Hohner Orgaphon 25MH

      Guten Abend Zusammen,

      zwar kein Saba, aber immerhin ebenfalls aus dem Schwarzwald und ähnlicher Güte deutscher Präzisionsarbeit steht nun ein Hohner Orgaphon 25MH vor der Reparatur auf meinem Arbeitstisch. Das Gerät präsentiert sich leider in desolatem Zustand und noch viel schlimmer als der optische Zustand ist der der Technik. Abenteuerlichste Bastelarbeiten im Netzteilbereich begrüßten mich gleich nach Öffnung des Geräts: der Spannungswahlschalter ist wohl defekt gewesen und der Netzschalter ebenfalls.
      Ich liefere erst einmal ein paar Bilder, bevor ich weiter fortfahre:

      der Endstufenteil samt Netzteil


      die Vorstufe


      der Netzschalter


      der Spannungswahlschalter


      Dieser hing einfach so "as is" im Gerät, Wahnsinn??
      Desweiteren sind ein paar Drähte, deren Zuordnung es zu finden gilt, abgerissen.
      Den Schaltplan habe ich direkt bei Hohner gefunden und ihn sogleich im Downloadbereich des Forums hochgeladen: unter Geräte und dem Buchstaben H dürfte dieser bald für alle zur Verfügung stehen.
      Aufgrund der soliden und recht übersichtlichen Bauweise hoffe ich den Verstärker wieder zum Leben Erwecken zu können. Dazu jedoch werde ich sicher den einen oder anderen fachmännischen Hinweis von Euch benötigen.
      Gruss, Ivica, harter Knochen - weiche Birne.
      Vielen Dank für Eure Aufmunterung!
      Sie kommt zur rechten Zeit. Nun steht dieser Schrotthaufen seit Tagen unberührt auf dem Schreibtisch (arbeitsbedingt kam ich nicht weiter) und ich weiss nicht so recht wie ich anfangen soll. Je länger ich daraufschaue, desto aussichtsloser erscheint mir das Vorhaben.
      Ich weiss, wie gut der Amp klingen kann, aber die haarsträubende Bastelei daran erschwert das Projekt einer vernünftigen Revision.
      Ich werde nach den Reinigungsarbeiten mit dem Netzteil anfangen.
      Der Ersatz des Spannungswahlschalter steht als Erstes an. Habt Ihr dazu einen Tip, welchen ich hier verwenden sollte? Hier hat man 4 Einstellungen: 110V/130V/220V/240V.
      So einen Schalter wird es als Neubauteil wohl nicht geben?
      Gruss, Ivica, harter Knochen - weiche Birne.
      Hallo Ivica,

      ich denke das ist schon ein schönes Gerät, bei welchem sich eine Wiederbelebung lohnt. Leider ist das SB noch nicht im Downloadbereich angekommen.

      Aber ich vermute, dass die Endstufe mit 2xEL84 bestückt ist und mit ihren ca. 15 Watt eine mit dem Freiburg WIII vergleichbare Power an die Tüten abgeben sollte.

      Den Spannungswähler würde ich einfach weglassen und dafür eine Lötösenleiste am Netztrafo anbringen auf welcher die Drähte für die einzelnen Netztspannungen aufgelegt sind - falls wirklich einmal ein Netzspannungswechsel erforderlich sein sollte, wäre da nur der netztspannungsführende Draht umzulöten.

      Die Sicherung auf der Hutschiene ist sicherlich auch nicht original; dieses Problem kann man bestimmt eleganter lösen.

      Auch der Nachttischlampenschalter sieht nicht besonders überzeugend aus und sollte durch einen zweipoligen "Tastennetzschalter" ersetzt werden; diesen kann man bestimmt bei Bürklin bekommen.

      Sonst sieht das Teil doch noch recht passabel aus und ich denke, dass es bei einer Neubelebung zu keinen unüberwindlichen Problemen kommen sollte. Bei einknickender Motivation, kannst du dich ja hier wieder "Auffrischen" lassen.

      Vielleicht wäre ein Foto von der Verdarahtungsseite der Endstufe recht hilfreich - so könnte man sich dann auch ein plastisches Bild von weiteren möglichen Verbastelungen machen.

      Also nicht schwächeln, einfach frisch ans Werk...

