Instandsetzung Grundig XM 600

      R2 ist ein geschlossenes Piher-Poti. Man sieht leider nix. Der Widerstandswert ist auch erst mal eher unauffällig gewesen beim Durchdrehen. Es gab keine Sprünge im Verlauf. Lediglich am Ende der Widerstandsbahn stieg der Wert auf mehr als 1 kOhm, ein Hinweis auf oxidierte Enden im Belag. Da sich sowohl Rauschen als auch das Knistern beim Drehen nur in der Lautstärke änderten, in gleichem Maß wie das Nutzsignal selbst, wird es wohl eine schlechte oder oxidierte Nietverbindung an einem der Bahnenden gewesen sein.
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)

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      Ruhestromeinstellung



      Die Endstufen enthalten keine Emitterwiderstände. Daher kann die Ruhestromeinstellung nur nach Auftrennung einer Brücke vorgenommen werden. Im Schaltplan ist sie zwischen Kollektor des unteren Endstufentransistors zur negativen Betriebsspannung eingezeichnet. Auf der Platine ist sie nicht ohne Weiteres zu finden. Es gibt eine ganz schmale Leiterbahnunterbrechung, sie wird nur sichtbar, wenn man entweder das ganze Lötzinn absaugt oder mit einer Holzspitze das flüssige Lötzinn an der richtigen Stelle "wegkratzt".





      Auf den Bildern habe ich die Unterbrechung mit einer grünen Linie gekennzeichnet. Zur Einstellung macht sich ein drübergelöteter 1-Ohm-Widerstand gut. Dann gilt: 1 mV = 1 mA Ruhestrom.
      Hier noch die Zielwerte:
      Hochtöner Y: 60 mA
      Mittel- und Tieftöner X: 50 mA.

      Nach dem Einstellen kommt der Widerstand wieder weg und die Brücke wird mit Lötzinn wieder hergestellt.

      Viele Grüße,
      Christian
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)

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      Ja, korrodierte Enden, das hatte ich auch schon. Tückisch, wenn gekapselt ... aber Du hast das ja gefunden, Christian, das ist die Hauptsache.

      Diese Ruhestromeinstellung ist auch bei Verstärkern von NAD lange Zeit weit verbreitet gewesen, fand ich immer eher lästig (ist es ja auch ...). Wenn möglich, habe ich dann eine Sicherung mit Halter ergänzt, die man dann zur Justage durch ein DVM im Strommessungsmode ersetzt.

      Manchmal ist auch ein Widerstand vorhanden, und nur überbrückt. Dann geht's so, wie Christian schon beschrieben hat, und der Widerstand bleibt drin.

      Weiter viel Erfolg !

      Michael

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

      Nachlese zum Rauschen - Obduktion des Potis

      Die Metallrückwand enthält den Schleifer und lässt sich leicht mit einer Klinge aus dem Gehäuse heraushebeln. Im Inneren sieht man die Kohlebahn mit - wie erwartet - oxidierten Enden. Die Bahn selbst ist völlig in Ordnung und zeigt auch den erwarteten Widerstandswert, wenn man noch ein leitfähiges Stück am Bahnende mit den Meßspitzen erwischt.
      Die Kontaktierung zu den Pins erfolgt nur über die umgebogenen Metallzungen, kein Niet, keine Verlötung, nur ein wenig gebogenes Blech, das den Bahnträger an den Enden einklemmt. Die Zunge links habe ich aufgebogen, rechts ist sie noch im Originalzustand. Mich wundert, dass das überhaupt so lange funktioniert hat.

      Viele Grüße,
      Christian
      Bilder
      • Poti.jpg

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      • Potibahn.jpg

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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)
      Erste Akustikmessung des Ersatzhochtöners

      Meine Wahl zum Ersatz der Hochtöner fiel auf ein recht günstiges Modell, das ebenfalls eine 19-mm-Schwingspule aufweist, für einen Frequenzbereich oberhalb von 2,5 kHz (Trennfrequenz 4 kHz) geeignet ist und nominell die Nennlast (10 Watt) aushält. Form und Größe weichen ab, der neue hat angeblich einen Neodymmagneten und einen Kühlstern drauf. Ob das kleine Ding tatsächlich 30 Watt aushält, werde ich wohl nie erfahren, diese Boxen werden bei mir mit Sicherheit nicht mit Nennlast betrieben.



      Es gibt sie unter verschiedenen Namen, Form und Daten sehen ähnlich aus.



