Canton EC-P1

      Canton EC-P1

      Liebe Freunde,

      ich revidiere gerade eine dieser Vorstufen von Canton, damals wohl von MBL für Canton gebaut. Toller Aufbau, ungewöhnliches Design, und mit vielen sehr nützlichen Eigenschaften ausgestattet. Interessant ist z.B. der doppelte Phono-Eingang, man kann einmal MM und einmal MC anschliessen und umschalten. Einen Schaltplan (ohne Dimensionierung) findet man im Netz, aber leider keine Bedienungsanleitung. Auch Canton hat keine mehr, und dummerweise auch keine PDF-Version.

      Daher die Frage: Hat jemand zufällig ein Original der BDA, das er mal ausleihen oder in guter Qualität scannen könnte ? Es wäre schön, wenn man eine Version z.B. bei der HiFi Engine ablegen könnte, denn diese BDA wird immer mal wieder gesucht (auch wenn die Bedienung sehr einfach ist).

      Besten Gruss,

      Michael

      Nachtrag: Bei HiFi Engine gibt es eine bessere Version des Schaltplans (bessere Auflösung), und auch eine Seite mit den Bauteilewerten. Das hat Canton wohl mal freigegeben, somit liegen alle wichtigen Informationen vor.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

      Eng verwandt ja, aber es gibt charakteristische Unterschiede. In vielen technischen Aspekten ist die EC-P1 besser gemacht als die MBL 4010. Es wäre also schön, ein Original zu haben. Vielleicht findet sich ja eines ... einen Scan der BDA vom 4010 hat MBL noch, kann man dort anfragen und bekommt dann ein PDF geschickt.

      Canton hat mir mitgeteilt, dass sie selber keine mehr haben, darum auch kein PDF, aber auch gerne ein Exemplar hätten, denn es wird öfter mal nachgefragt. Wäre also schön, wenn sich ein Exemplar fände.

      Michael

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

      So, ich habe jetzt zwei von diesen Vorstufen hier stehen. Eine fast wie neu, sogar noch mit OVP, die andere etwas älter und auch ein wenig angegriffen (einige Mechanik-Teile fehlen). Hier erst einmal ein Plan:

      Canton EC-P1 preamp diagrams.pdf

      Die neuere lief, war aber schon einmal in Reparatur. Dabei ist ein IC getauscht worden (NE 5534 AN), leider gegen die normale Version (NE 5534 N). Ein paar Elkos waren angeschlagen -- im MC-Kreis, wo sie mit eher geringer Vorspannung arbeiten müssen. Die habe ich vorsichtshalber mal ersetzt. Für die MC-Vorvorstufe wird aus der Bordspannung (18 V) per Z-Diode und Längstransistor eine kleinere Spannung erzeugt. Hier habe ich 10 uF über die Z-Diode ergänzt. Jetzt läuft die Vorstufe probe, und alles passt soweit. Im MM-Zweig habe ich mal Sockel eingebaut, und zwei SSM 2134 spendiert.

      Das ältere Exemplar war komplett defekt. Zuerst einmal der Trafo, und das hat ein voriger Benutzer selbst verursacht: Wenn man die Primärsicherung (125 mA träge) mit einem Draht überbrückt, muss man sich nicht wundern, wenn ein kränkelnder Netzteilelko per Kurzschluss den Exitus einleitet (und so war's, wie sich am Labornetzteil herausstellte). Ansonsten ging das meiste, ausser KH-Amp und ein Kanal von Phono MC.

      Der KH-Amp blieb stummgeschaltet, obwohl der Transistor zur Steuerung in Ordnung war. Es stellte sich heraus, dass dessen Ansteuerung zu knapp bemessen war, und die Reduktion eines Vorwiderstandes beseitigte dieses Problem. Die Elkos im Netzteil mussten auch neu, die waren rissig und ausgelutscht. Blieb das MC-Problem.

      Nach einigen Versuchen ergab sich dann, dass aus der MC-Vorvorstufe eine kleine Menge DC herauskam, was auf die beiden Auskoppelelkos deutete. Obwohl vorgespannt (mit 5 V, also genug), hatte ein Elko offenbar einen Feinschluss und liess etwas durch. Das muss sogar schon lange so gewesen sein, denn auf der Platine war schon übel herumgelötet worden -- offenbar ohne das eigentliche Problem erkannt zu haben. Ich habe dann auch die ICs entfernt, Sockel eingebaut und neue ICs spendiert -- jetzt tut alles, wie es soll. Nur den Trafo muss ich noch ersetzen (ist im Zulauf). Bilder folgen ...

      Besten Gruss,

      Michael

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

      Hallo Michael,

      wie macht sich der Unterschied zwischen den OPV Versionen N und AN bemerkbar? Hört man einen Unterschied beim Rauschen? Beim Trafo würde ich sagen: Glück gehabt, dass es hier nur einer mit einer Ausgangsspannung sein muss. Ersatz ist ja ansonsten entweder Glücks- und Geduldsspiel oder kostenintensiv.