      Nachtrag: Die Vorstufenbaugruppe sieht recht gut aus und es könnte sein, dass noch nicht einmal die Kondesatoren getauscht zu werden brauchen - denn diese gelben Philips "Dinger" gelten bisher als recht stabil und langlebig.

      Es ist lediglich zu ergründen, weshalb der eine Widerstand, auf dem Bild recht oben zu sehen, zu viel "Sonne" abbekommen hat.
      Freundliche Grüsse, sagnix
      Hallo Peter,

      der SP ist bereits im Downloadbereich einsehbar:
      http://download.magnetofon.de//index.php?&direction=0&order=&directory=Geraete/H
      (ganz nach unten scrollen)

      Dein Vorschlag mit der Lötleiste klingt überzeugend, so werde es machen.

      Hier die Bilder von der Endstufe und ihrer Verdrahtung







      Auf dem Netztrafo ist eine Lötleiste mit einer Kitt ähnlichen Masse angebracht.
      Das sieht sehr improvisiert aus und vermutlich erst nachträglich hingefummelt worden. Der 3K/6W Widerstand mit der Drahtumwickelung scheint defekt zu sein, zumindest ist der haardünne Draht unterbrochen. Wodurch kann ich diesen ersetzen?

      Gruss, Ivica, harter Knochen - weiche Birne.
      deltamike55 postete

      Hallo Peter und Interessierte,

      auf der Hohner Homepage steht das Schaltbild zur freien Verfügung. Hier kann man auch noch ganz andere interessante Verstärkerschaltbilder finden.

      http://www.hohner.eu/index.php5?1537

      Gruß, Dieter


      Es spricht schon sehr für die Firma Hohner, all die Schaltpläne der Öffentlichkeit derart übersichtlich zugänglich zu machen. Respekt!

      Nachtrag: die Hallspirale ist nicht mehr vorhanden.
      Gruss, Ivica, harter Knochen - weiche Birne.
      Hallo Iciva,

      ich habe mir jetzt das SB einmal angesehen. Die Jungens haben entgegen meiner Vermutung PL84 als Endröhren verwendet - über den möglichen Grund werde ich noch nachdenken - aber wer kann schon immer die Gedanken der Entwickler nachvollziehen. Vielleicht stand da mal eine Palette mit davon im Weg, oder er hatte die Idee aufgrund des niedrigeren Raa weniger Windungen des AÜ verwenden zu müssen, wodurch sich geringere Wicklungskapazitäten realisierbar sind.

      Auf jeden Fall bekommt man diese Röhren zu einem geringeren Kurs als die EL84 aber das wirst du bestimmt schon gesehen haben, da dir BTB nicht unbekannt ist.

      Das Endstufen-Chassis hat schon einige Korrosionserscheinungen aber die lassen sich schon noch beheben. Nur kann man bei diesem Gerät nicht so richtig die Schwarzwälder Präzision erkennen; die Verdrahtung sieht etwas nachlässig aus. Auch die Befestigung des Netztrafos kommt mir nicht so überzeugend vor - ob das so original ist?

      Das dürfte jedoch kein Hindernis für die anstehende Instandsetzung bedeuten. Ist denn auch die Hallspirale zu diesem Gerät noch vorhanden? Der Vibrator verfügt schon über eine für seine Zeit recht bemerkenswerte Schaltungstechnik - da wurde wohl einer der ersten "Optokoppler" installiert.

      Ich wünsche dir viel Erfolg bei dem Vorhaben....
      Freundliche Grüsse, sagnix
      Hallo Peter,

      Du wirst schon Recht haben! Da wird mal eine Palette mit PL84 vom LKW gefallen sein und mußte verwertet werden. Für die Kleinstserien von Hohner reichte die allemal.
      PS.: Ich ersetze abgenudelte ECL86 auch durch PCL86 - kaskadierte Heizspannung - . Die gibts für einige Cent.
      Gruß Heino - der Unkaputtbare
      Heute habe ich mich wieder an den Hohner herangewagt.
      Die Lötleisten (unterlegt mit Hartpapier zur Isolation) wurden angebracht.