      Die Schraublöcher in der originalen Kunststoffblende lassen sich nutzen, um den Ersatz-Hochtöner zu montieren. Der Waveguide passt dann allerdings nicht mehr exakt, die Membran sitzt ein paar Millimeter weiter hinten.


      Die erste Messung erfolgte im Wohnzimmer, ohne irgendwelche akustischen Optimierungen.



      Gelb: modifizierte Box, Grün: Originalbox

      Drei Sachen fallen mir auf:
      Trennfrequenzen zur Info: 1 kHz / 4 kHz
      1. Zwischen 2 kHz und 3,5 kHz hat die Modifikation zwei Pegelabfälle. Die Überlagerung von HT und MT schlägt hier vermutlich ungünstig zu. Ich werde das Experiment nach dem Umpolen des Hochtöners wiederholen.
      2. Der Pegel des Hochtöners ist relativ hoch im Vergleich zur Originalbox, passt aber gut zum Tieftöner, vermutlich werde ich den Mitteltöner leicht anheben und den Hochtonbereich leicht reduzieren.
      3. Der originale Hochtöner zeigt einen starken Pegelabfall ab 10 kHz. Im Vergleich dazu benimmt sich der Billigersatz besser. Dieser Verlauf muss nicht original sein, er hat ja definitiv einen Überlastschaden gehabt.
      Im Bassbereich unter 90 Hz zeigt sich auch ein winziger Unterschied. Vermutlich sind das aber Folgen, dass der Rückseitendeckel nicht komplett verschraubt ist. Da ich an beide Boxen nochmals Hand anlegen muss, habe ich nur zwei von acht Schrauben montiert.


      Da heute so schönes Wetter war, habe ich mir auch mal den Spaß erlaubt und eine Außenmessung vorgenommen. Ziel war es, Raumeinflüsse auf die Messung zu verringern.



      Gelb: Modifizierte Box, innen, Lila: modifizierte Box, außen
      Ich hätte die Einflüsse stärker erwartet. Man sieht schon, außen fehlt der Effekt der wandnahen Aufstellung einer Regalbox und es gibt ein paar weniger Moden, aber für die weitere Optimierung habe ich beschlossen, bei Innenmessungen zu bleiben.




      Messaufbau, semiprofessionell mit Stehleiter als Mikrofonständer, Boxengasse im Baumhausaufgang und schon bereitgestellten Recyclingmaschinen, falls das Ganze nix wird.

      Viele Grüße,
      Christian
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)

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      Sehr schön, und ich denke, das wird mit ein paar Anpassungen insgesamt nicht schlechter sein als das Original. Dass Boxen aus der Zeit mit dem HT-Bereich jenseits von 10 kHz eher mehr Probleme haben als moderne Konstruktionen kommt für mich nicht überraschend, das habe ich schon einige Male erlebt. Früher habe ich den Unterschied auch gehört, aber das ist leider jetzt nicht mehr so ...

      Besten Gruss,

      Michael


      Nach Umpolen des Hochtöners ergibt sich der blaue Frequenzverlauf. Die Delle ist weg, die hohen Frequenzen ebenfalls abgesenkt. So kommt das Ergebnis dahin, wie ich mir das vorstelle.
      Rot (Plus) kommt an den breiten Anschluss, Schwarz (Masse) an den schmalen Steckkontakt. Das entspricht der "Standardbelegung" vieler Chassis. Falls das so sein sollte, wofür meines Erachtens auch die Frequenzkurve spricht, ist der Hochtöner nun wieder wie beim Original gegenüber dem Mittel- und Tieftöner phasenverdreht angeschlossen. Im Schaltplan liegt Masse an deren Chassis-Pluspolen.





      Und das ist der Vergleich der Box im Originalzustand (rote Kurve) mit der modifizierten und umgepolten (blaue Kurve). Die originale ist noch immer etwas eingebremst bei den Mitten und Höhen.

      VG, Christian
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)

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      Ich habe zwar selbst noch keine LS-Boxen gebaut, mich aber mal mit dem Entwurf von Weichen und deren Simulation in Lautsprechermodellen (Boxsim) befasst. Da kam das Problem "sauberer Phasenübergang" zwischen Mittel- und Hochtöner auch vor.
      Nicht immer ist das ja so perfekt durch Umpolen wie hier, zu lösen. Denn wenn der Phasensprung nicht 180° beträgt, kann die Phasenanpassung nicht einfach durch Umpolen des HT erfolgen. Bei Passivboxen muss die MT-HT-Weiche das zusätzlich zum glatten Frequenzgang leisten. Ist das gelungen, ist noch nicht gesagt, dass die Box auch eine breite Abstrahlung (geringe Richtwirkung) in der Horizontalen und Vertikalen hat. Zu starke vertikale Richtwirkung, die dazu führt, dass man am Hörplatz den Kopf auf derselben Höhe wie den HT haben muss, ohne dass merklicher Höhenabfall eintritt, findet man leider häufiger - Ärgernis.