      Viele Grüße,
      Christian
      **************************************************
      2 + 2 = 5 (für extrem große Werte von 2)
      Hi Christian,

      Der Unterschied ist nur minimal, im Grunde nicht relevant -- einen Tick mehr Rauschen. Aber das neue IC war auch schlecht eingelötet, das missfiel mir ... wenn man solche duschkontaktierten und filigranen Platinen bearbeitet, spendiert man doch besser Sockel bei einer Reparatur, was ich jetzt gemacht habe (an den Stellen).

      Trafo: Primär 2 x 115 V, sekundär 2 x 18 V, bei 10 VA. Der steckt in einem massiven Metallgehäuse, es passt also auch kein grösserer Trafo rein (auch nicht 15 VA). Durchmesser max. 58 mm, Höhe max. 29 mm. Ein Bekannter hat noch einen, und die 10 VA Version gab's im Netz (mal sehen, wie der dann ist, wenn er hier ist). Die gehen auf jeden Fall gelegentlich mal kaputt, daher will ich auch einen in Reserve hier liegen haben.

      Der originale Trafo ist von Talema, aber dort stellt man die offene Bauform unter 15 VA nicht mehr her. Das passt dann nicht, und 10 VA reichen auch: Die Vorstufe zieht knapp 100 mA aus dem Labornetzteil, also ist ein Trafo mit gut 250 mA auf der sicheren Seite.

      Besten Gruss,

      Michael

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

      Michael,

      Du bist quasi ein Magnet für Exoten!

      Mit Exoten meine ich Manufakturgeräte, die nur in relativ geringen Stückzahlen gebaut wurden. Bis zu Deinem Post habe ich nicht gewusst, dass es auch mal Vorverstärker von Canton gab. Ich kannte bis dato nur Lautsprecher und Umschaltpulte von Canton. MBL bezeichne ich als ausgesprochenen Manufakturbetrieb mit entsprechenden Preisen für den dickeren Geldbeutel und inzwischen auch entsprechendem Erscheinungsbild.

      Ich kann mir denken, dass diese Geräte sehr gut waren und jetzt nach Deiner heilenden Behandlung auch wieder werden.

      Gruß
      Reinhard
      Hi Andreas und Reinhard,

      danke -- das mit dem Trafo hatte ich sogar gesehen. Passt aber nicht, weil ich 2 x 115 V brauche. Es ist aber schon einer bestellt, bei TransTec, der genau die richtigen Daten hat. Und einen bekomme ich eh noch bei Gelegenheit von einem Kollegen, der mal so eine Vorstufe ausgeschlachtet hat (statt sie zu reparieren ... aber manche Exemplare sind halt verrostet oder sonst irreparabel, da ist dann eine Verwertung sinnvoller). Werde berichten, und dann auch ein paar Bilder einstellen. Ist wirklich ein interessantes Gerät, auch wegen der zwei Photo-Eingänge.

      Exotenstatus, klar. Stangenware interessiert mich einfach weniger ... und dies ist halt ein Gerät von MBL, aus dem 4010 abgeleitet, und wohl auch dort gebaut. Von der Technik her nichts besonderes, halt um den NE 5534 N bzw. AN herum aufgebaut, mit Chips von Signetics. Die sind definitiv besser als viele spätere Exemplare (wobei die aktuellen Chips von ON Semi bei den Verzerrungen etwas besser sind als die von TI, wie auch Elektor mal explizit gemessen hat).

      Canton hatte damals wohl eine eigene Vorstufe im Programm haben wollen, um die hauseigenen Aktivboxen ansteuern zu können. Ist aber nur 2-3 Jahre lang produziert worden, und war klanglich nicht komplett überzeigend (ich hatte den damals mal eine Weile). Kostete so um 1900 DM `9laut HiHi Wiki sogar mehr, nämlich 2600 DM), wurde dann später aber für die Hälfte verkauft. Das Problem war das bekannte bei diesen ICs: Sie sind prima, und klingen auch neutral und detailliert, aber erst nach einer Weile. Einschalten und sofort perfekt hören ging (und geht) also nicht. Bei einer Gesamtstromaufnahme von knapp 6 VA hätte man ihn auch einfach laufen lassen können, aber das tat damals keiner. Nach ein paar Tagen am Netz klingt die Vorstufe dann wirklich besser, wie auch jede (!) von MBL, das ist einfach so. Ich vermute, dass Regler und ICs bei Betriebstemperatur von ca. 40 Grad einfach besser laufen.

      Ein zweites Problem war (und ist), dass so ein NE 5534 N im Ausgang nicht ideal ist, um lange Kabel zu treiben. Da hätte man besser im Ausgang eine kleine Class-A Ausgangsstufe spendiert (wie Restek das ja auch macht). Die beiden Punkte zusammen haben sicher dazu geführt, dass die Vorstufe nicht den erhofften Erfolg brachte, und so wurde das Experiment recht schnell eingestellt. Aber das Design ist halt ungewöhnlich, weshalb es viele Liebhaber gibt, die sich ein Exemplar auch gerne mal so hinstellen, auch im Ausland (in China ist deutsches HiFi inzwischen ein Sammelobjekt). Und ich muss zugeben, dass der Aufbau wirklich durchdacht ist, und das Ding vom Design her heraussticht.

      Michael

      Dieser Beitrag wurde bereits 12 mal editiert, zuletzt von „kugel-balu“ ()

    • Benutzer online 7

      7 Besucher