      Hier fehlt noch der 3K/6W



      der Spannungswahlschalter:



      Hier fängts nun mit den Fragen an:
      Wie ist die Zuordnung der Verkabelung primärseitig des Netztrafos?
      Ist die Farbgebung genormt?
      Gruss, Ivica, harter Knochen - weiche Birne.
      Hallo Ivica,

      die Anschlussfarben bei Netztrafos sind nicht wirklich genormt. Du kannst aber die Anschlüsse ermitteln, indem du z.B. an die Heizwicklung (sie erkennt man am dicken Draht - ist aber in deinem Fall, Trafo noch eingebaut, ohnehin an der Verdrahtung erkennbar). An diese Heizwicklung legst du dann von einem anderen Trafo die 6,3V an. Jetzt kannst du mit deinem Voltmeter die Spannungen an den Anzapfungen der Netzwicklung messen und entsprechend zuordnen. -- Bei den Messungen ist zu beachten, dass die Voltmeter-Anschlüsse immer zuverlässig kontaktiert sind, denn bei den heutigen hochohmigen Messgeräten können sonst unsinnige Werte angezeigt werden.

      Wegen der Netztverbindung an diesen Punkten, solltest du auf eine besonders gute Isolation zum Kern achten und die Pertinax Isolierstreifen nicht zu dünn wählen...
      Freundliche Grüsse, sagnix
      Hallo Peter,

      ich habe 1mm dickes (dünnes) Hartpapier zur Isolierung gewählt.
      Ich hoffe das ist i.O. so?

      Bzgl. des Messaufbaus will ich lieber nochmals nachfragen, bevor ich loslege:

      die markierten Leitungen stellen die Heizwicklung dar?
      Diese löte ich ab und führe 6,3V Wechselspannung zu (über meinen Trenntrafo z.B.) ok?
      Und wo genau bringe ich beide Strippen meines Multimeters zur Messung an?

      Gruss, Ivica, harter Knochen - weiche Birne.
      Hallo Ivica,

      1. Teilantwort: Ja die grün eingekreisten pins sind die Heizung für die PL84 und geben 15Volt ab. Wenn du dort die Spannung vom Trenntrafo einspeist ist das ok - der Absolutwert der Spannung ist egal, sollte aber die im normalen Betrieb anliegende Nennspannung nicht überschreiten; in diesem Fall 15Volt.

      2. Teilantwort: Du speist über deinen Trenntrafo etwa 8....max. 15V in die grüne 15V Heizwickklung ein (kleine Spannungen lassen sich mit dem Trenntrafo nicht besonders feinfühlig einstellen; ist aber eh nicht so wichtig) und misst dann mit deinem Multimeter bezogen auf den unteren Trafoanschluss, welcher am Netztschalter lag die an den einzelnen Anzapfungen anstehenden Spannungen - so kannst du sie dann den entsprechenden Netzspannungen zuordnen.

      Wenn du an der Heizwicklung exakt 15V einstellst entsprechen die anstehenden Spannungen in etwa den angegebenen realen Netzspannungswerten.

      Freundliche Grüsse, sagnix
      Und hier mein Ergebnis (Röhren gezogen):
      Ich habe wie Du, Peter, mir angeraten hast ca. 15V Wechselspannung über die Heizwicklung eingespeist und Folgendes messe ich:



      kann ich nun davon ausgehen
      a) der Netztrafo hat keinen Defekt
      b) die Spannungen von links nach rechts sind wie folgt:

      240V - 220V - 130V - 110V?
      Gruss, Ivica, harter Knochen - weiche Birne.
      Hallo Ivica,

      a) der Trafo scheint ok. zu sein; natürlich lässt sich ein Windungsschluß trotz der guten Ergebnisse nicht 100% ausschließen - ist aber eher nicht zu erwarten. Der Trafo zeigt keine Hinweise auf übermässige Erhitzung, daher brauchst du dir keine Sorgen zu machen.

      b) genau so ist es: Du hast die richtigen Anschlüsse gefunden und sie auch passend zugeordnet - so kannst du den Trafo bedenkenlos in Betrieb nehmen.

      Anmerkung: Es sieht so aus, als wäre der Trafo bei den Messungen nicht ganz im Leerlauf betrieben worden - irgendwo hing da noch eine "heimliche" Belastung. Sonst hätten die Spannungen etwas höher ausfallen müssen.

      Auf jeden Fall solltest du den Verstärker allmählich über den Stelltrafo "hochfahren" und dabei beobachten, wie sich die Spannung an den Elkos verhält. Dabei ist zu beachten, dass die höhere Anodenspannung (300V) mittels Verdopplerschaltung gewonnen wird. Das Netzteil ist keine alltägliche Schaltungsvariante.

      Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg...
      Freundliche Grüsse, sagnix