      Solche Messungen, wie hier die von Christian, können das aufdecken. Oder ausgiebige Hörtests.
      Schön, wie klar der Phasensprung-Effekt in Christians Messung zu sehen ist.

      Gruß
      Reinhard
      Stimmt, aber beim Testlauf fand ich auch, dass er etwas wummerte, und das wird jetzt nicht nur daran gelegen haben, dass der Rest noch nicht ganz in Ordnung war. Ist da aktiv etwas korrigiert / ausgeglichen ? So klang es in meinen Ohren. Aber das ändert nichts daran, dass Grundig mit diese Boxen (bzw. der ganzen Reihe) sehr fortschrittlich war. Nicht ohne Grund sind sie ja auch immer noch recht beliebt auf dem Gebrauchtmarkt, wenn sie intakt und gut erhalten sind.

      Michael
      Schaltungstechnisch ist der Tieftonbereich durch die Filterschaltung insgesamt etwas angehoben, inklusive einer Pegelzunahme hin zu tiefen Frequenzen bis ca 30 Hz, aber es gibt keine extreme Subbass-Anhebung unter 50 Hz. Das Diagramm zeigt die Pegel am Eingang der jeweiligen Endverstärkerzweige bei Mittelstellung der Potis R12 (HT) und R14 (MT).

      Ein von Grundig genutzter Trick ist aber, dass das Boxeninnere prall mit Gewebewolle gefüllt ist. Das führt neben der Minimierung von stehenden Wellen und der Dämpfung der Bass-Resonanzfrequenz durch die Verringerung der Schallgeschwindigkeit auch zu einem virtuell größeren Innenvolumen. Mit der richtigen Menge an Dämpfungsmaterial können Werte von bis zu 1,27 des rechnerischen Volumens erreicht werden.
      Meinen Messungen würde ich im Bassbereich allerdings nicht zu viel Bedeutung geben. Raum und Aufstellung sind nicht für Akustikmessungen optimiert. Bei Gelegenheit wiederhole ich die Messung im Freien noch mal mit gefüllter und ungefüllter Box.

      Viele Grüße,
      Christian

      Nachtrag: Pegeldiagramm berichtigt, das vorherige wies für den Mitteltöner einen Dip bei ca. 1,6 kHz auf, der an der realen Schaltung nicht nachweisbar war und auf eine fehlerhafte Wertangabe in der Simulationsschaltung zurückzuführen war.
      Bilder
      • Pegel_nach_Filter_50_50.jpg

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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)

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      Danke Christian, so hatte ich mir das auch gedacht (bzw. entnommen). Die Verwendung von eher viel Dämmwolle hat zwar den beschriebenen Effekt (und wurde daher damals oft eingesetzt), hat aber den kleinen Nachteil, dass der Klang darunter leidet, und zwar im Mitteltonbereich. Es ist dann nicht so locker, sondern tendenziell auch eher überdämpft. Die Entwicklung ging dann einfach erst zu etwas größeren Boxen, und dann wieder zu kleineren, als man andere Thiele--Small-Parameter realisieren konnte.

      Heute versucht man eher, mit wenig Dämmwolle auszukommen, wie man an den vielen Bauvorschlägen aus den einschlägigen Hobby-Zeitschriften sehen kann. Mit durchaus gutem Erfolg, würde ich sagen. Die Vielfalt an guten Chassis ist enorm, man kann sich inzwischen wirklich überzeugende Boxen in allen Größen selber bauen, die keine Wünsche offen lassen. Wie es mit Ersatzteilen in 20 Jahren aussieht, ist eine andere Sache ...

      Michael
      Das war gemein!

