s.: Jetzt bin ich mal gespannt, ob bei Bernhard auch der Schalter schuld ist.

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      So, jetzt muss ich noch einen adäquaten Schalter besorgen. Drin ist einer von APLS, aber mit einer eher ungewöhnlichen Halterung, nach oben verschraubt. Sehr ähnlich zu den kleinen Schaltern von Schadow, aber der Bügel ist anders, schmaler. Den von ALPS kann ich nicht finden, aber die anderen kann man auch in den Halter machen, wenn man noch etwas vom Material des Schalters abfeilt. Das werde ich mal so in Angriff nehmen ...

      Der Rest passt, der Klang ist eindeutig besser und klarer als vorher. Die recht vielen Elkos im Signal, die nicht mehr gut waren, hatten ganz offensichtlich ihre Spuren hinterlassen. Es gibt an einigen Stellen eine recht deutliche Erwärmung, aber wirklich thermisch knapp ist das nirgendwo. Am stärksten belastet sind die BC 638 im Ausgang, und die haben ja jetzt einen kleinen Kühler aufgesetzt bekommen. Wenn man hier revidiert, sollte man es nach Möglichkeit so machen, dass eine nochmalige Löterei vermieden wird.

      Besten Gruss,

      Michael

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      kugel-balu schrieb:

      p.s.: Jetzt bin ich mal gespannt, ob bei Bernhard auch der Schalter schuld ist.

      Hallo Michael !

      Heute habe ich die letzten defekten Teile ausgetauscht, unter anderen den C 364 mit 22nF Folie. Nun ist das Gerät betriebsbereit.
      Einige Versuche mit Hochfahren am Trenntrafo und auch direktem Einschalten haben immer ein sauberes Anziehen des Relais nach 6 - 8 sek. ergeben.
      Das Rattern ist weg. Ich habe im Signalweg keine MKS eingesetzt, sondern hochwertige Elkos von Panasonic mit eine höheren Temperaturfestigkeit.

      Zur Zeit läuft das Gerät im Probebetrieb.
      Ein zweimaliges Tauschen von Bauteilen hintereinander kann ich aufgrund der Platinenqualität bzw. der Leiterbahnen auf der Bestückungsseite nicht empfehlen.

      VG Bernhard

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      Bernhard HH schrieb:

      sauberes Anziehen des Relais nach 6 - 8 sek. ergeben.
      Das Rattern ist weg.


      Bernhard Glückwunsch!


      kugel-balu schrieb:

      Klang ist eindeutig besser und klarer als vorher


      Michael, so hatte ich das erwartet!

      Ich bin kein Freund von pauschalem "Elko-Tauschen". Aber bei diesen kleinen Zwergen tut man sich keinen Gefallen, wenn man sie drin lässt. Es geht zu warm zu.



      Grüße
      Reinhard

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      Moin Reinhard,

      klar -- die Konstruktion mit nur einer Spannung (statt symmetrisch) führt bei so einer Vorstufe ja zwangsläufig zu vielen Elkos im Signal. Davon gibt es hier som einige mit 0,47 uF oder 1 uF, wo man heute wohl keine Elkos mehr nehmen würde. Da nun ausgerechnet die 0,47 uF alle angeschlagen waren (auch an Stellen, wo es nicht sonderlich warm wird), muss ich davon ausgehen, dass sie aus keiner guten Charge stammen. Vom selben Typ sind auch welche mit 4,7 uF drin, die sind noch top fit.

      Im HiFi-Museum gibt es einen Bericht, der auch den Klang bemängelt. Darum hatte ich mich hier entschlossen, lieber ein paar Kondensatoren mehr zu tauschen als ich es sonst tue (ich halte auch nichts von generellen Elko-Kuren). Allerdings waren die Elna-Typen noch fit, und da sie nicht im Signal liegen, habe ich die gelassen. Ich bin jetzt mit dem Klang sehr zufrieden, finde nichts zu meckern ...

      Michael

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

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      Das Gerät lief einige Stunden im Probebetrieb. Dann kamen Störungen am linken Kanal. Es hörte sich nach einem Kontaktfehler an. Also zuerst den Quellenumschalter mit dem ALPS Zug gereinigt.

      Nachdem das nichts nutzte, die beiden Ausgangsschalter geprüft, da das Signal am Kopfhörer nicht gestört war.
      Auch das war nicht die Lösung. Erst eine Kontrolle der Durchkontaktierungen am T313 (BC638) und am T902 (BD439) und Nachlöten hat das Problem bis jetzt gelöst.

      VG Bernhard