      Bei Box Zwei mit dem notdürftig reparierten Hochtöner habe ich nun ebenfalls den Teiletausch abgeschlossen. Beim Ruhestromabgleich erreichte ich beim Hochtöner nicht exakt den Zielwert von 60 mA, dachte mir aber noch nichts dabei. Der Hochtöner hat den letzten Test nicht überlebt, seine Zielbelastbarkeit war wohl durch die provisorische Instandsetzung weit unter dem Sollwert. Der zweite Ersatzhochtöner sitzt nun ebenfalls in der Box, dieses Mal ordentlich eingebaut. Ich freute mich auf das Probehören und den Pegelabgleich gemäß Akustikmessung. Was bei Box 1 klaglos funktionierte, brachte bei Box 2 eine Warnung bei der Messung auf den Bildschirm: Ungewöhnlich hohe Verzerrungen, meine Signalkette hätte vermutlich irgendwo einen Mangel. Eingebildete Software!



      In der Tat, im Hochtonbereich stiegen die THD-Werte auf irgendwas über 40%. Die Bestätigung kam bei der Kontrolle mit dem Oszi. Es wird nur eine Halbwelle verstärkt.



      Nun ist die Fehlersuche in gleichspannungsgekoppelten Endstufen nicht ganz trivial. Die Endstufentransistoren und ihre Treiber zeigten keine Auffälligkeiten am Tester. Das Schaltbild zeigt auch, für niedrige Ausgangslast können die Treiber hier durch die 68-Ohm-Widerstände auch allein arbeiten. Das nutze ich gerne, um die Variablenanzahl bei der Fehlersuche einzugrenzen.

      Aber die Sache mit dem Ruhestrom, da war doch was. Bei der Schaltung handelt es sich um eine Multipliziererschaltung, ergänzt um eine Germaniumdiode und zwei NTCs. Etwas Rechnen ergab, im Basisspannungsteiler müssten ca. 5 mA Strom fließen, über den Kollektorwiderstand R425 noch einmal etwa diese Größenordnung, also in Summe 10-12 mA über den Emitterwiderstand R424 von T405. Der Spannungsabfall über dessen 220 Ohm betrug aber 5,7 V --> 26 mA. Der Strom über den Basisspannungsteiler war im Soll, aber über R425 fiel eine zu hohe Spannung ab, entsprechend ca. 20 mA. Aber woran konnte das liegen? Ruhestromtransistor T406 funktionierte einwandfrei, die Treiber hatte ich im ausgebauten Zustand ebenfalls getestet. Ein weiterer Hinweis: Treiber T408 wies keine Basis-Emitter-Spannung auf. Im Betrieb ein paar mV, im eingebauten stromlosen Zustand lag der Wert bei Null. Widerstandsmessung zwischen Basis und Emitter: 70 Ohm in beide Richtungen, also R429 plus ein paar parasitäre Ohm. Aber wie kann so etwas zustande kommen. Laut Schaltplan liegt dieser Widerstand nicht zwischen Basis und Emitter von T408. T410 war noch ausgebaut, dessen Schutzdiode ebenfalls.
      Da fing ich an, nach Lötbrücken zu suchen. Zuerst bei den Endstufentransistoren, es geht recht eng zu und ich war dort am Werke. Aber da war alles in Ordnung.

      Beim Verfolgen der Leiterbahnverbindungen fiel mir dann irgendwann ein kleiner verdächtiger Zinnzipfel auf.



      Ja, das war die Verbindung zwischen Basis von T408 und dem Ausgang. Damit war es auch logisch, dass der 68-Ohm-Widerstand zwischen Basis und Emitter messbar wurde. Nach Entfernen der Zinnbrücke ließ sich der Ruhestrom sauber einstellen und am Ausgang erschien wieder ein sauberer Sinus, bei kleiner Last auch nur mit den Treibern, nach Einbau der Endtransistoren auch mit 6 Ohm Last und bis hin zu 25 Volt Spitze zu Spitze.

      Die Fehlersuche hat mich zwei Abende gekostet. Letzlich war diese Box schon im Auslieferungszustand mit diesem Mangel behaftet. Es war klar ersichtlich, an der Leiterplatte hatte sich vor mir noch niemand zu schaffen gemacht und an der Stelle war ich vorher nicht. Beim Klang ist mir das nicht ohne Weiteres aufgefallen. Ja, die Musik klang manchmal etwas scharf und in den Mitten irgendwie seltsam leblos. Ich war schon etwas enttäuscht von diesen sonst ja recht hoch gelobten Aktivboxen.
      Aber nun: Kein Vergleich zu vorher. Kristallklarer Sound, selbst mit noch ausstehendem Feinabgleich der Pegel von Box 2. Nun machen sie Spaß und dürfen demnächst in meiner Zweitwohnung ihren Dienst antreten.

      Viele Grüße,
      Christian
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      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „chriss_69“ ()

      Bei "normalen" Endstufen ist es doch immer wieder eine Erleichterung, wenn man die Treiberstufen alleine machen lassen und die Endstufentransistoren erstmal rauslassen kann. Aber so ein gemeiner Fehler wie og. kommt doch selten vor. Hat man das bei Grundig in der Endkontrolle nicht gemerkt? Offenbar nicht.
      Wow ... wirklich gemein ... aber nach meiner Erfahrung gar nicht so selten ! Zwei Beispiele aus dem letzten Monat:

      (1) Ich bekam ein Omtec Netzteil, das bei einer VDE Sicherheitsprüfung durchgefallen war. Kein direkter Grund ersichtlich, alle Spannungen waren korrekt da. Aber nach Zerlegung kam zutage, dass die Primäranschlüsse bei einem der beiden Trafos an Lötpins fixiert waren, die auf der Leiterbahnseite nur durch 0,2 mm getrennt waren, was erstens nicht erlaubt ist und (bei kleinen Resten von Flussmittel) auch keinen hinreichend hohen Isolationswiderstand ergibt. Das war ab Werk, offenbar bei der gesamten Serie --- schlimm ! Liess sich zum Glück leicht beheben.

      (2) Derzeit bin ich an einer Sansui B-1000 Endstufe dran, die noch ein paar versteckte Fehler besitzt. Die Arbeiten sind durch zwei Dinge massiv erschwert: Erstens hat schon mal jemand übelst daran herumgelötet und dabei mehrere Lötkleckse hinterlassen, die ich erst gefunden habe, als ich sehr genau alle Leiterbahnen verfolgt habe (einige auch unnötig eng beieinander), und zweitens dadurch, dass Sansui bei diesem Modell einen sehr zähen Lötschutzlack eingesetzt hat, der Messungen arg erschwert. So ein zähes Zeug habe ich noch nie in einem Gerät vorgefunden, es lässt sich auch kaum abwaschen ... und er kaschiert eben auch unerwünschte Lötbrücken.

      Mich freut aber sehr, dass Christian die Boxen wieder tip top hinbekommt. Die sind nämlich viel zu schade, um sie auszumustern !

      Besten Gruss,

      Michael
      Wer weiß, warum das Exemplar damals bei Grundig durchgerutscht ist. Eine Serienfertigung besitzt so ihre Herausforderungen und allgemein habe ich in den letzten Jahren Grundiggeräte aufgrund ihres übersichtlichen und durchdachten Aufbaues schätzen gelernt. Saba kommt da nicht heran. Daran ist schon erkennbar, dass Sorgfalt bei der Nürnberger Firma großgeschrieben wurde. Besonders was die Platinenbestückung betrifft, schaue ich mir lieber Grundiggeräte von innen an. Keine schiefen Bauteile, logische und technisch sinnvolle Anordnung, oft auch recht wartungsfreundliche Gestaltung.

      Was hier passiert sein könnte, lässt sich nicht mehr genau sagen. Am ehesten bei der werksseitigen Einstellung des Ruhestromes hätte eine solche Brücke auffallen müssen. Denkbar ist aus meiner Sicht eine erst nachträgliche Aktivierung der Zinnbrücke. Man sieht im Bild, dass der Pfropf auf der Leiterbahn nicht sauber gebunden hat. Denkbar wäre aber auch, dass, wie ich, jemand in der Nachtschicht gedacht hat: Pfeif drauf, 50 mA statt 60 mA werden wohl reichen. Töne gab sie von sich, auch im HT-Bereich, im niedrigen Leistungsbereich auch ohne Verzerrungen.
      Davon mal abgesehen kann man dem Mangel schon bescheinigen, dass er nicht einfach detektierbar war. Ob die Prüfstraße überhaupt mit einem Oszilloskopmeßplatz oder mit einer Mehrfrequenz-Klirrfaktormessung ausgestattet war? Falls ja, wie groß war die Stichprobe für solche aufwändigen Prüfungen?

      Jedenfalls möchte ich den Thread nicht als Kritik am Hersteller verstanden wissen. Es ist eher die Kuriosität dieser Geschichte reizvoll, dass ein Gerät über vierzig Jahre mit einem verdeckten Mangel im Einsatz war, und dass dieser erst durch die Zugänglichkeit fortgeschrittener Messverfahren für Amateure aufgedeckt wurde.

      Viele Grüße,
      Christian
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